Wellensittich

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Wellensittich, Wellensittiche, Melopsittacus undulatus, Budgerigar, Budgy, Shell Parakeet, Grasparkiet

Wellensittich, Hahn

Wiss.: Melopsittacus undulatus (Shaw, 1805)
Engl.: Budgerigar, Budgy, Shell Parakeet
NL: Grasparkiet
 

Beschreibung:
Länge: 18 cm, sog. Standardwellensittiche oder Schauwellensittiche größer (24,5 cm)

Gewicht: ca. 30-50 g, Standardwellensittiche z.T. deutlich mehr

Männchen: Das Gefieder des wildfarbenen Wellensittichs ist grün. Der Kopf ist gelb gefärbt, Hinterkopf, Nacken und Flügel sind gelb-schwarz gewellt. Er besitzt einen blauen Wangenfleck und schwarze Kehltupfen. Die Schwanzfedern sind blau. Der Schnabel hornfarben, die Wachshaut blau, die Iris gelb und die Beine graublau.

Weibchen: Die Weibchen gleichen im Aussehen den Männchen. Nur die Nasenwachshaut unterscheidet sie, sie ist nicht blau, sondern bräunlich.

Jungvögel: Die Jungvögel sind matter gefärbt. Die Wellenzeichnung zieht sich bis zur Wachshaut und die Kehltupfen sind kleiner als beim adulten Wellensittich. Die Nasenwachshaut ist noch fleischfarben bis bläulichweiß gefärbt. Die Iris ist noch schwarz. Nestjunge Weibchen besitzen einen feinen weißen Ring um die Nasenlöcher, den jungen Männchen fehlt dieser. Die volle Ausfärbung ist nach 6-8 Monaten erreicht.
Wellensittich-Jungvogel: Beispielfoto siehe unten
   

Name: Der Wellensittich ist nach der Wellenzeichnung auf dem Gefieder benannt. Der erste wissenschaftliche Name Psittacus undulatus bedeutet "der gewellte Papagei" oder "Wellenpapagei". 1840 wurde er von Gould in Melopsittacus undulatus umbenannt, was soviel wie "Melodischer Wellenpapagei" bedeutet.

Im Englischen heißt der Wellensittich Budgerigar oder abgekürzt Budgie. Diese Bezeichnung ist aus dem australischen Namen abgeleitet, der "gutes Essen" oder "gute Speise" bedeutet.

Gattung: Wellensittiche
Unterarten: keine
Heimat: Zentralaustralien
Lebensraum: Der Wellensittich bewohnt offene Grasflächen, Savannen und Steppen.
Freileben: Wellensittiche leben in kleinen Gruppen, aber auch in großen Schwärmen zusammen. Nur sehr selten sind riesige Schwärme zu beobachten, wenn z.B. die Brutbedingungen ideal sind. So kam es im Oktober 2009 zu einer Ansammlung von tausenden Wellensittichen in Queensland1 2, als nach Jahren wieder beste Brutbedingungen durch Überschwemmungen vorhanden waren.

Wellensittiche leben abhängig von den Regenfällen nomadisch, bei langanhaltender Trockenheit wandern sie in Gebiete mit einem besseren Nahrungsangebot ab. Sie sind vorwiegend morgens und spätnachmittags bzw. abends aktiv und suchen nach Nahrung. Diese besteht hautpsächlich aus (halbreifen) Grassamen, die auf dem Boden gesucht werden. In den heißen Mittagsstunden halten sie sich auf Bäumen auf, pflegen Sozialkontakte wie z.B. gegenseitiges Kraulen oder ruhen sich aus. Sie sind im Gegensatz zu vielen anderen Sitticharten auch in der Natur nicht scheu.

Wellensittiche können mit sehr wenig Flüssigkeit auskommen, bis zu etwa einem Monat sogar ganz ohne zusätzliches Wasser. In Volierenhaltung sollte allerdings täglich frisches Trinkwasser angeboten und bei Bedarf (Verschmutzung, Zusätze wie Vitamine oder Medikamente) auch ein- bis zweimal täglich gewechselt werden sollte.

Die Brutzeit liegt im Süden zwischen August und Januar, im Norden zwischen Juni und September. Sie kann nach größeren Regenfällen auch zu anderen Jahreszeiten stattfinden. Im Gegensatz zu einigen anderen Sitticharten brüten mehrere Paare in einem Baum. Die Bruthöhle befindet sich in Bäumen, Zaunpfählen, gelegentlich in Erdhöhlen. Das Gelege besteht aus 4-6, manchmal bis zu 8 Eiern und wird vom Weibchen ca. 18 Tage bebrütet. Die Jungvögel fliegen mit ca. 30 Tagen aus. Sie sind bereits nach drei bis sechs Monaten fortpflanzungsfähig.

