Vorkommen:
Alle Sitiche
Mögliche Symptome:
Offensichtliche Symptome sind Wunden an gefiederfreien Stellen wie
den Beinen in der Schnabelregion. Blut im Gefieder oder auch am Boden oder
den Wänden ist ebenfalls Symptom für eine Verletzung. Desweiteren
kann es zu Federverlust, hängendem Flügel oder einer beinschonenden
Haltung kommen. Das verletzte Bein wird entlastet, indem es nur vorsichtig
aufgesetzt oder ganz eingezogen wird. Bei Beinverletzungen wird das Bein
beim Laufen oft etwas nachgezogen.
Ist ein Unfall Ursache der Blutungen kann der Sittich außerdem
zittern oder apathisch auf der Stange oder dem Boden sitzen.
Bisswunden sind nicht immer leicht von anderen blutenden Verletzungen
zu unterscheiden, wenn man nicht zufällig gerade anwesend ist. Deshalb
sollten Sie das Verhalten Ihrer Sittiche oder auch anderen Haustiere gut
beobachten.
Auf dem rechten Foto sehen Sie den Fuß einer meiner Nymphensittichhennen
mit einer anfangs blutenden Verletzung. |
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Mögliche Ursachen:
Häufig kommt es vor allem während der Brutzeit zu Aggressionen
gegenüber den anderen Sittichen. Aber auch zu kleine Käfige oder
Volieren mit vergleichsweise vielen Vögeln und wenig Freiflug oder
Antipathie gegenüber dem (vielleicht neuen) Partner können Auslöser
für Stress und Aggressionen sein.
Bei Innenhaltung können Bisse auch von anderen Haustieren stammen,
in Außenvolieren von Wildtieren.
Leider gibt es auch immer wieder Verletzungen am Vogelspielzeug oder
scharfkantigen Gegenständen im Käfig oder in der Umgebung. Auch
zu lange Krallen können die Ursache für Verletzungen sein, wenn
der Sittich damit am Volierengitter, Spielzeug mit Fäden, an der Gardine
oder anderem hängenbleibt. Hierbei kann es sogar zu einem Abriss der
Krallen kommen.
Blutungen sind auch nicht selten Folge des Krallenschneidens durch den
Halter, wenn die Krallen zu kurz geschnitten werden. Dies ist im Normalfall
jedoch nicht schlimm und kann einfach und schnell behandelt werden.
Last but not least kommt es, hauptsächlich bei einzeln gehaltenenen
Sittichen, hier vor allem bei Großsittichen wie z.B. Nymphensittichen,
und Papageien immer mal wieder zur sogenannten Automutilation, der "Selbstverstümmelung".
Der betroffene Vogel rupft sich wiederholt bis zur Entstehung von Wunden
und Blutungen oder beißt sich selbst nach dem Ausrupfen des Gefieders
in die Haut. Meist ist die Ursache psychisch bedingt, aber es sind auch
körperliche Erkrankungen, bei denen die Haut zu jucken anfängt
oder sich verändert (z.B. bei Hauterkrankungen), möglich.
Diagnose:
Das klinische Bild von Wunden ist eindeutig. Kleine oberflächliche
Wunden können Sie oft selbst behandeln, große und tiefe Wunden
sollten Sie bei einem Fachtierarzt
untersuchen lassen. Er kann auch auf weitere, versteckte, Wunden hin untersuchen
oder durch Abtasten und eventuell Röntgen innere Verletzungen feststellen
oder ausschließen.
Therapie:
Blutungen müssen sofort gestillt werden,
denn Blutverlust ist besonders für kleine Sittiche lebensgefährlich.
Hierfür können z.B. folgende Mittel verwendet werden:
-
Kernseife (bei zu kurz geschnittenen Krallen)
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blutstillende Watte (z.B. Clauden)
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ein in Betaisodonalösung getränktes Wattestäbchen
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in Eisen-III-Chloridlösung getränktes Wattestäbchen (Eisen-III-Chloridlösung
wirkt allerdings ätzend und darf nicht an die Schleimhäute des
Vogels gelangen!)
