Grassittiche (Neophema)

 
Zur Gattung der Grassittiche gehören:
 
Der Bourkesittich wurde früher ebenfalls zur Familie der Grassittiche gezählt. Da er sich allerdings in einigen Punkten wie z.B. dem Körperbau und der Gefiederfärbung von allen anderen Grassitticharten unterscheidet bekam er Artstatus und gehört somit nicht mehr dazu.

 
 
Schmucksittich, Neophema elegans, Elegant Parrot, Elegant Grass-Parakeet, Prachtparkiet, Elegantparkiet Lebensraum:
Die Heimat der Grassittiche ist Australien. Dort bewohnen sie verschiedene Lebensräume wie mit Büschen und Bäumen bewachsenes Grasland (Glanzsittich, Schmucksittich), hügelige Wald- und Felsregionen sowie Flusstäler (Schönsittich), Strände und Graslandschaften entlang der Küste und auf vorgelagerten Inseln (Goldbauchsittich / Orangebauchsittich) und Felsregionen entlang der Küste und auf vorgelagerten Inseln (Klippensittich). Der Feinsittich ist am wenigsten spezialisiert und lebt deshalb in unterschiedlichen Lebensräumen.

Außerhalb der Brutzeit leben sie paarweise oder in kleinen oder größeren Gruppen von bis zu ca. 100 Vögeln. Während der Brutzeit sind sie meist paarweise oder in kleinen Gruppen zu beobachten. Gebrütet wird in Baumhöhlen oder Astlöchern, Schönsittiche brüten gelegentlich auch in Zaunpfählen. Der Klippensittich brütet in Felshöhlen.

Grassittiche (auf dem Foto: Schmucksittiche) halten sich häufig auf dem Boden auf, wo sie nach Nahrung suchen. Dabei sind sie, ebenso wie auf den Bäumen, auf denen sie in der heißen Mittagszeit ruhen, durch ihre Gefiederfärbung gut getarnt.

  
   
Beschreibung:
Grassittiche gehören mit einer Größe von 20-23 cm zu den kleinen Sittichgattungen. Die Grundfarbe des Gefieders ist grün. Auffällig sind die vergleichsweise großen Augen, die bestens an die Aktivitäten in der Dämmerung angepasst sind. Männchen und Weibchen sind meist unterschiedlich gefärbt, so dass die Geschlechtsbestimmung nicht schwer fällt.
 

Haltung:
In Deutschland werden nur die Arten Feinsittich, Glanzsittich, Schmucksittich und Schönsittich gehalten.

Die Haltung von Grassittichen ist nicht schwer, deshalb sind sie auch für Anfänger in der Haltung geeignet. Sie sind inzwischen akklimatisiert und können deshalb gut in Außenvolieren mit einem frostfreien Schutzraum gehalten werden. Viele Züchter empfehlen beim Schmucksittich und beim Schönsittich einen auf ca. 5°C beheizten Schutzraum.

Einen interessanten Hinweis für Außenvolieren liefert Hans Wissmüller in seinem Erfahrungsbericht über die Haltung von Grassittichen in der Zeitschrift Voliere. Er geht auf die Problematik der Haltung bei zunehmend intoleranten Nachbarn in Bezug auf die Lauststärke der in Außenvolieren gehaltenen Vögel ein. Nicht nur der Volierenbau muss in Deutschland in einigen Kreisen behördlich genehmigt werden, auch die Lautstärke der Vögel, die in diesen Volieren gehalten werden, muss offenbar teilweise nachgewiesen werden. So schreibt Hans Wissmüller, dass Messwerte über Grassittiche fehlen würden. Er zitiert "meisenartiges Gezwitscher" aus der Fachliteratur als einen von den Behörden akzeptierten Vergleich.

Grassittiche eignen sich aufgrund ihrer leisen Stimme und ihres Verhaltens gut für die Haltung in Außenvolieren und Innenvolieren oder wenigstens großen Käfigen mit viel Freiflug. In zu kleinen Käfigen mit wenig Bewegung langweilen sie sich schnell und neigen aufgrund der fehlenden Bewegung schnell zu Übergewicht.

Weil sich Grassittiche häufig auf dem Boden aufhalten und dort auch gerne nach Nahrung suchen empfiehlt sich in Außenvolieren eine regelmäßige (z.B. halbjährliche) Untersuchung des Kots auf Würmer. Die Untersuchung einer Sammelkotprobe vermeidet den unnötigen Einsatz von giftigen Antiparasitika, die den Organismus unnötig belasten würden.

Die Vergesellschaftung von Grassitichen ist artabhängig möglich. Schmucksittiche und Feinsittiche können gut in der arteigenen Gruppe oder mit anderen friedlichen Arten vergesellschaftet werden, z.B. Bourkesittichen, Nymphensittichen oder Prachtfinken. Schönsittiche gelten als die unvertäglichste Art der Grassittiche, sie sollten besser paarweise gehalten werden. Sie können bei ausreichend Platz auch mit Prachtfinken vergesellschaftet werden, sie vertragen sich aber meist nicht mit artgleichen Sittichen oder anderen Papageienvögeln. Auch Glanzsittiche sollten nur paarweise oder bei ausreichendem Platzangebot mit Prachtfinken zusammen gehalten werden.
 

