Kropfentzündung

 
Der Kropf ist eine sackartige Erweiterung der Speiseröhre. Er dient zur Sammlung und Vorverdauung des Futters. Bei Körnerfressern wie den Sittichen ist der Kropf besonders groß.

Vorkommen:
Alle Sittiche, besonders Wellensittiche
 
 

Mögliche Symptome:
Eine Kropfentzündung macht sich meist durch Hervorwürgen von Schleim und / oder Körnern bemerkbar. Allerdings ist eine beginnende Kropfentzündung nicht zwangsläufig mit dem Hervorwürgen verbunden!

Außerdem kann man häufig beobachten, wie der Sittich den Kopf regelrecht herumschleudert. Dadurch kann das Kopfgefieder mit Kropfschleim und Körnern verklebt sein. Außerdem kommt es häufig zu Durchfall. Manchmal stellen Halter oder der Tierarzt einen Schnabelgeruch fest, der an Brot erinnert. In der Schnabelhöhle sind manchmal Beläge sichtbar.
Besonders im fortgeschrittenerem Stadium der Erkrankung ist der Sittich weniger aktiv und sitzt aufgeplustert auf der Stange. Er nimmt an Gewicht ab, weil er meist weniger frisst und das aufgenommene Futter zu einem großen Teil wieder auswürgt.
 
 

Mögliche Ursachen:
Die Ursachen einer Kropfentzündung sind vielfältig. Meistens handelt es sich um eine bakterielle Infektion, aber auch Pilze können die Ursache sein. Der brotähnliche Schnabelgeruch und Beläge in der Schnabelhöhle können auf Hefepilze hinweisen.

Eine Mangelernährung kann eine Kropfentzündung begünstigen, da Vitamin-A-Mangel und (nicht immer sichtbar!!) verschimmeltes Futter das Immunsystem herabsetzen und es empfänglicher für Krankheitserreger machen.

Eine Kropfentzündung kann aber auch die Folge einer Verhaltensstörung infolge einer Fehlprägung sein. Von dieser Form sind besonders einzeln gehaltene Vögel betroffen, seltener Sittiche, die paarweise oder in Gruppen gehalten werden. Dabei füttern die Sittiche Spielzeug, z.B. Spiegel oder Plastikvögel, übermäßig, fressen die hervorgwürgten Körner, mit denen sie den Ersatzpartner füttern wollten, oft auch selbst wieder auf. Diese Verhaltensstörung führt beim Sittich auf Dauer zu Stress, weil er nicht das erwartete arteigene Feedback bekommt. Stress wiederum schwächt das Immunsystem. Hierdurch und durch die ständige Fütterung und Wiederaufnahme der hervorgewürgten Körner wird die Kropfschleimhaut übermäßig gereizt, Krankheitserreger können leicht in die Schleimhaut eindringen und sie entzünden.

Infektionsquellen sind auch immer wieder unsaubere Wassernäpfe, in denen sich Bakterien bilden können.
 
 

Diagnose:
Der Fachtierarzt untersucht den Kropf und kann in chronischen Fällen häufig bereits eine Verdickung feststellen.Die Diagnose erfolgt über einen Kropfabstrich, der auf Bakterien und Pilze hin untersucht wird.

Bei der Untersuchung auf Bakterien ist normalerweise ein Resistenztest empfehlenswert, da viele Bakterien, die eine Kropfentzündung auslösen, bereits resistent gegenüber vielen Antibiotika sind.
 
 

Differentialdiagnose:
Das Erbrechen durch Überfressen oder Übelkeit (Magen-Darm-Krankheiten) ist von den Symptomen her einer Kropfentzündung häufig ähnlich und muss ausgeschlossen werden können.
Parasiten wie Trichomonaden können ähnliche Symptome auslösen, deshalb empfiehlt es sich - besonders bei Neuzugängen - auch auf Trichomonaden hin zu untersuchen.
 
 

Therapie:
Bei einer unbehandelten Kropfentzündung besteht Lebensgefahr! Deshalb muss der Sittich schnellstmöglichst zu einem vogelkundigen Tierarzt gebracht werden. Je länger die Behandlung hinausgezögert wird, desto schlechter stehen die Chancen auf Heilung.

Es ist immer sinnvoll einen Kropfabstrich zu machen, um die Art des Krankheitserregers festzustellen. Bis zum Ergebnis der Untersuchung wird häufig ein Breitbandantibiotikum gegeben, da meistens Bakterien die Ursache sind. Nach dem Feststellen des Krankheitserregers kann ein Medikament speziell gegen den auslösenden Erregertyp gegeben werden, wenn das Antibiotikum nicht wirkt, weil Bakterien vorhanden sind, die resistent gegenüber dem Breitbandantibiotikum sind oder weil es sich um Hefepilze handelt, gegen die Antibiotika nicht wirken.

