Der Nymphensittich - kein Sittich, sondern ein Kakadu

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Nymphensittich, Nymphensittiche, Nymphicus hollandicus, Cockatiel, Quarrion, Weero, Crested Parakeet, Valkparkiet

Einer meiner Nymphensittiche, Hahn
 

Wiss.: Nymphicus hollandicus (Kerr, 1792)
Engl.: Cockatiel, Quarrion, Weero, Crested Parakeet
NL: Valkparkiet
 

Beschreibung:
Länge: ca. 30-32 cm
Gewicht: ca. 80-100 g

Männchen: Der wildfarbene Nymphensittich ist grau gefärbt, die Unterseite ist etwas blasser. Nur die größeren Flügeldecken und vorderen Armschwingen sind weiß und die Stirn, Wangen, Kehle und Haube sind gelb gefärbt. Um die Ohrregion ist ein orangeroter Fleck zu sehen. Der Schnabel ist grau, die Iris dunkelbraun und die Beine grau.

Weibchen: Wie auf dem Foto unten zu sehen sind die Nymphensittichweibchen fast komplett grau gefärbt. Kopf und Haube sind mit etwas Gelb durchsetzt. Der Ohrfleck ist matter als beim Männchen. Auf der Schwanzfederunterseite befindet sich eine grauweißer Querbänderung.
Foto siehe am Ende der Seite

Jungvögel: Die Jungvögel ähneln den Weibchen, manche Männchen sind bereits etwas intensiver gefärbt. Die volle Ausfärbung ist nach ca. 9 Monaten erreicht.
 

Name: Die erste wissenschaftliche Bezeichnung des Nymphensittichs, Psittacus novaehollandiae (1788), wurde nach dem damaligen Namen Australien ("Neu-Holland") vergeben. Wenige Jahre später wurde er in Psittacus hollandicus umbenannt und erhielt 1832 seinen jetzigen Namen Nymphicus hollandicus. Der Begriff Nymphicus stammt aus dem Griechischen und bedeutet Braut, nymphikos bedeutet bräutlich, mädchenhaft. Vermutlich erhielt der Nymphensittich seinen Namen durch seine schlanke, nymphenhafte Gestalt.

Nur der deutsche Name "Nymphen"sittich ist von der wissenschaftlichen Bezeichnung abgeleitet. Der Name "Nymphensittich" ist nach heutigen Erkenntnissen allerdings falsch, denn der Nymphensittich ist in Wirklichkeit kein Sittich, sondern ein Kakadu1 (siehe "Systematik").
Im englischen heißt der Nymphensittich cockatiel, was soviel wie "Kleiner Kakadu" bedeutet.
Im Heimatland Australien wird er häufig Quarrion genannt, was aus der Eingeborenensprache stammen soll.

Gattung: Nymphensittiche
Systematik: Lange Zeit wurde unter Wissenschaftlern diskutiert, ob der Nymphensittich zu den Sittichen oder den Kakadus gehört. Einige Wissenschaftler hielten Nymphensittiche auch für ein Bindeglied zwischen Sittichen und Kakadus.
Obwohl Nymphensittiche vom Aussehen und Verhalten her in einigen Punkten den Sittichen ähneln (z.B. langgestreckter Körper mit abgestuftem langen Schwanz, Kratzen des Kopfes mit dem Fuß oberhalb des Flügels), konnte anhand neuer molekulargenetischer Studien1 festgestellt werden, dass sie tatsächlich der Familie der Kakadus angehören.
Viele Merkmale wiesen bereits vor der endgültigen Klärung auf diese Familienzugehörigkeit hin: Nymphensittiche besitzen wie Kakadus eine bewegliche Haube, die Gefiederfarben grau, weiß und schwarz finden sich ebenfalls bei den Kakadus wieder. Die Dunen der Jungvögel sind wie bei Kakadus gelb und nur bei Nymphensittichen und Kakadus fallen diese Dunen nicht aus, sondern bilden sich zu Puderdunen um. Sie geben ein Puder ab, das das Gefieder vor Witterungseinflüssen schützt. Auch die Brutablösung von Männchen und Weibchen gibt es bei Kakadus.
Unterarten: keine
Heimat: Inneres von Australien
Lebensraum: Der Nymphensittich bewohnt offene Savannen, Steppen, Grasland. Neben dem Wellensittich ist er der weitverbreitetste Sittich in Australien.
Freileben: Der Nymphensittich lebt paarweise oder in kleinen Gruppen zusammen. Bei großem Nahrungsangebot oder bei dürrebedingten Wanderungen kann man auch große Schwärme bis zu einigen hundert Vögeln beobachten. Die Nahrung, die vorwiegend auf dem Boden gesucht wird, besteht hauptsächlich aus Grassamen, Baumsamen, Früchten und Beeren. In Hirsefeldern können sie erheblichen Schaden anrichten. Deshalb werden sie von den Farmern verfolgt.
Für Eingeborene zählen diese Sittiche und ihre Eier zur Nahrung.

