Schönsittich

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Schönsittich, Schönsittiche, Türkissittich, Turquoisinsittich (Neophema pulchella, Turquoise Parrot, Turquoise Parrot, Turkooisparkiet, Turquoisineparkiet)

Schönsittich, Henne

auch: Türkissittich oder Turquoisinsittich
Wiss.: Neophema pulchella (Shaw, 1792)
Engl.: Turquoise Parrot
NL: Turkooisparkiet, Turquoisineparkiet
 

Beschreibung:
Länge: 20 cm
Gewicht: ca. 40 g

Männchen: Der wildfarbene Schönsittich ist auf der Oberseite grün, auf der Unterseite gelb oder manchmal orangerot gefärbt. Vorderkopf, kleine und mittlere Flügeldecken sind türkisblau, die unteren Fügeldecken und der äußere Rand der Schwungfedern sind dunkelblau. Zwischen den grünen und türkisfarbenen Flügeldecken zieht sich ein  braunrotes Band. Der Schnabel ist schwarzgrau, die Iris braun, die Beine sind rosa und die Krallen braunschwarz.

Weibchen: Die Weibchen des Schönsittichs sind matter gefärbt und besitzen weniger blau am Vorderkopf. Das Brustgefieder ist hellgrün. Das braunrote Band auf den Flügeldecken fehlt. Die Weibchen besitzen einen weißen Unterflügelstreifen.

Jungvögel: Die Jungvögel ähneln den Weibchen, ihr Gefieder ist noch matter gefärbt. Im Alter von ca. 5-7 Monaten sind sie vollständig ausgefärbt.
 

 
Gattung: Grassittiche
Unterarten: keine
Heimat: Südost-Australien
Lebensraum: Der Schönsittich bewohnt hügelige Wald- und Felsregionen sowie Flusstäler.
Freileben: Der Schönsittich lebt paarweise und in kleinen Gruppen zusammen. Morgens und abends suchen diese Sittiche nach Nahrung, die hauptsächlich aus Grassamen besteht. Während der Nahrungssuche zwitschern sie leise. Der Flug ist schnell und flatternd. Ihr Kontaktruf ist ein leises, aber druchdringendes zweisilbiges Pfeifen.

Die Brutzeit beginnt im August, sie kann bis Dezember andauern, wenn unter guten Bedingungen zwei Bruten hintereinander erfolgen. Gebrütet wird in Astlöchern oder Baumstämmen, häufig von Eukalyptusbäumen, oder auch Zaunpfählen. Die Durchmesser der Bruthöhlen sind sehr unterschiedlich. Das Gelege, das aus 4-5 Eiern besteht, wird ca. 18 Tage bebrütet. Das Weibchen brütet alleine. Die Jungvögel fliegen im Alter von ca. 30 Tagen. Der Familienverband bleibt noch einige Zeit bestehen.

Status: Der Schönsittich wurde bis Ende des 19. Jahrhunderts / Anfang 20. Jahrhunder häufig beobachtet. Danach verschwand er und galt zeitweise sogar als ausgestorben. Als Ursachen werden die Umwandlung ihres Lebensraumes durch den Menschen sowie eine seuchenartige Erkrankung vermutet. Einige Jahre später tauchten wieder einige Schönsittiche auf und der Bestand erholte sich.
Haltung:
Voliere
Außenvoliere
Käfig
Voliere mit mit zusätzlichem Freiflug. Eine Voliere aus Holz ist möglich. Empfohlene Mindestmaße für 1 Paar:
2,50-3x1,50x2 m LxBxH

Empfohlene Mindestmaße Schutzraum:
1x1x2m LxBxH

Mindestens frostfreier (oder auf ca. 5°C beheizter) Schutzraum.

Großer Käfig, besser kleine Zimmervoliere, mit viel Freiflug.

Für die Käfighaltung sind sie eigentlich wenig geeignet, da sie hier meistens zu wenig Bewegung bekommen. Wenn sie im Käfig gehalten werden sollten sie möglichst fast ganztags Freiflug bekommen.

