Vorkommen:
alle Sittichmännchen, überwiegend Wellensittiche
im Alter von 2 bis 6 Jahren, aber grundsätzlich sind alle Altersstufen
möglich
Mögliche Symptome:
Normalerweise färbt sich die Nasenwachshaut von blau nach braun
um. Im späteren Verlauf bei wachsendem Tumor ist eine Umfangsvermehrung
des Bauches möglich. Die Lähmung
eines Fußes oder beider Füße ("Kusshandstellung", hier
ein Foto) kommt zwar eher selten vor, ist aber möglich. Außerdem
leidet der Sittich häufig an Atembeschwerden
und setzt auffällig große Kothaufen ab.
Rechts auf dem Foto können Sie meinen Wellensittichhahn Jacky sehen.
Bei ihm hatten die Fachtierärzte lange Zeit der Verdacht, dass er
an einem Hodentumor leiden könnte. Dieser Verdacht hat sich nach Jahren
glücklicherweise nicht bestätigt, aber die Symptome sind so ähnlich,
dass ich ihn trotzdem an dieser Stelle kurz vorstellen möchte.
Hier ist die Nasenwachshaut blau mit einem leichten rosa Belag (deutet
bereits hormonelle Veränderungen an, die bei mehreren Erkrankungen,
auch ohne Tumorbeteiligung vorhanden sein können, wie im vorliegenden
Fall).
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| Jacky, ca. 2 Jahre später. Die Nasenwachshaut ist stark braun
verfärbt. Man kann auch deutlich die fehlerhafte Beinstellung links
erkennen, die sich auch auf die Flügelhaltung auswirkt. Dieses Bein
wurde im Verlauf der Krankheit (Arthrose) gelähmt, die sogenannte
"Kusshandstellung" (hier ein Foto)
trat auf. Die Kusshandstellung ist sehr typisch für Tumore und eher
selten bei anderen Erkrankungen zu beobachten.
Der Hormonhaushalt ist sehr wechselhaft, manchmal war die Nasenwachshaut
normal blau wie bei einem gesunden Wellensittich, manchmal wieder braun.
Ein solcher Wechsel kann auch bei Tumoren vorkommen.
Jacky ist im Alter von 11 Jahren gestorben. Trotz seiner langen Erkrankung
war er bis kurz vor seinem Tod fit, liebte seine Hennen und konnte trotz
seiner Behinderung auch fliegen und auf Ästen sitzen. |
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Mögliche Ursachen:
Unkontrolliert wachsende Zellen im Hoden sind die Ursache für
die Entstehung von Hodentumoren. Die Gründe für das vergleichsweise
häufige Vorkommen von Hodentumoren sind unbekannt. Für die Umfärbung
der Nasenwachshaut sind hormonelle Veränderungen, bedingt durch den
Tumor, verantwortlich. Es werden vermehrt weibliche Hormone produziert,
so dass die Nasenwachshaut wie bei den Weibchen braun wird. Die Hoden liegen
im Bauchraum. Der Tumor kann so groß werden, dass er auf den Bauch
drückt und der Wellensittich dicker wird. Häufig sitzt der Sittich
dann auch mit gekrümmtem Rücken auf dem Sitzzweig. Außerdem
kann ein Hodentumor auf die Eingeweide drücken, so dass der Kot seltener
abgesetzt wird, die Kothaufen dafür aber größer sind.
Diagnose:
Die Symptome sind oft recht eindeutig. Der Fachtierarzt
tastet den Sittich ab und kann so organische Vergrößerungen
in bestimmten Regionen erkennen. Um die Verdachtsdiagnose zu bestätigen
wird häufig zusätzlich geröngt. Hodentumore sind allerdings
auch auf dem Röntgenbild schwer von einigen Nierentumoren zu unterscheiden,
so dass oft erst eine Sektion genauen Aufschluss über die Tumorart
gibt.
Therapie:
Sehr theoretisch kann ein Fachtierarzt
den Tumor durch chirurgischen Eingriff entfernen, aber wegen des hohen
Risikos ist dies leider nicht empfehlenswert. Ihr Tierarzt
wird Sie dazu beraten.
Die meisten Fachleute sind der Ansicht, dass Hodentumoren grundsätzlich
inoperabel sind.
Schmerzen zeigten sich bei Jacky, indem er den gelähmten Fuß
anhob oder daran knabberte, sich mit seinem Schnabel ins Gitter verbiss
oder anfing zu zittern. Mit einem Schmerzmittel (häufig Metacam),
kann man die Schmerzen in akuten Fällen nach Absprache mit dem Fachtierarzt
lindern.