Neben dem Menschen (Farmer und auch der Straßenverkehr) und natürlichen Feinden wie z.B. Greifvögeln fallen viele Nymphensittichen Buschfeuern zum Opfer.

Die Brutzeit liegt im Noden am Ende der Regenzeit, im Süden zwischen August und Dezember, in Zentralaustralien können das ganze Jahr über Bruten nach Regenfällen vorkommen. Abgestorbene Eukalyptusbäume werden als Nistgelegenheit bevorzugt. Die Bruthöhle befindet sich in der Regel einige Meter über dem Boden. Das Gelege, das aus 2-5 Eiern besteht, wird 19 Tage lang bebrütet. Beide Eltern brüten. Im Alter von 5 Wochen fliegen die Jungvögel aus.

Haltung:
Voliere
Außenvoliere
Käfig
Je kleiner die Voliere, desto mehr Freiflug ist erforderlich. Eine Holzvoliere ist möglich. Empfohlene Mindestmaße Außenvoliere für 1 Paar:
2,50x1,50x2 m LxBxH

Empfohlene Mindestmaße Schutzraum: 1x1x2m LxBxH

Mindestens frostfreier (oder auf ca. 5°C beheizter) Schutzraum

Großer Käfig, besser kleine Zimmervoliere, mit viel Freiflug

Für die Käfighaltung ohne oder mit wenig Freiflug sind sie wenig geeignet, da sie dann zu wenig Bewegung bekommen. Wenn sie im Käfig gehalten werden sollten sie möglichst fast ganztags Freiflug bekommen.

Der Nymphensittich ist akklimatisiert und kann auch an schönen nicht zu kalten Wintertagen in die Außenvoliere gelassen werden. Er ist neugierig, zutraulich und verspielt. Diese Sittiche nagen im Vergleich zu anderen Großsittichen relativ wenig. Trotzdem sollten frische Zweige und Knabberspielzeug wie z.B. eine Korkrinde zum Nagen zur Verfügung stehen, da sonst oft Möbel und Tapeten leiden. Allerdings hilft anderes Spielzeug nicht immer, um von Tapeten und Möbeln abzulenken.

Sie lassen sich oft gerne mit Wasser beregnen oder baden gerne. Deshalb sollten sie regelmäßig mit einer Blumenspritze besprüht werden und / oder eine Badegelegenheit angeboten bekommen. Sie können sehr zahm werden und einige Töne und Wörter nachahmen. In der Regel sind es ruhige Sittiche, die aber laut rufen können, was in Mietwohnungen auch zu Problemen mit Nachbarn führen kann. Typisch für Männchen ist ihr meliodiöser Balzgesang. Weibchen haben nicht so viele Töne in ihrem Repertoire. Ich habe aber auch schon Weibchen erlebt, die etwas singen können.

Nymphensittiche sind friedliche Sittiche, die mit anderen friedlichen Vögeln, z.B. Wellensittichen, Bourkesittichen oder auch mit Prachtfinken zusammen gehalten werden können. Auch bei friedlichen Sitticharten muss auf ausreichend Platz geachtet werden, damit sich die Vögel gelegentlich zurückziehen können. Gerade bei sehr brutfreudigen Arten (z.B. Ziegensittich oder Springsittich) muss darauf geachtet werden, dass bei Bedarf Trennungsmöglichkeiten vorhanden sind, da diese während der Brutzeit (auch bei der Brut auf Kunststoffeiern zur Vermeidung von ungewolltem Nachwuchs) aggressiv reagieren oder sich gegenseitig während der Brut stören können. Auch die neugierigen Wellensittichene können eine Brut stören.

