In freier Natur, in den Steppen und Wüsten, in denen viele Sittiche
leben, wird das Fortpflanzungsverhalten durch das Nahrungsangebot beeinflusst.
Dies ist nach Regenzeiten groß genug, um den Nachwuchs großzuziehen.
Da Nahrung bei unseren Sittichen stets ausreichend vorhanden ist, gibt
es andere Schlüsselreize, die zum Brüten veranlassen, z.B. ein
Nistkasten, Schränke mit Hohlräumen oder Licht oder brutstimulierendes
Futter. Brutwilligen Hennen sollte man einen Nistkasten zur Verfügung
stellen, so dass sie ihren Bruttrieb wenigstens bis zur Eiablage ausleben
können. |
Vorkommen:
Alle Sittiche. Meiner Erfahrung nach sind Nymphensittiche
und Ziegensittiche häufiger
betroffen als andere Sitticharten.
Symptome:
Normalerweise legen Sittiche zwischen zwei und sechs Eier. Von übermäßigem
Eierlegen bzw. Legezwang wird gesprochen, wenn die Henne deutlich mehr
(mehr als zehn) Eier legt oder wenn regelmäßig in kurzen Abständen
(weniger als etwa 5-6 Monate) Eier gelegt werden.
Es kann vorkommen, dass Weibchen bis zur totalen Erschöpfung ein
Ei nach dem anderen legen. Die Eiproduktion führt in solchen Fällen
meist zu Calcium- und Proteinmangel, im weiteren Verlauf kann es zu dünnschaligen
Eiern, Befiederungsstörungen, Schwäche, Krämpfen bis hin
zum Eileitervorfall und Legenot, möglicherweise
sogar mit Todesfolge, kommen. Die Eier sind dünnschalig und können
leicht zerbrechen. Bei manchen Eiern fehlt die Schale, nur eine dünne
Haut hält sie zusammen. Diese Eier werden auch "Windeier" genannt,
sie sind ein häufiger Grund für Legenot.
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Einige Sittiche legen auch in sehr kurzen Abständen neue Gelege.
Ein einziges Nachgelege ist nichts ungewöhnliches, mehrere Gelege
innerhalb weniger Monate ist dagegen nicht normal.
Mögliche Ursachen:
Die häufigste Ursache für das nicht endende Eierlegen ist
das ersatzlose Entfernen der Eier, um Nachwuchs zu verhindern. Das
Weibchen versucht die verlorengegangenen Eier zu ersetzen.
Weitere mögliche Ursachen für Legezwang sind z.B.:
-
zu gehaltvolles, brutanregendes Futter, z.B. das ständige Vorhandensein
von Kräckern und / oder Kolbenhirse. Außerdem regt die regelmäßige
Gabe von Keimfutter, Eifutter
und Grünfutter
den Bruttrieb an.
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Schlüsselreize wie z.B. ständiges Vorhandensein von Nistkästen
als Schlafkästen oder dunkle Höhlungen im Zimmer
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hormonelle Störungen
-
Fehlprägung auf den Menschen
-
meiner Erfahrung nach fördert auch Langeweile das Balz- und Brutverhalten,
allerdings ist das eine private Beobachtung von mir und meines Wissens
bislang nicht wissenschaftlich belegt
Diagnose:
Die Diagnose ist auch für den Anfänger in der Sittichhaltung
einfach zu stellen.
Therapie:
| Eier sollten ohne Behandlung niemals ersatzlos weggenommen
werden, um das ständige Ersetzen der Eier nicht zu provozieren. Wer
keinen Nachwuchs möchte bzw. wegen fehlender Zuchtgenehmigung
(diese ist in Deutschland Pflicht) nicht zulassen darf, kann die Eier abkochen
oder gegen Kunststoffeier austauschen.
Hier finden Sie Informationen zur Vermeidung
von unerwünschtem Nachwuchs.
So kann die Henne in Ruhe im Nistkasten brüten und ihren Bruttrieb
wenigstens soweit ausleben. Nach der Brutzeit verlässt sie die Eier,
auch wenn kein Küken geschlüpft ist. Auch in der Natur kann es
passieren, dass aus einem Gelege nichts wird. |
Eine meiner Nymphensittichhennen
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Wenn es nicht am ersatzlosen Entfernen der Eier liegt:
-
Entfernen von Nistkasten und allen möglichen Brutgelegenheiten (Höhlungen
in Schränken, unter dem Sofa etc.) im gesamten Zimmer.
-
Entfernen von Spielzeug mit Fäden und allem, was als Nistmaterial
dienen könnte. Spiegel und Plastikvögel, die vielleicht bebalzt
werden gehören in den Müll (kein
artgerechtes Spielzeug!)
-
Reduzierung der täglichen Lichtperiode auf ca 8 Stunden
-
ggf. langsame (!) Reduzierung der Temperatur um 3-5°C, wenn es "zu
warm" ist
-
Vermeiden von Streichelkontakten mit dem Halter bei zahmen Weibchen
-
einzeln gehaltene Weibchen sollten mit einem artgleichen (!) gegengeschlechtlichen
Männchen verpaart werden
-
Austausch oder Ergänzung von Spielzeug zur Ablenkung, Umgestaltung
des Käfigs / der Voliere und der Umgebung
Ernährung:
In der Natur brüten Sittiche dann, wenn das Ernährungsangebot
gerade hoch ist, also saisonal. Unseren Sittichen steht dagegen immer ausreichend
Futter zur Verfügung, so dass sie im Prinzip jederzeit brüten
können, bei Innenhaltung noch eher als bei Außenhaltung. Es
kommt aber auch in Außenvolieren vor, dass Sittiche im November /
Dezember nochmal zu brüten anfangen.