Zu viel Kropfschleim kann vom Tierarzt herausmassiert oder mittels Kanüle abgesaugt werden.
 

Weitere Maßnahmen:
Vitamin A:
Vitamin A (das "Zellschutzvitamin") hilft beim Aufbau einer gesunden Kropfschleimhaut. Häufig wird ein Vitamin-Präparat mit hohem Anteil an Vitamin A mitgegeben, das über das Trinkwasser verabreicht wird. Es ist ein Vitamin A-D-E-C-Präparat, das zusätzlich das Immunsystem unterstützt. Wenn Ihr Tierarzt das Mittel nicht vorrätig hat, können Sie es über diverse Online-Shops im Internet erwerben.

Futter:
Überprüfen Sie die Qualität des Körnerfutters mittels Geruch und Keimtest. Wenn es schlecht oder zu alt ist, muss es weggeworfen und neues besorgt werden. Auch Futter, das von Futtermotten befallen ist, sollten Sie umgehend entsorgen.
 

Weichfutter:
Bei Kropfentzündungen sollte möglichst viel Weichfutter gegeben werden, das den Kropf weniger reizt als hartes Körnerfutter. Besonders wichtig ist dies bei einer fortgeschrittenen Kropfentzündung. Weichfutter sind z.B. Kochfutter, Eifutter, magerer Hüttenkäse oder Quellfutter. Keimfutter ist bei Tierärzten und Züchtern umstritten, da es schnell schlecht werden kann und die Genesung dadurch beeinträchtigen kann.
 

Hygiene:
Sauberkeit ist in Krankheitsfällen sehr wichtig. Der Käfig (inklusive Sitzstangen, besser Zweige, Näpfe und Spielzeug) muss sauber sein. Die Näpfe sollten gereinigt und desinfiziert werden.
Das Wasser sollte mindestens zweimal am Tag gewechselt werden, die Näpfe dabei mit einer Bürste und heißem Wasser gesäubert werden. Trinkröhrchen aus dem Handel halte ich für nicht geeignet, da sie meiner Erfahrung nach am schlechtesten sauberzuhalten sind und sich deshalb am ehesten Bakterien ansiedeln können. Besser eignen sich Edelstahlnäpfe oder Kunststoffnäpfe, die mit Essigessenz und Wasser leicht gereinigt und desinfiziert werden können.
 

Spielzeug:
Spielzeug, das den Sittich zu immer neuen Fütterungen provoziert, muss aus dem Käfig entfernt werden. Spiegel, Plastikvogel und ähnliches haben im Käfig nichts zu suchen! Sie können sogar zu einem Rückfall führen.
 

Wärme:
Viele erkrankte Sittiche genießen die Wärmebestrahlung mit Rotlicht oder einem Infrarot-Dunkelstrahler. Der Sittich sollte nicht direkt bestrahlt werden, besser ist es eine dünne Decke über die Käfigseite zu hängen, die mit einer Wärmequelle bestrahlt wird. So verteilt sich die Wärme auch besser. Es wird nur eine Seite des Käfigs bestrahlt, damit der Sittich auf die andere Seite ausweichen kann, wenn er nicht mehr gewärmt werden möchte.
 

Naturheilmittel:
Ergänzend hat sich Mucosa compositum der Firma Heel, bei der Heilung der Kropfschleimhaut bewährt. Es ist in der Apotheke erhältlich. Bis zur Besserung werden 2-3 mal täglich ein Tropfen direkt in den Schnabel geben. Mucosa compositum regt die Regeneration der Schleimhaut an.

Treten bei der Kropfentzündung außerdem Durchfälle und Kreislaufprobleme auf kann zusätzlich Veratrum-Homaccord, Gabe wie bei Mucosa compositum, gegeben werden.

Propolis, das Kittharz der Bienen, ist ein natürliches Mittel, das unter anderem antibiotische Stoffe enthält und das Immunsystem unterstützt. Propolis ist als Lösung oder homöopathisch aufbereitet (z.B. Propolis SC 2000) erhältlich. Ich gebe Propolis immer in homöopathischer Form, wenn ich zeitgleich mit anderen homöopathische Mittel behandel.
 
 

Weitere Behandlungsmaßnahmen richtet sich nach der Schwere der Kropfentzündung:

Beginnende / leichte Kropfentzündung
Bei beginnenden bzw. leichten Kropfentzündungen reicht oft eine Behandlung mit Antibiotika oder anderen Medikamenten und die die Gabe von Vitamin A aus. Der Sittich erholt sich relativ schnell wieder. Weiches Futtersollte bei Kropfentzündungen trotzdem nach Möglichkeit immer gereicht werden, da hartes Körnerfutter die Kropfschleimhaut zusätzlich reizt. Wenn dies nicht angenommen wird sollte darauf geachtet werden runde Körner, z.B. Hirse, zu verfüttern, da spitze den Kropf ebenfalls mehr reizen.

