Edelsittiche (Psittacula)

 
Zur Gattung der Edelsittiche gehören:
 

 
 
Rosenbrustbartsittich, Rosenbrustsittich, Bartsittich, Rosabrüstiger Sittich, Psittacula alexandri , Moustached Parakeet, Roseborstparkiet, Alexander Parkiet
umfärbender Rosenbrustbartsittich
 
Lebensraum:
Edelsittiche sind wie keine andere Sittichart weit verbreitet. Sie leben in Afrika, Asien und auf der Insel Mauritius. Der Halsbandsittich ist die einzige bekannte Art, die auf zwei Kontinenten, nämlich Afrika und Asien, vorkommt. Die genauen Verbreitungsgebiete werden im Sittichlexikon bei jeder Art genannt. So unterschiedlich wie die Heimat, so verschieden sind auch die Lebensräume der Edelsittiche. Einige Arten bewohnen Savannen, andere leben in Feucht- oder Trockenwäldern. Hierauf wird ebenfalls im Sittichlexikon bei jeder Art eingegangen.

Außerhalb der Brutzeit leben sie artabhängig paarweise oder in kleinen Gruppen, gelegentlich sammeln sich größere Gruppen.

Beschreibung:
Edelsittiche unterscheiden sich in ihrer Länge stark. Die Größe variiert von ca. 23 cm bis zu ca. 60 cm. Mit 62 cm ist der Alexandersittich, bzw. die Unterart Andamanensittich, der größte Vertreter. 
Die Grundfärbung des Gefieders ist grün. Typisch sind das Vorhandensein eines schwarzen Bartstreifens und eines schwarzen Nackenbands bei den Männchen aller Arten Charakteristisch sind außerdem die langen abgestuften Schwanzfedern und besonders die stark verlängerten mittleren Schwanzfedern. 

Männchen und Weibchen sind, mit Ausnahme des Rosenbrustbartsittichs, meist unterschiedlich gefärbt, so dass die Geschlechtsbestimmung nach dem Ausfärben nicht schwer fällt.
 

Haltung:
Von den Edelsitticharten werden in Deutschland in privater Haltung ohne Zuchtabsichten wohl, wie  man an den Beiträgen in verschiedenen Foren und Anfragen an Sittich-Info.de sehen kann, vorwiegend der Halsbandsittich und - deutlich seltener - der Pflaumenkopfsittich gehalten. Dabei ist dieser wegen seines Verhaltens und seiner Stimme eigentlich besser für die Wohnungshaltung geeignet als der Halsbandsittich. Er ist leiser und nagt nicht so viel.

Bei Züchtern finden sich außerdem der Alexandersittich, Blauschwanz-Edelsittich, Chinasittich, Langschwanz-Edelsittich, Rosenbrustbartsittich, Rosenkopfsittich (Rosenkopfedelsittich), Schwarzkopfedelsittich und der Taubensittich. Der Graukopfedelsittich und der Echosittich (Mauritiussittich) werden derzeit in Europa nicht gehalten.

Meldepflicht:
Die meisten Edelsitticharten sind meldepflichtig, d.h., dass der Besitz den zuständigen Behörden gemeldet werden muss. NUR der Alexandersittich und der Halsbandsittich sind von der Meldepflicht befreit!

Kennzeichnung:
Die meisten Edelsitticharten werden mit normalen Ringen gemäß Psittakoseverordnung beringt. Eine Ausnahme sind der Taubensittich und der Langschwanzedelsittich, die unter die Regeln der Bundesartenschutzverordnung fallen und deshalb mit speziellen Artenschutzringen gekennzeichnet werden müssen.

Die Haltung von Edelsittichen ist etwas anspruchsvoller als die einiger anderer Sitticharten. Deshalb sollten sich Vogelfreunde vor dem Erwerb sehr gut über die Haltungsbedingungen informieren oder - besser - bereits etwas Erfahrung in der Sittich- oder Papageienhaltung besitzen.

