Deutsch: Schnabel- und Federkrankheit der
Papageien
Vorkommen:
Hauptsächlich Kakadus und Papageien (besonders Agaporniden,
auch Unzertrennliche genannt.)
Neuere Untersuchungen gehen davon aus, dass sogar bis zu 90% der Agaporniden
(Unzertrennliche) in Europa mit PBFD infiziert sind.
Immer häufiger wird die Krankheit auch bei Sittichen, besonders
Wellensittichen,
nachgewiesen. Zunehmend sind - vermutlich auch durch die höhere Sensibilisierung
der Halter durch entsprechende Internetberichte und häufigere Tests
- auch Nymphensittiche betroffen.
Die Krankheit kann aber vermutlich alle Sittich- und Papageienarten treffen.
Häufig betroffen sind Papageienvögel im Alter von bis zu 2-3
Jahren, generell können jedoch alle Altersgruppen betroffen sein.
Da die Ursache der Krankheit über viele Jahre hinweg nicht gefunden
werden konnte und bis heute ein Impfschutz fehlt hatte das Virus Zeit,
sich recht weit in unseren Papageienbeständen zu verbreiten. |
Agaporniden sollen am häufigsten
infiziert sein, doch auch immer mehr
Wellensittiche sind betroffen
|
Forscher derUniversität Witten / Herdecke führten in den
letzten Jahren eine erste Studie durch, bei der gesund aussehende Vögel
auf PBFD und Polyoma getestet wurden.* Hierfür wurde die DNA der Federkiele
untersucht. Unter anderem wurden für die Studie 146 anscheinend gesunde,
symptomfreie Vögel (hauptsächlich Papageienvögel,
u.a. Agaporniden, Amazonen, Keilschwanzsittiche, Loris, Grassittiche, Rotschwanzsittiche)
auf PBFD untersucht. Das Federmaterial wurde bei zufällig ausgewählten
Züchtern in Deutschland gesammelt. Ergebnis: 39% der Vögel waren
PBFD-positiv, also mit dem PBFD-Virus infiziert.
Aufgrund mangelnder Studienanzahl und begrenzter Züchter-
und Vogelanzahl kann hieraus natürlich kein pauschales Ergebnis für
Deutschland oder Europa abgeleitet werden. Dennoch wird sie von Vogelexperten
ernstgenommen und man vermutet, dass PBFD in unseren Vogelbeständen
inzwischen recht weit verbreitet ist, oft, ohne dass die Halter es erkennen
können, weil die tpyischen, im folgenden genannten Symptome, fehlen.
Symptome:
In der Praxis verläuft PBFD nicht zwangsläufig so abgegrenzt
und nicht mit allen Symptomen, so wie im folgenden aufgeführt. Es
handelt sich lediglich um mögliche Symptome. Ich kenne einige
PBFD-Bestände, in denen sich das Virus nur durch Gefiederveränderungen
bemerkbar macht, Schnabelveränderungen jedoch fehlen.
Man unterscheidet im wesentlichen zwischen
einem akuten und einem chronischen Verlauf. Fachleute unterteilen diese
Verläufe gelegentlich nochmals in folgende Formen:
Akuter Verlauf:
1. perakuter Verlauf:
Betroffen sind hauptsächlich Kakadus und Graupapageien, v.a. neugeborene
Jungvögel. Bereits nach einigen Tagen werden erste Symptome (Apathie,
Durchfall, Abmagerung usw.) sichtbar und führen innerhalb kurzer Zeit
zum Tod.
2. akuter Verlauf:
Betroffen sind Jungvögel aller Papageienarten, oft in einem Alter
von ca. 1 Monat. Kurze Zeit nach dem Auftreten erster Symptome (Apathie,
Durchfall, Veränderungen an den wachsenden Federn usw.) sterben die
meisten Jungvögel. |
Ein auffälliges Gefieder wie bei diesem
Springsittich kann auf PBFD hinweisen
|
Chronischer Verlauf:
3. "klinisch inapparenter Verlauf":
Dieser tritt v.a. bei älteren Vögeln auf. Die Sittiche sind
latent infiziert, d.h. dass sie das Virus in sich tragen, die Krankheit
aber (noch) nicht ausgebrochen ist und es daher keine Symptome zu sehen
gibt. Die Vögel sehen gesund aus. Erste Symptome sind erst bei Ausbruch
der Krankheit, nach Monaten oder sogar Jahren zu sehen. So ist Stress z.B.
meinen Beobachtungen verschiedener betroffener Bestände nach ein häufiger
Auslöser für den Ausbruch der Krankheit.
