Laufsittiche (Cyanoramphus)

 

 
Zur Gattung der Laufsittiche gehören:  

 
Lebensraum:
Die Heimat der Laufsittiche ist Neuseeland und seine umliegenden Inseln (Neukaledonien, Norfolkinsel, Auchklandinseln, Antipodeninseln, Chathaminseln). 

Sie werden auch "Kakariki" genannt, dies bedeutet "kleiner grüner Papagei" in Maori.

Sie leben im Wald, auf den baum- und strauchlosen Inseln leben sie auf dem Boden, was eine Besonderheit bei Sittichen ist. Dort scharren sie, ähnlich Hühnern, nach Nahrung, eine Eigenheit, die auch in menschlicher Haltung erhalten geblieben ist. Die bei uns in Europa gehaltenen Arten Ziegensittich und Springsittich scharren ebenfalls mit den Füßen sowohl auf dem Boden als auch in den Futternäpfen nach Futter.
 
 

Beschreibung:
Laufsittiche sind ca. 23-30 cm groß. Die Grundfarbe des Gefieders ist grün (s. Foto, rechter Springsittich). Es gibt keinen großen Geschlechtsdimorphismus, das heißt, dass Männchen und Weibchen kaum voneinander zu unterscheiden sind.

Ziegensittich und Springsittich
links: Ziegensittich-Mutation 
rechts: wildfarbener Springsittich
Meist besitzt das Männchen einen größeren Kopf und einen größeren Schnabel als das Weibchen, aber es gibt auch "zartere" Männchen und größere Weibchen. Häufig können erfahrenere Halter die Geschlechter aber recht gut unterscheiden.

Laufsittiche können sehr gut klettern. Im Unterschied zu den meisten anderen Sitticharten benutzen sie hierfür nicht ihren Schnabel als Hilfe.

Laufsittiche sind allgemein sehr neugierige Vögel, die meist schnell zutraulich werden. Ihre Stimme ist meckernd und im Vergleich zu vielen anderen Sitticharten vergleichsweise leise. Dennoch können sie bei Aufregung auch lauter meckern.
 
 

Haltung:
Ziegensittich und Springsittich können problemlos in einer Außenvoliere mit anschließendem Schutzraum gehalten werden. 

Bei der Innenhaltung müssen einige Punkte berücksichtigt werden. So benötigen Laufsittiche wegen ihrer großen Aktivität im Haus sehr viel Freiflug und Beschäftigung. Es sind keine Vögel, die tagsüber in Käfigen gehalten werden können, da sie viel zu temperamentvoll hierfür sind und darunter leiden würden. Das Zimmer sollte gut auf mögliche Gefahrenquellen hin geprüft werden, da sie alle Höhlungen und Gegenstände untersuchen. Wenn Tür oder Fenster nicht geschlossen sind machen sich Laufsittiche schnell selbständig. Im besten Fall fliegen sie nur in ein anderes Zimmer, um sich dort umzusehen. Vor Jahren habe ich einen meiner Springsittich beispielsweise in der offenen Waschmaschine sitzend wiedergefunden. Diese war zum Glück leer und nicht in Gebrauch.

Diese Sittichgattung zeichnet sich durch ihre große Aktivität und ihren Bruttrieb aus. Beides kann besonders bei der Innenhaltung zu Problemen führen. Häufig können Halter ihren Sittichen nicht ausreichend Freiflug geben, weil sie tagsüber arbeiten und das Zimmer nicht vogelsicher ist.
Dazu kommt die hohe Brutlust eines harmonisierenden Laufsittichpärchens, die meiner Erfahrung nach in Innenhaltung oft höher ist als in der Außenhaltung, möglicherweise deshalb, weil sie nicht von den Jahreszeiten (Licht, Temperatur) beeinflusst wird und weniger Ablenkung durch äußere Eindrücke wie z.B. Wildvögel oder Geräusche vorhanden ist. Gerade Laufsittiche sind meiner Erfahrung nach vergleichsweise häufig von Legenot betroffen, nicht wenige Hennen sterben daran.

Ziegensittich und Springsittich sollten mindestens paarweise, besser in der Gruppe gehalten werden, da der Hahn die Henne nicht selten sehr stark bedrängt und nicht selten regelrecht jagt. Dies wird besonders häufig beim Ziegensittich beobachtet. In der Gruppe verteilt sich die Energie der Hähne offensichtlich besser, vorher aggressive Hähne sind in der Gruppe meist ruhiger. Laufsittiche sollten auch immer als echtes Paar gehalten werden, da sich zwei Hähne oft nicht verstehen und zwei Hennen ihren natürlichen Bruttrieb nur notdürftig ausleben können.

Laufsittiche benötigen viel Abwechslung, z.B. viele Klettermöglichkeiten wie z.B. Leitern, Äste oder Seile.  Diese Sittichgattung badet übrigens sehr gerne und zieht dies manchmal auch dem Beregnen vor. Eine Badeschale mit frischem Wasser sollte deshalb täglich zur Verfügung stehen.
 
