Kloakenvorfall

 
Fachausdruck: Kloakenprolaps
 
 

Vorkommen:
Alle Sittiche.
 
 

Symptome:
Die rosarot bis dunkelbraun gefärbte Kloakenschleimhaut ist nach außen gestülpt ("vorgefallen", daher die Bezeichnung Kloaken-Vorfall). Es können starke Blutungen entstehen oder der Kot ist blutig. Häufig sind Kotabsatzbeschwerden und Erschöpfung zu beobachten. Die Umgebung der Kloake ist oft verschmutzt.
 
 

Mögliche Ursachen:
Ein Kloakenvorfall kann entstehen, wenn ein Sittich stark pressen muss. Dies kann z.B. bei folgenden Problemen auftreten:

  • bei Legenot
  • bei ständigem Durchfall
  • bei Bindegewebsschwäche im Bereich der Legebeine
  • bei hormonellen Störungen (z.B. durch östrogenbildenden Tumor)


Falsche Ernährung kann zu ständigem Durchfall führen, infolge dessen die Elastizität des Kloakenschließmuskels abnimmt. In diesen Fällen kann sich die Kloakenschleimhaut nach außen stülpen.

Begünstigende Faktoren sind u.a. Erschöpfung (z.B. durch Legezwang), Kreislaufprobleme und Mangelernährung.
 
 

Diagnose:
Anhand der Symptome, diese sind sehr eindeutig.
 
 

Therapie:
Viele Kleintierärzte empfehlen das Erlösen eines Sittichs mit Kloakenvorfall. Viele Halter lassen ihre Vögel darufhin einschläfern, ohne sich über eine mögliche Therapie Gedanken zu machen. Es ist verständlich, dass ein Halter in einer solchen für ihn selbst sehr belastenden Situation seinen Vogel schnellstmöglich von seinem Leid erlösen lassen möchte und deshalb umso mehr auf den tierärztlichen Rat vertraut. Wenn dieser dann über die großen Risiken einer teuren Operation mit wenig Aussicht auf Erfolg spricht lässt dies dem Vogel meistens wenig Chancen. Diese Einschätzung seitens des Tierarztes kann natürlich völlig richtig sein, z.B. dann, wenn der Halter sein Tier zu spät zu ihm bringt. Dennoch sollte man möglichst einen vogelkundigen Tierarzt aufsuchen, der bereits Erfahrungen auf dem Gebiet hat, den Fall besser einschätzen und behandeln kann. Ich kenne einige Fälle, in denen ein Kloakenvorfall erfolgreich behandelt wurde.

Der Sittich muss schnellstmöglichst zum vogelkundigen Tierarzt gebracht werden, der den Vorfall unter Narkose behandelt. Dieser kann den gereinigten und wieder gleitfähig gemachten Vorfall zurückschieben. Je nachdem wie schnell die Halter beim Tierarzt vorstellig werden kann bereits Gewebe abgestorben sein. Dieses muss chirurgisch vor dem Reponieren (d.h. dem Zurückschieben) entfernt werden. Ein zusätzliches Medikament kann bewirken, dass sich die Muskulatur in der Kloake wieder zusammenzieht.

Falls im vorliegenden Fall angebracht kann die Kloakenöffnung z.B. mit einer Naht ("Tabaksbeutelnaht") verengt werden, wobei darauf geachtet werden muss, dass es dadurch nicht zu Kotabsatzbeschwerden kommt. Die Fäden werden nach wenigen Tagen wieder gezogen. Dies ist jedoch abhängig vom jeweiligen Fall und keine pauschale Empfehlung. Es gibt Fälle, in denen anders vorgegangen werden muss, z.B. mit einer Bauchhöhlen-Operation. In diesen Fällen wird die Kloake chirurgisch im Bauchraum, entweder an der Bauchwand oder an den letzten beiden Rippenbögen befestigt.

Wenn der Kloakenvorfall vom Sittich selbst oder seinen Partnern bereits angepickt wurde müssen entsprechende Behandlungen vor dem Zurückschieben erfolgen (z.B. Blutstillung).

Zusätzlich werden normalerweise Antibiotika, Calcium und Vitamine, oft auch Elektrolyte, verabreicht. Antibiotika werden vorbeugend gegeben oder weil die Kloakenschleimhaut verletzt und / oder teilweise abgestorben ist.

Bei Legezwang bzw. Vorfall durch Eiablage muss die Eiproduktion umgehend gestoppt werden. Dies wird normalerweise mit entsprechenden schulmedizinischen Mitteln erreicht. Der Tierarzt sollte zusätzlich kontrollieren, dass keine Legenot vorliegt. Ein durch Legenot ausgelöster Kloakenvorfall hat oft gute Chancen, da die Eiablage, also die Ursache, gestoppt werden kann. 

Man kann oft auch ständigen Durchfall durch eine entsprechende Ernährung beeinflussen und so Rückfälle vermeiden. Bei Bindegewebsschwäche oder hormonellen Störungen ist es schwieriger einzugreifen, besonders in diesen Fällen kommen Rückfälle leider häufiger vor.
 

Eine homöopathische Nachbehandlung ist möglich, bei Fragen hierzu berate ich Sie gerne. 
 


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