Status: Wellensittiche gelten als die am häufigsten vorkommene Papageienart in Australien und sind trotz Feinden und anderer Gefahren nicht gefährdet. Durch Buschfeuer, Dürreperioden oder Ertrinken in Viehtränken wird ihr Bestand allerdings regelmäßig vermindert. So werden starke Vemehrungen in guten Jahren auch auf natürliche Weise reguliert. Als Feinde zählen v.a. Greifvögel und - als nicht natürlicher Faktor - der Mensch. Für Eingeborene zählen die Sittiche und ihre Eier zur Nahrung.
Haltung:
Voliere
Außenvoliere
Käfig
Zimmervoliere mit zusätzlichem Freiflug. Eine Voliere aus Holz ist möglich. Empfohlene Mindestmaße für bis zu 2 Pärchen:
2x1x2m LxBxH

Empfohlene Mindestmaße Schutzraum:
1x1x2m LxBxH

Frostfreier Schutzraum

Empfohlene Mindestmaße Käfig mit wenig Freiflug
1x0,5x1 m LxBxH für ein Paar

Ein etwas kleinerer Käfig mit sehr viel oder sogar ganztags Freiflug ist möglich.

Der Wellensittich ist akklimatisiert und kann auch an schönen nicht zu kalten Wintertagen in die Außenvoliere gelassen werden. 
  
  
Er ist lebhaft, verspielt, neugierig, zutraulich und kann zahm werden. Er ist vergleichsweise leise, kann aber auch etwas lauter schimpfen. Manche Halter empfinden das Wellensittichgezwitscher und die Rufe bereits als zu laut.

Wellensittiche sind etwas sprachbegabt und können manchmal einige Wörter oder Töne nachahmen. Man sollte darauf achten, dass dies freiwillig und keine "notwendige" Anpassung eines Einzelvogels ist, der auf diese Weise mit "seinem Menschen" kommunizieren will. Wellensittiche lernen teilweise auch sprechen, wenn sie in der Gruppe gehalten werden, gelegentlich sogar, ohne dass der Halter mit ihnen geübt hätte.

Wellensittiche nagen vergleichsweise wenig. Trotzdem sollten ihnen immer frische Knabberzweige, Korkrinde etc. zur Verfügung stehen, da sie sich sonst gerne an Tapeten und Möbeln austoben. Sie baden unterschiedlich gerne und lassen sich unterschiedlich gerne beregnen. Auch wenn sie nicht gerne baden oder sich beregnen lassen, sollten ihnen ständig eine flache Schale mit Wasser angeboten werden. Sie baden oft nicht gerne in den im Handel angebotenen Plastikbadewannen, sondern lieber in Blumenuntersetzern, in feuchtem Löwenzahn oder angefeuchteter Vogelmiere etc.

Wellensittiche verlieren das ganze Jahr über Federn, sie mausern also im Gegensatz zu Wildvögeln ganzjährig. Dennoch gibt es auch eine "Hauptmauser", in der sie vermehrt Federn verlieren.

Sie können gut in der arteigenen Gruppe und (mindestens paarweise!) mit anderen friedlichen Sitticharten (z.B. Nymphensittichen) zusammengehalten werden. Auch bei friedlichen Sitticharten muss auf ausreichend Platz geachtet werden, damit sich die Vögel gelegentlich zurückziehen können. Gerade bei brutfreudigen Arten (z.B. Ziegensittich oder Springsittich) muss darauf geachtet werden, dass bei Bedarf Trennungsmöglichkeiten vorhanden sind, da diese während der Brutzeit (auch bei der Brut auf Kunststoffeiern zur Vermeidung von ungewolltem Nachwuchs) gegenüber den Wellensittichen aggressiv reagieren oder sich gegenseitig während der Brut stören können. Auch Wellensittiche stören andere Sitticharten nicht selten bei der Brut.

Wichtig: Die Tipps zur Vergesellschaftung beziehen sich immer auf mindestens zwei Wellensittiche. Man sollte auf keinen Fall einen einzelnen Wellensittich mit einer einzelnen artfremden Sittichart vergesellschaften (z.B. einen Wellensittich mit einem Nymphensittich verpaaren), nur weil sie friedlich miteinander umgehen! Mehr Informationen zur artgleichen Vergesellschaftung erhalten Sie hier.

Wellensittiche dürfen nicht mit aggressiveren Sitticharten (z.B. Schönsittich oder Pennantsittich) oder Agaporniden (Unzertrennliche) zusammengehalten werden. Besonders bei der Gemeinschaftshaltung mit Agaporniden kommt es immer wieder zu Verletzungen, bevorzugt zu Bissen in die Zehen und Beine bis hin zum Beinverlust. Diese Gemeinschaftshaltung hat bereits zu Todesfällen bei den Wellensittichen geführt. Auch wenn dies in älteren Büchern noch anders dargestellt ist, Agaporniden sind keine gute Gesellschaft für Wellensittiche!