Verhalten:
Grassittiche sind vergleichsweise zurückhaltende Sittiche, die mit etwas Geduld normalerweise zwar zutraulich, aber eher selten richtig zahm werden. Auch ihr Nachahmungstalent ist eher bescheiden.
Sie benötigen viel Platz und sollten mindestens paarweise, besser noch in der Gruppe, gehalten werden, da sie dann aktiver sind. Einzelvögel oder Paare, die vorwiegend im Käfig ohne Freiflug gehalten werden, neigen schnell dazu sich kaum noch zu bewegen und damit zu Übergewicht.

Es sind ruhige Sittiche mit einer angehmen Stimme. Sie nagen wenig und können deshalb gut in einer Holzvoliere mit einem Angebot an Knabbermöglichkeiten, z.B. Zweigen, Gritsteinen, Korkrinde usw., gehalten werden.

Wegen dieser Eigenschaften sind sie gut für private Vogelfreunde ohne Zuchtabsichten und für die Wohnungshaltung geeignet. Auch wenn Sie neu mit der Haltung von Sittichen beginnen möchten können Sie mit einer Grassittichart anfangen, wenn sie sich gut über ihre Ansprüche an die Haltung informieren, z.B. auch in Vogelforen.

Grassittichen sollte zusätzlich zur normalen Voliereneinrichtung auch eine Badegelegenheit zur Verfügung stehen.

Anders als bei Wellensittichen oder Nymphensittichen wird eine soziele Gefiederpflege nicht beoachtet. Die Partner sitzen immer in der Nähe voneinander und unternehmen alles gemeinsam, kraulen sich jedoch nicht gegenseitig.
 

Ernährung:
Grassittiche haben ihren Namen wegen ihrer Nahrung, die vorwiegend aus Grassamen besteht, erhalten.
Das Basisfutter für Grassittiche in unserer Haltung ist eine spezielle Körnermischung, die es im Handel unter dem Namen "Neophemen-Mischung" zu kaufen gibt. Sie enthält größere Samen als Wellensittichfutter, aber kleinere und weniger fetthaltige als Nymphensittichfutter. Fetthaltige Sonnenblumenkerne fehlen, ebenso fetthaltige Erdnüsse und der Anteil an Kardi ist geringer als im Nymphensittichfutter. Alternativ kann man auch Wellensittichfutter (z.B. angereichert mit Grassamen, Wildsamen oder Samen wie Bucheckern) oder Agapornidenfutter (ebenfalls angereichert z.B. mit Gras- oder Wildsamen) anbieten.
Wichtig ist, dass der Fettanteil am Körnerfutter niedrig bleibt, da Grassittiche schnell zu Übergewicht neigen.

Zusätzlich wird das Futterangebot durch Obst, Beeren, Gemüse und Grünfutter ergänzt. Gelegentlich sollten tierische Proteine in Form Eifutter und / oder getrocknete Insekten (Garnelen) oder Ameiseneier (getrocknet oder tiefgefroren) angeboten werden. Ein Teil des Futters kann, besonders bei Züchtern während der Zuchtperiode, als Keimfutter gegeben werden. Da Keimfutter brutstimuliernd wirkt sollten es private Halter ohne Zuchtabsichten nur gelegentlich anbieten. Mineralstoffe, Wetzmöglichkeiten für Schnabel und Krallen sowie Beschäftigung bieten frische ungespritzte Knabbberzweige. Auch Jodkalksteine sowie Gritsteine bieten Wetzmöglichkeiten und fördern die Verdauung des Futters. Sie sollten ebenfalls immer vorhanden sein.
 

Zucht:
Die Zucht gilt - mit Ausnahme des Feinsittichs - als unkompliziert, da es nicht sehr schwierig ist ein harmonisierendes Paar zu finden und weil Grassittiche zuverlässig brüten. Gerne werden Naturstämme aus Weichholz angenommen, aber die Vögel brüten auch in verschiedenen Nistkästen. Viele Züchter bieten mehrere Nistmöglichkeiten an, aus denen die Grassittiche ihren Brutplatz auswählen können. Die Brutzeit beginnt in Deutschland ungefähr im April. Der Familienverband bleibt meist noch einige Zeit lang bestehen, bei aggressiveren Arten wie z.B. dem Schönsittich können sich die Männchen gegenüber ihrem Nachwuchs aber auch aggressiv verhalten, wenn diese selbständig sind. Wenn dies der Fall ist sollten die Jungvögel von den Eltern getrennt werden.

Das Gelege besteht normalerweise aus ca. 4-6 Eiern. Nistkastenkontrollen sind meist unproblematisch. Das Weibchen brütet alleine und wird vom Männchen gefüttert. Die Brutzeit dauert durchschnittlich 18-19 Tage, die Nestlingszeit ca. 30 Tage. Nach ungefähr 2-3 Wochen sind die Jungvögel selbständig. Mit ca. einem halben bis dreiviertel Jahr ausgefärbt und ab ca. 1 Jahr fortpflanzungsfähig.
 

Weitere Informationen:
Ausführliche Beschreibungen der einzelnen Grassitticharten und Informationen über Heimat, Freileben, Ernährung, Haltung und Zucht finden Sie im Sittichlexikon.

Literaturhinweise:


 

Radtke, Georg A.: Grassittiche (Neophema) in: Die Voliere 13, 12 (1990), S. 353-384
Wissmüller, Hans: Erfahrungsbericht über die Haltung und Zucht von Neophema in: Die Voliere 25, 8 (2002), S. 224-256
 
 

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