Legenot

 
Vorkommen:
Alle Sittiche, meiner eigenen Erfahrung und den Anfragen der Halter nach vorwiegend Nymphensittiche und Ziegensittiche, aber auch Wellensittiche oder Rosellas. Andere Sitticharten scheinen weniger häufig betroffen zu sein. Auch Papageien oder Kakadus können von Legenot betroffen sein, für sie gilt im Prinzip das gleiche wie für die Sittiche.
 
 

Symptome:
Das im Eileiter befindliche Ei kann nicht herausgepresst werden. Das Weibchen ist sehr unruhig und versucht das Ei herauszupressen, wobei es mit dem Schwanz wippt. Es ist aufgeplustert und lässt meist die Flügel hängen. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu Schwäche, Kreislaufstörungen, Lähmungserscheinungen, totaler Erschöpfung, Schock und Kloakenvorfall kommen. Die Henne sitzt dann meist nicht mehr auf der Sitzstange, sondern auf dem Boden.
Eine unbehandelte Legenot kann sogar zum Tod durch Schwäche führen.

Sie können das Ei normalerweise als Wölbung erkennen, die Schwanzfedern sind nach unten abgeknickt und es ist eine Art Beule in der Kloakenregion zu sehen.

Ich kenne den ein oder anderen Fall, in dem fachunkundige Tierärzte Haltern sogar empfohlen haben, die Eier immer zu entfernen, um Nachwuchs zu vermeiden. Das ersatzlose Entfernen von Eiern kann einen  Legezwang mit Folge Legenot sogar fördern. Andere Tierärzte haben Legenot gar nicht als solche erkannt. Deshalb ist es meiner Meinung nach wichtig sich gut über die Brut ohne Zuchtabsichten (Vermeidung von Nachwuchs), Legezwang und Legenot zu informieren und bei Verdacht auf Legenot oder bei anderen Erkrankungen einen Fachtierarzt aufzusuchen. Ich kenne inzwischen leider einige Halter, die ihre Vögel durch falsche tierärztliche Beratung an Legenot verloren haben.
 
 
 
Ich hatte in den vielen Jahren Sittichhaltung bislang zwei Fälle von Legenot, bei denen das Ei glücklicherweise "im letzten Augenblick" doch noch selbständig gelegt wurde. Im ersten Fall handelte sich um meine Wellensittichhenne Jenny, die Sie rechts auf dem Foto sehen können. Deutlich kann man die Beule im Kloakenbereich erkennen, die auf eine baldige Eiablage hindeutet.
 

Im nächsten Bild leidet die Wellensittichhenne bereits an Legenot. Sie kann noch auf der Stange sitzen, das Ei lässt sich aber stundenlang nicht herauspressen (war natürlich wieder Freitag abend und mein Vogeldoc im Urlaub..). Sie hatte deutlich Kotabsatzschwierigkeiten.

Legenot beim Wellensittich
Mögliche Ursachen:
  • zu junges oder zu hohes Alter
  • Mangelernährung, es fehlen wichtige Nährstoffe zur Stärkung der Henne und zur Eiproduktion (v.a. Mangel an Calcium, aber auch Vitamin A, D3, E, Proteine und / oder Selen), die zu dünnschaligen weichen Eiern führen (sog. Windeier) führen
  • Erschöpfung durch Legezwang (z.B. dadurch, dass die Eier immer wieder ersatzlos weggenommen werden, um unerwünschten Nachwuchs zu verhindern)
  • zu großes Ei für diese Sittichart
  • Stoffwechselstörungen (z.B. durch Übergewicht)
  • Eileitererkrankungen (Infektionen)
  • hormonelle Störungen
  • andere Erkrankungen, die die Henne schwächen oder die dazu führen, dass nicht ausreichend Nährstoffe über den Darm aufgenommen werden können


Außerdem können klimatische Faktoren (zu geringe Luftfeuchtigkeit, Kälte usw.) oder Stress Legenot fördern.

