Auch: Fußräude, Kalkbeinkrankheit
Vorkommen:
Alle Sittiche
Mögliche Symptome:
Kalkbeinmilben machen sich häufig zunächst durch Entzündungen
an den Beinen, danach durch Bildung von dicken weißgrauen Belägen
bemerkbar. Dazu kommen meist Unruhe der Sitttiche, in einigen Fällen
ständiges abwechselndes Anheben der Beine, Juckreiz,
Schmerzen. Bei genauerem Hinsehen sind kleine Bohrlöcher in der Haut
erkennbar.
Ursache:
Die Kalkbeinmilbe (Knemidokoptes mutans), kugelförmige achtbeinige
Milben. Das Männchen ist ca. 0,25 mm lang, das Weibchen ca. 0,5 mm.
Sie besiedeln die Haut der Sittichbeine, bohren sich hinein und vermehren
sich dort. Das Eindringen der Milben in die Beine und ihre Stoffwechselprodukte
führen zu Reizungen und Entzündung der Haut an Beinen und Zehen.
Diagnose:
Die Diagnose ist recht einfach, das klinische Bild ist relativ eindeutig.
Eine mikroskopische Untersuchung der Borken, mit der die Milben nachgewiesen
werden, kann die Verdachtsdiagnose absichern.
Differentialdiagnose:
Die Kalkbeinmilbe ist leicht mit der Räudemilbe
zu verwechseln, da die Symptome ähnlich sind. Die Kalkbeinmilbe befällt
bevorzugt Beine und Füße, während die Räudemilbe
auch die Schnabelregion befällt.
Therapie:
Es ist wichtig, dass Sie die Beine gut beobachten. Es kommt häufig
vor, dass die Beine bei einem Befall mit Kalkmilben anschwellen. Um zu
verhindern, dass der Fußring
das Bein ein- und später abschnürt sollten Sie ihn schnellstmöglichst
entfernen oder ihn von einem vogelkundigen
Tierarzt entfernen lassen. Sonst besteht die Gefahr, dass er das Bein
bald abschnürt, es zu Durchblutungsstörungen kommt und das Bein
im schlimmsten Fall abstirbt. Da der Fußring
in Deutschland Pflicht ist sollten Sie ihn aufbewahren.
Es gibt verschiedene Therapiemöglichkeiten:
Spot-On-Methode:
Die einfachste und sicherste Behandlung ist die Therapie eines Fachtierarztes.
Er träufelt ein Milben-Präperat (es enthält meist den Wirkstoff
Ivermectin) auf den Nacken, das die Milben abtötet.
Die Behandlung muss ein- bis zweimal wiederholt werden. Die wiederholte
Behandlung ist wichtig, da das Milben-Präparat nur die Milben
selbst abtötet, nicht aber deren Eier. Diese würden den normalen
Entwicklungszyklus durchlaufen und das Problem wäre in wenigen Wochen
wieder vorhanden. Wenn die Behandlung 1-2 mal in bestimmten Abständen
wiederholt wird werden die neu entwickelten Milben ebenfalls abgetötet.
In welchen Abständen wiederholt werden muss hängt vom jeweiligen
Mittel ab, deshalb kann ich hier keine pauschalen Zeiträume angeben.
Vorteil: die Milben werden sicher und vergleichsweise
schnell abgetötet.
Nachteil: Das Medikament belastet den
Organismus stark.
Abtöten der Milben mit Öl oder Vaseline
Alternativ können Sie selbst Paraffinöl, Sonnenblumenöl
oder Vaseline mit einem Finger oder einem Wattestäbchen auf die betroffenen
Stellen auftragen. Dadurch werden die Bohrlöcher verstopft, die Milben
ersticken. Die eingeweichten Borken lösen sich wieder ab. Die Behandlung
sollte über mehrere Tage wiederholt werden.
Vorteil: Diese Methode ist im Vergleich
zum Milbenpräperat sehr schonend für den Organismus.
Nachteil: die Behandlung dauert länger
als die Therapie mit einem Milbenpräperat und ist unzuverlässiger,
weil man nicht unbedingt alle Stellen erreicht. Außerdem ist diese
Methode ist eher für zahme Sittiche
geeignet, für scheuere Sittiche ist das mehrfache Einfangen und Einreiben
manchmal zu stressig. Allerdings gewöhnen sich viele Sittiche (und
auch ihre Halter) mit der Zeit an diese Behandlung.
Falls Sie nicht wissen, wie Sie den Vogel bei der Behandlung richtig
halten müssen, fragen Sie Ihren Tierarzt.
Meine Therapie:
Bei einem hochgradigen Befall der Füße und Beine kombiniere
ich beide Therapieformen. Ich lasse mit Ivermectin (Spot-On-Methode) behandeln,
um die Parasiten schnellstmöglichst abzutöten. Wenn der Sittich
Probleme mit den Füßen zeigt, diese beispielsweise unwillkürlich
schnell abwechseln anhebt (Zuckungen), weil die Füße jucken
und schmerzen, reibe ich Füße und Beine zusätzlich mit
Sonnenblumenöl ein. In der Praxis hat sich dies bewährt, da das
Öl den Juckreiz deutlich zu verringern oder sogar zu stillen scheint.
Einige Minuten nach dieser Anwendung hören diese Symptome oft auf,
der Vogel sitzt wieder normal auf den Sitzästen. Diese Methode wende
ich auch bei scheuen Vögeln an, da diese kurze Stressphase für
die Vögel immer noch leichter ist als das stundenlange unruhige Sitzen
und zucken der Beine und der Juckreiz.
Sicherheitshalber sollten Sie auf eine stärkere Hygiene im Käfig
oder in der Voliere achten (häufigeres Wechseln des Bodenbelages,
heißes Abwaschen des Käfigs bzw. der Volierengitter, mindestens
2-3 maliges Austauschen des Trinkwassers, tägliche Reinigung der Näpfe
und der Sitzgelegenheiten)
Zusätzlich sollten Sie darauf achten, das Immunsystem des Sittichs
zu stärken, den ein Befall mit Parasiten deutet meistens darauf hin,
dass das Immunsystem geschwächt ist. Der Sittich sollte ausreichend
Vitamine und Mineralstoffe erhalten, eine gesunde
und abwechslungsreiche Ernährung ist wichtig. Vermeiden Sie Stress
und bieten Sie ihren Sittichen möglichst viel Freiflug.
Auch UV-Licht und eine
ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit
unterstützen das Immunsystem.
Ansteckungsgefahr:
Kalkbeinmilben sind für Menschen nicht ansteckend.
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