Zuchtprobleme: Spreizbeine

 
Gelegentlich kommt es vor, dass sich die Beine bei einem Nestling sich nicht normal entwickeln, sondern ein oder beide Beine vom Körper abgespreizt (ausgestreckt) sind. Dabei handelt es sich um sogenannte Spreizbeine. Spreizbeine müssen behandelt werden, da sie nicht von alleine wieder in die richtige Stellung wachsen.

Werden Spreizbeine nicht (rechtzeitig) behandelt, wird der betroffene Vogel immer Schwierigkeiten beim Laufen und Sitzen haben oder dies für ihn sogar völlig unmöglich sein.
 
 
Meistens hängt diese Fehlentwicklung damit zusammen, dass der Nestling zu wenig Halt im Nest hat und mit den Beinen abrutscht. Das ist z.B. nicht selten der Fall, wenn nur ein Junges geschlüpft ist und keinen Halt bei Geschwistern findet oder bei Handaufzuchten, wenn z.B. die Unterlage in der Schale in der Aufzuchtbox zu glatt ist.

Auf dem Foto, das freundlicherweise von Bianca Andris zur Verfügung gestellt wurde, sehen Sie ein Ziegensittichküken mit Spreizbeinen. Das linke Bein ist zur Seite abgespreizt, der Küken sitzt nicht im Nest, sondern liegt auf dem Bauch und versucht sich mit ausgestreckten Flügeln zu halten. Auch das rechte Bein ist betroffen. Dieses Küken ist aus einer Naturbrut ohne Geschwister.

Spreizbeine beim Ziegensittichküken
Foto © Bianca Andris

 
Rechts das selbe Küken aus anderer Perspektive. Deutlich kann man rechts das abgespreizte Bein sehen. Auch das Bein, das vom Körper zum größten Teil verdeckt wird, ist abgespreizt.

Je schneller Spreizbeine erkannt und behandelt werden, desto schneller kann die Fehlstellung korrigiert werden und desto besser sind die Erfolgsaussichten auf eine spätere gesunde Beinhaltung. Unbehandelt wird der Vogel immer mit Beinbehinderungen leben müssen, denn man kann nur solange eingreifen, wie die Beine noch wachsen.
 

Ziegensittichküken mit Spreizbeinen
Foto © Bianca Andris

Therapie:
Während der Behandlung werden die Beine wieder in ihre Ausgangsstellung gebracht und zusammengehalten. Dafür gibt es verschiedene Methoden:
 
 
1. Mullbinde

Die Spreizbeine werden in die normale Stellung gebracht und mit einer dünnen Mullbinde fixiert. Hierbei muss sehr gut darauf geachtet werden, dass die Binde richtig sitzt und die Beine nicht eingeschnürt werden!

Bei diesem Ziegensittich wurden die Beine mit einer solchen Mullbinde fixiert. Wie auf dem Foto zu sehen können sehr aktive Nestlinge die Mullbinde durchaus wieder herunterreißen. Deshalb muss die Binde gut befestigt sein und man sollte beobachten, ob sie hält.

Behandlung der Spreizbeine mit einer Mullbinde beim Ziegensittichküken
Foto © Bianca Andris

2. "Ring-Methode"
Einige Züchter versuchen es auch mit geschlossener Beringung an einem Fuß und einem offenen Ring am anderen Fuß. Mit Hilfe eines dünnen Stabes, z.B. eines Zahnstochers kann ein Bindfaden durch die Ringe geführt werden und diei Beine in ihrer natürlichen Stellung (bzw. etwas weiter) fixiert werden.*

Die Fixierung muss täglich überprüft werden und ggf. alle zwei Tage erneuert werden, um Einschnürungen, Scheuerstellen etc. zu vermeiden und den Heilungsverlauf zu kontrollieren. Während der Behandlung sollten die Jungvögel auf Froteetücher gesetzt werden, da diese einen guten Halt bieten. Man muss aufpassen, dass Spreizbeine natürlich wachsen und sich nicht O-Beine entwickeln. Die Bandage darf also nicht zu eng sein.
 

3. "Trichter-Methode"
Bei sehr ängstlichen Jungvögeln, bei denen keine Bandage angelegt werden kann, kann man auch versuchen, sie in einen Trichter zu setzen, der mit Frotteetüchern ausgelegt wurde oder eine Schale, die so mit Frottteetüchern ausgelegt wurde, dass sie sich etwas nach unten verengt. So werden die Beine automatisch in die normale Stellung gebracht.

Die Behandlung tut den Vögeln nicht weh, wenn man darauf achtet die Beine nicht einzuschnüren. Man kann die Behandlung mit der Gabe von Mineralien, besonders Calcium, unterstützen.

Wer keine Erfahrung hat und sich nicht sicher ist, wie er die Beine am besten fixiert, sollte sich erst an einen Fachtierarzt wenden, der zeigt wie es richtig funktioniert.
 

Vorbeugend sollten auch unbefruchtete Eier bei einem geschlüpften Nestling im Nistkasten gelassen werden, damit er ausreichend Halt findet. Alternativ können Kunststoffeier verwendet weren (z.B. auch dann, wenn nur ein Ei gelegt wurde oder heil geblieben ist). Bei notwendigen Handaufzuchten sollte immer eine nicht zu glatte Unterlage verwendet werden, z.B. Frotteetücher oder Einstreu.



* siehe auch: Doris Geißler: Spreizbeine,  Papageien, 7/2000, S. 237
Seiten-Adresse: http://www.sittich-info.de/zucht/zuchtprobleme/spreizbeine.html


Copyright Text: © www.sittich-info.de
Copyright Fotos © Bianca Andris, vielen Dank :-)
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