Wellensittich, Legenot

 

Diagnose:
Der Fachtierarzt versucht das Ei Brustbeinende und Beinen zu ertasten. Alternativ oder zusätzlich kann eine Röntgenaufnahme vorgenommen werden. Anhand des Röntgenbildes kann bestimmt werden, wo sich das Ei genau befindet, ob es richtig liegt oder ob es falsch liegt und deshalb nicht herausgepresst werden kann. Außerdem kann man sehen, ob das Ei eine normal dicke Schale hat, ob die Schale zu dünn ist oder ob es sich sogar um ein sogenanntes "Windei" (ohne Schale) handelt oder das Ei sogar zerbrochen ist.
Das Ei ist entweder frei beweglich oder mit dem Eileiter verklebt.
 
 

Therapie:
 
Hinweis:
Wenn kein Ei gelegt werden kann handelt es sich um einen Notfall, der wahrscheinlich schnellstmöglichst vom Fachtierarzt behandelt werden muss!
Legenot kann lebensgefährlich werden! Gehen Sie deshalb bei geschwächten Sittichen möglichst gleich zum Fachtierarzt, auch wenn die Legenot abends oder am Wochenende bemerkt wird.

Eigene (Erst-)Versorgung:

1. Erste-Hilfe-Maßnahmen bei noch stabilen Sittichhennen, die bereits zu Hause durchgeführt werden können:
Stabile Hennen sind Hennen, die noch fit wirken und erst seit wenigen Minuten versuchen, das Ei herauszupressen und nicht schon längere Zeit.
Außerdem können Sie sich noch auf der Sitzstange halten. Sittiche sind ja kleine Schauspieler, die versuchen ihre Probleme und Erkrankungen so lange zu verbergen wie es nur geht. Deshalb sitzen sie meist anfangs, besonders wenn sie unter Beobachtung des Halters (oder auch der anderen Sittiche) stehen, noch auf der Stange. Erhalten sie ihre Ruhe und eine Rückzugsmöglichkeit, verlassen Sie die Stange dann normalerweise, um das Ei zu legen.
 

  • die Henne sollte einen ruhigen, geschützen Ort zur Verfügung haben, also alleine in einem Käfig gehalten werden
  • Wärmebestrahlungen mit Elstein Dunkelstrahler. Wenn dieser nicht verfügbar ist, Rotlicht (Käfig auf der zu bestrahlenden Seite abdecken). Ein Elstein Dunkelstrahler ist eigentlich wesentlich besser geeignet als Rotlicht, da er kein Licht abgibt und so die natürlichen Verhältnisse in einer dunklen Nisthöhle besser imitiert. Das sorgt für eine entspanntere Atmosphäre für die Henne und kann die Eiablage etwas besser erleichtern.
  • erhöhte Luftfeuchtigkeit (Abdecken des Käfigs mit warmen feuchten Tüchern)
  • zusätzlich hilft oft ein Tropfen Paraffin oder Speiseöl, der mit Hilfe einer Pipette oder einer kleinen Spritze ohne Kanüle in die Kloake gegeben wird
  • lassen Sie der Henne etwas Ruhe und beobachten Sie sie nicht unbedingt die ganze Zeit, sondern in zeitlichen Abständen und immer leise und ruhig. Es empfiehlt sich, wenn der Halter die Henne alleine beobachtet und nicht ständig mehrere Leute zur Beobachtung zusammenkommen und sich der Stress, den der Halter dabei meist empfindet, nicht auf die Henne überträgt.
  • Homöopathie im aktuen Fall (nicht vorbeugend): Pulsatilla Globuli C30 aus der Apotheke, 3-5 Globuli in das Trinkwasser oder in etwas Wasser auflösen und direkt in den Schnabel geben
  • Homöopathie bei Verletzungen und Blutungen: Arnica D4, 3-5 Globuli in das Trinkwasser
  • andere Sittiche sollten von dem mit homöoopathischen Mitteln angereicherten Trinkwasser nicht mittrinken!
Manchmal wird das Ei doch noch gelegt. 
 

