| Frühere Namen:
Ein anderer bekannter Name für Going-Light-Syndrom oder seine Abkürzung GLS ist Megabakteriose, man bezeichnete diese Erkrankung früher auch als "bakterielle Drüsenmagenentzündung". Megabakterien sollten für diese Krankheit verantwortlich sein. Diese Bezeichnungen sind nicht mehr aktuell, da man herausfand, dass es sich bei dem Krankheitserreger nicht um Bakterien, sondern eine Pilzart handelt. Heute bezeichnen Fachleute den Krankheitserreger als Macrorhabdus
ornithogaster und die Krankheit als Macrorhabdiose.
Vorkommen:
Mögliche Symptome:
Bei einer fortgeschrittenen bzw. ausgebrochenen Erkrankung sind zwei Symptome am auffälligsten, nämlich die Abmagerung des Sittichs, obwohl er ausreichend oder sogar mehr frisst als gewöhnlich. Dieses Symptom gab der Krankheit auch ihren Namen: "Going light", das "Leichtwerden". Dazu kommt häufig, dass sich unverdaute Körner im Kot befinden. Als weitere Symptome werden häufig, aber nicht immer Würgen
und "Erbrechen" von grauem Schleim und gelegentlich von Körnerfutter
beobachtet. Dieser Schleim stammt eigentlich aus dem Kropf und nicht aus
dem Magen, es handelt sich also nicht um echtes Erbrechen. Grünlicher
Durchfall, Aufplustern, Apathie, Müdigkeit und Krämpfe sind weitere
unspezifische Symptome, die die Krankheit begleiten können.
Obwohl viele Sittiche lange und gut mit dem Krankheitserreger leben
können, kommt es auch vor, dass erkrankte Sittiche bei hochgradigem
Befall an Schwäche sterben.
Ursache:
Nach neueren Untersuchungen steht fest, dass die Megabakterien nicht zu den Bakterien, sondern den niederen, grampositiven, Pilzen zählen. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Pilzen bilden sie keine Sporen, die den Körper zusätzlich schwächen. Da es sich also nicht um Bakterien handelt bezeichnen Fachleute die Krankheitserreger nicht mehr als Megabakterien, sondern als Macrorhabdus ornithogaster. Die ca. 20-90 µm (40-90 µm, je nach Quelle) langen Pilze
siedeln sich im gesamten Magen-Darm-Trakt, vorwiegend im Drüsenmagen,
und im Kropf an.
Fachleute spekulieren heute, dass weitere Faktoren notwendig sein könnten, um die Erkrankung zum Ausbruch zu bringen. Bei hochgradigem Befall verändert sich der pH-Wert im Drüsenmagen und außerdem zu Schäden und Entzündungen an der Magenschleimhaut. Für die Schleimhautentzündungen werden Bakterien oder andere Pilze als Urache in Erwägung gezogen. Die Veränderungen, die vorwiegend den Drüsenmagen betreffen, führen zu Verdauungsstörungen, so dass die Nährstoffe aus der Nahrung nicht mehr vollständig aufgeschlossen und aufgenommen werden können. Die Sittiche magern trotz ausreichender oder sogar vermehrter Futteraufnahme ab. GLS ist ansteckend für andere Sittiche!
Häufig sind Jungvögel betroffen, die durch das Füttern der
Eltern angesteckt werden und empfindlicher sind, da ihr Immunsystem noch
nicht so stabil ist wie bei erwachsenen Sittichen.
Diagnose:
Nach dem Tod kann eine Sektion genauen Aufschluss über die Ursache
geben. Hier finden sich Entzündungen im Darm, mit Schleim bedeckte
Verdickungen der Drüsenmagenwand, unverdaute Körner sowie gelegentlich
Blutungen in der Magenschleimhaut. Die Koilinschicht des Muskelmagens kann
sich ablösen. Die Erreger können in der Magenschleimhaut nachgewiesen
werden. Sie sollen auch in anderen Organen außer Magen und Darm gefunden
worden sein.