Obwohl die Sittiche gesund aussehen können sie andere Papageienvögel
im Bestand mit dem Virus infizieren.
4. chronischer Verlauf:
Bei erkrankten Vögeln kann es zu Federdeformationen, Federverlust
und übermäßigem Schnabelwachstum kommen. Außerdem
wird das Immunsystem unterdrückt (Immunsuppression), so dass
im Verlauf häufig sogenannte Sekundärerkrankungen auftreten,
da der Körper nun anfällig gegenüber anderen Krankheitserregern
wie z.B. Bakterien oder Pilzen wird. Sittiche sterben häufig nicht
an der Viruserkrankung selbst, sondern an diesen Sekundärerkrankungen.
Federn: Störung der Federbildung,
mögliche Symptome:
-
symmetrisches Ausfallen der Federn durch Schädigung
der Federfollikel. Meistens sind zuerst die Daunen- und Deckfedern betroffen.
-
Störung des Federnwachstums: Steckenbleiben
in der Hornscheide (sogenannte persistierende Federscheiden)
-
Störung des Federwachstums: Bildung von ringförmigen
Einschnürungen der Federschäfte. Hier können die
Federn leicht abbrechen. Diese Einschnürungen müssen aber bei
PBFD nicht zwangsläufig vorhanden sein. Sie wären allerdings
ein sicheres Symptom für eine Infektion mit Circoviren. Die verbleibenden
Schaftteile sind häufig blutig.
-
Störung des Federwachstums: Verdickung des Federschafts
(siehe Foto, dies ist aber auch bei Polyoma
/ Französischer Mauser möglich)
-
Missbildung der Federn
-
Federn lassen sich leichter herausziehen als
gewöhnlich
Bei chronischen Verläufen können diese Veränderungen nach
jeder Mauser zunehmen. |
|
Typisch für PBFD sind krumm wachsende Federn, besonders gut
auch an den Schwanzfedern zu erkennen. Es kommt vor, dass die neuen
Federn nach der Mauser in der ersten Zeit wieder normal wachsen und sich
erst zu einem späteren Zeitpunkt wieder krümmen, zumindest solange
die Krankheit ansonsten relativ unauffällig verläuft. Beim Ausbruch
der Krankheit wachsen die Federn nach jeder Mauser genauso krumm oder noch
stärker gekrümmt.
Zusätzlich werden gelegentlich Farbveränderungen sichtbar,
z.B. die Verfärbung von grün nach gelb oder grau nach rosa. Bei
Vögeln, die starken Gefiederstaub produzieren (z.B. Kakadus oder Nymphensittiche)
fällt auf, dass dieser kaum vorhanden ist, da häufig zuerst die
Puderdunen von den Veränderungen betroffen sind. Dadurch wirkt das
Gefieder matt und der Schnabel glänzend.
Schnabel: Der Schnabel wird häufig übermäßig
lang, es sind Risse, Brüche und Farbveränderungen zu sehen. Durch
die übermäßige Länge des Schnabels oder Schnabelbrüche
sind die Vögel häufig nicht mehr in der Lage ausreichend zu fressen
und magern ab. Besonders bei Kakadus wurde auch beobachtet, dass das Schnabelhorn
weicher wird. Es kann so weich werden, dass der Vogel keine Nahrung mehr
aufnehmen kann.
Apathie und Durchfall können weitere Symptome sein.
Im Gegensatz zu anderen Erkrankungen, z.B. Parasitenbefall, organischen
Erkrankungen oder Hautinfektionen, löst PBFD keinen Juckreiz
aus.
PBFD verläuft in der Regel irgendwann tödlich, dazu mehr unter
dem Punkt "Lebenserwartung". Es gibt jedoch auch vereinzelt Meldungen,
nach denen PBFD-infizierte Vögel wieder gesund geworden sein sollen.