Wellensittiche sind für Anfänger in der Sittichhaltung und für die Wohnungshaltung gut geeignet, sie brauchen aber möglichst viel Freiflug und relativ fettfreies Futter, da sie sonst leider recht schnell zu Übergewicht neigen.

Wellensittiche eignen sich auch gut für Anfänger in der Sittichzucht, besonders die kleinen "Hansi-Bubis" und die Halbstandards. Schauwellensittiche können sehr teuer sein und die Zucht ist nicht ganz einfach. Man sollte sich auch mit den Standards auskennen, nach denen gezüchtet wird. Diese sind bei Fachleuten sehr umstritten, weshalb man sich gut mit der Thematik auseinandersetzen sollte, bevor man sich für eine Zucht von Standardwellensittichen oder Schauwellensittichen entscheidet. Deshalb eignen sie sich meiner Meinung nach wenig für Anfänger in der Sittichzucht.

Lebenserwartung: im Durchschnitt ca. 8-10 Jahre, bis zu ca. 15 Jahre sind möglich, in Ausnahmefällen mehr. Standardwellensittiche / Schauwellensittiche erreichen oft nur ein Alter von ca. 6-8 Jahren.
Nahrung: Wellensittichfutter, auch mit zusätzlichen Sämereien wie z.B. Silberhirse und / oder Kanariensaat und / oder mit Wildsamen, Grassamen oder halbreifen Sämereien angereichert, Obst, Gemüse, Grünfutter, Beeren, gelegentlich Keimfutter, gelegentlich Eifutter oder alternative tierische Proteinquellen wie z.B. getrocknete Garnelen oder Ameiseneier, gelegentlich Kolbenhirse, ab und zu etwas Kochfutter (auch als Weichfutter bei verschiedenen Krankheiten gut geeignet), wenige Kräcker, frische Knabberzweige
Mehr Informationen zur abwechslungsreichen Ernährung von Sittichen finden Sie in der Rubrik Ernährung.
Zucht: Die Zucht von Wellensittichen ist nicht schwierig. Wer mehrere Paare zusammen brüten lassen möchte, sollte doppelt so viele Nistkästen wie Paare vorhanden sind in möglichst großem Abstand vonaneinder aufhängen. So können Streitigkeiten um die Nistkästen vermieden werden.
Das Weibchen brütet fest und wird vom Männchen gefüttert. Nistkastenkontrollen sind normalerweise problemlos möglich.

Wellensittiche haben sich auch als Ammenvögel für andere Sitticharten und sogar Agaporniden (Unzertrennliche) bewährt, auch wenn sie ansonsten wegen möglicher Aggressionen der Agaporniden nicht mit ihnen zusammengehalten werden sollten.
 

Daten (durchschnittliche Erfahrungswerte von Züchtern):
 
Fortpflanzungsfähigkeit: ab ca. 3 Monaten
Wellensittiche sollten nicht vor einem Jahr zur Brut zugelassen werden.
Bruten / Jahr: mehr als 2 (maximal 3) Bruten sollten nicht zugelassen werden
Brutzeit: ab März / April
Nistkastenmaße: ca. 25x15x15 cm LxHxB oder 
15x15x25 cm LxBxH
Einschlupflochdurchmesser: ca. 5 cm
Bodenbelag: Sägespäne, Hobelspäne
Gelege: 4-6 (10) Eier
Legeabstand: 2 Tage
Brutbeginn: ab dem 1. Ei
Brutdauer: ca. 18 Tage
Nestlingszeit: ca. 30 Tage
Selbständigkeit: ca. 2 Wochen nach dem Ausfliegen
Ringgröße: 4,0 mm Ø
Beringung: zwischen dem 6. und 8. Lebenstag

Züchtungen / Standards: Es wird zwischen normal ("Hansi-Bubi"-Wellensittich), Halbstandard und Standard (Schauwellensittich) unterschieden. 

Der normale Wellensittich ist der kleinste und der ursprünglichen Form am ähnlichsten. Er wird auch Hansi-Bubi genannt.

Der Halbstandard ist ein Mischling aus Standardwellensittich und Hansi-Bubi. Standards sind einem bestimmten vorgegebenen 

Der Standardwellensittich ist nach einem bestimmten Standard gezüchtet. Dieser Standard schreibt die Größe und Körperform vor, die Farben, Kehltupfen usw. Sie sind deutlich größer und schwerer als normale Wellensittiche (Hansi-Bubis) und werden den Erfahrungen vieler Züchter und Halter nach auch nicht so alt wie diese. Nicht selten werden auch Probleme mit der Sehfähigkeit und der Fruchtbarkeit beobachtet.

