Blaulatzsittich

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Blaulatzsittich, Blaulatzsittiche, Pyrrhura cruentata, Blue-throated Conure, Blauwkeelconure Wiss.: Pyrrhura cruentata (Wied, 1820)
Engl.: Blue-throated Conure, Red-rumped Conure
NL: Blauwkeelconure
 

Beschreibung:
Länge: 30 cm
Gewicht: Männchen ca. 80-85g
               Weibchen: ca. 110g

Die Männchen bei den Blaulatzsittichen sind bei den wenigen mir bekannten Quellen angeblich leichter und kleiner als die Weibchen.

Männchen: Das Gefieder ist allgemein grün gefärbt. Die Federn auf dem Oberkopf sind dunkelbraun, Zügel, Augenregion und Ohrdecken sind rotbraun, die Wangen grün und der seitliche Nacken orange-gelb gefärbt. Hals und obere Brust sind blau, die untere Brust grün, Bauch und Rücken dunkelrot. Die Außenfahnen der Handschwingen sind blau, die Unterseite der Schwingen oliv mit grauen Außenfahnen. Der Flügelbug ist rot, die Oberseite der Schwanzfedern oliv und die Unterseite braunrot gefärbt. Der Schnabel und der unbefiederte Augenring sind schwärzlich, die Iris gelblich und die Beine grau.

Weibchen: Es gibt keinen Geschlechtsdimorphismus, d.h. die Weibchen unterscheiden sich im Aussehen nicht von den Männchen.

Jungvögel: Das Gefieder ist matter. Die Scheitelfedern sind schwärzlich mit hellroten Säumen und die Ohrgegend rötlich gefärbt. Am Flügelbug findet sich weniger Rot als bei den erwachsenen Vögeln. Die Iris ist dunkel gefärbt.
  


 
Gattung: Rotschwanzsittiche
Taxonomie: Der Blaulatzsittich unterscheidet sich so sehr von den anderen Arten der Gattung Rotschwanzsittiche, dass Fachleute erwarten, dass er in absehbarer Zeit in einer eigenen Gattung geführt wird (Stand: 2008).
Unterarten: keine
Heimat: Südost-Brasilien
Lebensraum: Der Blaulatzsittich bewohnt Feuchtwälder und Waldränder sowie angrenzende offene Landschaften. Nur gelegentlich findet er sich auch auf landwirtschaftlich genutzen Flächen ein.
Freileben: Der Blaulatzsittich lebt in kleinen Gruppen bis zu 10 Vögel zusammen. Gelegentlich bilden sich auch größere Gruppen, besonders während der Nahrungssuche. Die Sittiche halten sich vorwiegend in hohen Bäumen mit dichtem Blätterdach auf, wo sie mit ihrer Tarnfarbe schwer zu erkennen und dementsprechend schwer zu beobachten sind. Bei Gefahr verhalten sie sich ruhig und fliegen nicht wie viele andere Sitticharten laut rufend auf. Beides sind Gründe, weshalb vergleichweise wenig über die Lebensweise des Blaulatzsittichs bekannt ist. Dazu kommt, dass die Verbreitungsgebiete wegen der Waldzerstörung immer schwieriger zugänglich sind und immer weniger Vögel beobachtet werden.

Nur während des Fluges und beim Aufsuchen oder Abfliegen von Schlafplätzen rufen die Sittiche laut. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Früchten, Blüten, Samen und Beeren.

Der Blaulatzsittich lebt nomadisch, außerhalb der Brutzeit kann er in Gebiete mit besserem Futterangebot abwandern.

Der Bestand ist durch die Zerstörung seines Lebensraumes weitgehend dezimiert und stark gefährdet.

Das Brutverhalten ist weitestgehend unbekannt. Brutzeit vermutlich im Semptember und Oktober. Gebrütet wird in Baumhöhlen.

Schutzstatus: Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen (CITES), Anhang 1
Man schätzt den Bestand heute (2005) auf weniger als 2500 Vögel.
Haltung:
Voliere
Außenvoliere
Käfig
Eine Voliere aus Holz ist möglich, aber weniger empfehlenswert, besser Ganzmetallvoliere. Keine Wohnungshaltung. Ganzmetallvoliere empfohlen

Empfohlene Mindestmaße für 1 Paar:
3-5x1,50x2 m LxBxH

Frostfreier oder beheizbarer (empfohlene Mindesttemperatur: 5°C) Schutzraum

Der Blaulatzsittich ist für die Käfighaltung nicht geeignet.

In der Voliere sollten Schlafhöhlen zur Verfügung stehen.
 

Der Blaulatzsittich ist ein lebhafter Sittich, der eine möglichst große Voliere benötigt. Diese sollte möglichst (wenigstens teilweise) schattig stehen, weil dies seinem Freileben im Wald näherkommt als ein sonniger Standort. Außerdem wird er als neugierig und zutraulich beschrieben.