2. Herausmassieren des Eies
Falls diese Maßnahmen nicht innerhalb kurzer Zeit helfen und man bereits einige Erfahrung hat, kann man versuchen, mit einem Tropfen Speiseöl oder Paraffin den Eileiter gleitfähiger zu machen und das Ei selbst vorsichtig herauszumassieren. Das Paraffin oder Speiseöl kann mit einer Spritze ohne Kanüle oder einer Pipette vorsichtig in die Kloake gegeben werden. 
Versuchen Sie aber keine Experimente! Das Ei könnte sonst im Eileiter zerbrechen und dies kann tödliche Folgen haben!
Deshalb sollten Sie dies im Zweifelsfall lieber einem vogelkundigen Tierarzt überlassen.
 
 
 
Hinweis:
Wenn der Sittich bereits geschwächt ist, vielleicht schon auf dem Boden sitzt und bereits über einen längeren Zeitraum vergeblich versucht das Ei herauszupressen bringen Sie ihn möglichst in einem kleinen Transportkäfig mit feuchtem Tuch darüber möglichst warm verpackt umgehend zum Fachtierarzt und probieren Sie die Erste-Hilfe-Maßnahmen nicht zu Hause aus. Sie können damit unter Umständen wertvolle Zeit verlieren!

Tierärztliche Versorgung
Herausmassieren und Unterstützung
Auch der Fachtierarzt kann versuchen, das Ei mit Hilfe von Paraffin herauszumassieren. Wenn das Massieren alleine nicht hilft und / oder der Sittich bereits geschwächt ist, kann er bei Bedarf Injektionen (Aufbauspritzen mit Calcium, Elektrolyten, ggf. Kreislaufmittel usw.) verabreichen, um ihn zu stabilisieren. Wenn die Henne zu geschwächt ist kann sie daran sogar sterben, warten Sie deshalb auf keinen Fall lange mit einem Tierarztbesuch! Außerdem können zusätzlich Hormone (Progesteron) gegeben werden, um die Eiablage zu erleichtern. Die Hormone sorgen dafür, dass der Legedarm leicht kontrahiert (sich zusammenzieht) und die Eiablage hoffentlich erleichtert werden kann.
 

Operation
Wenn auch das nicht den gewünschten Erfolg bringt, kann das Ei notfalls chirurgisch entfernt werden. Dies geschieht per Endoskopie oder durch das Eröffnen der Bauchhöhle.
 

Hormongabe
In einigen Fällen ist es meiner Meinung nach durchaus sinnvoll nach dem Herausmassieren des Eies oder einer Operation Hormone zu geben, um ein weiteres Eierlegen möglichst sofort zu verhindern. In der Fachliteratur wird diese Hormongabe teilweise skeptisch gesehen, so schreibt Pees (* Pees: Leitsymptome bei Papageien und Sittichen, Enke, 2004)  z.B., dass der Einsatz von Hormonen fraglich und die Wirkung unsicher sei, da beim Vogel andere Rezeptoren [als beim Säugetier] ausgebildet sind. Bei den meisten mir bekannten Legenotfällen, so auch bei meinem eigenen, haben die Hormone allerdings eine positive Wirkung gezeigt. Allerdings ist die zeitliche Wirkung unterschiedlich. In der Mehrzahl der Fälle kann sie bis zu 5 oder 6 Monaten betragen.

Um eine (halbjährliche) Hormonkur zu vermeiden kann man bereits in der Zeit, in der die Hormone noch wirken, aber auch später, meiner Erfahrung nach viel über die Ernährung, Temperatur und homöopathische Mittel regulieren
 

Weitere Versorgung
Außerdem werden bei Bedarf Antibiotika gegeben, wenn die Gefahr von Infektionen gegeben ist, z.B. bei verletzten Eileitern.

Eventuell ist ein Kloakenvorfall Begleiterscheinung oder Folge der Legenot, der ebenfalls behandelt werden muss.