Wichtig: Die Tipps zur Vergesellschaftung beziehen sich immer auf mindestens zwei Nymphensittiche. Nymphensittiche sollten, wie alle Sittiche, die ja Schwarmvögel sind, immer mindestens paarweise und nie alleine gehalten werden. Man sollte auf keinen Fall einen einzelnen Nymphensittich mit einer einzelnen artfremden Sittichart vergesellschaften (z.B. einen Nymphensittich mit einem Wellensittich verpaaren), nur weil sie friedlich miteinander umgehen! Mehr Informationen zur Vergesellschaftung von Sittichen erhalten Sie hier.

Sie sind für die Wohnungshaltung bei nicht zu hellhörigen Wohnungen und nicht zu geräuschempfindlichen Haltern sowie für Anfänger in der Sittichhaltung und Sittichzucht geeignet.

Lebenserwartung: im Durchschnitt ca. 15-20 Jahre, 25-30 Jahre und selten sogar mehr sind möglich
Nahrung: Großsittichfutter mit oder ohne Sonnenblumenkerne, vorzugsweise ohne Erdnüsse, auch mit Wildsamen, Grassamen und / oder wenigen Sonnenblumenkernen in Lebensmittelqualität (z.B. Supermarkt) angereichert, Obst, Gemüse, Grünfutter, Beeren, gelegentlich Keimfutter, gelegentlich Kolbenhirse, gelegentlich Eifutter oder alternative tierische Proteinquellen wie z.B. getrocknete Garnelen oder Ameiseneier, ab und zu etwas Kochfutter (auch als Weichfutter bei verschiedenen Krankheiten gut geeignet), frische Knabberzweige
Mehr Informationen zur abwechslungsreichen Ernährung von Sittichen finden Sie in der Rubrik Ernährung.
Zucht: Die Zucht ist relativ einfach, da Nymphensittiche recht brutfreudig sind. Nymphensittiche können während der Brut zusammen gehalten werden. Es sollten ungefähr doppelt so viele Nistkästen zur Verfügung stehen wie Nymphensittichpaare vorhanden sind.

Es gibt keine feste Brutzeit im Jahr. In Außenvolieren richtet sich die Brutzeit meist nach dem Wetter, aber es gibt auch Nymphensittichpärchen, die im Herbst oder Winter brüten. In den kalten Monaten sollte kein Nistkasten angeboten werden. Fangen die Sittiche dennoch eine Brut an empfiehlt es sich einen Nistkasten im warmen Schutzraum aufzuhängen, um Legenot und das Auskühlen der Jungvögel zu verhindern.

Männchen und Weibchen brüten abwechselnd, eine Besonderheit unter den Sittichen.
 

Daten (durchschnittliche Erfahrungswerte von Züchtern):
 
Fortpflanzungsfähigkeit: ab dem 9. Monat
Es sollte möglichst keine Brut vor 1 Jahr zugelassen werden
Bruten / Jahr: mehr als 2 (maximal 3) Bruten sollten nicht zugelassen werden
Brutzeit: es gibt keine feste Brutzeit.
Nistkastenmaße: 30x20x20 cm LxBxH oder
25x20x40 cm LxBxH
Naturstammhöhlen sind möglich
Einschlupflochdurchmesser: 8 cm
Bodenbelag: unterschiedlich, einige Nymphensittiche brüten ohne Einstreu, andere mit Hobelspänen oder Torfmull-Hobelspäne-Mischung
Gelege: 4-7 Eier
Legeabstand: 2 Tage
Brutbeginn: ab dem 2. oder 3. Ei
Brutdauer: ca. 18-21 Tage
Nestlingszeit: ca. 5 Wochen
Selbständigkeit: ca. 3 Wochen nach dem Ausfliegen
Ringgröße: 5,5 mm Ø
Beringung: 7. Lebenstag

 

Mischlinge: Normalerweise ist kein Nymphensittichmischling bekannt.

