auch: Blutmilbe, Dermanyssus-Milbe
Vorkommen:
Alle Sittiche
Bei Sittichen, die fast nur in der Wohnung gehalten werden, spielt
die Rote Vogelmilbe keine große Rolle. Allerdings können Vogelmilben
z.B. durch Neuzugänge oder Tauben von außen eingeschleppt werden.
Häufiger sind Sittiche in einer Außenvoliere betroffen.
Mögliche Symptome:
vermehrtes Putzen, Unruhe, besonders abends und nachts, dadurch Schlaflosigkeit.
Außerdem Federausfall, in schweren Fällen Blutarmut, dadurch
Schwäche.
Probleme bei der Brut: Teilweise wird das Gelege nicht mehr aufgesucht,
Nestlinge zeigen Entwicklungsstörungen, Blässe und Schwäche
und können an Entkräftung sterben.
Ursache:
Die Rote Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae) ist ein ca. 0,7 mm großer
sogenannter "Ektoparasit" (d.h. ein auf dem Vogel befindlicher Parasit).
Sie ernährt sich vom Blut der Sittiche. Vor der Blutaufnahme ist sie
weiß, nach der Blutaufnahme rot bis dunkelrot gefärbt.
Die Rote Vogelmilbe ist nachtaktiv und sucht die Sittiche deshalb nachts
auf, um Blut zu saugen. Aus diesem Grund werden befallene Sittiche vorwiegend
spät abends bzw. nachts auffällig unruhig. Nur bei hochgradigem
Befall suchen die Milben die Vögel auch tagsüber auf.
Tagsüber versteckt sie sich in der Nähe der Vögel in
Ritzen, Spalten, in der Einstreu, unter der Bodenschublade von Käfigen,
im Nistkasten bzw. Nistmaterial, in Sitzstangen oder sogar in der Tapete.
Der Entwicklungszyklus
Ei - Larve - 1. Nymphenstadium - 2. Nymphenstadium - Milbe
erfolgt temperaturabhängig innerhalb von 5-12 Tagen.
Wenn die Umweltbedingungen für die Entwicklung schlecht sind können
die Milbeneier monatelang liegenbleiben, bis sich die Bedingungen wieder
verbessert haben und Larven schlüpfen können.
Die Rote Vogelmilbe kann bis zu ca. 6 Monaten ohne Blut überleben.
Die Rote Vogelmilbe wird eingeschleppt durch:
-
Neuzugänge (besonders aus Außenvolieren)
-
Wildvögel (bei der Haltung in Außenvolieren)
-
in selteneren Fällen durch das Rausstellen der Käfige im Sommer
(UV-Licht) auf Terasse oder Balkon
-
durch eingesammelte Baumzweige (selten)
-
durch kontaminiertes Futter
Diagnose:
Häufig wird die Vogelmilbe vom Halter mehr oder weniger zufällig
entdeckt, wenn sie ihr Versteck z.B. verlassen hat, um zum Vogel zu krabbeln.
Wenn der Verdacht eines Befalls mit der Roten Vogelmilbe vorliegt,
aber noch keine Milbe gefunden wurde, kann man abends ein weißes
Tuch über den Käfig hängen. Am nächsten Morgen sind
bewegliche rote Punkte auf dem Tuch erkennbar. Es handelt sich um die mit
Blut gefüllten Milben.
Differentialdiagnose:
Ähnliche Symptome können bei folgenden Erkrankungen auftreten:
Federlinge, Nordische
Vogelmilbe
Therapie:
Wenn Sie die Rote Vogelmilbe entdecken sollten Sie umgehend einen vogelkundigen
Tierarzt aufsuchen.
Die Sittiche werden zweimal im Abstand von ca. 2-4 Wochen mit entsprechenden
Insektiziden behandelt. Dafür eignet sich z.B. der Wirkstoff Ivermectin,
der in den Nacken geträufelt wird (sogenannte "Spot-On-Methode").
Es gibt aber auch andere Mittel, Ihr Tierarzt
wird Sie beraten.
Biologische Bekämpfung
1. Exner Petguard
Einige Züchter und Halter haben mir von Erfolgen mit der Behandlung
mit Exner Petguard berichtet. Es handelt sich um ein biologisches
Mittel, das die Atemwege der Vogelmilbe verstopft, wodurch diese erstickt.
Es kann sowohl zur Desinfekion der Voliere und der Einrichtung als auch
am Vogel selbst angewandt werden. Achten Sie darauf, dass die Sittiche
das Mittel nicht einatmen und es nicht in die Augen gelangt!
Inhaltsstoffe von Exner Petguart: Wasser, Fett, Molkeneiweiß,
Zucker-Monohydrat, Asche
Exner Petguard können Sie bei verschiedenen Online-Shops bestellen,
z.B. bei
www.zooplus.de

2. Dutchy's®
Leider kenne ich keine Erfahrungen mit dem Produkt Dutchy's®,
möchte es aber gerne kurz vorstellen. Wenn Sie Erfahrungen mit dem
Präparat haben würde ich mich über eine Mitteilung
freuen.