-
sollten Sie diese Dinge nicht in Ihrer Notfallapotheke haben versuchen
Sie es mit einem sauberen Taschentuch, dass Sie auf die Blutung drücken.
1. Hilfe:
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bei Schockzuständen einen Tropfen
Notfalltropfen (z.B. Rescue
Remedy, Apotheke oder Internet-Handel, alternativ auch als Globuli, davon
5 Stück in etwas Wasser auflösen) auf den Kopf, in den Nacken
oder
auf den Rücken zwischen die Flügel geben
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Untersuchung der Wunde
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Auswaschen von Verschmutzungen mit Wasser
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Desinfektion der Wunden, z.B. mit Hansaplast Med Deisinfektionsspray
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Offene Wunden: Behandlung mit Calendula-Wundsalbe der Firma Weleda
(erhältlich in der Apotheke). Die Salbe fördert die schnelle
Heilung und schützt vor Infektionen.
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Geschlossene Wunden: Behandlung mit Traumeel-Salbe (erhältlich
in der Apotheke). Traumeelsalbe sollte nicht auf offene Wunden aufgetragen
werden! Sie hilft erfahrungsgemäß sehr gut bei der Wundheilung
und wirkt auch etwas schmerzstillend. Wenn der Sittich nicht zahm ist und
ihn die Behandlung zu sehr stresst können Sie die Wunde entweder nur
in den ersten 1-3 Tagen 1-2 mal täglich vorsichtig einreiben, alternativ
oder im Anschluss können Sie
Traumeel Tropfen in das Trinkwasser
geben.
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Wenn eine schwerere Verletzung mit einem Knochenbruch vorliegt empfiehlt
sich Arnica D4 Globuli ins Trinkwasser, täglich bis zur Besserung.
Wenn Traumeel-Tropfen gegeben werden sollten Sie Arnica nicht zusätzlich
geben, da Arnica bereits in Traumeel enthalten ist.
Alle genannten Mittel erhalten Sie in der Apotheke. Utensilien für
die Wundbehandlung sollten Sie immer in Ihrer Notfallapotheke
haben. Unfälle oder zu kurz geschnittene Krallen können immer
mal vorkommen.
Weitere Behandlung durch den vogelkundigen Tierarzt:
Vorsichtshalber sollten Sie Ihren Sittich baldmöglichst von einem
Fachtierarzt
untersuchen lassen.
Eine Ausnahme ist eine mögliche Gehirnerschütterung,
die bei Unfällen entstehen können, bei der der Transport und
die Untersuchung sich negativ auswirken können. Deshalb sollten Sie
sich über das Thema Gehirnerschütterung,
ihre möglichen Symptome und eigene Maßnahmen genau informieren.
Falls Sie sich unsicher fühlen können Sie Ihren vogelkundigen
Tierarzt auch telefonisch um Rat bitten.
Der Tierarzt kann die Wunde genau untersuchen, auf weitere versteckte
Wunden hin untersuchen und sie desinfizieren und versorgen. Vor allem große
und tiefe Wunden sollten auf jeden Fall fachgerecht behandelt werden. Solche
Wunden müssen eventuell durchgespült und verbunden werden, manchmal
empfiehlt sich die zusätzliche Gabe von Antibiotika. Antibiotika sind
manchmal notwendig, um der Vermehrung schädlicher Bakterien vorzubeugen.
Wenn sich eine Infektion bildet kann diese sehr schmerzhafter sein und
länger andauern und den Sittich und auch Sie dadurch länger belasten.
Eventuell kann es sogar zu Nekrosen (Gewebetod im umliegenden Gewebe) kommen,
die entfernt werden müssen. Lassen Sie sich von Ihrem vogelkundigen
Tierarzt deshalb beraten, ob in Ihrem Fall ein Antibiotikum als Salbe
zur lokalen Behandlung oder als Injektion gegegben werden sollte oder man
darauf verzichten kann.
