Gicht bei Sittichen

 
Gicht ist nicht gleich Gicht. Es wird zwischen Gelenkgicht und Eingeweidegicht (Nierengicht und Viszeralgicht) unterschieden. Die Gelenkgicht ist von außen sichtbar, weil sich gelbliche Knötchen an den Füßen bilden, während die Eingeweidegicht in der Regel erst bei der Sektion festgestellt werden.

 

Vorkommen:
Alle Sittiche, besonders Wellensittiche, aber auch Nymphensittiche
 
 

Mögliche Symptome:
 
Leider werden Symptome bei Gicht erst dann sichtbar, wenn die Nierenleistung bereits sehr stark eingeschränkt ist. Die Funktion ist dann ca. 70% und mehr eingeschränkt.

Allgemeine Symptome einer Gicht sind Appetitlosigkeit, vermehrtes Trinken (in der Fachsprache als Polydipsie bezeichnet) und plötzliche Todesfälle.
 

Gelenkgicht:
Bei der Gelenkgicht bilden sich gelblich-weiße Knötchen an den Zehen, die sehr schmerzhaft sind. Dadurch kommt es zu Bewegungsstörungen und eventuell Lähmungen, der Sittich ist deutlich weniger aktiv als gewöhnlich. Er kann sogar regelrecht apathisch werden. Er versucht die Gelenke zu entlasten, viele erkrankte Sittiche liegen häufig auf der Stange.
Die Beine sind warm, häufig geschwollen und violett verfärbt.

Gelenkgicht tritt meistens zuerst auf, weil die Harnsäure-Löslichkeit in den Gelenken niedriger ist als in anderen Geweben. Hier fällt die Harnsäure daher leichter aus.

Da Gelenkgicht oft in Zusammenhang mit Nierengicht auftritt, kann man den Vogel bei der Diagnose auch gezielt auf diese hin untersuchen lassen.
 

Nierengicht:
Ansonsten sind bei Nierengicht in der Regel keine Symptome zu erkennen, bis der Tod eintritt.
 

Viszeralgicht:
Die meist unbekanntere Viszeralgicht betrifft die sogenannten "serösen Häute". Seröse Häute werden auch als Serosa bezeichnet. Vereinfacht erklärt handelt es sich um Häute, die die inneren Organe bedecken, z.B. Herzbeutel, der das Herz umgibt. Meistens treten Viszeralgicht und Nierengicht zusammen auf (auch als Eingeweidegicht bezeichnet). Auch hier sind normalerweise keine Symptome erkennbar, bis der Tod eintritt.
 

Erfahrungen in meinem eigenen Bestand:
Dieser Fall von Nierengicht ist bei einem meiner Nymphensittichweibchen eingetreten. Der Krankheitsverlauf war überhaupt nicht von außen zu erkennen, sie war aktiv, sie fraß normal, sie brütete sogar. Wenn man weiß, dass Gicht vorliegt, sollte man übrigens keine Brut mehr zulassen, da dies den Körper ernorm schwächt. Normalerweise wird während der Brutzeit zusätzlich Eifutter gegeben, was bei Gicht absolut verboten ist. Hier ist eiweißarme Kost wichtig.

Kurz nach der Brut war der Nymphensittich eines Nachmittags müde, abends saß sie auf der Stange, mit stark herunterhängendem Schwanz, gebeugt, so dass ich schon Schmerzen vermutete. Am nächsten Morgen, 6 Uhr, fand ich sie auf dem Boden liegend. Sie bekam ein Stärkungsmittel von mir, starb dann aber leider in der Ziervogelklinik, in die ich sie sofort brachte. Die Sektion erbrachte den Befund Eingeweidegicht. Es sind also wirklich oft keine Symptome erkennbar, bis oder kurz bevor der Tod eintritt und dies -glücklicherweise- ziemlich schnell. Sie war erst 3 Jahre alt, ich hatte sie erst einige Monate vorher über das Sittich-SOS aufgenommen, nach Ansicht der Vogelexperten damals bereits an Gicht erkrankt.
 
 

Ursache:
Gicht wird durch eine Störung des Harnstoffwechsels verursacht. Bei der Verdauung von Nahrungseiweiß entsteht Harnsäure, die durch die Nieren aus dem Blut gefiltert und dann vom Vogel ausgeschieden wird. Wenn diese Filterfunktion der Nieren gestört ist, reichert sich die Harnsäure im Blut an (=> erhöhter Harnsäurespiegel) und lagert sich im Gewebe der Gelenke und Eingeweide ab. Begünstigend für eine solche Störung der Nierenfunktion sind infektiöse und nichtinfektiöse Nierenerkrankungen, Vitamin-A-Mangel, proteinreiche (= eiweißreiche) Nahrung und Wassermangel (Dehydration). Auch bei alten Sittichen kann es zu Einschränkungen der Nierenfunktion kommen.
 
