Tovisittich

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Tovisittich, Tovisittiche, Goldkinnsittich, Brotogeris jugularis, Orange-chinned Parakeet, Tovi Parakeet, Brown-shouldered Parakeet, Tovi Parkiet auch: Goldkinnsittich
Wiss.: Brotogeris jugularis (Müller P.L.S., 1776)
Engl.: Orange-chinned Parakeet, Tovi Parakeet, Brown-shouldered Parakeet
NL: Tovi Parkiet
 

Unterarten:
Tovisittich (Nominatform)
Kleiner Tovisittich oder Östlicher Tovisittich
 

Beschreibung:
Länge: 18 cm
Gewicht: 58 g

Männchen: Der Tovisittich besitzt ein grünes Gefieder, wobei die Unterseite heller grün gefärbt ist. Auf den Federn des Oberkopfes ist ein bläulicher Anflug zu sehen, unter dem Schnabel befindet sich ein oranger Fleck. Die kleinen und mittleren Flügeldecken sind olivbraun braun gefärbt, wobei die Farbintensität variieren kann siehe Foto. Die Unterflügeldecken sind gelblich gefärbt. Der Schnabel ist hornfarben und die Wachshaut weißlich gefärbt. Auch der unbefiederte Augenring ist weißlich, die Iris ist dunkelbraun. Die Beine sind gelblichbraun gefärbt.

Weibchen: Es gibt keinen Geschlechtsdimorphismus, die Weibchen unterscheiden sich nicht von den Männchen.

Jungvögel: Die Gefiederfarbe ist dunkler als bei den erwachsenen Tovisittichen.
   


 
Name: Goldkinnsittich: wegen orangefarbenen Fleck unter dem Schnabel
Gattung: Schmalschnabelsittiche
Unterarten: Brotogeris jugularis jugularis, Tovisittich (Nominatform)

Brotogeris jugularis exsul, Kleiner Tovisittich oder Östlicher Tovisittich. Er ähnelt der Nominatform. Der Kinnfleck ist blasser und kleiner und das Gefieder am Oberkopf besitzt einen bräunlichem Anflug. Der Rücken ist oliv und die Unterflügeldecken sind gelb gefärbt.

Brotogeris jugularis apurensis, ohne Kinnfleck. Diese Unterart wird in Frage gestellt! Eventuell handelt es sich hierbei um eine Variante des Kleinen oder Östlichen Tovisittichs.

Heimat: Tovisittich: Südwest-Mexiko, West-Guatemala, Honduras, El Salvador, West-Nikaragua, West-Kostarika, Panama, nördliclhes Kolumbien, Nordwest-Venezuela
Kleiner oder Östlicher Tovisittich: nördliches Venezuela, Nordost-Kolumbien
B. j. apurensis: westliches Venezuela
Lebensraum: Der Tovisittich bewohnt halbtrockene Landschaften mit Baumbestand, feuchte Wälder, Gärten, Städte. Normalerweise lebt er im Flachland.
Freileben: Der Tovisittich lebt außerhalb der Brutzeit in Gruppen bis 30 Vögel. An den Futter- und Schlafplätzen sowie in nahrungsreichen Gebieten finden große Schwärme von hunderten von Sittichen zusammen. Während der Nahrungssuche sind Tovisittiche sehr aktiv, fliegen und klettern viel. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Früchten, Samen, Nektar, Blüten, Beeren und Grünfutter. Sie können große Schäden auf Obstplantagen anrichten.
Während des Fluges und in der Gruppe rufen sie laut. 

Die Brutzeit dauert von Januar bis Mai. Es kommt vor, dass mehrere Paare in einem Baum brüten. Gebrütet wird in Bauten von Baumtermiten, Baumstämmen und Astlöchern. Das Gelege besteht aus 4-8 Eiern.

Status: Der Tovisittich ist anpassungsfähig und kommt in seiner Heimat häufig vor. Der Bestand ist nicht gefährdet.
Nahrung: Schmalschnabelsittiche fressen im Vergleich zu den meisten anderen Sittichgattungen viel Weichfutter und weniger Körnerfutter. Dies sollte bei der Ernährung des Tovisittichs berücksichtigt werden. 

Weichfutter (Obst, Brei usw.) sollten ca. 50% der Ernährung ausmachen. Zur Ernährung gehören:
sehr viel Obst, Grünfutter und (nach verschiedenen Züchterangaben bevorzugt:) Beeren, Gemüse, Loribrei / Lorinektar, Quellfutter, Keimfutter, Beoweichfutter, Großsittichfutter (alternativ Neophemenfutter) mit wenigen oder ohne Sonnenblumenkerne oder Wellensittichfutter, auch mit Wildsamen, Grassamen und / oder halbreifen Sämereien angereichert, gelegentlich halbreife Maiskolben, Müsli, Waldvogelfutter ohne Rübsen, Eifutter, frische Knabberzweige mit Blättern, Knospen und Blüten

Mehr Informationen zur abwechslungsreichen Ernährung von Sittichen finden Sie in der Rubrik Ernährung.

Haltung:
Voliere
Außenvoliere
Käfig
Für Privathaltung nicht empfehlenswert, keine Wohnungshaltung
Ganzmetallvoliere (Züchter)
Ganzmetallvoliere

Empfohlene Mindestmaße für 1 Paar:
2,50x1x2 m LxBxH

Empfohlene Mindestmaße Schutzraum:
1x1x2m LxBxH

Frostfreier, besser beheizbarer Schutzraum (empfohlene Mindesttemperatur: 10°C)

Für die Käfighaltung ist der Tovisittich  nicht geeignet.

