| Es kommt vor, dass das Futter nicht richtig verdaut wird. Das bedeutet,
dass sich der Kropf des Nestlings nicht in der üblichen Zeit leert.
In diesem Fall ist es wichtig die Verdauung zu unterstützen. Sie
sollten dem Nestling etwas Kümmeltee z.B. mit einer Einwegspritze
ohne Kanüle einflößen. Der Tee muss nur ca. eine Minute
ziehen, sonst kann er zu stark werden. Er darf nicht heißer als 38-40
°C sein!
Als meine Altvögel falsch gefüttert haben und es ständig
zu Verdauungsproblemen kam habe ich Kümmeltee gegeben, teilweise
auch mit Kamillentee (im Verhältnis 1:1 oder 2: 1) vermischt.
Den Tee habe ich aus der Apotheke. Alternativ kann man auch Verdauungstee
für Säuglinge aus dem Supermarkt verwenden. Er enthält
Kümmeltee,
Kamillentee, Fencheltee und Anistee.
Zusätzlich habe ich etwas Traubenzucker und Lactobazillen
(PT-12 oder Bene Bac) dazugegeben. Alternativ zum Traubenzucker kann Honig
gegeben werden.
Hinweis: Traubenzucker und Honig sollten
bei durch eine Hefepilzinfektion oder GLS verursachte Verdauungsstörung
nicht gegeben werden.
Häufig musste ich nach ca. einer Stunde nachfüttern, dann
war nach einiger Zeit alles wieder alles in Ordnung. Manchmal habe ich
der Mischung noch ganz wenig Handaufzuchtfutter hinzugegeben, so
dass die Flüssigkeit etwas gebunden wurde und der Vogel mehr Nährstoffe
erhielt.. Das kann die Verabreichung bei ungeübten Haltern gegebenenfalls
etwas vereinfachen.
Sollte dies nicht helfen die Verdauung zu fördern und das Futter
sich mehr als 24 Stunden im Kropf halten, sollte mit einem Fachtierarzt
abgeklärt werden, ob der Kropf mittels Kropfsonde geleert werden muss.
Die Kropfsonde wird in den Kropf eingeführt und das Futter vorsichtig
herausgeholt. Wenn Sie noch keine Erfahrung damit haben sollten Sie dies
einem vogelkundigen
Tierarzt oder erfahrenem Züchter überlassen und sich den
Vorgang zeigen lassen.
Ist der Kropf leer können Sie wieder etwas Kümmeltee füttern,
eventuell mit Amynin® zugesetzt, um dem Nestling
wieder etwas Energie zuzuführen. Amynin® enthält
neben Glucose und B-Vitaminen, die stärkend wirken u.a. auch Elektrolyte,
die wichtig sind, wenn der Nestling viel Flüssigkeit, z.B. bei Durchfall,
verliert.
Nach der ersten oder der zweiten Gabe Tee können Sie wieder etwas
zufüttern oder ihn bei Naturbruten wieder zu den Elternvögeln
zurücksetzen und sei füttern lassen. Dabei sollten Sie die Nestlinge
gut beobachten, damit die Eltern die neue Nahrung nicht zu spät gegeben.
Je jünger der Nestling desto eher muss wieder zugefüttert werden.
Bei Naturbruten sollten Sie gut beobachten, ob die nächste Fütterung
durch die Eltern gut verdaut wird. Falls nicht empfiehlt es sich den oben
beschriebenen Vorgang zu wiederholen und dann nach der Leerung des Kropfes,
genau wie bei notwendigen Handaufzuchten,
erstmal mit der Fütterung eines dünnflüssigen Futterbreies
(Handaufzuchtfutter) per Hand zu beginnen.
Beobachten Sie, ob der Nestling wieder von den Eltern angenommen wird.
Es kann vorkommen, dass sich die Eltern bei ihrer Brut zu sehr gestört
fühlten und sich erst spät oder in wenigen Fällen auch gar
nicht mehr um den Nachwuchs kümmern. Leider sind die genannten Maßnahmen
und eine solche Störung aber erforderlich, da die Jungvögel sonst
auch keine Überlebenschance hätten.
Sollte es ständig zu Verdauungsproblemen kommen könnte man
es eventuell mit verdauungsfördernden Medikamenten versuchen. Dies
sollten Sie mit ihrem Fachtierarzt
besprechen. Dabei ist auch abzuklären, ob eine Krankheit (z.B. eine
Infektion) hinter den Verdauungsstörungen steckt.
Wenn eine falsche Fütterung der Alttiere Schuld an dem Problem
ist sollten Sie vielleicht eine Handaufzucht
in Erwägung ziehen. Meine Küken haben das Futter der Eltern nicht
vertragen, eines ist daran gestorben. Ich habe das zweite anfangs immer
mal wieder zu den Eltern zurückgesetzt, musste danach aber jedesmal
verdauungsfördernde Maßnahmen ergreifen (Kümmeltee, Kropfmassage...).
Es wurde jedesmal zuviel gefüttert und konnte außerdem dem Futterbrei
nicht verdauen, was wiederum auch zu dauerhaften Kotveränderungen
führte.
In diesem Fall war es leider notwendig, das Küken zur Handaufzucht
rauszunehmen, zum Leidwesen der Elternvögel, die es ständig gesucht
haben und nach ihm riefen als auch zu meinem eigenen Leidwesen, weil eine
Handaufzucht ab dem Alter von 3 Tagen wirklich sehr anstrengend ist, besonders
wenn das Kleine krank ist. Küken und Eltern haben es aber geschafft,
das Kleine ist inzwischen erwachsen, nach einigen Monaten vollständig
resozialisiert und in seine Gruppe integriert.
Tees, die Sie verwenden können:
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Kümmeltee
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Kamillentee
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Anistee
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Fencheltee
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Mischung aus verschiedenen Tees, z.B. Kümmeltee und Kamillentee
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Verdauungstee für Säuglinge (Mischung aus Kümmel, Kamille,
Fenchel und Anis)
Lactobazillen zur Förderung der Verdauung:
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