Um die Heilung des Gewebes zu unterstützen können Sie z.B.
ein Vitamin A-D-E-C-Präparat, erhätlich beim Tierarzt, in das
Trinkwasser geben. Vitamin A, das sogenannte "Zellschutzvitamin" fördert
die Regeneration der Gewebezellen.
Sollte der Tierarzt außerdem weitere Verletzungen wie Zerrungen
oder Brüche feststellen wird er diese entsprechend behandeln. Zerrungen
und Prellungen lassen sich z.B. gut mit Arnicasalbe oder Globuli (D4) behandeln.
Arnica unterstützt auch die Heilung von Knochenbrüchen, aber
es gibt weitere empfehlenswerte homöopathische Mittel zur Unterstützung.
Fragen Sie Ihren Tierarzt oder Tierheilpraktiker. Knochenbrüche werden
meist zusätzlich durch Verbände fixiert, damit die Knochen wieder
richtig zusammenwachsen können. Dies ist leider nicht an allen Körperstellen
möglich, z.B. bei einem Bruch einer Zehe. Normalerweise kommt ein
Vogel mit einer dadurch entstehenden mehr oder weniger leichten Behinderung
aber gut zurecht.
Häufig können Blutungen schnell gestillt und Wunden gut verarztet
werden. Lassen Sie sich bei Problemen (längeren Blutungen, immer wiederkehrenden
Blutungen, beginnenden Infektionen usw.) aber nicht lange Zeit mit dem
Besuch beim Tierarzt. Je länger gewartet wird desto schlechter der
Heilungsverlauf. Kleinere oberflächliche Wunden heilen normalerweise
innerhalb einiger Tage, wenn sie gut versorgt werden und sich nicht infizieren.
Vorbeugende Maßnahmen:
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regelmäßige Kontrolle der Krallenlänge. Dazu muss man den
Vogen nicht unbedingt jedesmal in die Hand nehmen, sondern kann dies auch
auf der Stange oder noch besser beim Klettern am Volierengitter beobachten.
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Entfernen aller möglichen Gefahrenquellen
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Trennung und ggf. Neuverpaarung,
falls der Vogel öfter unter Aggressionen und Angriffen seines Partners
oder anderer Vögel leidet
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falls ein Haustier zugebissen hat darf dieses keinen weiteren Kontakt zu
den Vögeln haben
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bei Aggressionen gegen sich selbst, Federrupfen usw. sollten die Haltungsbedingungen
überprüft und ggf. verbessert werden, Einzelvögel
sollten vergesellschaftet werden. Wenn ein Paar sich nicht verträgt
sollten Sie überlegen die Vögel zu trennen und neu zu verpaaren
oder zwei neue Partner dazuzusetzen. Achten Sie jedoch darauf, dass einige
Sitticharten recht unverträglich sind und nur paarweise und nicht
in der Gruppe gehalten werden sollten. Informationen hierüber erhalten
Sie im Artenlexikon des Sittichlexikons
bei der jeweiligen Art unter dem Punkt "Haltung".
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vielleicht sollte die Haltung verändert werden, z.B. mehr Freiflug
gegeben werden, mehr Ablenkungsmöglichkeiten wie z.B. Knabberzweige,
artgerechtes Naturholzspielzeug usw.
Hinweise:
Beobachten Sie den Sittich und sein Verhalten in der nächsten
Zeit. Einige Sittiche knabbern vermehrt an Wunden bzw. dem Schorf herum,
dadurch können die Wunden wieder aufgehen.
Während der Brutzeit werden die Hähne vieler normalerweise
als friedlich geltenden Sitticharten gegenüber anderen Sitticharten
oder weiteren Pärchen der gleichen Art aggressiv. Deshalb sollten
solche Pärchen zumindest während der Brutzeit getrennt werden.
Informieren Sie sich im Arten-Lexikon
des Sittichlexikons über das
Verhalten ihrer Sittiche gegenüber anderen Sittichen, während
und außerhalb der Brutzeit.
Sittiche, die sich auch außerhalb der Brutzeit nicht verstehen
sollten voneinander getrennt werden, da diese Art der Vergesellschaftung
sehr stressig für die Vögel ist.
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