Es sollten ganzjährig Schlafkästen in der Voliere zur Verfügung stehen (Größe etwa Wellensittichnistkästen).
 

Der Tovisittich ist ein sehr lebhafter und aktiver Sittich. Deshalb sollten viele Flug- und Klettermöglichkeiten angeboten werden. Rudolf Prinz1 weist in seinem Artikel über die Zucht von Tovisittichen darauf hin, dass viele Züchterdie ganzjährige Haltung in Zuchtboxen bevorzugen. Seiner Ansicht nach wirken die Vögel bei dem vergleichsweise geringen Platzangebot häufig scheu und ziehen sich beim Betreten der Volieren in die Nistkästen zurück. Er empfiehlt die Haltung in großen Volieren, in denen sich die Vögel wohler zu fühlen scheinen.

Tovisittiche sind zutraulich und können auch zahm werden. Ihr Nachahmungstalent ist relativ gut. Die Stimme ist allerdings teilweise laut. Normalerweise baden sie gerne oder lassen sich gerne beregnen.

Tovisittiche werden gelegentlich als regelrechte Holzzerstörer beschrieben, deshalb sollte die Voliere komplett aus Metall bestehen. Zusätzlich sollten viele Knabbermöglichkeiten, v.a. Zweige, angeboten werden, damit die Sittiche nicht am - normalerweise verzinkten - Gitter nagen. Sonst besteht die Gefahr einer Zinkvergiftung durch das Anknabbern des Gitters.

Tovisittiche sind gesellig und können gut in der arteigenen Gruppe gehalten werden.

Die meisten Züchter empfehlen allerdings eine doppelte Drahtbespannung zwischen Nachbarvolieren, da Tovisittiche häufig sehr aggressiv reagieren und sonst durch das einfache Gitter hindurchbeißen können.

Diese Sittichart wird in Deutschland nur von wenigen Züchtern und in Vogelparks gehalten. In privater Haltung kommt sie kaum vor. Wegen ihrer Seltenheit und Verhaltens sind diese Sittiche für die Wohnungshaltung eher weniger geeignet. Sie sind für die private Vogelhaltung ohne Zuchtabsichten derzeit kaum geeignet, da sie wegen ihrer Seltenheit vermehrt von Züchtern nachgezüchtet werden sollten, um diese Art in Deutschland zu erhalten.

Zucht: Bei ausreichend Platz kann der Tovisittich auch während der Brutzeit in der arteigenen Gruppe gehalten werden. Dies erleichtert auch die Paarfindung, da man die Sittiche wegen ihrer fehlenden Geschlechtsunterschiede sonst kaum auseinanderhalten kann. Sollte die Paarfindung bereits stattgefunden haben können die Sittiche während der Brutzeit auch paarweise gehalten werden. Tovisittiche in Nachbarvolieren können sich günstig auf die Brutstimmung auswirken.

Während das Weibchen brütet, wacht das Männchen vor der Nisthöhle, es hält sich aber auch häufig in der Höhle auf. Naturstammhöhlen werden als Bruthöhle häufig bevorzugt. Nistkastenkontrollen sollten sehr vorsichtig und möglichst dann vorgenommen werden, wenn sich die Sittiche außerhalb des Nistkastens befinden, da sie meistens sehr empfindlich auf Störungen reagieren. Da das Weibchen das Gelege und später die Jungvögel allerdings nur selten verlässt, sind Kontrollen sehr schwierig. Verschiedene Züchter haben hier schlechte Erfahrungen machen müssen und sind entsprechend vorsichtig oder verzichten inzwischen auch ganz auf Kontrollen.

Tovisittichküken besitzen helle Dunen. Zum Schlafen zieht sich die Familie auch nach dem Ausfliegen der Jungvögel oft in den Nistkasten zurück.
 

Daten (durchschnittliche Erfahrungswerte von Züchtern):
 
Fortpflanzungsfähigkeit: ab ca 8 Monaten bis 1 Jahr
Häufig beginnen Tovisittiche erst im Alter von 2 Jahren mit der Brut
Bruten / Jahr: 1, gelegentlich 2-3
Mehr Bruten sollten im Jahr nicht zugelassen werden
Brutzeit: ab April
Nistkastenmaße: 18x18x40 cm LxBxH
Naturstammhöhlenmaße: ca. 18 cm Ø, 40-60 cm Höhe
Einschlupflochdurchmesser: 6 cm
Bodenbelag: Holzmulm, Hobelspäne oder Mischung aus beidem
Gelege: (2) 4-5 (7) Eier
Legeabstand: 2 Tage
Brutbeginn: meistens ab dem letzten Ei
Brutdauer: ca. 23 Tage
Nestlingszeit: ca. 6 Wochen
Selbständigkeit: 2-3 Wochen nach dem Ausfliegen
Ringgröße: 5,0 mm Ø

Mischlinge: mit Tirikasittich, Weißflügelsittich, Feuerflügelsittich
Mutationen: In der Natur: Blau
Literaturhinweise: Asmus, Jörg: Haltung und Zucht des Tovisittichs in: Papageien 10 (2001), S. 340-345
1Prinz, Rudolf: Der Tovisittich in: Papageien, 6 (2008), S. 192-194


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