Sie sind inzwischen weitgehend akklimatisiert und können deshalb gut in Außenvolieren mit einem frostfreien bis mäßig warmen Schutzraum (siehe Empfehlung bei den einzelnen Arten im Sittichlexikon)gehalten werden. Bei der Haltung in Außenvolieren ist zu beachten, dass einige Edelsitticharten aufgrund ihrer Größe eine sehr große Voliere benötigen und viele Edelsittiche wegen ihrer Stimme nicht gerade zu den "nachbarfreundlichen" Sitticharten zählen.
Sie eignen sich nicht für die Käfighaltung und unter anderem wegen ihrer Stimme und ihres Nageverhaltens und Lautstärke, teilweise auch wegen ihrer Größe, meist eher wenig für die Wohnungshaltung.

Die Vergesellschaftung von Edelsitichen ist in der arteigenen Gruppe meist problemlos möglich. Einige Arten verstehen sich auch mit anderen friedlichen Sittichen oder Prachtfinken.
 

Verhalten:
Viele Edelsittiche sind vergleichsweise laute Vögel. Einige Arten wie z.B. der Pflaumenkopfsittich oder der Schwarzkopfedelsittich gehören zu den ruhigeren bzw. mittellauten Sittichen. Es ist ratsam, sich vor der Anschaffung Lautstärke und Verhalten bei einem Züchter oder in einem Vogelpark anzusehen, denn selbst "leisere" Sittiche können einem Halter in der Wohnung oder dem Nachbarn einer Wohnung oder Außenvoliere zu laut sein.

Es sind allgemein zutrauliche Sittiche, die teilweise zahm werden können. Ihr Sprachtalent ist begrenzt. Im Vergleich zu den bekannteren Sitticharten wie z.B. Wellensittich und Nymphensittich nagen sie stark bis sehr stark, diese Arten sollten innen in einem Vogelzimmer (z.B. zum Schutz der Möbel, Tapeten und Pflanzen) und draußen in einer Ganzmetallvoliere gehalten werden. Ein großes Angebot an alternativen Nagemöglichkeiten wie frische Zweige und dicke Äste, Gritsteine oder Baumstümpfe sollte vorhanden sein.

Zusätzlich sollte immer eine Bademöglichkeit angeboten werden.

Sie benötigen viel Platz und sollten natürlich wie alle Sitticharten paarweise gehalten werden.

Wegen dieser Eigenschaften sind sie für private Vogelfreunde und für die Wohnungshaltung zumeist eher wenig geeignet. Dies gilt auch für den Halsbandsittich, der im Vergleich zu den anderen Edelsitticharten in privater Haltung in Deutschland relativ weit verbreitet ist. Hierzu erhalten ich seit Jahren immer wieder ähnliche Mails. Halter mit wenig Platz haben nicht selten Probleme mit der Haltung, dazu kommt, dass im Zoohandel - wenn dort Halsbandsittich verkauft werden - den Haltern nicht selten ein gleichgeschlechtliches blutsverwandtes Paar angeboten wird. In diesen Fällen kommt es, wenn die Sittiche beginnen umzufärben, immer wieder zu Aggressionen gegeneinander, vor allem bei Hähnen. Auch die Lautstärke und die Ansprüche an die Haltung (Freiflug, Beschäftigung, Ernährung) werden nicht selten unterschätzt.

Am besten eignet sich vermutlich der Pflaumenkopfsittich für die private Haltung, wie mir auch mehrere Züchter (nicht nur von Pflaumenkopfsittichen, sondern auch andere Edelsittichzüchter) sagten. Er kommt bislang aber eher selten vor, möglicherweise liegt dies an den auffälligeren Farben der Halsbandsittichd, die es in mehreren Mutationen gibt, die diese sowohl für viele Züchter als auch viele Vogelfreunde interessanter machen oder (zusätzlich) auch an der Meldepflicht.

Besonders wenn Sie neu mit der Haltung von Sittichen beginnen möchten würde ich ihnen zunächst eine andere - leisere, weniger nagefreudige und in den Ernährungsansprüchen etwas einfacher zu haltende - Art empfehlen. Ansonsten sollten Sie sich gut über die Ansprüche Ihrer bevorzugten Art an die Haltung informieren, sowohl bei einem Züchter als auch im Austausch mit anderen Haltern z.B. in Vogelforen.
 

