Haarwürmer (Capillarien)

 
auch: Cappilaria, Kapillariasis, Kapillariose, Haarwurmseuche
 

Vorkommen:
Alle Sittiche, vorwiegend Sittiche in Außenvolieren
Haarwürmer kommen deutlich seltener vor als Spulwürmer.
 
 

Mögliche Symptome:
Meistens sind schleimiger, teilweise fadenförmiger Durchfall und kotverschmutztes Gefieder um die Kloake zu beobachten, außerdem Apathie, Schwäche, Appetitlosigkeit, Aufplustern, Abmagerung, Blutarmut. Bei Jungvögeln kann der Tod schnell eintreten, während es bei den erwachsenen Sittichen normalerweise langsamer verläuft.
 
 

Ursache:
Haarwürmer, dünne, farblose fadenähnliche ca. 1-5 cm lange Rundwürmer. Es gibt mehrere Arten, die Ziervögel befallen. Sie unterscheiden sich z.B. durch ihre Entwicklung: einige Arten entwickeln sich direkt vom Ei zur Larve, andere benötigen einen Zwischenwirt (z.B. Regenwurm) zur Entwicklung.

Im Gegensatz zu den Spulwürmern befallen Haarwürmer nicht nur den Darm, sondern auch Kropf und Rachenraum. Nach der Aufnahme der Eier schlüpfen die Larven im Dünndarm und Kropf und bohren sich in der Schleimhaut fest. Hier entwickeln sie sich zu den ausgewachsenen Haarwürmern. Bei massivem Befall kommt es zu Schleimhautschädigungen und -entzündungen. Diese werden dadurch zusätzlich empfindlich gegenüber anderen Krankheitserregern wie z.B. Bakterien.

Ihre Eier sind unter günstigen Bedingungen (Temperatur, Feuchtigkeit) im Volierenboden bis zu ein oder zwei Jahren lebensfähig. Sie sind sehr widerstandsfähig. In trockener Umgebung sind sie zwar nur wenige Wochen lebensfähig, alles andere, auch Frost, schadet ihnen dagegen nicht.

Die Ansteckung erfolgt über kotverschmutztes Wasser und Futter.
 
 

Diagnose:
Kotprobe, Nachweis der typischen bipolaren Eier im Kot.

Vorbeugende Untersuchung: Da Würmer nicht ständig Eier ausscheiden empfiehlt sich besonders bei Neuzugängen eine Sammelkotprobe aller Neuzugänge und das Sammeln des Kots über 3-5 Tage. Der gesammelte Kot muss bis zur Abgabe beim Fachtierarzt oder Einsenden in ein Labor gegen Austrocknung geschützt werden.

Eine Untersuchung des Rachenraumes kann zumindest eine Verdachtsdiagnose bringen, da die Schleimhäute entsprechend betroffen sind. Sie sind gerötet, der Kropf kann verdickt sein.
 
 

Differentialdiagnose:
Ähnliche Symptome können bei folgenden Erkrankungen auftreten:
z.B. Befall mit Spulwürmern, Kokzidien (Kokzidiose), Trichomonaden
 
 

Therapie:
Wenn Sittiche von Würmern befallen werden müssen Sie von einem Fachtierarzt untersuchen lassen. Er untersucht den Kot auf Parasiteneier und kann entsprechende Medikamente (sogenannte Antiparasitika) verabreichen. Die Behandlung muss je nach Medikament nach ein bis zwei Wochen wiederholt werden. 

Ihr Tierarzt wird Sie informieren, ob Ihr gesamter Vogelbestand behandelt werden muss.

Achtung: in den Internetforen werden zunehmend Probleme mit dem Wirkstoff Fenbendazol beschrieben. Die Behandlung mit diesem Wirkstoff hat in mehreren Fällen zum Tod geführt. Fenbendazol ist im Mittel Panacur® enthalten. Dies kann u.U. auch an einer falschen Dosierung liegen. Fragen Sie vorsichtshalber Ihren Tierarzt, welches Mittel er verwendet und ob es vielleicht Alternativen gibt, z.B. Ivermectin (Wirkstoff: Ivomec®).

