Vorkommen:
Alle Sittiche, meiner Erfahrung nach besonders
Nymphensittiche
Symptome:
Dem betroffenen Sittich fehlen Federn auf dem Kopf, meist dem Hinterkopf.
Bei Nymphensittichen fehlen Federn hinter der Haube. Manchmal ist zusätzlich
die Haube selbst betroffen. Das restliche Gefieder ist normalerweise gesund
und unbeschädigt. Gelegentlich treten weitere Symptome wie Wunden
und Blutungen auf.
Mögliche Ursachen:
Es gibt verschiedene Ursachen für das Entstehen einer "Glatze"
bei Sittichen.
Genetische Veranlagung:
Bei Nymphensittichen gibt es die Theorie, dass eine Glatze besonders
bei Lutinos genetisch bedingt ist, da diese vergleichsweise häufig
betroffen sind.
Hormonelle Störungen:
Am Federwachstum und der Mauser sind verschiedene Hormone beteiligt.
Störungen im Hormonstoffwechsel führen deshalb häufig auch
zu Störungen in der Gefiederbildung. Die Glatzenbildung bei Sittichhähnen
kann durch einen Mangel des Hormons Testosteron entstehen.
Fremdrupfen bei harmonisierenden Pärchen:
Häufig ist ein Partner eines harmonisierenden Pärchens betroffen,
dessen Partner ihm die Federn am Kopf ausrupft. Es kann sich dabei um übertriebenes
Kraulen handeln, wie ich es bei einem meiner Nymphensittichpärchen
erlebt habe. Dieses liebt sich innig und ist nie weit voneinander entfernt.
Der Hahn krault die Henne leidenschaftlich, wobei auch ab und zu eine Feder
ausgerupft wird und so kahle Stellen hinter der Haube entstehen können.
Obwohl dies scheinbar nicht immer ohne Schmerzen stattfindet bietet die
Henne immer wieder ihren Kopf zum Kraulen an. Gelegentlich "rächt"
sie sich und rupft ihrem Partner ebenfalls die Federn aus, doch kommt dies
selten vor. Als Halter hat man bei solchen Pärchen kaum die Möglichkeit
einzugreifen und etwas zu verändern. Bis auf das Aussehen leiden beide
Partner scheinbar nicht unter dieser Art von Rupfen.
Stress:
Übermäßiges Kraulen und Rupfen kann eventuell auch
mit dem Bruttrieb zusammenhängen, da manchmal während der Balzzeit
vermehrt gerupft wird. Wenn der Bruttrieb dann nicht ausgelebt werden kann
kann dies zu Frust und Stress führen. Auch andere Haltungsbedingungen
wie z.B. zu wenig Platz und Freiflug können Stress und Rupfen auslösen.
Dominanzverhalten:
Auch ein Dominanzverhalten wird als mögliche Ursache diskutiert.
Dies kann z.B. bei der Verpaarung von zwei Hähnen oder einem artfremden
Pärchen vorkommen, ebenso bei einem nicht harmonisierenden artgleichen
Pärchen.
Therapie:
Wenn das Fremdrupfen durch den Partner so stark wird, dass am Hinterkopf
Wunden und Blutungen entstehen, sollten diese von einem Fachtierarzt
behandelt werden. In diesen Fällen ist es wichtig, die Ursache möglichst
schnell herauszufinden, um zu entscheiden, ob Änderungen in der Haltung
einen Stopp bewirken können oder das Paar notfalls getrennt werden
muss, um weitere Verletzungen zu vermeiden.
Eine genetische Veranlagung ist nicht heilbar. Es handelt sich hier
lediglich um einen harmlosen "Schönheitsfehler", der normalerweise
weder den Sittich noch seinen Halter stört.
Hormonelle Störungen sind schwer zu diagnostizieren, weil eine
Blutanalyse nicht aussagekräftig ist. Deshalb werden meist erst andere
mögliche Ursachen weitgehend ausgeschlossen. Der Fachtierarzt
entscheidet, ob eine Behandlung der Hormonstörung sinnvoll ist.
Auch bei harmonisierenden Pärchen, bei denen Stress als Ursache
ausgeschlossen werden kann, weil sie ausreichend Freiflug
und abwechslungsreiches Spielzeug
bzw. ausreichend Beschäftigung haben und auch mal brüten können,
wenn sie möchten, kann das Rupfen kaum abgestellt werden.
Wenn Sie vermuten, dass das Rupfen mit dem Bruttrieb zusammenhängt,
der nicht ausgelebt werden kann sollten Sie sich über mögliche
Erleichterungen informieren.
Um Nachwuchs bei Sittichen zuzulassen braucht man in Deutschland eine
Zuchtgenehmigung.
Wer keine Zuchtgenehmigung besitzt oder keinen Nachwuchs zulassen möchte
kann bruttriebigen Sittichen trotzdem einen Nistkasten und entsprechendes
Futter anbieten und die Eier entweder abkochen oder gegen Plastikeier ersetzen.
Auf dieser Seite erhalten Sie Informationen
zur Brut ohne Zuchtabsichten. Wenn Sie Ihre Sittiche nicht brüten
lassen möchten können Sie durch eine Futterumstellung (nur Körnerfutter,
Obst
und Gemüse, kein
Keimfutter,
kein Eifutter, kein Grünfutter,
keine Kräcker etc.), kürzere Lichtzeiten und das Entfernen aller
Höhlungen im Zimmer sowie durch eine langsame Temperaturabsenkung
im Zimmer den Bruttrieb beeinflussen.
Falls das Rupfen stressbedingt sein könnte sollten Sie Ihre Haltungsbedingungen
überprüfen. Vielleicht hilft mehr Freiflug
oder mehr Abwechslung im Käfig bzw. der Voliere oder auch im Zimmer
während des Freiflugs.
Bei Verpaarungen, bei denen sich die Vögel nicht wohlfühlen,
sollte überlegt werden, ob sie nicht passender verpaart werden könnten.
Bei vielen Sitticharten verstehen sich zwei Hähne nicht so gut wie
ein echtes Pärchen. Auch artfremde
Verpaarungen bereiten häufig Probleme und Stress, weil das erwartete
arteigene Feedback vom Partner fehlt, da zwei verschiedene Sitticharten
auch verschiedene Sprachen sprechen und sich unterschiedlich verhalten.
Nicht jedes vom Halter zusammengesetzte Paar versteht sich gut, auch
wenn es von der gleichen Art ist. Wenn Änderungen in der Haltung,
wie z.B. mehr Freiflug, nicht helfen, ist es empfehlenswert zu überlegen,
ob die zwei Vögel nicht mit anderen gegengeschlechtlichen Sittichen
verpaart werden sollten. Sonst hat man auch in einer eigentlich gutgemeinten
Haltung im schlimmsten Fall zwei Einzelvögel sitzen.
Weiterführender Link:
|
Seiten-Adresse: http://www.sittich-info.de/medizin/kahler-hinterkopf-sittich.html
|
Copyright © www.sittich-info.de
Bitte beachten Sie: Sämtliche Inhalte auf dieser Seite sind urheberrechtlich
geschützt. Die Übernahme von Bildern, Texten oder Textauszügen
(auch leicht verändert) ist ohne vorherige Genehmigung und gut sichtbarem
Verlinken der Quelle nicht gestattet. Text- und Bilddiebstahl werden rechtlich
verfolgt. |
|