Luftsackmilben

 
Vorkommen:
alle Sittiche

Viele Tierärzte erkennen einen Luftsackmilbenbefall besonders bei Wellensittichen nicht sofort, da selbst in den Fachbüchern steht, dass dieser bei Wellensittichen kaum vorkommt (vergleiche z.B. Kaleta et al.: Kompendium der Ziervogelkrankheiten, 2. Aufl., 2003, S.212). Soweit die Theorie. In der Praxis habe ich gar nicht mal so selten mit Wellensittichen oder Nymphensittichen zu tun, die von Luftsackmilben befallen sind. Deshalb sollten Sie Ihren Tierarzt auf Luftsackmilbenbefall untersuchen lassen, wenn Sie den Verdacht haben, dass das Krankheitsbild dazu passt. Es gibt Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen (siehe "Differentialdiagnose"), dennoch sollten Sie diese Möglichkeit berücksichtigen.
 
 

Mögliche Symptome:
Der Sittich atmet häufig mit geöffnetem Schnabel, bei genauerem Hinhören kann man oft pfeifende oder rasselnde Atemgeräusche hören. Die Symptome verstärken sich häufig abends und nachts. Durch heftiges Kopfschütteln, Husten und Würgen versucht der Sittich die Parasiten wieder loszuwerden. Nicht selten kann man außerdem Heiserkeit und Niesen beobachten.

Unbehandelt kann ein Sittich an Luftsackmilbenbefall sogar sterben.
 
 

Ursache:
Luftsackmilben (Sternostoma tracheacolum), die die Luftsäcke, aber auch die Luftröhre und die Lungen befallen. Diese etwa 0,7 x 0,4 mm großen geblich-braunen Milben heften sich an die Schleimhäute des Vogels fest und saugen dort Blut. Das führt zu Schädigungen der Schleimhaut, die nun empfindlicher gegenüber anderen Krankheitserregern, z.B. Bakterien, wird. Dadurch können zusätzliche Entzündungen entstehen.

Luftsackmilben können direkt, z.B. durch Füttern des Partnervogels oder der Jungvögel oder indirekt, z.B. durch das Aushusten über Feuchtfutter (z.B. Quellfutter oder Keimfutter) oder Wasser, übertragen werden. In feuchter Umgebung fühlen sich die Milben nämlich wohl, während sie empfindlich gegenüber Trockenheit sind.
 
 

Diagnose:
Die Symptome sind recht eindeutig.

Zusätzlich kann versucht werden die Luftsackmilben mittels Durchleuchten der Luftröhre zu erkennen. Hierzu wird der Hals des Sittichs angefeuchtet und mit einer hellen Lichtquelle durchleuchtet. Häufig sind kleine schwarze Milben zu erkennen.
 
 
Hinweis:
Häufig verwechseln Halter (und auch vogelunkundige Tierärzte) die Symptome wie Würgen und Kopfschütteln mit einer Kropfentzündung. Pfeifende oder rasselnde Atemgeräusche und Husten deuten allerdings häufig auf Parasiten im Atmungstrakt, also Luftsackmilben oder auch Luftröhrenwürmer, hin.

 

Differentialdiagnose:
Ähnliche Symptome können bei folgenden Krankheiten auftreten:
Luftröhrenwürmer, Trichomonaden, Lungenentzündung, Fremdkörper in der Luftröhre
 
 

Therapie:
Der Sittich muss von einem vogelkundigen Tierarzt untersucht werden, da die Infektion mit Parasiten tierärztlich behandelt werden muss. Wie oben bereits erwähnt können Sittiche ohne Behandlung sogar sterben.

Der Tierarzt kann ein Medikament (oft mit dem Wirkstoff Ivermectin) geben, welches die Milben abtötet. Dieses Mittel wird auf den Nacken geträufelt (sogenannte "Spot-On-Methode"). Damit das Medikament auf jeden Fall wirkt, muss die Behandlung etwa zweimal wiederholt werden. Sonst werden nur die erwachsenen Milben abgetötet, während die Eier unbeschadet bleiben. Aus diesen Eiern entwickeln sich ohne erneute Behandlung neue Milben.

Vorsorglich sollten alle Vögel im Bestand behandelt werden, da die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, dass sich die anderen Sittiche bereits angesteckt haben, selbst dann, wenn bei anderen Vögeln noch keine Symptome sichtbar sind. Sonst kann eine Infektion mit Luftsackmilben jederzeit wieder auftreten.

Sie sollten die Feuchtfutter- und Wassernäpfe während der Behandlung besonders gut reinigen und gegebenenfalls desinfizieren, damit es nicht zu erneuten Ansteckungen kommt.
 
 
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