Feuerflügelsittich

 
Feuerflügelsittich, Feuerflügelsittiche, Brotogeris pyrrhopterus, Grey-cheeked Parakeet (Grauwangensittich), Orange-winged Parakeet, Vuurvleugelparkiet

Feuerflügelsittiche, links Männchen, rechts Weibchen

Wiss.: Brotogeris pyrrhopterus (Latham, 1801)
Engl.: Grey-cheeked Parakeet (Grauwangensittich), Orange-winged Parakeet
NL: Vuurvleugelparkiet
 

Beschreibung:
Länge: 20 cm
Gewicht: 45-60 g

Männchen: Der wildfarbene Feuerflügelsittich ist vorwiegend grün gefärbt, Stirn, Kopfseiten und Kinn sind hellgrau. Der Scheitel ist hellblau-grün. Die kleinen und mittleren Flügeldecken sind olivbraun, die großen Flügeldecken grün, die
nterflügeldecken sowie der Flügelrand orange gefärbt. Schwanzfedern grün mit gelblich gesäumten Innenfahnen. Schnabel hornfarben, Wachshaut weißlich, Iris dunkelbraun, Beine rosa.

Weibchen: Es gibt keinen Geschlechtsdimorphismus, das heißt, die Weibchen unterscheiden sich nicht von den Männchen. Unterschiede in der Kopfform zwischen Männchen und Weibchen sind nicht deutlich ausgeprägt, wenn überhaupt vorhanden, und deshalb kein sicheres Unterscheidungsmerkmal.

Jungvögel: Das Gefieder der Jungvögel ist matter, der Oberschnabel ist schwärzlich und der Unterschnabel dunkelbraun gefärbt.


 
Name: Der Feuerflügelsittich erhielt seinen Namen nach den orangefarbenen Unterflügeldecken, den "Feuerflügeln". Diese sind allerdings nur im Flug gut zu sehen.
Gattung: Schmalschnabelsittiche
Unterarten: keine
Heimat: Nordwest-Peru bis West-Ekuador
Lebensraum: Der Feuerflügelsittich bewohnt offene Landschaften mit Baum- oder Buschbestand sowie Laubwälder.
Freileben: Der Feuerflügelsittich lebt mindestens paarweise, meistens aber in kleinen Gruppen oder gelegentlich in großen Schwärmen bis zu 100 oder mehr Vögeln zusammen. Der Ruf dieses Sittichs ist sehr laut, schrill und metallisch, weshalb er trotz der schlichten Gefiederfärbung auffällt. Feuerflügelsittiche sind allgemein sehr lebhaft und klettern gerne in den Bäumen herum. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Samen,  Früchten und Beeren. Da ihr Lebensraum immer knapper wird, suchen sie auch auf Felder auf, um dort nach Nahrung zu suchen.
Ihr Flug ist schnell und direkt.

Über ihr Brutverhalten ist wenig bekannt.

Schutzstatus: Der Feuerflügelsittich gehört in Nordwest-Peru zu einer der gefährdetsten Sitticharten.
Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES), Anhang I
Haltung:
Voliere
Außenvoliere
Käfig
Zimmervoliere mit zusätzlichem Freiflug. Empfohlene Mindestmaße für 1 Paar:
3x1x2 m LxBxH

Beheizbarer Schutzraum  (empfohlene Mindesttemperatur: 10°C)

Käfighaltung mit viel Freiflug generell möglich, wegen der Seltenheit für die Privathaltung ohne Zuchtabsichten nicht geeignet.

In der Voliere sollte ganzjährig eine Schlafhöhle sollte zur Verfügung stehen.
 

Der Feuerflügelsittich ist neugierig und wird deshalb verhältnismäßig schnell zutraulich oder sogar zahm. Wie beim Punkt "Freileben" bereits beschrieben ist der Ruf schrill und metallisch und laut. Manche Züchter beschreiben die Stimme auch als mittellaut. Das Nachahmungstalent ist recht gut entwickelt. 

Feuerflügelsittiche nagen eigentlich vergleichweise wenig, dennoch sollten bei einer Holzvoliere stets frische Knabberzweige zur Verfügung stehen, um sie von den Holzteilen der Voliere abzulenken. Wenn dies nicht ausreicht oder "vorbeugend" ist eine Ganzmetallvoliere empfehlenswert.

Sie baden allgemein gerne. Sie können gut in der arteigenen Gruppe gehalten werden, allerdings nicht mit anderen Sittichen und Papageien, da sie anderen Arten gegenüber als nicht verträglich gelten. Es wurden bereits tödliche Angriffe gegen andere Arten, selbst größere Papageien, beschrieben.

Obwohl er in den 80er Jahren häufig importiert wurde wird der Feuerflügelsittich in Europa heute nur selten gehalten, vorwiegend von Züchtern. Als Ursache werden seine unscheinbare Gefiederfarbe und der niedrige Preis vermutet, der diese Sittichart für viele Züchter früher wenig interessant machte. Viele Sittiche wurden deshalb an private Halter ohne Zuchtabsichten verkauft. Erst in den letzten Jahren scheint das Interesse an diesen Sittichen wieder gestiegen zu sein. Doch der bekannte genetische Pool ist entsprechend klein, viele Feuerflügelsittiche sind miteinander verwandt, weshalb Zuchtbemühungen aufgrund des Importverbots nicht gerade einfach sind. In den USA dagegen sind sie unter anderem wegen ihrer Zutraulichkeit und guter Bruterfolge recht weit verbreitet.