Der Schönsittich galt früher als sehr anfällig. Erst nach dem 2. Weltkrieg wurden in Europa robuste Zuchstämme aufgebaut, die auch im frostfreien Schutzraum gehalten werden können.
  
  
Schönsittiche sind sehr lebhaft, besonders morgens und abends. Bei zu wenig Flugmöglichkeiten und Futter mit einem zu großen Anteil fetthaltiger Samen (z.B. Sonnenblumenkerne, Kardi, Leinsamen, ...) neigen sie schnell zur Verfettung. Deshalb eignen sie sich wenig für die Käfighaltung, sondern sollten besser in großen Volieren, wenigstens aber in Käfigen mit sehr viel Freiflug gehalten werden.

Meistens lassen sie ein hohes leises Zwitschern vernehmen. Wenn sie sich rufen tun sie dies mit zweisilbigen durchdringenden Rufen. Ihre Rufe sind generell vergleichsweise leise.

Schönsittiche gelten als relativ scheu und werden wohl eher selten zahm. Deshalb sind sie besser für Halter geeignet, die Außenvolieren besitzen oder denen das Beobachten der Sittiche ausreicht und die keinen großen Wert auf Zahmheit legen.

Sie nagen kaum und können deshalb problemlos in Holzvolieren gehalten werden. Trotzdem sollen frische Knabberzweige ständig zur Verfügung stehen, ebenso eine Bademöglichkeit.

Da sich die Sittiche viel auf dem Boden aufhalten ist eine regelmäßige (halbjährliche) vorbeugende Kontrolle auf Würmer durch Kotuntersuchung empfehlenswert. Diese Kontrolle vermeidet den unnötigen Einsatz von den Organismus belastenden Antiparasitika.

Von allen Grassitticharten gelten Schönsittiche als die unverträglichste Art. Sie sollten deshalb nach den Erfahrungen vieler Züchter besser paarweise und nicht in der arteigenen Gruppe gehalten werden. Schönsittichhähne vertragen sich untereinander normalerweise nicht. Auch gegenüber anderen Sittichen und Papageien verhalten sie sich häufig aggressiv. Allerdings vertragen sie sich den Beobachtungen in der Regel gut mit anderen Vögeln (z.B. Prachtfinken). Wer also ein Schönsittichpaar mit anderen Sittich- oder Papageienarten vergesellschaften möchte sollte sehr viel Platz und Rückzugsmöglichkeiten anbieten können und die Gruppe gut beobachten und bei Bedarf trennen.

Der Schönsittich ist für Anfänger in der Sittichhaltung und -zucht geeignet, wenn diese eine Außenvoliere oder entsprechend große Innenvolieren besitzen oder alternativ bei Käfighaltung ganztags Freiflug geben können.

Lebenserwartung: ca. 10 Jahre, bis 15 Jahre möglich
Nahrung: Neophemenfutter oder Großsittichfutter, welches man z.B. mit Wellensittichfutter und Wildsamen oder Grassamen mischen kann, Obst, Gemüse, Grünfutter, Beeren, gelegentlich Keimfutter, gelegentlich Eifutter oder alternatives tierisches Ersatzfutter, z.B. getrocknete Garnelen, frische Knabberzweige
Mehr Informationen zur abwechslungsreichen Ernährung von Sittichen finden Sie in der Rubrik Ernährung.
Zucht: Erstzucht: 1852 in London (Zoologischer Garten).

Die Zucht des Schönsittichs gilt als einfach, da er normalerweise zuverlässig brütet. Einige Züchter empfehlen jedoch, erst ab einem Alter von 1,5 Jahren zu züchten, da diese Weibchen sich ihren Erfahrungen nach oft besser um die Jungvögel kümmern und es zu geringeren Verlusten kommt. Eine Zucht vor 1 Jahr sollte nicht zugelassen werden.

Es wird außerdem häufig empfohlen keine weiteren Grassitticharten in den Nachbarvolieren zu halten, da sie sich sonst von der Brut ablenken können.

