Psittakose (Papageienkrankheit)

 
Die Psittakose wird auch als Papageienkrankheit bezeichnet. Der Name entstand ursprünglich, weil die Krankheit durch importierte Papageien engeschleppt wurde. Heute weiß man, dass sich auch Singvögel und Tauben mit dieser Krankheit infizieren können. Bei diesen Vögeln wird die Psittakose als Ornithose bezeichnet.

Da es keine Unterschiede zwischen Psittakose und Ornithose gibt setzt sich inzwischen der Begriff Chlamydiose (Erreger sind sogenannte Chlamydien) immer mehr durch.

Psittakose war bis 2011 eine anzeigenpflichtige Seuche, weil sie auf den Menschen übertragbar ist. In einer Verordnung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vom 25.05.2011 wurde die Psittakose aus der Anzeigepflicht genommen. Sie ist seitdem nur noch meldepflichtig.

Begründet wurde dieser Schritt mit der geringen Anzeigenzahl (seit etwa 10 Jahren ca. 150 Anzeigen pro Jahr), womit die Psittakose keine große Bedeutung als Zoonose hat. Dazu kommt, dass die Maßnahmen der Anzeigepflicht (also die Bekämpfung der Psittakose in Deutschland) nicht dazu beitragen können, den Erreger vollständig aus den Vogelbeständen zu eliminieren.

Um trotzdem einen Überblick über die Verbreitung der Psittakose zu behalten wurde sie in die Meldepflicht aufgenommen.

Dass die Psittakose nur noch meldepflichtig ist, bedeutet, dass Sie eine vom Tierarzt nachgewiesene Erkrankung dem zuständigen Amtstierarzt melden müssen, ohne weitere Folgen. Als die Psittakose noch anzeigepflichtig war ordnete der Amtstierarzt auch die Therapiemaßnahmen an (siehe auch Punkt "Therapie").
 

Vorkommen:
Alle Sittiche. 
Es kann vorkommen, dass ein Sittich lange Zeit mit den Chlamydien lebt, ohne dass irgendwelche Anzeichen zu erkennen sind. Es handelt sich um ein biologisches Gleichgewicht, dass, solange es durch Stress, mangelhafte Hygiene oder andere Krankheiten nicht gestört wird, unter Umständen sogar lebenslang andauern kann. Allerdings werden andere Sittiche durch die ständige Ausscheidung der Chlamydien (z.B. über den Kot) gefährdet.
 
 

Mögliche Symptome:
Die Symptome einer Psittakoseerkrankung sind leider sehr unspezifisch, es gibt keinen eindeutigen Krankheitsverlauf, der sofort auf diese Infektion schließen lassen könnte.

Symptome sind z.B. Apathie, Müdigkeit, Schwäche, einseitige Bindehautentzündung, Schnupfen, Appetitlosigkeit, Durchfall, Abmagerung, gesträubtes Gefieder, Atemprobleme oder zentralnervöse Störungen.
 
 

Ursache:
Chlamydien (früher Chlamydia psittaci, nach einer neuen Zuordnung Chlamydophila psittaci), einem intrazellulären Erreger, der den Bakterien zugeordnet wird.
Die Krankheit wird direkt durch den Kontakt zwischen den Vögeln (z.B. Füttern) oder indirekt durch infizierten Staub der Federn oder getrockneten Kot oder Sekrete (Augen- oder Nasensekrete) übertragen.
Parasiten wie Milben, Federlinge und Läuse können die Krankheit ebenfalls übertragen.
 
 

Diagnose:
Es wird ein Abstrich von der Kloake oder der Bindehaut gemacht, um Chlamydien nachzuweisen. Der Bindehautabstrich gilt meines Wissens derzeit als sicherste Nachweismöglichkeit. 
Gelegentlich wird auch der Kot, das Blut oder Nasensekret untersucht.
Der Erreger wird mittels PCR nachgewiesen. PCR ist die Abkürzung für Polymerase Chain Reaction. Hierbei handelt es sich um eine Technik, bei der von bestimmten Abschnitten der DNA Kopien angefertigt werden und mit der man u.a. Infektionserreger nachweisen kann.
 
 

Differentialdiagnose:
Psittakose kann ein sehr ähnliches Krankheitsbild aufweisen wie z.B. die Pachecosche Krankheit und die Salmonellose. Treten solch unspezifische Symptome auf und kann kein Psittakose-Erreger nachgewiesen werden ist es ratsam, auch auf diese Krankheiten hin zu untersuchen.
 
 

Therapie:
Als die Psittakose noch anzeigepflichtig war ordnete der Amtstierarzt die Behandlung an, zumindest sollte es so sein. Ich kenne einige Fälle, in denen sich der zuständige Amtstierarzt um gar nichts gekümmert hat. Der gesamte Bestand musste in Quarantäne gehalten, untersucht und behandelt werden. Die Behandlung und Unterbringung wurde durch die Psittakoseverordnung geregelt. Diese ist inzwischen allerdings umstritten, da es z.B. trotz vorbeugender Quarantäne und Antibiotika-Behandlung bei legal importierten Vögeln keine Garantie gibt, dass sie frei von Psittakose-Erregern sind. Diese gelangen dann in die Zuchträume und durch die Zucht in den Verkauf (bei den Züchtern direkt oder über Zooläden).