Deshalb empfehle ich die Ernährung bei Legezwang zu ändern.
Das darf gegeben werden:
-
Körnerfuttermischung
-
Obst
-
Gemüse
-
etwas Calcium in das Trinkwasser, wenn die Eiqualität schlechter wird
-
gelegentlich Kolbenhirse
Das sollte in dieser Zeit nicht gegegben
werden:
Homöopathie:
Sollten diese Tipps alleine nicht ausreichen oder bereits so viele
Eier gelegt worden sein, dass das Eierlegen umgehend gestoppt werden sollte
empfehle ich homöopathische Mittel. Ich behandel Legezwang seit Jahren
erfolgreich mit Hormeel ad us. vet. (Ampullen, Apotheke), zusätzlich
zu den oben genannten Maßnahmen.
Auch mit SC 10 Tropfen (Fa. Supra-Cell, im Fachhandel,
Internethandel erhältlich) werden bei vielen Haltern gute Erfahrungen
gemacht.
Diese Mittel werden über das Trinkwasser (möglich ist auch
über das Obst, besonders bei Sittichen und Papageien, die viel Flüssigkeit
über das Obst aufnehmen und wenig trinken) verabreicht.
Allerdings können diese Mittel nur dann effektiv wirken, wenn oben
genannte Maßnahmen und die Umstellung der Ernährung zusätzlich
umgesetzt werden. Sonst kann es kurz nach Absetzen der homöopathischen
Mittel erneut zu Brutabsichten kommen.
Schulmedizin:
Sollten alle Maßnahmen nicht wirken, sollte die Henne, spätestens
wenn sie durch die ständige Eiablage geschwächt wirkt, zu einem
Fachtierarzt
gebracht werden. Normalerweise wird hier mit Hormonen behandelt.
Diese Möglichkeit sollte allerdings wirklich als letzte angewendet
werden, da die Hormongabe den Organismus sehr belastet. Manchmal muss sie
wiederholt werden, wenn sie beim ersten Mal nicht wirkt. Die Wirkung ist
auf ein paar Wochen bis Monate begrenzt und muss dann möglicherweise
wiederholt werden.
Das chirurgische Entfernen des Eierstocks und des Eileiters ist
relativ risikoreich. Die Meinungen über diese Lösungsmöglichkeit
ist in Fachkreisen geteilt und ich persönlich würde sie nicht
empfehlen, denn ich habe in der Praxis noch nicht erlebt, das eins der
oben genannten Mittel neben den genannten Maßnahmen zur Haltungsänderung
nicht anschlägt.
Geschwächte Hennen:
Wenn die Henne durch das viele Legen bereits geschwächt ist sollte
sie etwas Calcium in das Trinkwasser bekommen, um weichschalige Eier zu
vermeiden. Hierfür eignen sich Produkte wie z.B. Orlux Calci-lux (erhältlich
im Fachhandel, Internethandel), Calcium
Sandoz (ca. 1/8 einer Tablette) oder Frubiase Calcium aus der Apotheke.
Zusätzlich können Sie zur Stärkung etwas Honig oder Traubenzucker
in das Trinkwasser geben. Etwas Ei- und Keimfutter sollte solange angeboten
werden, bis sie sich wieder erholt hat. Bei geschwächten Hennen sollte
umgehend mit einer homöopathischen Behandlung begonnen werden. Sollte
der Zustand bereits kritisch sein oder sich verschlechtern sollte die Henne
natürlich umgehend einem Fachtierarzt
vorgestellt
werden. Falls sie es annimmt kann man vorher als "1. Hilfe" zur Stärkung
etwas Traubenzucker in Wasser aufgelöst direkt in den Schnabel flößen.
Wichtig: Während der Brutzeit
muss mineralstoff- (besonders calcium-) - und proteinreiches Futter (Eifutter)
angeboten werden, um weichschalige Eier und damit die Gefahr von Legenot
zu vermeiden.
Ein Kalkstein, Grit bzw. Gritstein, viel Obst
und Grünfutter sowie Keimfutter
sind ebenfalls wichtig. Das Eifutter
sollte gegen Ende der Brutzeit entfernt und außerhalb der Brutzeit
stark reduziert werden.
Wenn das Futter gegen Ende der Brut umgestellt wird kann - in Kombination
mit den oben genannten Maßnahmen - meist ein Nachgelege, das es auch
bei normalen Bruten gibt, verhindert werden. In der Natur nehmen Sittiche
auch Insekten auf und bekommen so tierische Proteine. Wer keine Maden oder
Ameiseneier verfüttern möchte sollte gelegentlich ein wenig Eifutter
anbieten, so dass die Vögel auch tierische Proteine und mehr B-Vitamine
aufnehmen können (Vitamin B12 ist z.B. in pflanzlicher Nahrung (Obst,
Gemüse usw.) bzw. dem Körnerfutter nicht enthalten, dafür
aber im Eifutter). Deshalb empfiehlt es sich auch außerhalb der Brutsaison
gelegentlich etwas Eifutter anzubieten.
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