Differentialdiagnose:
Unverdaute Körner im Kot bedeuten also nicht zwangsläufig die Erkrankung am Going-Light-Syndrom!
Medikamente:
Trotz der Behandlung ist normalerweise keine vollständige Heilung
zu erwarten, sondern lediglich eine Verringerung der Erregeranzahl oder
ein vorübergehender Stopp der Erregerausscheidung. Auch wenn normalerweise
keine vollständige Erregerfreiheit zu erreichen ist kann das Medikament
das Leben des Vogels eine Zeitlang erleichtern.
Futter, Diät:
Eine leicht verdauliche Diät kann z.B. aus folgenden Futtermitteln bestehen:
Ansäuern des Trinkwassers:
Unterstützung des Immunsystems:
Dazu empfiehlt sich:
Wie mit erkrankten Sittichen umzugehen ist ist eine schwierige Frage, es gibt vermutlich auch keine pauschale Antwort hierauf. Fachleute empfehlen erkrankte Sittiche getrennt von gesunden zu halten und zu therapieren. Das macht auch Sinn, weil erkrankte Sittiche dann mehr Ruhe haben und individueller behandelt werden können. Ob die Sittiche überhaupt wieder zu den anderen gesetzt werden sollen oder grundsätzlich alleine gehalten werden soll, wie von einigen Fachleuten empfohlen, liegt letztendlich am Vogelhalter. Viele Vogelhalter, und diese Argumentation ist durchaus nachvollziehbar, sind der Ansicht, dass Schwarmvögel auch in Krankheitsfällen, zumindest nach einer erfolgreichen Therapie, nicht ihr Leben lang alleine bleiben sollen, da es eine Quälerei für sie wäre. Natürlich sollte man mit diesen Überlegungen nicht die Gesundheit der anderen Vögel gefährden. Deshalb sollte man den erkrankten Sittich meiner Meinung erst einmal trennen und behandeln und die anderen Sittiche ebenfalls auf GLS testen. Wenn der erkrankte Sittich lange genug in seiner Gruppe war ist die Wahrscheinlichkeit, dass er andere bereits infiziert hat, leider groß, auch wenn es sich um eine Sittichart handelt, die von der Krankheit nicht so stark betroffen ist. In dem Fall könnte er nach Absprache mit dem Fachtierarzt wieder zu den anderen zurück, wenn Laborergebnisse bestätigen, dass die anderen Vögel ebenfalls Macrorhabdus ornithogaster ("Megabakterien") ausscheiden. Wenn der Sittich neu dazu gekommen ist und sich vielleicht noch in Quarantäne befindet können Sie natürlich auch überlegen ihn in einen Bestand mit Megabakterien weiterzuvermitteln, damit er ihre Sittiche nicht anstecken kann. Inzwischen gibt es einige "GLS-Bestände", besonders bei Wellensittichhaltern, die bereit sind weitere Wellensittiche aufzunehmen. Hierzu können Sie sich z.B. an verschiedene Internet-Foren wenden, die auch Vermittlungsforen anbieten, die Sie zur Kontaktaufnahme mit betroffenen Haltern nutzen können. Nach dem Verlust eines Partnervogels durch GLS sollte bei einer Paarhaltung
(also "nur" zwei Vögeln) dennoch nicht gleich ein zweiter Vogel dazugesetzt
werden. Dieser kann sich bei dem übriggebliebenen Vogel anstecken,
wenn dieser ebenfalls infiziert sein sollte bzw. vermehrt Macrorhabdus
ornithogaster ("Megabakterien") ausscheidet. Diesen Vogel sollten Sie
nach einigen Wochen im Abstand von einigen Tagen wiederholt auf diesen
Krankheitserreger untersuchen lassen, bevor Sie einen neuen Partner dazuholen.
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