Lassen Sie der Henne das Ei oder ersetzen Sie es durch ein Kunststoffei aus dem Handel, damit sie das verlorengegangene Ei nicht ersetzt. Sollte sie weiterhin normal legen, sollten alle Eier dort belassen oder gegen Kunststoffeier ausgetauscht werden, damit kein Ersatzlegen provoziert wird.
 
 
 
Hinweis:
Beobachten Sie nach einer erfolgreichen Eiablage den Sittich und kontrollieren Sie die Kloakenregion und den Kotabsatz! Es kann auch nach einer Eiablage noch zu Problemen kommen.

Hier sehen Sie ein solches Beispiel aus meiner eigenen Haltung: Blutungen nach der Eiablage
 
In diesem Fall hatte eine Nymphensittichhenne von mir starke Probleme beim Eierlegen. Die Eiablage zog sich so lange hin, dass ich schon an Legenot, meine erste Hilfemaßnahmen-Utensilien und meinen Vogeldoc dachte, als das Ei schließlich doch noch gelegt wurde.
Dabei gab es offensichtlich Verletzungen im Eileiter, da Blut am Ei klebte (Foto rechts).

Ich empfehle besonders nach solchen Verletzungen den Sittich gut zu beobachten, um zu sehen, ob er sich normal verhält oder geschwächt ist und krankt wirkt. Außerdem empfehle ich die Kloake zu untersuchen und ein Küchentuch oder Papier unter den Sitzplatz der Henne zu legen, um die Kotausscheidungen kontrollieren zu können. Wie auf dem zweiten Foto zu sehen kann es sein, dass Blut aus der Kloake läuft oder zusammen mit Kot ausgeschieden wird. Zusätzlich kann es zu Kotabsatzproblemen kommen, schlimmstenfalls aufgrund einer Verstopfung gar kein Kot mehr abgesetzt werden.
In diesen Fällen sollte die Kloake vorsichtig gesäubert und untersucht und bei Bedarf der Fachtierarzt zur weiteren Versorgung aufgesucht werden.
 

Nach einer anstrengenden Eiablage, auch ohne dass der Fachtierarzt eingreifen musste, empfiehlt es sich, der Henne noch einige Zeit Ruhe zu gönnen und sie nicht gleich wieder zu den anderen zu setzen. Oft kann die Henne bereits am nächsten Tag zu den anderen Sittichen gesetzt werden.

blutiges Ei nach Legenot beim Nymphensittich

Blutverlust nach Legenot beim Nymphensittich


 

Zusammenfassung unterstützender Mittel - es sollten keinesfalls alle aufgeführten Mittel zusammen gegeben werden!

  • Krankenkäfig
  • Calcium (z.B. Orlux Calci-lux oder Calcium Sandoz, Calcium unterstützt die Eibildung)
  • Eifutter (wirkt stärkend, unterstützt die Eiproduktion, entweder fertig zu kaufen oder zum selbstmachen)
  • Amynin® (B-Vitamine-Aminosäure-Elektrolyte-Glucose-Lösung, wirkt stärkend, erhältlich beim Tierarzt)
  • Vitamin K (z.B. Konakion oder Kanavit K1, wirkt bei Legenot stärkend, beugt nach Antiobiotika-Therapie Vitamin-K-Mangel vor, erhältlich in der Apotheke)
  • Vitaminpräperat (A,C,E,D3, Tierarzt oder Fachhandel)
  • Wärme, Elstein Dunkelstrahler oder Rotlicht (60 W)
  • Feuchtigkeit (feuchtes Tuch über den Käfig hängen)
  • bei Bedarf (bei Schock) Rescue Remedy Notfalltropfen (Apotheke oder als Globuli im Handel) oder Aconitum D4 (homöopathisches Mittel, Apotheke)
  • bei Bedarf unterstützende homöopathische Mittel (z.B. Pulsatilla C30 im aktuen Fall von Legenot, Bellis perennis D6 zur Unterstützung der Muskulatur nach der Legenot, Hormeel ad us vet. Ampullen oder SC 10 zum Stoppen des Bruttriebs)
  • bei Bedarf Antibiotika
  • bei Bedarf Hormongabe
  • bei Bedarf (nach einer Antibiotika-Therapie) PT-12 oder Bene Bac (gefriergetrocknete Lactobazillen, erhältlich in Gel- oder in Pulverform z.B. beim Tierarzt oder in Online-Shops)
  • bei Bedarf (nach einer Antibiotika-Therapie) Vitamin K
  • bei Bedarf (besonders als erste Hilfe bei Verdacht auf Eileiterentzündung) Propolis, bei einer Behandlung mit homöopathischen Mitteln (s.o.) in homöopathischer Form. Ich würde im Zweifelsfall empfehlen Eileiterentzündungen möglichst mit Antibiotika behandeln zu lassen, damit der Halter auf der sicheren Seite ist, da eine Verschlechterung bei Sittichen schwer zu erkennen sein kann, weil Sittiche ihre Krankheiten / Verschlechtern ihres Zustandes nach Möglichkeit verbergen.