Grünfutter ist nach der medizinischen Behandlung besonders empfehlenswert, weil es viel Vitamin K enthält. Durch die Gabe von Antibiotika kann sich die Darmflora verändern, so dass es zu Vitamin-K-Mangel kommen kann. Alternativ gibt es Vitamin-K-Präparate in der Apotheke, z.B. Konakion® Ampullen, die in das Trinkwasser gegeben werden. Die Ampullen enthalten keinen Alkohol.

Außerdem sind Lactobazillen (z.B. PT-12 oder Bird Bene Bac) eine empfehlenswerte Verdauungshilfe nach einer Antibiotika-Therapie. Durch die Antibiotika-Gabe werden sowohl krankmachende Bakterien als auch "gute" Bakterien abgetötet, so dass die Darmflora durch Lactobazillen wieder ins Gleichgewicht gebracht werden kann.

Achtung: Bird Bene Bac enthält Zuckerarten und sollte bei pilzbedingter Kropfentzündung oder bei GLS-Patienten mit einer Kropfentzündung nicht gegeben werden, da Zucker das Pilzwachstum unterstützt. PT-12 ist zuckerfrei.
 

Weiter fortgeschrittene Kropfentzündung
Ist die Kropfentzündung schon weiter fortgeschritten muss neben den oben genannten Maßnahmen zusätzlich möglichst eine komplette Futterumstellung auf weiches Futter erfolgen. Statt trockenem Körnerfutter wird häufig Quellfutter oder Keimfutter gegeben. Wenn der betroffene Sittich (fast) nichts anderes annimmt, können Sie Quellfutter oder Keimfutter zeitweise anbieten. Achten Sie gut auf die Qualität und bieten Sie es nicht zu lange an. Noch etwas sicherer als Keimfutter ist Quellfutter. Die Körner quellen hier nur 10-12 Stunden im Wasser und werden schon vor dem Keimvorgang verfüttert. Dies ist besonders im Sommer empfehlenswert, da Keimfutter in der Wärme leicht umkippt und verdirbt.

Wenn gar kein Weichfutter angenommen wird, ist es wichtiger, dass der Sittich überhaupt frisst. Bei der Gabe von Körnerfutter sollten möglichst nur runde Körner, z.B. Hirse, auch in Form von Kolbenhirse, angeboten werden.

Kamillentee, Salbeitee. Die Tees sollten möglichst ohne Zucker (ggf. mit etwas Traubenzucker oder Honig süßen, allerdings nicht bei Vorliegen einer Pilzinfektion!) und zur Hälfte mit Wasser verdünnt angeboten werden. Achten Sie darauf, dass der Sittich das geschmacklich veränderte Trinkwasser auch annimmt oder bieten Sie, sollten Sie tagsüber z.B. nicht zu Hause sein, zusätzlich normales Trinkwasser an.
 
 
 
Wichtig:
Selbst wenn der Sittich wieder gesund erscheint, sollten Sie noch einige Wochen bei dem weichen Futter bleiben, da die Kropfschleimhaut immer noch vorgeschädigt ist und es schnell wieder zu einem Rückfall kommen kann! Dadurch hat die Kropfentzündung auch bei vielen Vogelhaltern und sogar vogelunkundigen Tierärzten den Ruf, gar nicht vollständig heilbar zu sein. Wenn die Krankheit nicht schon zu weit fortgeschritten und der Sittich zu geschwächt ist stimmt dies allerdings nicht, besonders wenn man sich an den Tipp, auch noch lange Zeit später vor allem Weichfutter anzubieten, hält. Ich habe schon Wellensittiche mit einer Kropfentzündung bekommen, die nach der Behandlung vollständig gesund wurden, ohne dass es zu Rückfällen kam.

 

Ansteckungsgefahr:
Eine Kropfentzündung ist prinzipiell ansteckend für andere Sittiche. Die Bakterien oder Pilze können z.B. während des gegenseitigen Fütterns oder über das Trinkwasser übertragen werden. Da die Ansteckungsgefahr bei gesunden Sittichen mit intaktem Immunsystem ansonsten aber relativ gering ist, muss der erkrankte Partner nicht unbedingt isoliert werden, wenn dies zu viel Stress für ihn bedeuten würde und er seinen Partner nicht weiter füttert und sich nicht füttern lässt. Sehr kranke oder ruhebedürftige Sittiche sollten allerdings alleine in einem Krankenkäfig gehalten werden. 
 
 

Weiterführende Links:


 
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