Ernährung:
Das Basisfutter für Edelittiche in unserer Haltung ist eine Körnermischung, die es im Handel meist unter dem Namen "Großsittichfutter" zu kaufen gibt. Wie bei allen Sitticharten sollte darauf geachtet werden, dass das Futter nicht zu fetthaltig ist. Der empfohlene Fettanteil variiert, je nachem, ob man seine Sittiche ohne Zuchtabsichten im Haus hält oder - eventuell mit Zuchtabsichten - in einer Außenvoliere. Wer also eine Basiskörnermischung mit relativ vielen Sonnenblumenkernen und Kardi, vielleicht sogar mit Erdnüssen, hat, kann dieses Futter z.B. mit Wellensittichfutter mischen, um den Gesamtanteil an fetthaltigen Saaten zu verringern. Es gibt inzwischen auch Großsittichmischungen, in denen Erdnüsse fehlen und / oder in denen Sonnenblumenkerne stark reduziert sind.

Zusätzlich wird das Futterangebot täglich durch Obst, Beeren, Gemüse und Grünfutter ergänzt. Edelsittiche fressen Obst und Co. normalerweise sehr gerne. Es empfiehlt sich deshalb, täglich einen Napf mit einer Auswahl an Obst und Gemüse anzubieten oder Grünfutter in die Voliere zu hängen. Da Obst, besonders im Sommer, schnell verderben kann, sollte es nicht allzulange stehengelassen werden, wenn nicht alles gefressen wird. Eventuell kann es sinnvoll sein, zweimal täglich Frischfutter anzubieten.

Gelegentlich sollten tierische Proteine in Form Eifutter und / oder getrocknete Insekten (Garnelen) oder Ameiseneier (getrocknet oder tiefgefroren) angeboten werden, besonders während der Mauser oder vor und während der Brut. Ein Teil des Futters kann, besonders bei Züchtern während der Zuchtperiode, als Keimfutter gegeben werden. Da Keimfutter (ebenso wie Eifutter) brutstimuliernd wirken kann sollten es private Halter ohne Zuchtabsichten nur gelegentlich anbieten. Mineralstoffe, Wetzmöglichkeiten für Schnabel und Krallen sowie Beschäftigung bieten frische ungespritzte Knabbberzweige. Auch Jodkalksteine sowie Gritsteine bieten Wetzmöglichkeiten und fördern die Verdauung des Futters. Sie sollten ebenfalls immer vorhanden sein.
 

Zucht:
Die Zucht gilt - mit Ausnahme des Schwarzkopfedelsittichs - allgemein als nicht besonders schwierig. Beim Schwarzkopfedelsittich scheint es schwieriger zu sein ein harmonisierendes Paar zu finden, ebenso beim Chinasittich.

Edelsittiche sind im Vergleich zu anderen Sitticharten relativ spät fortpflanzungsfähig. Normalerweise wird mit ihnen erst im zweiten oder dritten Lebensjahr gezüchtet.

Als Brutplatz werden sowohl Nistkästen als auch Naturstämme (letztere sind besonders bei den großen Arten empfehlenswert) angenommen.

Der Beginn der Brutzeit in Deutschland ist unterschiedlich. Während einige Arten schon frühzeitig im Jahr eine Brut anfangen können, beginnen andere Arten im April / Mai oder sogar etwas später mit der Brut. Ein Züchter kann den Zuchtbeginn mit Hilfe des Futters (größeres Angebot von brutstimulierendem Futter wie z.B. Eifutter, Keimfutter und Grünfutter) auch etwas beeinflussen. Da die Zucht teilweise unterschiedlich ist und deshalb schlecht zusammengefasst werden kann empfiehlt es sich im Sittichlexikon bei der jeweiligen Art nachzusehen.
 

Weitere Informationen:
Ausführliche Beschreibungen der einzelnen Edelsitticharten und Informationen über Heimat, Freileben, Ernährung, Haltung und Zucht finden Sie im Sittichlexikon.

Literaturhinweise:


 

BNA-Artenschutzbuch, Teil 1: Wirbeltiere
Ehlenbröker, Jörg: Edelsittiche - die Wegbereiter der modernen Papageienkunde in: Die Voliere 21, 12 (1998)
Hoppe, Dieter: Die Edelsittiche in: Die Voliere 12, 1 (1989)
 

Seiten-Adresse: http://www.sittich-info.de/sittichlexikon/edelsittiche.html


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