Mutationen In der Natur nur selten Mutationen, in Gefangenschaft sehr viele. Wildfarbene Wellensittiche sind kaum noch erhältlich. 

Farbmutationen unter anderem:
hellblau, hellgrün, dunkelblau, dunkelgrün, grau, gelb, weiß, violet, lutino, albino, zimt (braune statt schwarze Wellenzeichnung), opalin, Gelbgesicht, Lacewing, Hellflügel (Wellenzeichnung stark verblaßt), Grauflügel, Spangle ("Gesäumte", Wellenzeichnung auf einen schwarzen Federsaum reduziert).
 

Und was ist mit einer roten Mutation?
Es gibt keine rote Mutation beim Wellensittich. Dies liegt an den im Gefieder enthaltenen Farbpigmenten. Das Gefieder enthält nur grüne, gelbe, blaue und schwarze Pigmente. Aus dieser Kombination kann keine rote Färbung entstehen. Rote Wellensittiche wird es daher niemals geben. Mir sind allerdings zwei Fälle bekannt, in denen ein Bourkesittich im Zoohandel als "roter Wellensittich" verkauft wurde.
 

Weitere Mutationen:

Schecken (in Klammern die gebräuchlichen Abkürzungen):

  • Australische Schecken (AS), auch "Bandschecken" - Gefieder zweifarbig gescheckt, mehr oder weniger gleichmäßiges Band in Bauchregion, Augen mit Irisring. Vererbt dominant.
  • Rezessive Schecken (RS), auch "Harlekine" oder "Dänische Schecken" - verteilte Flecken auf dem Gefieder, Augen ohne Irisring. Vererbt rezessiv.
  • Halsbandschecken (HBS) - Kombination aus AS und RS, ähnelt den RS, ist aber aufgehellter, Nasenwachshaut kann denen der RS oder denen der AS entsprechen. Die Augen können mit oder ohne Irisring sein oder mit einem Irisring in nur einem Auge
  • Kontinentale Schecken (KS), auch "Holländische Schecken" - ähneln den AS, oft sind nur die Schwungfedern aufgehellt, Augen mit Irisring. Vererbt dominant.


Besondere Farbmutationen:

  • Halbseiter (auf beiden Körperseiten verschiedenfarbig. Genaugenommen keine Mutation sondern Modifikation. Sie traten erstmals in den 20ger Jahren auf)
  • Clearbodys (aufgehellte Körperfarben mit normal schwarzer Wellenzeichnung. Sie traten erstmals in den 60ger Jahren auf)
  • Saddlebacks (graue Wellenzeichnung, Flügelgrundfarbe in der Blaureihe weiß, in der Grünreihe gelb. Sie traten erstmals 1975 in Australien auf)
  • Gefleckte "mottled" Wellensittiche (den Rezessiven Schecken sehr ähnlich, Jungvögel allerdings noch mit normaler Färbung, Bildung der Fleckenzeichnung erst ab der Jugendmauser. Sie traten erstmals 1967 in Australien auf)
  • Blackface
  • Pure Blackface


Außer den farblichen Mutationen gibt es auch 

  • Rundhaubenwellensittich
  • Halbrundhaubenwellensittich
  • Spitzhaubenwellensittich
Fotos:
Wellensittich, Wellensittiche, Melopsittacus undulatus, Budgerigar, Budgy, Shell Parakeet, Grasparkiet Wellensittich, Jungvogel

Der Jungvogel ist an der Wellenzeichnung auf dem Kopf, die fast bis zur Wachshaut reicht, der violetten Wachshaut, den schwarzen Augen und dem schwarzen Fleck an der Schnabelspitze gut erkennbar. Die Wellenzeichnung verliert sich beim Umfärben (Jungendmauser), ebenso wird der schwarze Fleck in den nächsten Wochen ganz verschwinden. Da es sich um eine normale blaue Mutation handelt werden sich die Wachshaut und die Iris später verfärben. Bei Rezessiven Schecken bleiben die Augen schwarz, es wird auch im Alter keine Iris sichtbar.

Hier finden Sie einige Farbschläge und andere Mutationen der Wellensittiche (Beispiele, im Aufbau)

Links: 1 Focus: Tausende Wellensittiche verdunkeln Australiens Himmel (Oktober 2009)
2 Yahoo News: Tausende Wellensittiche schwärmen durch Australien (Oktober 2009)
"Vereinfachte Vererbungslehre bei Wellensittichen" von Herrn Herbert Hummel (DSV, Ortsgruppe Dresden)
Wellensittichzüchter
Buchtipps:

Diese und weitere Literaturempfehlungen finden Sie auch in der Literaturliste.


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