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Homöopathie als Alternative zur Hormongabe:
Einige Tierärzte, besonders fachunkundige, spritzen schnell Hormone, obwohl diese nicht in jedem Fall notwendig sind. Hormone sind allerdings sehr belastend für den Körper und in zu hoher Dosis sogar gefährlich. Man sollte Hormone deshalb möglichst nicht vorbeugend anwenden, um den Bruttrieb zu beeinflussen. Die Gabe ist meiner Meinung nach besonders dann sinnvoll, wenn die Henne bereits Legenot hat oder durch das viele Eierlegen bereits geschwächt ist oder eine Henne erfahrungsgemäß schon öfter Probleme mit der Eiablage (Anzahl, Qualität) hatte und alternative Mittel keinen Erfolg gebracht haben. Das kann dem Vogel das Leben retten.

Falls Ihre Henne zu den triebigen Hennen gehört, die alle paar Monate Eier legen oder mehrere Gelege hintereinander tätigen, aber noch fit sind, und Sie dies stoppen wollen, benötigen Sie nicht unbedingt Hormone. Sie könnten es zunächst mit Veränderungen in den Haltungsbedingungen, die den Trieb weniger fördern (siehe Thema Legezwang) sowie homöopathischen Mitteln versuchen.

Als geeignete Mittel haben sich besonders Hormeel ad us. vet. (Apotheke), aber auch SC 10 der Firma SupraCell (z.B. erhältlich in verschiedenen Online-Shops) erwiesen. Die homöopathischen Mittel regulieren die Hormone und können eine beachtliche Wirkung erzielen. Nach meiner Erfahrung und denen inzwischen doch recht vielen Patientenbesitzern wurde durch diese Behandlung weiteres Eierlegen zumindest für eine deutlich längere Zeit oder sogar ganz verhindert. Unabhängig vom Erfolg der Homöopathie würde ich empfehlen die Haltungsbedingungen zu prüfen und bei BEdarf zu verändern (Wegnahme von Schlafkästen bei den Sitticharten, die keine benötigen, z.B. alle Australier (z.B. Wellensittich, Nymphensittich, Rosella).

Nehmen Sie Hormeel ad us. vet. Ampullen. Ampullen enthalten im Gegensatz zu Hormeel-Tropfen keinen Alkohol. Sie können die Ampullen in Pipettenfläschchen, ebenfalls in der Apotheke erhältlich, umfüllen und bequem dosieren.

Geben Sie homöopathische Mittel in Kunststoffnäpfen, nicht in Edelstahlnäpfen. Die Wirkung von Metallen ist bei den Homöopathen sehr umstritten. Einige Homöopathen sind der Ansicht, dass die Mittel in Metallnäpfen nicht wirken. Erforscht wurde dies meines Wissens noch nicht, aber falsch machen kann man mit Kunststoffnäpfen nichts.
 