Unabhängig von diesen Problemen wird beim Wirkstoff Fenbendazol darauf hingewiesen, dass es nicht während der Mauser angewendet werden soll, da es sonst zu Federbildungsstörungen kommen kann.
 

Achten Sie zusätzlich auf größtmöglichste Hygiene. Sie sollten den Käfig oder die Voliere gründlich reinigen, um eine erneute Übertragung der Eier oder Laven zu verhindern.

Vögel in Außenvolieren sind wie erwähnt häufiger betroffen. Die Böden sollten möglichst trocken gehalten werden. Vorbeugend sollte, falls vorhanden, die Erde in Außenvolieren nach einem Befall komplett ausgetauscht werden. Die Außenvoliere sollte mit einem Dampfstrahlreiniger gereinigt werden, herkömmliche Desinfektionsmittel sind gegen Wurmeier leider meistens machtlos. Um Zwischenwirte zu vermeiden empfiehlt sich ein betonierter Boden.

Futter und Wasser sollten häufiger am Tag ausgetauscht und die Näpfe gut gereinigt werden. In Außenvolieren sollten die Näpfe so angebracht sein, dass Wildvögel diese nicht verunreinigen können.

Wurmeier bleiben in der Umgebung unter guten Bedingungen lange infektiös und stellen daher immer eine Gefahr einer Re-Infektion dar!

Zusätzlich sollten Sie das Immunsystem Ihrer Sittiche mit einer gesunden abwechslungsreichen Ernährung und bei Bedarf mit zusätzlichen Vitamin-Mineralstoffpräparaten unterstützen. 
Da Stress das Immunsystem schwächt und Infektionen begünstigt sollten Sie Stress für Ihre Vögel, z.B. eine ungünstige Vergesellschaftung mit agressiveren Arten oder zu vielen Vögeln auf zu engem Raum vermeiden. Auch UV-Licht und eine ausreichende Luftfeuchtigkeit wirken sich positiv auf das Immunsystem aus.
 
 

Vorbeugend:

  • Haltung aller Neuzugänge im Quarantänekäfig, vorbeugende Kotuntersuchung auf Würmer (man kann sicherheitshalber gleichzeitig auf andere Parasiten (meistens wird auf die häufiger vorkommenden Spulwürmer getestet), aber auch Bakterien und Pilze testen lassen)
  • in Außenvolieren halbjährliche Sammelkotprobe zur Kontrolle auf Würmer. Dies ist sehr viel schonender und empfehlenswerter als vorbeugende chemische Wurmkuren
  • verstärkte Hygiene (bei befallenen Beständen in den nächsten Tagen und Wochen noch größere Hygiene, häufigeres Austauschen des Bodenbelags und des Trinkwassers, Desinfizieren des Käfigs / der Volieren, vorbeugend normale Hygiene)


Natürliche Mittel, die Würmer fernhalten sollen:

  • Papaya inklusive Kerne. Ihre Inhaltsstoffe sollen bewirken, dass es zu keinem Wurmbefall kommt. 
  • Oregano. Auch Oregano soll gut gegen Würmer wirken. Auf Oregano basieren z.B. die Mittel Ropa-B® und Quikon-Med V®. Vor allem von Ropa-B® wollen recht viele Züchter gute Erfahrungen gemacht haben. Es ist ein biologisches Mittel, das unter anderem gegen Spulwürmer wirkt. Ropa-B® ist als Pulver oder Lösung erhältlich. Es sollte nicht bei akutem Befall als alleiniges Heilmittel angewendet werden, sondern vorbeugend oder auch als Nachsorge nach einer tierärztlichen Therapie.
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