| Der sogenannte "Nightfright", das nächtliche Erschrecken ist als
solches keine Krankheit, allerdings Ursache einiger Verletzungen und wird
deshalb hier mit aufgeführt.
Hinweis: Da ich zu diesem Thema keine Literatur
kenne kann ich hier nur meine eigenen Beobachtungen und Vermutungen aus
vielen Jahren Sittichhaltung und den Eindrücken von Haltern und Züchtern,
die mich zu diesem Thema in den letzten Jahren häufiger gefragt und
über ihre Erfahrungen berichtet haben, wiedergeben.
Vorkommen:
Arten:
Vermutlich fast alle Sitticharten. Bei Laufsittichen (Ziegensittiche
und Springsittiche) habe ich dies in all den Jahren, selbst wenn die anderen
Gruppen im gleichen Vogelzimmer panisch waren, nicht erlebt. Die Laufsittiche
blieben immer ruhig sitzen, egal ob sie in einer Schlafhöhle übernachtet
haben oder draußen. Die sensiblen Nymphensittiche scheinen dagegen
eher betroffen zu sein als viele andere Sitticharten. Dieser Eindruck ist
allerdings nicht wissenschaftlich belegt, sondern beruht auf meinen eigenen
Erfahrungen und denen der Mitglieder in verschiedenen Foren. Auch Wellensittiche
scheinen häufiger betroffen zu sein, was natürlich auch mit der
großen Verbreitung zu tun haben kann.
Charakter:
Wahrscheinlich spielt auch der Charakter eine entscheidende Rolle,
welcher Vogel empfänglicher für Panikattacken ist und welcher
weniger empfänglich ist. Es gibt allgemein schreckhaftere und weniger
schreckhafte Vögel. Dies hängt u.a. vom Charakter, von den Erfahrungen
in der Haltung und der Umgebung (generell sehr leise, generell etwas lauter)
ab.
Es reicht im Prinzip einen schreckhaften Vogel in der Gruppe zu haben,
der alle anderen nachts mitreißt. In dieser Gruppe wird ein Nightfright
wohl häufiger vorkommen als bei einer weniger schreckhaften Gruppe
der gleichen Vogelart.
Innenhaltung und Außenhaltung im Vergleich
Das plötzliche Erschrecken kommt sowohl bei Innenhaltung als auch
in Außenvolieren vor. Ob Nightfright vermehrt in der Innenhaltung
oder in der Außenhaltung vorkommt oder unabhängig davon ist
meines Wissens noch nicht untersucht worden. Nicht selten gibt es bei Haltern
mit Außenhaltung auch nur den Verdacht auf eine nächtliche
Panik, wenn die Vögel morgens entsprechende Verletzungen aufweisen
oder plötzliche Todesfälle vorliegen, so dass solche Fälle
vielleicht gar nicht in einer entsprechenden Statistik auftauchen würden.
Nightfright wird bei Innenhaltung viel häufiger beschrieben als
in Außenvolieren. Dies hängt meiner Meinung nach einmal damit
zusammen, dass mehr Sittiche im Haus oder in der Wohnung gehalten werden
als in Außenvolieren. Dazu kommt, dass viele Halter ihre Außenvolieren
nachts nicht kontrollieren können und Panik hier gar nicht mitbekommen
können. Insofern ist es bislang kein Beweis, dass Nightfright als
Ursache in Außenvolieren weniger häufig vorkommt als bei Innenhaltung,
auch wenn dieser Gedanke naheliegt.
Da Nightfright aber auch bei Wildvögeln schon beschrieben wurde,
was ich auch selbst schon beobachtet habe, wird es diesen mit nahezu 100%iger
Sicherheit auch in den Außenvolieren geben. Da er bei Wildvögeln
aber auch seltener zu sein scheint liegt der Gedanke nahe, dass auch Vögel
in Außenvolieren weniger betroffen sein könnten.