Ursache:
Das sogenannte PBFD-Virus, ein Circovirus, welches die für
den Feder- und Schnabelaufbau notwendigen Zellen und Zellen des Immunsystems
zerstört. Es ist ein sehr kleines und leider sehr widerstandsfähiges
Virus, das gegen viele Desinfektionsmittel resistent ist. Es überlebt
auch außerhalb des Vogels und bleibt so mehrere Monate infektiös.
Das Virus wird von Vogel zu Vogel über Kot und Federstaub und oral,
z.B. beim gegenseitigen Füttern oder Füttern der Jungvögel,
übertragen. Auch eine Übertragung von einer infizierten Henne
auf die Eier ist möglich, wenn sich die Erreger auf den Eischalen
absetzen. Dann kann sich ein Jungvogel bereits beim Schlupf anstecken.
Ebenso kann das Virus durch (z.B. durch Staub) infizierte Kleidung über
den Menschen auf andere Vögel übertragen werden. Gerade letzteres
erleichtert dem Virus die Verbreitung sehr und sorgt für große
Sorgen bei den Sittichhaltern.
Das Virus schädigt das Immunsystem, so dass es immer geschwächt
ist und es schnell zu sogenannten Sekundärerkrankungen mit Bakterien
oder Pilzen kommen kann.
Die Inkubationszeit dauert bei Nestlingen im Schnitt 3-4 Wochen,
bei Altvögeln Monate oder sogar Jahre, je nachdem wie gut ihr Immunsystem
zum Zeitpunkt der Ansteckung war. Offenbar sind Papageien und Sittiche
im Alter von bis zu 3 Jahren anfälliger für die Infektion als
ältere Vögel.
Herkunft:
Das PBFD-Virus trat vermutlich zuerst in Australien auf und hat sich
über den Handel bis Europa und Deutschland ausgebreitet.
Diagnose:
Typische Gefiederveränderungen und eventuell übermäßiges
Schnabelwachstum lassen eine erste Verdachstdiagnose zu.
Diese wird mittels DNA-Untersuchung des Blutes und betroffener
frischer Federn (Blutkiel) im Labor bestätigt oder ausgeschlossen.
Man kann bei Bedarf einen Sammeltest machen. Damit weiß man allerdings
im Fall des Falles nur, dass man PBFD im Bestand hat, nicht aber welcher
Vogel oder welche Vögel nun genau betroffen sind. Wenn die Vögel
bereits lange zusammen leben ist dies auch nicht unbedingt notwendig, da
dann mit großer Wahrscheinlichkeit der ganze Bestand betroffen ist.
Fragen Sie hierzu nach der Meinung Ihres
Fachtierarztes.
In der Praxis wird gerade bei kleinen Sitticharten meist nur eine Federprobe
ins Labor geschickt. Möglicherweise sind mehrere Untersuchungen
notwendig, wenn der erste Test negativ ist, also kein Virus gefunden
wurde. Es kommt vor, dass der erste Test negativ, der zweite aber positiv
ausfällt. Der erste Test war also "falschnegativ". Es kommt vor, dass
sich in dem eingesandten Material kein Virus befindet, obwohl der Vogel
infiziert ist oder der Test kontaminiert ist. Deshalb sind Kontrolluntersuchungen
(bis zu 2) im Abstand von ca. 3 Monaten sicherer und sehr zu empfehlen. |
Ein übermäßiges Schnabelwachstum
wie hier beim Schildsittich kann auf
PBFD hinweisen
|
| Tipp:
Verwenden Sie am besten bereits veränderte frisch ausgezogene Federn
mit möglichst viel Blut im Federkiel oder eine Blutprobe für
die Untersuchung.
Schicken sie die Blut- oder Federproben an die Poliklinik
Leipzig.
Diese haben sich auf die Untersuchung auf Viruserkrankungen spezialisiert
und gelten als das beste und sicherste Labor auf diesem Gebiet. |
Differentialdiagnose:
Polyoma (Französische
Mauser) ist vom Krankheitsbild her dem PBFD ähnlich. Deshalb sollte
auch auf Polyoma getestet werden, v.a. wenn der Test auf PBFD negativ (also
virenfrei) war. Es sind auch Kombinationstests auf PBFD und Polyoma
möglich (kostengünstiger als zwei Einzeltests!).