Außerdem gebe ich bei einigen Tumoren ein Vitamin K1-Präparat.
Ich möchte das Vitamin K1 nicht als Heilmittel für
Tumore bezeichnen und halte es auch nicht für ein Wundermittel, wie
es gelegentlich im Internet dargestellt wird. Trotzdem kann ich ihm eine
positive Wirkung bei mehreren kranken Vögeln und auch den Tumorpatienten
nicht absprechen. Vitamin K1 hat meiner Meinung nach auch keinen
direkten Einfluss auf den Tumor, sondern eher eine positive Wirkung auf
den Gesamtorganismus (Stoffwechsel), so dass sich der Sittich allgemein
etwas besser fühlt.
Vitamin K1 ist in der Apotheke erhältlich. Geeignete
Präparate sind z.B. Konakion (Ampullen, diese enthalten keinen Alkohol)
oder Kanavit K1.
Zusätzlich hatte ich einige Sitzbrettchen (hier
Bilder) in der Voliere angebracht, auf denen Jacky leichter sitzen
konnte. Hier muss man allerdings gut beobachten, denn obwohl es insgesamt
vier Sitzbrettchen waren, waren sie oft von anderen Sittichen besetzt,
die ihm teilweise auch das Obst wegfraßen. Zwischendurch bekam er
immer wieder seine Ruhe und sein eigenes Frischfutter im Krankenkäfig,
aber da es ihm draußen bei den anderen sichtlich besser ging, war
dies auch keine ideale Dauerlösung. Er hat erst nach mehreren Monaten
gelernt sich gegen die anderen durchzusetzen.
Für echte Tumorfälle dürfte es allerdings schwieriger
sein, sich gegen gesunde Sittiche durchzusetzen, so dass man hier gut beobachten
muss, ob sich ein Sittich unter den anderen noch wohlfühlt, ausreichend
Ruhe und zu fressen bekommt.
Alternative Medizin:
Homöopathisch stehen verschiedene
Mittel zur Verfügung.
Im Internet wurde in den letzten Jahren viel über Tarantula
Cubensis ("Nachfolger" von
Theranekron, das vom deutschen Markt
genommen wurde) berichtet. Es handelt sich um homöopathisch aufbereitetes
Spinnengift (Tarantelgift). Dadurch wird der Tumor im Erfolgsfall zur Einkapselung
gebracht, sein Wachstum wird dadurch gestört, so dass das Tumorwachstum
deutlich verlangsamt oder sogar zum Stillstand gebracht wird. Es soll sogar
vorkommen, dass der Tumor sich zurückbildet oder ganz verschwindet.
Letztere Fälle sind mir persönlich allerdings noch nicht bekannt.
Je früher die Therapie begonnen wird, desto erfolgsversprechender
ist sie. Leider habe ich persönlich bislang mehr Erfolge in der Tumorbehandlung
von Säugetieren beobachtet als bei der von Vögeln.
Es gibt außerdem verschiedene homöopathische Einzelmittel
oder Komplexmittel (am bekanntesten sind wohl die Komplexmittel der Firma
Heel, bei denen es sich genaugenommen nicht um reine Homöopathie,
sondern Homotoxikologie
handelt), die den Tumor beeinflussen können.
Sprechen Sie mit Ihrem Fachtierarzt
oder
einem Tierheilpraktiker über eine alternative Therapie.
Geben Sie hömöopathische Mittel möglichst
in Keramik- oder Plastiknäpfen. Es ist ein unter Heilpraktikern umstrittenes
Thema und meines Wissens ist nichts erforscht und bewiesen, aber einige
Fachleute sind der Ansicht, dass Metall (z.B. Edelstahlmäpfe) die
Wirkung von homöopathischen Mitteln vermindert oder sogar ganz zunichte
macht.
Sollte es wirklich zu erheblichen Kotabsatzbeschwerden kommen und der
Vogel sichtbar Schmerzen haben, so dass sein Leben nicht mehr wirklich
lebenswert ist, sollten Sie überlegen, ihn von seinem Leiden erlösen
zu lassen, so schwer es auch fällt. Solange ein Vogel auch gute Phasen
hat, die vielleicht sogar über einige Tage oder Wochen reichen, muss
er sehr gut beobachtet werden, um leichter entscheiden zu können,
ob und wie lange man noch warten kann. Man fühlt sich bestimmt nicht
gut, wenn man das Gefühl hat zu früh gehandelt zu haben. Genausowenig
hat man allerdings ein gutes Gefühl dabei den Sittich zu spät
erlöst zu haben. Hier könnte ein Gespräch mit dem Fachtierarzt
helfen, der den Zustand seines Patienten einschätzen kann.
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