Außergewöhnliche Verpaarung:
In Australienhaben sich ein Rosakakadu (Hahn) und ein Nymphensittich (Henne) verpaart und einen Mischling aufgezogen und das, obwohl weitere Nymphensittiche in der Voliere leben (der Rosakakadu wird einzeln in der Voliere gehalten). Die Nymphensittichhenne ist ein Schecke.
Der Hybride ist ungefähr doppelt so groß wie ein normaler Nymphensittich und ähnelt mehr dem Rosakakadu als seiner Nymphensittichmutter. Angeblich wurden bereits 15000 Australische Dollar für den außergewöhnlichen Mischling geboten.

Fotos des außergewöhnlichen Trios können Sie auf der Homepage von Talkin Birds, der Australischen Zeitschrift für Ziervögel, sehen. Die Homepage ist unten bei den "Links" verlinkt.

Mutationen: Lutino (Lutino, geperlt), Schecke (wildfarbig, geperlt), Zimter (wildfarbig, gescheckt, perlgescheckt), Albino, Silber, Geperlt (silbergeperlt, goldgeperlt), Gesäumt, Falbe, Isabell, Weißköpfe (wildfarbig, zimt, gescheckt und geperlt),  Rundhauben (selten).

Bei den Mutationen sind die Geschlechter von der Färbung her häufig schwierig oder gar nicht zu unterscheiden.

Farbvarianten: gelbe und weiße Schwarzaugen. Hierbei handelt es sich nicht um Mutationen, sondern um Züchtungen, bei den gelben Schwarzaugen z.B. durch die selektive Zucht von sehr hellen Schecken über mehrere Generationen, bis Nymphensittiche hervorkamen, denen der Dunkelfarbstoff im Gefieder fehlt und sie deshalb eine gelbe Gefiederfärbung besitzen.
 
 
Geperlte Nymphensittiche (Nymphicus hollandicus, Cockatiel, Quarrion, Weero, Crested Parakeet, Valkparkiet)

2 Perlschecken

Besonderheiten bei geperlten Nymphensittichen:
Nach der Jugendmauser verschwindet die Perlung bei den Männchen normalerweise ganz oder fast ganz, da diese Mutation geschlechtsgebunden ist und sie deshalb nur bei den Weibchen erhalten bleibt.

Für diese Veränderung ist der Hormonhaushalt verantwortlich. Die Gefiederfarbe wird vor allem durch die Geschlechtshormone bestimmt. Jungvögel besitzen ungefähr gleich viele männliche und weibliche Hormone. Später verschiebt sich der Hormonhaushalt, so dass der Anteil weiblicher Hormone im Körper des Männchen sinkt und es sich umfärbt. Bleiben mehr weibliche Hormone übrig als normal, bleibt die Perlung erhalten.

Hormonschwankungen gibt es auch im Alter, so dass alte Hähne wieder vermehrt geperlt sein und Hennen dunkler werden können.

Vererbung: Wilfarbig: dominant
Schecke: teildominant
Weißkopf, Silber, Falbe: rezessiv
Zimt, Lutino, Geperlt, Gesäumt: geschlechtsgebunden
Foto: Nymphensittich, Nymphicus hollandicus, Cockatiel, Valkparkiet, Quarrion, Nymphensittiche
Nymphensittich, wildfarbene Henne
Haltungsberichte: Die Haltung von zwei Nymphensittichmännchen
Sounds: Nymphensittich-Balzgesang (von Christian aka naitsirch, vielen Dank!)
Literatur: 1Nicole E. White et. al.: The evolutionary history of cockatoos (Aves: Psittaciformes: Cacatuidae) in: Molecular Phylogenetics and Evolution Vol. 59, Issue 3, pages 615-622
Links: Nymphensittichzüchter
Mischling (Hybride) zwischen Rosakakadu und Nymphensittich (siehe Rubrik "Mischlinge" oben, mit Fotos (englisch))
Nymphensittich-Wegweiser, eine ausführliche Homepage über Nymphensittiche, mit Nymphensittichforum
Buchtipp:

Diese und weitere Literaturempfehlungen finden Sie auch in der Literaturliste.


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