Es kommt
vor, dass Vögel PBFD UND Polyoma positiv getestet werden, also
mit beiden Virusarten infiziert sind. Da viele Vogelhalter dies nicht wissen,
wird nach einem positiven Polyomatest meistens gar nicht weiter auf PBFD
getestet. Dies sollte meiner Meinung nach aber nicht vernachlässigt
werden.
Therapie:
Leider gibt es derzeit (Stand: 2008) in Deutschland keine Behandlung
bei der Diagnose PBFD.
Ein Tierarzt kann lediglich Symptome behandeln, z.B. einen übermäßig
stark wachsenden Schnabel auf seine normale Länge kürzen.Wenn
sich der Zustand des Sittichs sehr verschlechtert, sollte überlegt
werden ihn von seinem Leiden zu erlösen.
2006 wurde zwar damit begonnen, in einem Forschungsprojekt von Dr. Reinmar
Johne (Universität Leipzig) an einem Impfstoff gegen PBFD zu
arbeiten. Erschwert wird die Entwicklung eines Impfstoffs dadurch, dass
sich das Circovirus nicht über Zellkulturen oder Hühnereier vermehren
lässt. Inzwischen konnte eines der Hüllproteine (das Kapsidprotein
C1) künstlich produziert werden. Die Forscher erwarten, dass es als
Impfantigen verwendet werden kann. Leider habe ich gehört, dass die
Studien aus Kostengründen nicht fortgeführt werden sollen.
In Australien wurde sogar ein Impfstoff entwickelt (Stand: 2007), der
vorbeugend wirkt. Die Impfung wird nach einem Monat wiederholt. Es können
nur gesunde Vögel geimpft werden, bereits infizierten Vögeln
kann mit diesem Impfstoff nicht mehr geholfen werden. Dieser Impfstoff
ist in Deutschland jedoch nicht zugelassen.
Die Suche nach einem PBFD-freien Wellensittichbestand gestaltete sich
übrigens schwieriger als erwartet, da es von allen untersuchten Beständen
nur einen einzigen gab, in dem das PBFD-Virus nicht gefunden werden
konnte. Dies bestätigt die weite Verbreitung des Erregers bei Wellensittichen.
Wichtig:
Sie können Ihre Sittich unterstützen, indem Sie ihr Immunsystem
stärken:
-
angenehme Umgebung (heller, sauberer und ruhiger Raum, viel Freiflug,
viele Beschäftigungsmöglichkeiten z.B. mit Naturholzspielzeug)
-
Staubvermeidung: Da das Virus über die Luft übertragen
werden sollte eine Staubbildung eingeschränkt werden. Verwenden Sie
statt staubigem Sand als Einstreu z.B. Buchenholzgranulat, Waldboden oder
Maisgranulat oder in kleineren Käfigen Küchenpapier. Bieten sie
Sand in einer extra Schale an, da er für die Verdauung wichtig ist.
Sie sollten möglichst täglich staubsaugen und staubwischen und
herumliegenden Kot (z.B. auf Möbeln, auf PVC-Boden usw.) einsammeln.
Außerdem sollten Sie regelmäßig lüften. Dadurch verringern
Sie den Infektionsdruck etwas. Außerdem können Sie die Anschaffung
eines Luftreinigers mit HEPA-Filtern oder eines Luftwäschers (z.B.
Firma Venta) überlegen. Mit einem Luftreiniger / Luftwäscher
kann der infektiöse Staub in der Luft verringert werden.
-
Hygiene: Käfig und das Zmmer, in dem sich erkrankte Vögel
aufhalten, müssen sehr sauber gehalten werden, um Sekundärinfektionen
durch Bakterien, Pilze usw. möglichst zu vermeiden. Da das Virus wie
erwähnt auch über die Kleidung oder Hände auf andere Sittiche
übertragen werden kann, sollten Sie immer darauf achten frische Kleidung
zu tragen, wenn sie ausgehen, besonders dann, wenn Sie sich mit anderen
Vogelfreunden treffen. Eine Dusche vorher wäscht den Virenstaub von
Ihnen ab und verhindert zusammen mit frischer Kleidung eine Übertragung.