Er besitzt eine recht lauter Stimme (Nachbarn!), besonders morgens und abends lässt er lautere Rufe vernehmen. Er badet allgemein gerne. Sein Nageverhalten wird von Züchtern unterschiedlich beschrieben, es reicht von "vergleichsweise wenig" bis "stark". Deshalb sollten zusätzlich immer frische Zweige zum Knabbern angeboten werden.

Da er sich häufiger auf dem Boden aufhält ist eine regelmäßige vorbeugende Kotuntersuchung auf Würmer empfehlenswert. Diese Kontrolle vermeidet den unnötigen Einsatz von den Organismus belastenden giftigen Antiparasitika. 

Blaulatzsittiche gelten im allgemeinen als recht unverträglich und aggressiv anderen Vögeln gegenüber, weshalb sie maximal außerhalb der Brutzeit mit anderen Vögeln zusammen gehalten werden sollten. Im Vogelpark Walsrode gibt es z.B. keine Probleme bei der Vergesellschaftung mit anderen Sittichen. Man sieht Blaulatzsittiche hier fast immer in Gemeinschaftsvolieren.

Für die Haltung in kleineren Volieren, besonders während der Brutzeit, empfehlen viele Züchter eine doppelte Verdrahtung zwischen den Volieren, wenn sich in den Nachbarvolieren ebenfalls Blaulatzsittiche oder andere Arten der Gattung Rotschwanzsittiche befinden. Auch der Einbau von Trennwänden oder anderen Sichtblenden zwischen den Volieren wird manchmal empfohlen, damit sich die Vögel nicht gegenseitig von der Brut ablenken.
Bei anderen Sitticharten gibt es normalerweise keine Probleme.

Blaulatzsittiche werden in Deutschland eher selten gehalten, vorwiegend von Züchtern und in Vogelparks. Sie sind für Anfänger in der Sittichhaltung und die Wohnungshaltung wenig geeignet.

Nahrung: Großsittichfutter, auch mit Wildsamen, Grassamen oder halbreifen Sämereien angereichert, viel Obst, Gemüse, Grünfutter, Beeren, gelegentlich Keimfutter, gelegentlich Eifutter odere alternative tierische Proteinquellen wie z.B. getrocknete Garnelen, frische Knabberzweige
Mehr Informationen zur abwechslungsreichen Ernährung von Sittichen finden Sie in der Rubrik Ernährung.
Zucht: Erstzucht 1937 in England.

Jörg Asmus schreibt in der Zeitschrift "Papageien"1, dass die Mehrzahl der in Deutschland angebotenen Blaulatzsittiche aus einer einzigen deutschen Zucht abstammen und und relativ eng miteinander verwandt sind. Er verweist darauf, dass Züchter versuchen sollten die Herkunft der angebotenen Sittiche herauszufinden und möglichst blutsfremde Bestände aufzubauen.

Die Zucht gilt als nicht schwierig, da die Blaulatzsittiche normalerweise recht brutwillig sind, die Gelege vergleichsweise groß sind und die Eltern zuverläsig brüten und ihre Jungvögel aufziehen. Das Paar muss wie erwähnt während der Brutzeit alleine gehalten werden. 

Dickwandige Bruthöhlen werden Nistkästen häufig bevorzugt.
Nistkastenkontrollen sollten selten und sehr vorsichtig durchgeführt werden, da sie laut verschiedenen Züchtern sehr empfindlich auf diese Störung reagieren können. 

Nach Erreichen der Selbständigkeit sollte gut beobachtet werden, ob die Eltern sich ihren Jungen gegenüber aggressiv verhalten und diese besser getrennt werden.
 

Daten (durchschnittliche Erfahrungswerte von Züchtern):
 
Fortpflanzungsfähigkeit: ab ca. 3 Jahren, bei Hähnen gelegentlich ab 4 Jahren
Bruten / Jahr: 1
Brutzeit: ab April
Nistkastenmaße: 25x25x70 cm LxBxH
Nisthöhle: Durchmesser: ca. 20 cm, Höhe ca. 50-60 cm
Einschlupflochdurchmesser: 8 cm
Bodenbelag: Hobelspäne
Gelege: 4-9 (normalerweise ca. 6) Eier
Brutdauer: ca. 22-24 (26) Tage
Nestlingszeit: ca. 45-50 Tage
Selbständigkeit: ca. 3-4 Wochen nach dem Ausfliegen
Ringgröße: 6,0 cm Ø

Fotos: Blaulatzsittich, Blaulatzsittiche, Pyrrhura cruentata, Blue-throated Conure, Blauwkeelconure
 

Blaulatzsittich, Blaulatzsittiche, Pyrrhura cruentata, Blue-throated Conure, Blauwkeelconure

Quellen und weiterführende Literatur: 1 Asmus, Jörg: Der Blaulatzsittich, in: Papageien, 8 (2005)
Asmus, Jörg: Der Miritiba-Blausteißsittich, in: Die Voliere 24, 12 (2001)
Mayer, Horst: Gute Zuchterfolge mit Miritiba-Blausteißsittichen, in: Die Voliere 22, 2 (1999)


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