 

Zusammenfassung von Maßnahmen, um den Bruttrieb zu stoppen:

  • hormonelle oder homöopathische Therapie
  • Wegnahme aller Nistkästen, Schlafkästen und anderer Höhlungen
  • Umstellung des Futters, kein Eifutter, kein Keimfutter, keine Kräcker, statt Grünfutter lieber Obst und Gemüse
  • Verkürzung des Tageslichts auf ca. 8 Stunden
  • vorsichtige langsame Temperaturabsenkung
  • Verpaarung von Einzelhennen mit artgleichen (!) Hähnen
  • Umgestaltung des Käfigs und der Umgebung



Meine Versorgung bei Legenot:

Da die Nachbehandlung bei Antibiotika-Gaben und die begleitende oder vorbeugende homöopathische Behandlung in den Büchern weitestgehend unberücksichtigt bleibt möchte ich auch von meinen eigenen Erfahrungen berichten und meine Behandlungsmethode hier beschreiben:
 

1. Wellensittichhenne
Ich habe einen jungen Wellensittichhahn aufgenommen, der eigentlich für eine der jüngeren Hennen gedacht war. Leider tat er sich sofort mit meiner ältesten Henne (7 Jahre) zusammen. Drei Wochen später sollte es zur Eiablage kommen, der ersten in ihrem Leben (bei legeerfahrenen Hennen hätte es in diesem Alter möglicherweise weniger Probleme gegeben).

Normalerweise dauert die Eiablage einige Minuten, manchmal wenige Stunden (ca. 2). Morgens um sieben Uhr sah es bereits so aus als ob sie gleich legen würde, der Eileiter stand etwas hervor, das Ei war deutlich im Eileiter zu sehen. Doch auch einige Zeit später war das Ei noch nicht draußen. Sie wirkte aber trotzdem noch sehr fit. Ich weiss nicht, weshalb sie nicht den Nistkasten aufgesucht hat, um dort zu legen. Den hatte ich bereitgestellt, damit sie ihr Ei in Ruhe legen konnte. Der Vorteil daran war natürlich, dass ich sie so viel besser beobachten und die Situation eher einschätzen konnte.

Nach einigen Stunden kam das Ei, gerade als ich mit den Erste-Hilfe-Maßnahmen beginnen wollte, um sie danach auch in die Klinik zu bringen, weil sie anfing sehr stark zu pumpen, doch noch heraus.

Ich setzte sie in den Quarantänekäfig, gab ihr Körnerfutter und Eifutter in die Futternäpfe sowie Amynin®, Calcium (z.B. Orlux Calci-lux oder aus der Apotheke: Calcium Sandoz®, ca. 1/8 einer normalen Tablette), Vitamin K und ein Vitaminpräparat (A, C, E, D3) in das Trinkwasser, um sie zu stärken.

Zwei Tage später ging das ganze von vorne los. Diesesmal war das Ei blutverschmiert. Dies deutete auf eine Verletzung im Eileiter hin. Ich fuhr also gleich in die Klinik und ließ sie sofort behandeln. Die Kloakenregion wurde gereinigt und sie bekam eine Hormonspritze, um die Eiablage möglichst umgehend zu stoppen. Ein verletzter Eileiter erhöht die Gefahr von Legenot und Infektionen. Deshalb gab ich ihr täglich ein  Antibiotikum in das Trinkwasser. Eigentlich sollte es direkt in den Schnabel gegeben werden, was hier aber nicht möglich war, weil die Henne nach dem ersten Mal so unter Schock stand, dass ich weitere Versuche in diese Richtung unterließ und das Antibiotikum in wenig Trinkwasser gab und außerdem homöopathisch unterstützte. Wenn man Antibiotika über das Trinkwasser gibt sollte man wenig Trinkwasser nehmen (bzw. an die Dosierungsanleitung halten), da das Medikament sonst zu stark verdünnt wird. Sittiche nehmen vergleichsweise wenig Wasser auf, so dass das Antibiotikum gegebenenfalls nicht vollständig wirken kann.
 