-
Desinfektion: Der Käfig / die Voliere und nach Möglichkeit
die Einrichtung sollten immer mal wieder desinfiziert werden, um anderen
Krankheitserregern keine Chance zur Vermehrung zu geben.
-
Immunsystem: Unterstützen Sie das Immunsystem Ihrer Vögel
mit einer gesunden Ernährung
und viel frischem Obst, Gemüse
und Grünfutter, bei Bedarf (bei "Obstverweigerern")
können Sie ein Vitamin-Mineralstoff-Präparat in das Trinkwasser
geben. Beschäftigungsmöglichkeiten, frische
Knabberzweige, Freiflug, UV-Licht
(Vogellampe) und eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit
fördern das Immunsystem ebenfalls. Das Zimmer sollte gut gelüftet
sein (vorsicht vor Zugluft). Vermeiden Sie Stress, denn Stress schwächt
das Immunsystem zusätzlich.
-
Homöopathisch: Alvimun zur Unterstützung des Immunsystems.
Bei größeren Sittichgruppen empfiehlt sich Alvimun-T für
Tauben. Die Zusammensetzung ist die gleiche, die Flasche ist nur größer
(200 ml) und dadurch kostengünstiger. Alvimun Produktinformation:
Firma:
Alvetra GmbH, Vertrieb: alfavet
Tierarzneimittel GmbH, Bezugsquelle: Tierarzt
Wie hoch ist die Lebenserwartung bei PBFD?
Viele Vögel, bei denen die Krankheit bekannt ist oder nach dem
Tod festgestellt wurde sterben ungefähr innerhalb eines Jahres nach
Ausbruch der Erkrankung, meistens vermutlich an Sekundärinfektionen
infolge des schlechten Immunsystems.
Das kann meiner Meinung nach auch daran liegen, dass bis vor wenigen
Jahren nur Sittiche getestet wurden, die sichtbar erkrankt oder unerwartet
gestorben sind. Durch die Sensibilisierung durch Internetforen in den letzten
Jahren lassen immer mehr Halter ihre Vögel auch ohne Symptome testen
und so wird das Virus auch immer häufiger entdeckt. Die Lebenserwartung
dieser Vögel dürfte höher sein als die der Vögel, die
bereits schwer krank oder nach ihrem Tod untersucht wurden, denn mit entsprechenden
Maßnahmen kann das Immunsystem und der Kampf gegen das Virus gut
unterstützt werden. Es gibt immer mehr Berichte, in denen vor allem
Sittiche noch einige Jahre sogar fast symptomlos weiter leben.
Infizierte und bereits erkrankte Sittiche können noch einige Zeit
gut leben, besonders, wenn sich gut um sie gekümmert wird, auch um
Sekundärerkrankungen zu vermeiden. Die meisten mir bekannten Bestände
leben inzwischen 4-5 Jahre mit diesem Virus, einige sogar länger (Stand:
2008). In Fachkreisen sind infizierte Vögel bekannt, die noch 10 Jahre
nach Entdeckung des Virus lebten. Soweit erstreckte sich der Beobachtungs-
und Berichtszeitraum in den Beiträgen der Fachzeitschriften, längere
Lebenszeiten sind denkbar.
Agaporniden und inzwischen auch Wellensittiche kommen durch die Durchseuchung
der Bestände vermutlich wesentlich besser mit dem Virus zurecht als
andere Sittiche und Papageien.
Was tun bei PBFD?
Genaue Anweisungen wird man zu dieser Frage kaum geben können.
Jeder betroffene Halter oder jeder, der mit betroffenen Beständen
zu tun hat wird seine Erfahrungen machen und seine Meinung hieraus bilden.