Sie sind nicht für Anfänger in der Sittichhaltung und wenig für Anfänger in der Sittichzucht geeignet. Vor allem wegen ihrer Seltenheit sind sie für die Wohnungshaltung ohne Zuchtabsichten nicht geeignet.

Nahrung: Schmalschnabelsittiche fressen im Vergleich zu den meisten anderen Sittichgattungen viel Weichfutter und weniger Körnerfutter. Dies sollte bei der Ernährung des Feuerflügelsittichs berücksichtigt werden. 

Weichfutter (Obst, Brei usw.) sollten ca. 50% der Ernährung ausmachen. Zur Ernährung gehören:
sehr viel Obst, Grünfutter und Beeren, Gemüse, Loribrei / Lorinektar, Quellfutter, Keimfutter, Beoweichfutter, Großsittichfutter (alternativ Neophemenfutter) mit wenigen oder ohne Sonnenblumenkerne oder Wellensittichfutter, auch mit Wildsamen, Grassamen und / oder halbreifen Sämereien angereichert, gelegentlich halbreife Maiskolben, Müsli, Waldvogelfutter ohne Rübsen, Eifutter, frische Knabberzweige

Mehr Informationen zur abwechslungsreichen Ernährung von Sittichen finden Sie in der Rubrik Ernährung.

Zucht: Erstzucht in Deutschland: 1982

Das größte Zuchtproblem ist die geringe Anzahl von Zuchtvögeln und deren Verwandtschaftsgrad. Es ist schwierig nicht blutsverwandte Vögel zu finden, dazu kommt, dass die Anzahl an Männchen überwiegt und nicht alle Sittiche in einem zuchtfähigen Alter sind. Aus diesen Gründen gibt es bereits Zuchtprojekte, um den Feuerflügelsittich in deutschen Volieren zu erhalten.

Die Zucht von Feuerflügelsittichen ist normalerweise nicht besonders schwierig, wenn die besonderen Nahrungsgewohnheiten der Schmalschnabelsittiche berücksichtigt werden, auch wenn etwas Zuchterfahrung mit anderen Sittichen auf jeden Fall von Vorteil ist. Die Brut und Aufzucht erfolgt normalerweise zuverlässig.

Die Erfahrungen mit der paarweisen Zucht oder der Zucht in der Gruppe sind unterschiedlich. Nach Erfahrungen einiger Züchter ist der Bruterfolg sogar größer, wenn sie in der arteigenen Gruppe gehalten werden. Andere Züchter haben bessere Zuchterfolge mit der paarweisen Haltung in Kistenkäfigen gemacht, in denen sich die Feuerflügelsittiche zwar hören, aber nicht sehen konnten. Die empfohlenen Maße für Kistenkäfige betragen ca. 1,0x0,7x1,0 m LxBxH. Die Rufe wirken brutstimulierend, der fehlende Sichtkontakt verhindert Ablenkungen von der Brut. Deshalb empfiehlt es sich, verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren, um für sich die beste Lösung zu finden.

Es werden sowohl Nistkästen als auch Naturstammhöhlen angenommen. Besonders gut werden erfahrungsgemäß Nistkästen mit zwei bis drei Kammern angenommen, da die hinterste Kammer dunkler ist als bei normalen Nistkästen, was dem Sicherheitsbedürfnis dieser Art entgegenkommt. Auf Nistkastenkontrollen können sie sehr empfindlich reagieren. Diese sind allerdings schon wegen der Verschmutzung der Höhle notwendig. Bewährt haben sich herausnehmbare Nistmulden, die schnell durch saubere Mulden ersetzt werden können, um die Sittiche möglichst wenig bei der Aufzuchth zu stören und den Kasten halbwegs sauberhalten zu können. Ansonsten brüten Feuerflügelsittiche recht zuverlässig.

Die empfohlene Nahrung besteht aus einer Körnermischung für Großsittiche, die teilweise gekeimt angeboten werden sollte, feuchtem Eifutter, gelegentlich ein wenig Lorinektar sowie täglich frisches Obst, Gemüse und Beeren. Außerdem kann das Aufzuchtfutter mit Lactobazillen angereichert werden, die die Darmflora der Jungvögel unterstützen. Feuerflügelsittiche gelten allgemein als anfällig gegen Darmkrankheiten.
 

Daten (durchschnittliche Erfahrungswerte von Züchtern):
 
Fortpflanzungsfähigkeit: ab 2 Jahren, gelegentlich früher
Bruten / Jahr: 2-3
Brutzeit: ab April
Nistkastenmaße: ca. 20x20x50 cm
Man kann sowohl normale als auch Naturstamm- als auch Dreikammernistkästen anbieten.
Einschlupflochdurchmesser: 7 cm
Bodenbelag: z.B. Hobelspäne
Gelege: 2-6 Eier
Legeabstand: 2 Tage
Brutbeginn: ab dem 2. Ei
Brutdauer: ca. 23 Tage
Nestlingszeit: 42 Tage
Selbständigkeit: 2-3 Wochen nach dem Ausfliegen
Ringgröße: 5,0 mm Ø
Beringung: um den 12. Lebenstag

Mutationen: Lutino
Fotos: Wildfarbene Feuerflügelsittiche

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Literatur: Prante, Josef: Haltung und Zucht des Feuerflügelsittichs. Papageien, 5 (1998), S. 158
Würth, Volker: Der Feuerflügelsittich - eine Bestandsaufnahme. Papageien 5 (1998), S. 155
Würth, Volker: Allgemeines zur Haltung und Zucht von Schmalschnabelsittichen (Brotogeris spp.). Die Voliere 20 (1997), S. 257
Links: Beschreibung und Fotos, Avianweb
AZ-AGZ-IG Südamerikanische Sittiche


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