Federlinge (Mallophagen)

 
Vorkommen:
Alle Sittiche
 
 

Mögliche Symptome:
Unruhe, übermäßiges Putzen des Gefieders, glanzloses struppiges Gefieder, typisches Fraßmuster an den Federn. 
Die Unruhe kann sich gegen Abend oder Nacht verstärken, da Federlinge lichtscheu und deshalb abends aktiver sind. Die Sittiche werden dann häufig am Schlafen gehindert.

Bei ansonsten gesunden Sittichen verläuft der Befall normalerweise ohne größere gesundheitliche Auffälligkeiten. 

Bei massenhaftem Befall (bei jungen oder geschwächten (kranken) Sittichen oder bei mangelnder Gefiederpflege, z.B. bedingt durch Schnabelverletzungen) kann das Gefieder durch die Schäden gegebenenfalls Wasser nicht mehr so gut abweisen (baden) und es kann zu Problemen bei der Regulierung der Körpertemperatur kommen.
 
 

Ursache:
Federlinge (auch Mallophagen genannt). Es gibt verschiedene Arten, deren Symptomatik und Behandlung sehr ähnlich ist.

Federlinge sind ca. 1-3 mm große bräunlich gefärbte Insekten mit länglichem Körper und sechs Beinen. Sie besitzen keine Flügel, aber kräftige Mundwerkzeuge, mit denen sie Teile der Federn abfressen und sich davon ernähren. Nur wenige Arten ernähren sich auch von Blut und Gewebsflüssigkeit. Sie halten sich an der Unterseite der Flügel auf, außerhalb des Gefieders sind sie nur wenige Tage lebensfähig.

Während andere Parasiten, die die Sittiche befallen, sogenannte Zwischenwirte für ihre Entwicklung benötigen, um infektiös zu werden, läuft die Entwicklung der Federlinge vollständig auf dem Gefieder ab. Ihre Eier (auch als Nissen bezeichnet) legen sie zwischen die Federäste auf der Federunterseite oder an den Federkielen ab. Nach einer Woche schlüpfen die Larven, die sich innerhalb von 3-5 Wochen zu ausgewachsenen Milben entwickeln.

Bei massenhaftem Befall stören die Parasiten das Federwachstum und verursachen Juckreiz. Die Vermehrung der Federlinge ist nur möglich, wenn das Immunsystem z.B. durch Erkrankungen geschwächt ist oder die Gefiederpflege z.B. aufgrund von Schnabelverletzungen oder Überbesatz nicht mehr richtig erfolgen kann. Deshalb kann ein Befall mit diesen Parasiten meist auch als Hinweis für andere Erkrankungen oder Probleme (z.B. Stress) betrachtet werden.

Die Übertragung der Federlinge erfolgt durch den direkten Körperkontakt zwischen den Sittichen oder indirekt über andere Insekten wie z.B. Mücken.
 
 

Diagnose:
Die typischen Fraßspuren an den Federn weisen deutlich auf einen Befall mit Federmilben hin. Wegen ihrer Größe lassen sich Federlinge auch bei genauem Hinsehen oder mit Hilfe einer Lupe unter den Flügeln leicht erkennen, ebenso Ihre Eier.
 
 

Differentialdiagnose:
Ähnliche Symptome können bei folgenden Erkrankungen auftreten: 
Federspulmilben, Federbalgmilben, Rote Vogelmilbe, Nordische Vogelmilbe
 
 

Therapie:
Wenn Ihr Sittich oder Ihre Sittiche sich übermäßig putzen und unter Juckreiz zu leiden scheinen, sollten Sie einen vogelkundigen Tierarzt aufsuchen. Es gibt verschiedene Parasiten, die Juckreiz und vermehrtes Putzen sowie Unruhe auslösen können, deshalb ist eine genaue Diagnose, um welche Art es sich handelt, wichtig, um richtig behandeln zu können.

Wenn Sie sicher sind, dass es sich um Federlinge handelt, können Sie es zunächst selbst mit dem Mittel "Exner Petguard" versuchen, das es im Zoohandel zu kaufen gibt. Es handelt sich um ein biologisches Mittel, das die Atemwege der Federlinge verstopft, wodurch diese ersticken. Das Gefieder wird gut mit dem Mittel eingesprüht, besonders die Federunterseiten. Mehrere Halter haben mir von Erfolgen mit diesem Mittel bereits nach einmaliger Behandlung berichtet. Dennoch empfiehlt es sich, die Anwendung 1-2 mal zu wiederholen. Diese Methode ist schonender als der Einsatz von sogenannten Kontaktinsektiziden. Achten Sie darauf, dass die Sittiche das Spray nicht einatmen und das Mittel nicht in die Augen gelangt!

Exner Petguard erhalten Sie z.B. online bei www.zooplus.de

Ihr Tierarzt würde Federlinge mit Kontaktinsektiziden behandeln. Dafür eignen sich z.B. verschiedene Puder (mit Wirkstoff Permethrin oder Propoxur). Dieses Puder wird von den Sittichen normalerweise gut vertragen, allerdings handelt es sich hierbei natürlich um Gifte, mit denen vorsichtig umgegangen werden muss. Ihr Tierarzt wird Sie zu den verwendeten Mitteln beraten.
 
 

Vorbeugend:
Sie sollten Neuzugänge grundsätzlich zunächst getrennt von den anderen Sittichen halten und vorsorglich auf verschiedene Krankheiten hin untersuchen lassen (Quarantäne). Unter anderem wird bei der Vorsorgeuntersuchung auf Milben und Insekten im Gefieder hin untersucht, so dass Sie sofort behandeln lassen können und außerdem eine Übertragung auf Ihre anderen Vögel vermeiden können.

Das Immunsystem sollte durch eine abwechslungsreiche Ernährung, bei Bedarf zusätzlichen Vitaminpräperaten, ausreichende Luftfeuchtigkeit und UV-Licht (Sonne, Tageslichtlampe für Vögel) unterstützt werden. Die Sittiche brauchen ausreichend Platz in der Voliere und bei Innenvolieren möglichst viel Freiflug. Viele Sittiche baden auch gerne oder lassen sich gerne beregnen. Deshalb sollten Bademöglichkeiten möglichst ständig zur Verfügung stehen. Die Gruppe sollte nicht zu groß sein und außerdem gut zusammenpassen. Aggressive Sitticharten wie Pennantsittiche sollten z.B. nicht zusammen mit Wellensittichen in einem Käfig oder einer Voliere gehalten werden.
 
 
 
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