Es hilft nichts betroffene Vögel einschläfern zu lassen. Abgesehen
von ethischen Gründen, die davon abhalten sollten Vögel einzuschläfern,
die noch ein schönes Leben haben, ist das Virus aufgrund seiner Widerstandsfähigkeit
in der Vogelumgebung in deutschen Beständen inzwischen so weit verbreitet,
dass ein paar PBFD-Vögel weniger überhaupt nichts ausrichten
würden. Es würde nicht dazu beitragen, die Verbreitung des Virus
zu stoppen. Dennoch sollte man nicht sorglos mit dieser Erkrankung umgehen
und auch nicht bewusst dazu beitragen, dass sich das Virus weiter verbreitet.
Was also können Sie bei PBFD tun?
Vor allem sollten das Immunsystem unterstützt und der Infektionsdruck
gesenkt werden, wie bei der "Therapie" beschrieben.
Sie sollten möglichst keine Neuzugänge aufnehmen, die sich
bei Ihren Sittichen anstecken könnten. Es gibt Halter von PBFD-Beständen,
die gezielt nach Sittichen suchen, die ebenfalls mit dem Circo-Virus infiziert
sind, um ihrem Sittich oder der Gruppe weitere Sittiche dazusetzen zu können,
ohne gesunde Sittiche anstecken zu können. Dies ist natürlich
eine Alternative besonders auch zur Einzelhaltung, wenn am Ende ein Sittich
übrig bleibt.
Geben Sie diese Sittiche nicht in Urlaubspflege
zu anderen Vogelfreunden, sondern lassen Sie die Vögel bei sich zu
Hause betreuen. Nehmen Sie auch keine Vögel von anderen Vogelfreunden
zur Urlaubsbetreuung auf, um eine Ansteckung zu vermeiden.
Ist eine Trennung der Vögel oder eine Abgabe sinnvoll?
Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten, auch wenn auf vielen
privaten Internetseiten dringend eine sofortige Trennung aller positiv
getesteten Vögel und aller Verdachtsvögel von den gesunden Vögeln
empfohlen wird
Meiner Meinung nach ist das in der Praxis für private Halter kaum
umsetzbar, aus folgenden Gründen:
-
die wenigsten Halter haben Platz für 3 Trennungen in positiv, vielleicht
positiv und (vielleicht) negativ, dafür bräuchte man mindestens
drei Räumlichkeiten. Wegen der vielen Ansteckungsmöglichkeiten
über die Luft ist eine Trennung im gleichen Zimmer oder innerhalb
einer Außenvoliere sinnlos.
-
das PBFD-Virus ist wie gesagt bereits weit verbreitet, die Wahrscheinlichkeit
ist groß, dass die anderen Vögel das Virus von Anfang an in
sich tragen oder sich bereits angesteckt haben
-
selbst wenn die positiv getesteten Vögel alle abgegeben werden, befinden
sich dennoch weiterhin Viren im Raum, die wegen ihrer Stabilität weiterhin
infektiös bleiben. Gerade Wohnräume (z.B. Wohnzimmer) sind schwer
ausreichend zu desinfizieren, so dass ein Restrisiko bleiben wird.
Auch einige Fachleute sehen wegen der weiten Verbreitung und der
inzwischen stattgefundenen Anpassung und damit verbundenen fehlenden oder
recht milden Krankheitsverlauf bei den Agaporniden und Wellensittichen
keinen Grund in Panik zu verfallen und große Trennungsaktionen vorzunehmen.
So schreiben die beiden bekannten Vogeltierärzte Dr. Marcellus Bürkle
und Dr. Gerd Britsch (Tierärztliche Praxis für Ziervögel
und Exoten in Karlsruhe) in einem Artikel über Viruserkrankungen bei
Papageien und Sittichen (Teil 1 in: Papageien, 10 (2008), S. 339):
| "Bekanntermaßen ist in fast allen (größeren) Wellensittich-
und Agapornidenbeständen das Circovirus vorhanden. Über die Jahre
hinweg haben sich diese Spezies relativ gut an den Erreger adaptiert, sodass
Verluste und Krankheitssymptome hier eine untergeordnete Rolle spielen.
