Eine Verstopfung ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein
mögliches Symptom verschiedener Erkrankungen oder Folge
falscher Ernährung oder von Wassermangel.
Vorkommen:
Alle Sittiche
Mögliche Symptome:
Problem beim Kotabsetzen. Der Sittich kann den Kot nur mit Mühe
oder gar nicht mehr absetzen. Meistens kann man zusätzlich ein starkes
Pressen beobachten. Gelegentlich geben Sittiche quiekende Geräusche
von sich. Abhängig von der Art der Erkrankung und der Schwere der
Verstopfung können weitere Symptome wie z.B. Apathie, Dehydration
(Austrockung),
Erbrechen oder gesträubtes
Gefieder auftreten.
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Foto links:
Verstopfung bei einem meiner Wellensittiche durch festgetrocknete Kotballen.
Wenn Sie dieses Symptom sehen beobachten Sie gut, ob der Sittich den Kot
selbst durch Putzen entfernen kann oder Sie eingreifen müssen. Wenn
der Sittich bereits "pumpt" ist dies im Normalfall ein Zeichen dafür,
dass kein Kot mehr abgesetzt werden kann und man die Kotballen selbst entfernen
muss. |
Mögliche Ursachen:
Verstopfung durch getrocknete Kotballen, Wassermangel,
Verdauungsprobleme, Darmentzündungen, Granulome, Parasiten (Würmer,
z.B. Spulwürmer,
Haarwürmer),
Fremdkörper (z.B. übermäßige Aufnahme von Sand oder
Grit) oder Tumore im Darmbereich, einseitige Körnerfütterung,
Übergewicht.
Diagnose:
Anhand der Beobachtungen. Verstopfungen durch festgetrockneten Kot
sind auch von außen gut zu erkennen. In allen anderen Fällen
lege ich zur "Erstdiagnose" häufig ein Küchenpapier unter den
Schlaf- oder Ruheplatz des "verdächtigen" Vogels. Am einfachsten und
sichersten ist diese Methode nachts, da die Sittiche dann sehr viel länger
auf ihrem Platz bleiben. Das hat, wenn dann doch Kot abgesetzt wird, den
Vorteil, dass der Sittich (und der Halter ;-) ) vorher nicht durch unnötiges
Einfangen gestresst wurde. Diese Methode hat sich bei mir schon bewährt,
auch um festzustellen, dass nachts tatsächlich kein Kot abgesetzt
wurde. Wenn Kot abgesetzt wird kann man gut sehen, wie viel Kot abgesetzt
wurde und in welcher Konsistenz. Diese Methode ist allerdings nur dann
möglich, wenn man die entsprechende Zeit hat. Wenn der Vogel bereits
stark pumpt und erschöpft wirkt sollte man nicht lange warten und
herumprobieren, sondern gleich zum vogelkundigen Tierarzt fahren!
Dem Tierarzt stehen weitere Diagnoseverfahren zur Verfügung, z.B.
eine Untersuchung mittels Tupfer oder Röntgen, häufig mit Eingabe
eines sogenannten Kontrastmittels. Dies ist dann empfehlenswert, wenn keine
offensichtliche Verstopfung durch Kotballen vorhanden sind. Auf dem Röntgenbild
sind häufig Magen- und Darmregion vergrößert. Das Kontrastmittel
bewirkt, dass man den Magen-Darm-Trakt auf dem Röntgenbild deutlicher
erkennen kann und der genaue Ort der Verstopfung besser lokalisiert werden
kann. Häufig wird dann zweimal geröngt, einmal ohne und einmal
mit Kontrastmittel, wenn das erste Röntgenbild bzw. die ersten beiden
Röntgenbilder (oft werden ja gleich zwei Bilder in verschiedener Lage
gemacht) nicht ausreicht.
Laut Fachliteratur* kann auch mittels Ultraschall die Peristaltik des
Magen-Darm-Trakts untersucht werden. Unter Peristaltik versteht man das
wellenförmige fortschreitende Zusammenziehen der glatten Muskulatur,
hier: im Darm, zum Vorwärtsbewegen des Inhalts (im Darm: Nahrung).