Auf der 1. Tagung für afrikanische Papageien in Berlin 2007 hatte
ich ein Gespräch mit Frau José (Josephine) Appels, die mir
das Produkt Dutchy's® zeigte. Es ist für den Befall
bei Innenhaltung konzeptioniert. Um den Rote-Milben-Befall zu diagnostizieren
kann man wie oben erwähnt ein weißes Tuch über den Käfig
legen. Alternativ kann man ein PVC-Röhrchen unter der Sitzstange anbringen
und ein fest zusammengerolltes Stück Wellpappe hineinstecken. Dort
versteckt sich die Rote Vogelmilbe nach dem Saugakt.
Wird diese Milbe gefunden kommt das Produkt zum Einsatz. Es handelt
sich um Raubmilben, die die Rote Vogelmilbe fressen. Die
Vorstellung hat auf mich zunächst etwas abschreckend gewirkt, aber
wenn man bedenkt, wieviele Staubmilben und andere Milben sich sowieso in
unseren Räumlichkeiten aufhalten ist es vielleicht besser zeitweise
Raubmilben im Haus zu haben als die Rote Vogelmilbe. Diese Milben vernichten
die Rote Vogelmilbe, werden nicht auf den Menschen übertragen und
sterben nach Ausrottung der Roten Vogelmilbe ab. Chemische Bekämpfungsmittel
sollten bei der Bekämpfung durch Raubmilben nicht eingesetzt werden,
damit diese dadurch nicht abgetötet werden.
Bei hochgradigem Befall mit Schwäche empfehle
ich allerdings umgehend den Fachtierarzt aufzusuchen und keine eigenen
Versuche zu starten.
Desinfektion der Umgebung
Sitzäste, Nistmaterial, Einstreu, Futter- und Trinknäpfe,
Spielzeug sowie weitere mögliche Schlupfwinkel sollten desinfiziert
oder ausgetauscht werden.
Die gesamte Umgebung muss desinfiziert werden. Es gibt die Möglichkeit
mit Sprays oder Verneblung zu desinfizieren.
Desinfektionsmittel
Als Desinfektionsmittel eignen sich z.B. Bactazol oder Ardap-Spray.
Einige Halter haben mir von Erfolgen mit Neembaum-Öl berichtet
(hier ein Erfahrungsbericht).
Neemöl
sollte nicht direkt am Vogel angewendet werden, sondern nur zur Desinfektion
der Umgebung.
Vor der Desinfektion der Voliere und dem Zubehör müssen die
Sittiche aus dem Käfig oder der Voliere genommen werden, damit sie
die giftigen Dämpfe nicht einatmen.
Gegebenenfalls müssen der Käfig und die betroffenen Gegenstände
zwei Stunden nach der Desinfektion mit Wasser abgewaschen werden, damit
die Sittiche nicht in Kontakt mit dem Gift kommen. Dies hängt vom
verwendeten Mittel ab.
Diese Behandlung muss nach wenigen Tagen wiederholt werden, da Insektizide
nur die erwachsenen Milben abtöten, nicht die Eier.
Haltungsänderung?
Der Nutzen des UV-Lichts
ist übrigens viel größer als das Risiko die Rote Vogelmilbe
dadurch einzuschleppen, so dass Sie auf das "Sonnenbad" (halb Schatten,
halb Sonne) für die Sittiche nicht verzichten sollten. Alternativ
können Sie für künstliches
UV-Licht im Wohnraum der Vögel sorgen. Der Nutzen ist auch bei
Naturzweigen
viel größer als das Risiko, lassen Sie sich dadurch also nicht
abschrecken. Bürsten Sie die Zweige unter heißem Wasser gut
ab, um einem Befall vorzubeugen.
Ansteckungsgefahr:
Die Rote Vogelmilbe kann besonders bei Nahrungsmangel auch den Menschen
oder andere Haustiere befallen. Ein Vogelbmilbenbefall am Menschen äußert
sich in kleinen roten juckenden Flecken auf der Haut (Hautentzündungen).
Bei empfindlichen Menschen kann ein stärkerer Hautausschlag vorkommen.
Die Rote Vogelmilbe kann während des Blutsaugens unter anderem
Viren, Salmonellen oder Chlamydien übertragen.
Dennoch besteht kein Grund zur Panik. Ich
kenne einige Fälle von Vogelmilbenbefall, aber bislang keinen einzigen,
bei dem eine Übertragung auf den Menschen oder Haustiere stattfand.
Weiterführende Links:
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Seiten-Adresse: http://www.sittich-info.de/medizin/parasiten/rote-vogelmilbe.html
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