Leberschaden, Lebererkrankung bei Sittichen

Vorkommen:
Alle Sittiche
 
 

Mögliche Symptome:
Abhängig von der Ursache sind die Symptome teilweise recht eindeutig, teilweise recht unspezifisch. Besonders am Anfang eines Leberschadens fallen die Symptome meist noch nicht sehr auf. Der Sittich kann aufgeplustert auf der Stange sitzen, eventuell ein etwas schlechteres Gefieder haben und ist meist weniger aktiv als vorher. Häufig fressen die Sittiche auch weniger als gewöhnlich.
 
Typische Zeichen einer Lebererkrankung sind ein vermehrtes Schnabel- und Krallenwachstum. Allerdings müssen diese beiden Symptome nicht zwangsläufig auf eine Lebererkrankung hinweisen, sondern können auch andere Ursachen haben.

Bei einem fortgeschrittenen Leberschaden ist normalerweise zusätzlich gelblicher Kot zu beobachten, außerdem kann Juckreiz dazukommen, die Haut ist trocken und oft schuppig. Dieser äußert sich z.B. durch intensiveres Putzen oder sogar Federrupfen. Da die Leber eine Rolle in der Federbildung spielt kann sich das Gefieder verändern. Es kann Störungen bei der Federbildung nachwachsender Federn geben oder es kann zu kahlen Stellen durch Federausfall kommen. Außerdem können sich die Federn farblich verändern, weil die Pigmentierung gestört ist. Grüne Federn können z.B. dunkler gefärbt sein.

Wenn die Leber sich stark vergrößert kann der Bauch des Sittichs geschwollen sein.

Schildsittich mit übermäßig langem Schnabel
Schildsittich mit übermäßig langem Schnabel

Nicht selten bilden sich Hautentzündungen, die den Juckreiz verstärken. Eine sehr stark fortgeschrittene Lebererkrankung kann sogar zu zentralnervösen Störungen mit Krämpfen führen.
 
 

Mögliche Ursachen:
Bereits schlechtes Körnerfutter kann leberschädigend wirken. Besonders Erdnüsse sind verschiedenen Untersuchungen nach häufig mit Schimmelpilzen belastet. Dessen Stoffwechselprodukte sind giftig und können Lebererkrankungen auslösen. Die erkrankte Leber kann die Giftstoffe im Körper nicht mehr ausreichend abbauen.

Weitere mögliche Ursachen sind z.B.:

Diagnose:
Der Fachtierarzt kann anhand der Symptome, besonders der eindeutigen Symptome wie z.B. Federverfärbungen, gelblichem Kot oder Schwellungen beim Abtasten, häufig eine erste Verdachtsdiagnose stellen. Um die Diagnose abzusichern wird der Sittich normalerweise als erstes geröngt.

Häufig ist nicht nur die Leber vergrößert, sondern zusätzlich auch Nieren und / oder Milz.
Nicht immer kann anhand eines Röntgenbildes erkannt werden, ob es sich bei einer Lebervergrößerung um einen Tumor oder eine Fettleber handelt oder vielleicht eine Infektion vorliegt. Deshalb sollten zusätzlich Abstriche (z.B. von Kropf und / oder Kloake) auf Krankheitserreger hin untersucht werden. Bei großen Sittichen oder Papageien wird auch Ultraschall eingesetzt, um besser untersuchen zu können, ob die Leber verfettet ist oder ein Tumor vorliegt. Gelegentlich wird auch endoskopiert und Probenmaterial entnommen und untersucht. Bei kleinen Sittichen wie z.B. Wellensittichen wird dieses Verfahren, soweit ich es aus der Praxis kenne, allerdings nicht eingesetzt.

Bei Verdacht auf eine Schwermetallvergiftung kann bei Bedarf eine Blutuntersuchung vorgenommen werden, zumindest solange der Patient stabil ist.
 
 

Therapie:
Der Fachtierarzt behandelt die zugrundeliegende Erkrankung. Er kann bakterielle Erkrankungen mit Anbibiogika behandeln, Aspergillose mit einem passenden Antimykotikum (Medikament gegen Pilze) oder kann bei Vorliegen einer Vergiftung den Vogelkörper mit verschiedenen Mitteln entgiften.

Bei einer Fettleber wird er eine Ernährungs- und eventuell Haltungsveränderung empfehlen. Vermeiden Sie dann Kräcker, Bisquits und fetthaltiges Körnerfutter (fetthaltige Samen sind z.B. Sonnenblumenkerne, Erdnüsse, Leinsamen oder Wildsamen). Verwenden Sie dann z.B. Wellensittichfutter, das aus einer Hirsemischung besteht. Bieten Sie viel Obst, Gemüse und anderes Frischfutter an. Frische Zweige regen zum Knabbern an, sie beschäftigen Sittiche und sie unterstützen die Abnutzung von Schnabel und Krallen.
Vielleicht braucht Ihr Sittich auch mehr Freiflug und Bewegung?

Bei einem Lebertumor kann der Fachtierarzt leider nicht mehr helfen. Man kann versuchen mit homöopathischen und anderen Mitteln zu unterstützen, um den Krankheitsverlauf vielleicht zu verlangsamen. Bislang kenne ich zumindest beim Vogel noch keinen Fall, in dem Homöopathie bei einem Tumor tatsächlich eine Rückbildung erreicht hätte. Bei Säugetieren liegen bessere Erfahrungen vor.

Normalerweise werden zusätzlich sogenannte Leberschutzmittel wie Amynin®, eine Vitamin-B-Aminosäure-Elektrolyte-Glucose-Lösung gegeben. Alternativ kann man auch Volamin® mit einer ähnlichen Zusammensetzung verwenden. Außerdem eine Vitaminlösung, die u.a. viel Vitamin A enthalten ist. Vitamin K1 (z.B. Konakion Ampullen aus der Apotheke oder Kanavit K1)unterstützt den Stoffwechsel. Diese Präparate werden in das Tinkwasser gegeben. Sollten die Vögel das Wasser nicht annehmen, kann es mit etwas Traubenzucker (max. eine Messerspitze) gesüßt werden.

Die Leber ist regenierfähig, d.h. dass sich neue gesunde Zellen bilden, wenn rechtzeitig behandelt wird. Wenn das Gewebe bereits völlig zerstört ist ist auch keine Regeneration und Heilung mehr möglich. Leider werden Leberschäden meistens erst spät erkannt, da erst im fortgeschrittenen Verlauf auffällige Symptome vorliegen.

Tipps zu einer unterstützenden Leberschutzdiät finden Sie hier.
 
 
 
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