Wenn die Peristaltik nicht richtig funktioniert kann der Darminhalt nicht
oder nicht ausreichend vorwärtsbewegt werden und es kommt zur Verstopfung.
In der Praxis habe ich dies allerdings noch nicht gesehen oder bei Sittichhaltern
davon gehört. Dieses Diagnoseverfahren wird offenbar eher bei Papageien
eingesetzt, eventuell auch bei großen Großsittichen.
Differenzialdiagnose:
Achtung: Verstopfung kann unter Umständen
mit
Legenot verwechselt werden!
Therapie:
Wenn Sie sich nicht sicher sind, welche Ursache in Frage kommt und
die Verstopfung nicht innerhalb von einem Tag vorbei ist oder das Wochenende
vor der Tür steht, sollten Sie umgehend einen Fachtierarzt
aufsuchen. Der vogelkundige Tierarzt kann den Kot, falls noch welcher abgesetzt
werden kann, untersuchen, bei Bedarf röntgen und in vielen Fällen
mit passenden Medikamenten helfen. Behandelt wird je nach Krankheitsursache
mit Medikamenten oder chirurgisch. Bei Austrockung werden zusätzlich
Flüssigkeit und Nährstoffe in einer Lösung substituiert
(unter die Haut gespritzt).
Je nach Art der Ursache und je nach dem wie weit diese fortgeschritten
ist ist die Progonose der Behandlung sehr gut bis aussichtslos. Im schlimmsten
Fall muss eine Erlösung des Vogels überlegt werden.
Was Sie selbst tun können:
Untersuchen Sie die Kloake des betroffenen Sittichs oder lassen Sie
sie beim Fachtierarzt untersuchen.
Häufig ist die Kloakenregion mit getrocknetem Kot verdreckt
und verstopft. Säubern Sie sie mit einem sauberen weichen Tuch und
lauwarmen Wasser und beobachten Sie danach, ob der Kot wieder normal abgesetzt
werden kann. Achten Sie darauf, dass das Wasser nicht zu heiß ist!
Meiner Erfahrung nach ist bei einigen Sittichen dieses Problem nicht
unbedingt ein einmaliger Fall. Das heißt, dass der Kot auch weiterhin
oder nach einiger Zeit wieder teilweise nicht vernünftig abgesetzt
werden kann und man diese Vögel immer unter Beobachtung halten und
immer mal wieder einfangen und säubern muss. Nicht selten sind behinderte
Sittiche betroffen, die sich in dieser Region nicht mehr richtig putzen
können oder auch übergewichtige Vögel.
1. Hilfe-Maßnahmen:
-
Säubern der Kloakenregion, Entfernen von Kotbrocken
-
Öl. Sollte die
Kloakenregion sauber sein und noch etwas Kot abgesetzt werden können,
können Sie versuchen dem Sittich einen
Tropfen Öl (z.B. Olivenöl oder Paraffinöl) zusammen mit
etwas Flüssigkeit in den Schnabel
zu geben.
-
Obst, Gemüse, Grünfutter.
Bei einigen Vögeln reicht auch eine zusätzliche Portion Obst
oder wasserhaltiges Gemüse (z.B. Salatgurke) aus. Der Vogel braucht
ausreichend Obst, Gemüse
und Grünfutter. Eine Verstopfung kann z.B. auch mit einer einseitigen
Körnerfütterung zusammenhängen. Eine einseitige Ernährung
kann außer Verstopfung verschiedene andere Erkrankungen zur Folge
haben. Wenn Sittiche Obst und Co. verweigern, versuchen Sie es mit anderen
Tricks.
Alternativ oder zusätzlich können Sie auch Quellfutter
oder Keimfutter geben.