 

Ernährung:
Laufsittiche fressen außer dem üblichen trockenen Körnerfutter (z.B. Großsittichfutter ohne Sonnenblumenkerne und ohne Erdnüsse, auch mit Wildsamen, Grassamen oder halbreifen Sämereien angereichert) sehr gerne Obst, Gemüse, Beeren und Grünfutter. Auch Keimfutter und Eifutter wird normalerweise gerne angenommen. In der Natur nehmen die Sittiche auch Insekten und Larven auf, die in menschlicher Haltung meist durch tierische Proteine wie Eifutter und / oder getrocknete Insekten (Garnelen) oder Ameiseneier (getrocknet oder tiefgefroren), gelegentlich auch frischen Magerjoghurt oder Magerquark ohne Geschmack ersetzt werden.

Im Vergleich zu einigen anderen Sittichgattungen gibt es bei den Laufsittichen kaum "Obstverweigerer". Der Speiseplan sollte durch Grit, Gritstein, Jodkalkstein und frische Knabberzweige ergänzt werden. Knabberzweige dienen auch der Beschäftigung und der Versorgung mit Mineralstoffen.
Kolbenhirse sind ebenfalls gerne gesehene Leckereien. Kräcker und Co. sollten, wenn überhaupt, nur selten angeboten werden, da sie dem normalen Körnerfutter meist vorgezogen werden und sehr kalorienreich sind.
Grünfutter, Keimfutter und Eifutter sollten bei privater Haltung ohne Zuchtabsichten nur gelegentlich und in Maßen gegeben werden, da diese Nahrung den Bruttrieb verstärken kann.

Um den Sittichen das "Scharren" besser zu ermöglichen eignen sich breite flache Keramikschalen besser als Futternäpfe als Futterautomaten oder kleine Hängenäpfe.

Ziegensittiche halten sich gerne auf dem Boden auf
Laufsittiche halten sich gerne auf dem Boden 
auf und suchen dort nach Nahrung.

 

Medizin:
Ziegensittiche und Springsittiche sind vergleichsweise anfällig für Lebererkrankungen und Schockmauser und leiden aufgrund ihres Bruttriebes vergleichsweise häufig an Legezwang und Legenot
 
 

Zucht:
Die Zucht von Ziegensittichen und Springsittichen ist bei einem harmonisierenden Paar sehr einfach. Meist reicht es, einen geeigneten Nistkasten aufzustellen. Der Bruttrieb kann durch einen größeren Anteil von Grünfutter, Eifutter und Keimfutter im Speiseplan gefördert werden.

Viele Ziegensittiche oder Springsittiche brüten in privater Haltung ohne Zuchtabsicht, vor allem in Innenhaltung (Haus, Wohnung), auch in Ersatzhöhlen oder legen die Eier notfalls auch außerhalb einer Höhle ab, z.B. auf dem Volierenboden.

Das Gelege besteht normalerweise aus ca. 4-6 Eiern, bis zu 8 Eier sind nicht selten. Einige Ziegensittich- und Springsittichhennen verwenden Bauchfedern als Polsterung für ihr Nest. Andere nehmen Hobelspäne an, wieder andere scharren Bodenbelag wieder aus der Nisthöhle.

Das Weibchen brütet alleine und wird vom Männchen gefüttert. Die Brutzeit dauert durchschnittlich ca. 20 Tage, die Nestlingszeit ca. 35 Tage. Nach ungefähr 2-3 Wochen sind die Jungvögel selbständig. Die Jungvögel der meisten Arten ähneln sehr den Altvögeln, ihr Gefieder ist matter gefärbt. Nur die Jungvögel des Rotbauchsittichs unterscheiden sich farblich von den Altvögeln, ebenso die der Rotscheitelsittiche (Unterart des Blaustirn-Rotschwanzsittichs), deren Jungvögel noch keinen roten Scheitel besitzen. 
Nicht selten wird nach dem Ausfliegen der Jungvögel mit einer zweiten Brut begonnen. Viele Züchter empfehlen nicht mehr als diese 2, maximal 3 Bruten im Jahr zuzulassen und die Jungvögel frühestens 4 Wochen nach dem Ausfliegen abzugeben.

Nistkastenkontrollen sind normalerweise unproblematisch.

Viele Züchter beklagen, dass es vermehrt zu Mischlingen zwischen Ziegensittich und Springsittich gekommen ist und es teilweise schwierig ist artreine Sittiche zu bekommen. Da sich die Mischlinge (Hybriden) äußerlich nur wenig von den artreinen Sittichen unterscheiden können selbst Fachleute sie schwer unterscheiden. Solche Mischlingszuchten sollten vermieden werden, um den Bestand an "echten" Ziegensittichen und Springsittichen zu erhalten.
 
 

Weitere Informationen:
Ausführliche Beschreibungen der einzeln Laufsitticharten und Informationen über Heimat, Freileben, Ernährung, Haltung und Zucht finden Sie im Sittichlexikon
 

Laufsittiche im Internet:
Das Kakariki-Paradise - eine umfangreiche Seite über Laufsittiche
 

Buchtipp:

Seiten-Adresse: http://www.sittich-info.de/sittichlexikon/laufsittiche.html


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