Das Weibchen brütet alleine und wird vom Männchen gefüttert. Auch die Küken werden vom Männchen gefüttert. Schönsittiche sind gegenüber vorsichtigen Nistkastenkontrollen normalerweise recht unempfindlich.

Nach dem Erreichen der Selbstständigkeit sollten die Jungevögel von ihren Eltern getrennt werden, da das Männchen sonst aggressiv reagieren könne. An das Volierengitter sollten gegebenenfalls Zweige, Schilfmatten oder ähnliches angebracht werden, damit die Jungvögel die Volierengrenzen leichter erkennen und ihnen ausweichen können. Es kann sonst bei Erschrecken und schnellem Flug zu Verletzungen und sogar zum Tod kommen.

Mit ca. 3 Monaten werden auch die Hähne in Jungvögelgruppen häufig aggressiver gegenüber den anderen Hähnen, so dass auch hier bei Bedarf getrennt werden muss. Die Hennen können problemlos zusammen gehalten werden.
 

Daten (durchschnittliche Erfahrungswerte von Züchtern):
 
Fortpflanzungsfähigkeit: ab 1 Jahr, einige Schönsittiche ab 6 Monate
Eine Zucht sollte frühestens ab einem Alter von 1 Jahr zugelassen werden
Bruten / Jahr: 2-3
Brutzeit: normalerweise im April
Nistkastenmaße: ca. 15x15x30 cm LxBxH oder 
Nistkasten quer (Größe Wellensittichnistkasten)
Naturstamm: Durchmesser: ca. 18 cm, Höhe: ca. 25-30 cm
Einschlupflochdurchmesser: 6 cm
Bodenbelag: grobe Sägespäne und Holzmulm, Hobelspäne
Gelege: (3) 4-7 Eier
Legeabstand: 2 Tage
Brutbeginn: ab dem 2. Ei
Brutdauer: ca. 18 Tage
Nestlingszeit: ca. 30 Tage
Selbständigkeit: ca. 2 Wochen nach dem Ausfliegen
Ringgröße: Deutschland: Empfehlung des BNA*: 3,8 mm Ø. 
Schweiz: 4,0 mm Ø
Beringung: im Alter von ca. 1 Woche
* BNA = Bundesverband für fachgerechten Natur- und Artenschutz e.V.

Mischlinge: mit Schmucksittich, Glanzsittich, Feinsittich
Mutationen: Heutzutage ist es, wie bei einigen anderen Sitticharten, schwierig, rein wildfarbene Schönsittiche in den deutschen Volieren zu finden. Immer mehr Züchter plädieren dafür, sich für die Reinerhaltung des Wildtyps einzusetzen.

Gelb, Schecke, Oliv, Falbe, Pastellblau, Blau, Opalin, Zimt
Rotbauch, Rotbrust (eigentlich Farbabweichungen, keine Mutation im eigentlichen Sinn)

Vererbung: Gelb, Gescheckt, Zimt, Falbe Pastellblau, Blau: rezessiv
Schecken: geschlechtsgebunden
Olivgrün: intermediär
Foto: Schönsittich, Schönsittiche, Türkissittich, Turquoisinsittich (Neophema pulchella, Turquoise Parrot, Turquoise Parrot, Turkooisparkiet, Turquoisineparkiet)

Schönsittich, Hahn

Literatur: Pfeffer, Franz: Gelbe Schönsittiche, in: Die Voliere, 25, 11 (2000), S. 331-335
Schmidt, Ralf: Haltung und Zucht des Schönsittichs, 4, 2006, S. 119-121
Bielfeld, Horst: Grassittiche: Neophema und Neopsephotus, Ulmer, 2. Aufl., 1999, ISBN 3-8001-7465-0 
Reinschmidt, Matthias: Haltung und Zucht des Schönesittichs im Loro Parque, Tenerifffa, in: Papageien 8 (2005), S. 266-268
Robiller, Franz: Papageien, Handbuch der Vogelpflege, Bd. 2
Buchtipp:

Diese und weitere Literaturempfehlungen finden Sie auch in der Literaturliste.


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