Insofern kann man als Wellensittich- oder Agapornidenhalter auch mit dem
Circovirus leben, wenn optimale Haltung und gesundheitliche Überwachung
gewährleistet sind." |
Bei anderen Sitticharten, bei denen PBFD schwerer verläuft, wird
eher zu einer Trennung geraten. Das gilt natürlich vor allem für
Züchter, die in der Verantwortung sind, gesunde Jungvögel zu
verkaufen und das PBFD-Virus nicht weiter zu verbreiten. Hier ist der Aufbau
eines neuen PBFD-negativen Zuchtbestandes dringend zu empfehlen.
Wenn definitiv nicht ihr gesamter Vogelbestand betroffen ist können
Sie versuchen sie an Halter mit PBFD infizierten Beständen oder Leute
(Bekannte, ...), die selbst keine Vögel haben und später auch
keine haben möchten, abzugeben, um so die gesunden Vögel besser
schützen zu können. Besprechen Sie Ihre Überlegungen mit
Ihrem Fachtierarzt und tauschen
Sie sich vielleicht auch anderen betroffenen Haltern in Internet-Foren
aus, um sich eine Meinung zu bilden.
Wie kann man PBFD vorbeugen?
PBFD kann man theoretisch nur vorbeugen, indem man jeden neu aufgenommenen
Vogel einige Wochen lang in Quarantäne
setzt und mehrfach auf PBFD testet. Gerade bei kleinen Sitticharten ist
ein Bluttest oft schwierig, weshalb meist nur die Federn getestet werden.
Ein Federtest auf PBFD kostet je nach Labor etwas über 30,00
EUR, ein Test auf PBFD und Polyoma
zusammen etwas über 50 EUR (Stand: 2006).
Bei Federveränderungen und einem negativen Testergebnis sollte
der Vogel vorsichtshalber 3 weitere Monate in Quarantäne
in einem anderen Raum als die anderen Sittiche gehalten und erneut getestet
werden. Die erste Probe könnte u.U. kein Virusmaterial enthalten haben,
obwohl der Vogel infiziert ist (negatives Ergebnis).
Wie groß ist die Gefahr PBFD in den Bestand
zu bekommen?
Die Gefahr ist relativ. Wer Agaporniden oder auch Wellensittiche besitzt
hat ein höheres Risiko als jemand, der andere Sitticharten aufnimmt.
Allerdings haben diese Vogelhalter meist auch weniger Probleme mit dem
Virus, weil sich diese Vogelarten inzwischen angepasst haben und kaum noch
Symptome zeigen.
Seit sich die Gefahr von PBFD herumgesprochen hat und Halter ihre Vögel
vermehrt testen lassen sind sowohl die Bekanntheit dieser Erkrankung als
auch die bekannte Anzahl betroffener Sittiche natürlich stark angestiegen.
Die Gefahr ist also immer vorhanden, es gibt keinen Grund zur Panikmache,
aber auch keinen Grund sich keine Gedanken um dieses Problem zu machen.
Denn auslöschen lassen wird sich diese Krankheit in unseren Beständen
wohl kaum. Es gibt leider auch Züchter, die trotz dieser Erkrankung
bewusst weiterzüchten, weil es ihnen nur um das Geld geht, und Vogelfreunde
so weiterhin unwissentlich an infizierte Vögel, sowohl von Züchtern,
als auch aus Zoohandlungen, geraten können. Ohne Impfstoff ist man
dagegen machtlos. Es wird sich zeigen, ob ein Impfstoff entwickelt werden
kann und wie dieser in der Praxis wirkt oder ob die Durchseuchung anderer
Sitticharten ähnlich wie beim Wellensittich dafür sorgen kann,
dass die Sittiche widerstandsfähig(er) gegen das Virus werden können.
Ist PBFD ansteckend für mich, meine Kinder
und Ungeborene? Ist PBFD ansteckend für andere Haustiere?
Nein. Für Menschen ist PBFD ungefährlich, es kommt zu keiner
Ansteckung. Auch Hunde, Nager und Katzen können sich nicht anstecken.
*Quelle der Informationen über die
Studien über PBFD und Polyoma:
Markus Rahaus: PBFD und Polyomavirusinfektion: Eine erste Analyse der Verbreitung
Papageien, 8/2005, S. 278ff
|
Seiten-Adresse: http://www.sittich-info.de/medizin/pbfd.html
|
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