 

Nachsorge von Legenot:
Durch das stundenlange starke Pressen kann die Muskulatur geschwächt werden. Im vorliegenden Fall kam es zusätzlich zu Blutungen. Deshalb habe ich Bellis perennis (Gänseblümchen) D6 in Form von Globuli gegeben. Sie bekam täglich ca. 5 Kugeln ins Trinkwasser. Bellis Perennis wirkt gegen innere Verletzungen / Blutungen, wirkt schmerzstillend, unterstützt die Muskulatur und führt meistens zu schnelleren Heilungen.

Nach Antibiotika-Gaben sollten Sie die Darmflora der Sittiche unterstützen, da Antibiotika auch auf den Darm wirken und unerwünschte, aber auch zur natürlichen Darmflora gehörende Bakterien vernichten. Dadurch gerät die Darmflora in ein Ungleichgewicht, wodurch es z.B. zu Verdauungsstörungen kommen kann und außerdem das Immunsystem geschwächt wird. Deshalb empfiehlt es sich gefriergetrocknete Lactobazillen (z.B. Bird Bene Bac oder PT-12) und Vitamin K1 zu geben. Durch die Veränderungen der Darmflora kann es auch zu Vitamin-K-Mangel kommen. Diesen Mangel bekommen Sie mit einem Vitamin-K-Präparat aus dem Handel oder Präparaten aus der Apotheke, z.B. Kanavit K1 nach Abschluss der Antibiotika-Therapie schnell wieder in den Griff.
 
 
 
Meine kleine Henne saß noch mehrere Tage nach der zweifachen Legenot in dieser besorgniserregenden Stellung, die hier auf dem Foto schon sehr viel besser aussah als in den ersten Tagen und bewegte sich kaum vom Fleck. Ich sah sie auch nicht fressen oder trinken. Fast wider Erwarten hat sie diese Strapazen überlebt und wurde wieder gesund.

Leider ist sie zwei Jahre später an einem Tumor erkrankt und einige Monate später auf die Regenbogenbrücke geflogen.

Wellensittich, Legenot

 
 

2. Nymphensittichhenne
Bei meiner Nymphensittichhenne mit Eileiterverletzung, erweiterter Kloake (man konnte einen rosa Ring in der normalen Kloake erkennen) und folgenden Kotabsatzproblemen habe ich wie folgt behandelt:

  • Säubern der Kloake mit lauwarmen Wasser, damit der Kot wieder abgesetzt werden konnte (dies war an drei aufeinanderfolgenden Tagen notwendig)
  • täglich homöopathisch Bellis Perennis (Gänseblümchen) D6 bis zur Besserung ins Trinkwasser, um die Muskulatur der Kloakenregion zu stärken
  • täglich Hormeel ad us. vet täglich ins Trinkwasser, bis das Pärchen keine Plätze mehr für die Eiablage aufsuchte
  • Verkürzung der täglichen Lichtphase
  • Propolis in homöopathischer Form zur Unterstützung des Immunsystems und Behandlung eventueller Entzündungen im Eileiter
In der Praxis kann man noch mehr Maßnahmen treffen, siehe folgende Liste, die hier aber nicht möglich waren.

Immer unter guter Beobachtung, um bei Bedarf doch noch den Fachtierarzt aufzusuchen und mit dem Hintergrund meiner Tierheilpraktiker-Ausbildung. Hätten die Mittel nicht schnell angeschlagen hätte ich natürlich meinen Vogeldoc aufgesucht. Ich möchte dringend von eigenen Experimenten abraten. Die beschriebene Behandlung kann auch erste Hilfe-Maßnahme sein bzw. ist dann nicht anzuwenden, wenn das Ei gar nicht erst gelegt wird. Dann ist umgehend ein Fachtierarzt aufzusuchen!

Nachdem ein weiteres, ebenfalls etwas blutiges Ei gelegt worden war waren die Probleme überstanden. Oft wird auch nach einer hormonellen Behandlung noch ein Ei gelegt, dann ist die Eiablage normalerweise gestoppt.
 
 

Weiterführende Links:


 
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