 

Diagnose:
Gelenkgicht ist an den Zehen gut sichtbar.
Ein erhöhter Harnsäurespiegel im Blut kann durch eine Blutuntersuchung festgestellt werden, allerdings häufig erst im fortgeschrittenen Stadium. Vorher können die Werte normal sein, da die Harnsäure ja bereits ausgefallen ist.
Weitere Diagnosemittel sind Röntgen, Endoskopie und die Sektion nach dem Tod.

Die Niere ist meist verändert. Wenn die serösen Häute um die inneren Organe betroffen sind, findet man hier bei der Untersuchung (Sektion) weißliche Ablagerungen.
 
 

Therapie:
Es gibt im allgemeinen keine Heilungsmöglichkeit bei Gicht. Viszeralgicht wird normalerweise sowieso erst bei der Sektion diagnostiziert.

Man kann den Krankheitsverlauf, wenn er erkannt wird, positiv unterstützen:

  • Vitamin A (vitamin-A-reiches Frischfutter oder ein Vitamin-Präparat mit hohem Vitamin-A-Anteil)
  • Flüssigkeit, z.B. Infusion oder Tyrode Lösung, um die Nieren etwas durchzuspülen
  • alternativ oder abwechselnd eine kleine Messerspitze Zucker in das Trinkwasser, das die Nierenfunktion anregt
  • Senkung des Proteinanteils im Futter, d.h. keine Kräcker mehr, kein Eifutter, dafür Obst, Gemüse und Grünfutter
  • Käfigeinrichtung bei Gelenkgicht: Die Sitzstangen können mit einem weichen Tuch umwickelt werden, so dass sich der Stangenumfang vergrößert und der Sittich bequemer und weicher sitzen kann. Gepolsterte Sitzbrettchen (hier Bilder) können das Sitzen ebenfalls erheblich erleichtern, wenn die Gicht schon weiter fortgeschritten ist.
  • Auspolstern des Käfigbodens, falls der Vogel trotzdem mal "abstürzt". Ich verwende dafür ein weiches Frotteehandtuch.


Medikamente wie Allopurinolkönnen versucht werden. Allopurinol ist wegen der Nebenwirkungen wie z.B. Leberschädigung oder Übelkeit / Erbrechen in Fachkreisen allerdings umstritten, deshalb sollten Sie die Gabe immer mit dem Fachtierarzt absprechen! Das Medikament hemmt das Enzym Xanthinoxidase, das für den den Abbau von Purinen zu Harnsäure zuständig ist. Dadurch wird der Harnsäurespiegel gesenkt und es kann sich weniger Harnsäure in den Gelenken ablagern. Ablagerungen im Gewebe sollen abgebaut werden können.

Der Krankheitsprozess bei Gelenkgicht kann durch schmerzstillende Medikamente etwas erleichtert werden.
 

Homöopathie:
Gute Erfahrungen wurden mit Restructa SN® gemacht.
Anwendung: 1 Tablette wird in 1 ml Wasser aufgelöst und dem Vogel mehrmals täglich 3-5 Tropfen verabreicht. Am besten geben Sie die Lösung in eine Pipettenflasche, die Sie ebenfalls in der Apotheke bekommen können. Die Lösung sollte direkt in den Schnabel gegeben werden. Bei nicht zahmen Vögeln, bei denen diese Behandlung zu stressig ist, sollten Sie das Mittel in das Trinkwasser geben.

Zusätzlich können Sie Traumeel® Salbe aus der Apotheke verwenden, um die Beine einzucremen.

Eigentlich behandelt man in der Homöopathie jedes Tier individuell, also auf sein Krankheitsbild abgestimmt. Deshalb kann man zwar viele Erkrankungen homöopathisch behandeln, aber dafür keine "öffentliche Empfehlung" abgeben, zumal man auch mit Homöopathie viel falsch machen kann. Da es sich bei den genannten Mitteln um Kombinationspräparate, also keine Einzelpräparate handelt, und oft gute Erfahrungen damit gemacht wurden, ohne das negative Folgen zu erwarten sind, nenne ich sie in diesem Fall.

Der Behandlungserfolg ist unterschiedlich und hängt von der Ursache, dem Alter und der Schwere der Erkrankung ab. Sehr häufig kann der Krankheitsverlauf allerdings etwas gemildert und erleichtert werden.
 
 

Weiterführende Links:


 
Seiten-Adresse: http://www.sittich-info.de/medizin/gicht.html


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