Heute besteht nur noch eine Meldepflicht, die Behandlung wird mit dem Fachtierarzt abgesprochen.

Schulmedizinisch:
Bei rechtzeitiger Erkennung erfolgt eine Behandlung mit Antibiotika. Je nach Bestandsgröße werden diese injiziert, oral (also direkt in den Schnabel verabreicht) oder über das Futter gegeben.
Nach Abschluss der Therapie müssen zwei Kontrolluntersuchung durchgeführt werden. Hierfür kann man Sammelkotproben verwenden, die frühestens 5 Tage nach Beendigung der Therapie genommen werden dürfen. Der Abstand zwischen den zwei Kontrolluntersuchungen beträgt ebenfalls 5 Tage. Alternativ können frühestens 10 Tage nach der Behandlung stichprobenartige Blutproben untersucht werden. Erst wenn diese Proben bestätigen, dass die Chlaymdien erfolgreich behandelt wurden, gilt der Bestand als psittakosefrei.

Eigene Maßnahmen:
Es ist ratsam, die betroffenen Vögel, sofern sie im Wohnbereich gehalten werden, für die Dauer der Behandlung in einem freien Raum unterzubringen und sehr sorgfältig auf die Hygiene zu achten.
Verwenden Sie Papier statt Vogelsand als Bodenbelag oder verzichten Sie ganz auf einen Bodenbelag (sofern der Raum nicht mit einem Teppich ausgestattet ist), um die Verteilung des Erregers durch Kot- und Sandstaub zu unterbinden. Um die Erregerzahl und damit den sogenannten Infektionsdruck zu senken sollten Sie ausreichend lüften. Wenn dies wegen kalten Wetters nur kurz möglich ist können Sie auch einen einen Luftreiniger oder Luftwäscher einsetzen.

Achten Sie auf eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit. Die Räumlichkeiten und die Käfige bzw. Käfigeinrichtung müssen täglich desinfiziert werden.

Desinfektionsmittel:
Chlamydia Psittaci ist empfindlich gegenüber

  • Hitze
  • Formalin
  • Phenol
  • Ether
(Quelle: Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, 2004)

Als Desinfektionsmittel eignen sich z.B. Ether 70%ig, Formalin 1,5%ig oder Vennovet 1 Super. Die Käfigeinrichtung kann teilweise in kochendem Wasser desinfiziert werden.

Prinzipiell, besonders aber bei immungeschwächten Haltern (z.B. durch eine Erkrankung, Erkältung, Alter) empfiehlt sich bei dem kurzen Aufenthalt im Raum ein Mundschutz. Die Kleidung sollte nach der Reinigung und Fütterung gewechselt werden, um den Staub auf der Kleidung nicht in den Wohnbereich zu schleppen.
 

Ansteckungsgefahr:
Die Krankheit ist auf den Menschen übertragbar. Ich kenne extrem wenige Fälle, in denen dies passiert ist. In den meisten Fällen passiert glücklicherweise nichts. Kinder, kranke Halter und Senioren sollten die Räumlichkeiten meiden, alle anderen können sicherheitshalber einen Mundschutz tragen.

Eine Infektion beim Menschen äußert sich in in erkältungs- oder grippeähnlichen Symptomen. Bei einer solchen stärkeren Erkrankung sollten Sie Ihren Arzt aufgesucht und auch auf die Vogelhaltung aufmerksam machen, damit er bei Bedarf auf Chlamydien untersucht. Eine erkannte und behandelte Erkrankung stellt heutzutage keine Gefahr mehr für den Vogelhalter dar.
 

Vorbeugung:
Neuzugänge, sowohl Vögel aus dem Zoohandel oder vom Züchter und zugeflogene Sittiche, die sich draußen aufgehalten und bei Wildvögeln angesteckt haben können, sollten immer in Quarantäne gesetzt und von einem Fachtierarzt untersucht werden, bevor sie zu den anderen Sittichen gesetzt werden!

Der Test kostet normalerweise ca. 20-30 €, das Testergebnis liegt nach ca. einer Woche vor.

Gleichzeitig sollten Sie Neuzugänge auf Bakterien, Pilze und Parasiten testen lassen, um auch hier eine Einschleppung von Krankheiten zu vermeiden.

Die Kosten und der Aufwand sind nichts im Vergleich zu den Kosten, dem Aufwand und den Sorgen, die man hat, wenn man eine ansteckende Krankheit in den Bestand eingeschleppt hat. Grund zur Panik besteht nicht, aber als verantwortungsvoller Halter sollte man sich über mögliche Folgen im Klaren sein, wenn man auf die Quarantäne verzichtet. Die Zahl von 150 gemeldeten Fällen pro Jahr sagt nichts über die Dunkelziffer aus, denn nicht jede Psittakoseerkrankung wird auch erkannt und / oder gemeldet.
 

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