Man könnte annehmen, dass Nightfright in Außenvolieren schon
deshalb seltener vorkommt, weil auch nachts oft so viel Restlicht übrigbleibt,
dass die Vögel sich besser orientieren können als Vögel
in Innenhaltung, wo vielleicht die Jalousien komplett verschlossen sind
und es ganz dunkel ist, ohne jede Möglichkeit der Orientierung. Da
die Panik aber auch bei Innenhaltung mit mehr oder weniger hellem Nachtlicht
vorkommt kann dies zumindest nicht immer der alleinige Grund sein.
Man könnte annehmen, dass Nightfright in Außenvolieren schon
deshalb seltener vorkommt, weil Außenvolieren vielleicht mehr Umweltreizen
ausgesetzt sind und Sittiche somit an mehr unvermutete Geräusche und
Lärm gewöhnt und deshalb unempfindlicher sind als Sittiche in
Innenhaltung sind. Hier wird aber auch der Standort entscheidend sein.
Steht die Außenvoliere in der nähe von (viel) befahrenen Straßen,
Kindern und ihrem Lärm oder eher in ländlicher Idylle, wo der
einzige Lärm der der Wildvögel und gelegentliches Gewitter ist?
Werden die Vögel in einem Haus mit Familie gehalten, wo ständig
Leute anwesend sind, werden sie im Wohnzimmer gehalten, wo (viel) ferngesehen
oder sich unterhalten wird oder haben sie ihr eigenes ruhiges Vogelzimmer?
Je nach Situation wird das Reizempfinden (Lärm, Licht, Veränderungen
in der Umgebung usw.) sehr unterschiedlich sein.
Käfiggröße, Volierengröße,
Vogelzimmer im Vergleich
Ob die Käfiggröße damit in Zusammenhang steht ist mir
auch unbekannt. Aufgrund meiner Beobachtungen bin ich mir aber sicher,
dass sie nichts damit zu tun hat. Vögel fühlen sich in größeren
Volieren oder Räumen nicht sicherer als in einem (kleinen) Käfig,
es kommt hier nicht seltener zu Panikattacken.
Krankheiten:
Ich habe Nightfright auch bei eigentlich weniger ängstlichen Vögeln
erlebt, die aber krank waren. Eventuell könnten auch plötzliche
Schmerzreaktionen (z.b. bei Tumoren, Arthritis, Gicht etc.) zu entsprechenden
Reaktionen führen.
Ebenso könnte der Befall mit Parasiten eine Ursache sein. Einige
Parasitenarten auf den Vögeln werden besonders abends und nachts aktiv
und können zu Juckreiz und damit verbunden plötzlichen hektischeren
Bewegungen führen, die wiederum zu Panik in der Gruppe führen
kann.
Auch Schlaganfälle oder Herzattacken können einen Vogel von
der Stange reißen, häufig erschrecken dadurch auch die Artgenossen,
so dass es zusätzlich zu einem Nightfright kommen kann.
Auch andere Krankheiten kommen als Ursache in Frage.
Symptome:
Panik, plötzliches panisches Herumflattern im Dunkeln, Piepsen,
Schreien, Schock, Verletzungen wie Blutungen oder Gehirnerschütterung
oder Tod z.B. durch Genickbruch als Folge möglich.
Die Vögel hängen nach diesem Schockerlebnis häufig am
Gitter oder sitzen auf dem Boden, egal ob verletzt oder nicht verletzt.
Ursache:
Plötzliche Geräusche in der Nacht, Licht (z.B. Scheinwerferlicht
von Autos), Kletterversuche im Dunkeln, Erdbeben, in Außenvolieren
auch nächtliche Räuber, z.B. Katzen oder Marder, vielleicht auch
"schlechte Träume". Die eigentliche Ursache für das Erschrecken
bleibt nicht selten ungeklärt.