-
Tees. Hier eignen sich
Fencheltee
oder
Anistee. Tees sollten zur Hälfte mit Wasser verdünnt
werden. Ihnen kann etwas Traubenzucker oder Honig zugesetzt werden. Sie
sollten nur lauwarm oder ganz abgekühlt angeboten werden. Bieten Sie
zusätzlich oder zumindest nach kurzer Zeit auch frisches Wasser an,
weil einige Sittiche geschmacklich veränderte Flüssigkeiten nicht
annehmen. In dem Fall sollten Sie weiter versuchen den Tee zusätzlich
anzubieten oder den Tee später weglassen.
Achtung:
Traubenzucker und Honig dürfen zum Süßen nur dann verwendet
werden, wenn keine Pilzerkrankung und kein Going Light
Syndrom (GLS, Megabakterien) vorliegen!
-
leicht verdauliches Futter: Weichfutter, z.B. Obst,
Gemüse, Grünfutter, Beeren, Quellfutter,
Keimfutter, frischer fettarmer Magerjoghurt oder frischer fettarmer
Magerquark ohne Geschmack, Kochfutter,
Brei (z.B. milchfreier Babybrei, Handaufzuchtbrei)
Hinweis:
Bei den genannten Tipps handelt es sich lediglich
um Hilfe bei einer einzigen Ursache (festgesetzter Kot vor der Kloake)
und 1.-Hilfe-Maßnahmen, die dem Sittich etwas Erleichterung verschaffen
können, bis Sie beim Tierarzt
sind, im günstigsten Fall auch helfen. Festgetrocknete Kotballen können
selbst entfernt werden. Zusätzlich sollte der Sittich gut beobachtet
werden, denn es ist möglich, dass das Festhängen der Kotballen
eine krankhafte Ursache hat. Nicht selten kommt dieses Symptom auch bei
übergewichtigen Vögeln vor. Bei Übergewicht
sollten entsprechende Maßnahmen (gesunde Diät,
Freiflug
etc.) getroffen werden, um wieder Normalgewicht zu erreichen.
Wenn die Ursache nicht bei festgetrocknetem
Kot ohne weitere Symptome (!) liegt oder vorher sogar fadenartiger Durchfall
beobachtet worden ist (dies ist häufig ein Hinweis auf Wurmbefall,
welcher unbehandelt tödlich enden kann) sollte umgehend der Fachtierarzt
aufgesucht werden!
Ein durch Verstopfung ausgelöster Kloakenverschluss
kann innerhalb kurzer Zeit lebensgefährlich werden!
Viele Halter warten erfahrungsgemäß einige Tage, bevor sie im
Internet nach Informationen suchen und / oder zum Tierarzt gehen - soetwas
kann in vielen Fällen schwerwiegende Folgen haben, wenn die Behandlung
zu spät erfolgt.
Achten Sie grundsätzlich darauf, dass ihre
Sittiche ausreichend trinken. Das Trinkwasser muss mindestens morgens
und abends gegen frisches Wasser ausgestauscht werden. Es muss immer ausreichend
Wasser zur Verfügung stehen. Plastik-Trinkautomaten laufen gelegentlich
aus, verwenden Sie lieber Edelstahlnäpfe. Diese sind auch hygienischer,
da sie besser gereinigt werden können. Möglicherweise verweigert
der Sittich die Wasseraufnahme aus bestimmten Gründen, z.B. weil fremdartig
schmeckende Zusätze (z.B. Vitamine, Medikamente, Saft, Tee) enthalten
sind. Geben Sie vorsichtshalber frisches Wasser ohne Zusätze und beobachten
Sie, ob der Sittich hiervon trinkt bzw. sogar vermehrt trinkt, um den Flüssigkeitsverlust
auszugleichen, der durch die vorherige Verweigerung des mit mit Zusätzen
angereicherten Wassers entstanden ist.
* Quelle: Michael Pees: Leitsymptome
bei Papageien und Sittichen, Enke, 2004
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Seiten-Adresse: http://www.sittich-info.de/medizin/verstopfung.html
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