Begünstigende Faktoren für Nightfright sind:
-
neue Umgebung
-
unbekannte Geräusche, Lärm
-
völlige Dunkelheit, keine Möglichkeit der Orientierung
-
Überbesatz im Käfig oder der Voliere
Diagnose:
Anhand der Beobachtungen.
Therapie:
-
nicht zu helles Licht einschalten
-
beruhigendes Zureden
-
Musik (je nach Vorlieben z.B. Klassik oder Pop)
-
bei Schockzuständen Notfalltropfen (Bach-Blütenmischung aus der
Apotheke oder von Online-Shops)
-
bei Blutverlust mit Taschentuch (besser blutstillende Watte oder anderes
blutstillendes Mittel) auf Blutungen drücken, besonders bei Verdacht
auf Gehirnerschütterung
und innere Blutungen auch Arnica D4 Globuli geben (Apotheke, sollte in
jeder Notfallapotheke vorhanden sein)
-
sollten Sie die Blutungen nicht stoppen können oder weitere Symptome
vorhanden sein, die Vögel also besser in fachkundige Hände gehören,
sollten Sie schnellstmöglichst einen Fachtierarzt aufsuchen
Wenn sich die Vögel wieder beruhigt haben, was manchmal ein
paar Minuten oder auch länger dauern kann, wäre es empfehlenswert
nach dem Ausschalten von Musik und Licht ein kleines Licht zur Orientierung
anzulassen.
Vorbeugend:
Innenhaltung:
Bei gedämmten Licht können sich die Vögel besser orientieren.
Sollte der Nighfright häufiger vorkommen oder möchte man dem
konkret vorbeugen sollte nachts immer ein kleines Licht angelassen werden.
Selbst wenn die Vögel zunächst panisch und "kopflos" losfliegen
können sie sich mit Hilfe des Lichts besser orientieren und das Verletzungsrisiko
ist erfahrungsgemäß geringer als bei Panik in völliger
Dunkelheit.
In Vogelzimmern, in denen die Vögel eine höhere Fluggeschwindigkeit
aufnehmen können als im Käfig, die Verletzungsgefahr also noch
größer ist bzw. die Verletzungen schwerwiegender, empfehle ich
nachts ein ständiges kleines Licht zur Orientierung anzulassen. Das
gleiche gilt für die Fälle, in denen die Vögel nachts nicht
in ihren gewohnten Käfig zurückkehren, sondern (ausnahmsweise)
im Zimmer übernachten.
Außenhaltung:
Viele Halter und Züchter mit Außenvolieren haben gute Erfahrungen
damit gemacht die Vögel nachts auch im Frühjahr und Sommer sicherheitshalber
in den Schutzraum zu sperren. Da der Schutzraum normalerweise viel kleiner
ist als die Außenvoliere können die Vögel hier auch nicht
so lange Strecken fliegen, dementsprechend sind Fluggeschwindigkeit und
Verletzungsrisiko etwas kleiner. Sie können bei Panik auch nicht an
das Gitter fliegen, wo sie, sollte ein Räuber die Ursache sein, wieder
erschreckt oder sogar verletzt werden können.
Bei Außenvolieren ist übrigens immer eine doppelte Verdrahtung
empfehlenswert, um Verletzungen durch Raubtieren vorzubeugen!
Einige Halter und Züchter lassen im Schutzraum nachts auch ein
gedämmtes Licht brennen.
Bei sehr ängstlichen Vögeln, die z.B. aus schlechter Haltung
stammen, die grundsätzlich sehr ängstlich und verschüchtert
sind und panisch reagieren, wäre eine zusätzliche Therapie sicher
sinnvoll. Auf solche Vögel sollte besonders behutsam und liebevoll
eingegangen werden, die Einrichtung und Umgebung sollte nicht zu häufig
verändert werden, eventuell bieten sich Zähmungsübungen
oder Clickertraining sowie
die begleitende Behandlung mit Bach-Blüten an, damit der Vogel etwas
von seiner Scheu verliert und Selbstsicherheit gewinnt.
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