Fremdrupfen bei Sittichen

Rupfen beim Nymphensittich durch den PartnervogelVorkommen:
Alle Sittiche
 
 

Symptome:
Rupfen des Partnervogels (bevorzugt Kopf und Nacken) oder der Jungvögel (bevorzugt Kopf- und Rückgengefieder).
Nymphensittiche können auch die Haube ihres Partners rupfen. Auf dem Foto sehen Sie eine meiner Nymphensittichhennen, deren Partner ihr 1-2 mal im Jahr beim Kraulen die Haubenfedern ausrupft. Die Gründe hierfür sind mir unbekannt, anfangs hat er noch häufiger gerupft. Trotzdem fordert sie ihn immer wieder zum Kraulen auf. Das Paar harmonisiert sehr und hat auch schon Nachwuchs aufgezogen.

Es gibt auch Sittiche, die sowohl sich selbst als auch den Partnervogel rupfen.
 
 

Mögliche Ursachen:
Die Ursachen für das Rupfen von anderen Sitichen sind weitgehend unbekannt. 

Als mögliche Ursachen wurden beobachtet oder vermutet:

  • "geschlechtsspezifisches Verhalten", einige Hennen werden während der Brutzeit gelegentlich von ihrem Partner gerupft. Nach der Brutzeit wird das Rupfen beendet.
  • zu enge Volieren, Stress
  • Dominanzverhalten, Stress, das zu Rupfen von Neuzugängen führt
  • heftiges Kraulen bei harmonisierenden Pärchen, Federnausrupfen ohne erkennbaren Grund
  

Diagnose:
Anhand der Beobachtungen, des klinischen Bildes.
 
 

Therapie:
Änderungen der Haltungsbedingungen:
Sollte die Haltung Fremdrupfen begünstigen, sollte sie verändert werden. Viel Freiraum, also ausreichend große Käfige / Volieren und bei Innenhaltung zusätzlicher Freiflug und Beschäftigungsmöglichkeiten durch artgerechtes Vogelspielzeug und Knabbermöglichkeiten (z.B. Karotten, Knabberzweige, Gritsteine) sind notwendig, um Stress zu vermeiden.

Wenn ein Vogel wirklich unter dem Rupfen leidet und das Paar sich nicht gut versteht sollten die Vögel eventuell zeitweise oder sogar ganz getrennt werden. Dann sollte überlegt werden die zwei eventuell neu zu verpaaren, da weder die Vögel noch ihre Halter so auf Dauer nicht glücklich werden können. Rupfer sollten artgleiche Partner bekommen, falls noch nicht vorhanden. 
Vielleicht hilft es den Sittichen die Gelegenheit zu geben sich einen arteigenen Partner in einer Gruppe selbst auszusuchen (einige Züchter helfen inzwischen bei solchen Verpaarungen).
 

Neuzugänge:
Wird ein Neuzugang gerupft, sollten die Sittiche vielleicht langsamer aneinander gewöhnt werden. Der Neuzugang sollte dann erst in einem eigenen Käfig im gleichen Raum leben, so dass eine Eingewöhnung auf Distanz möglich ist und sich der andere Sittich nicht so bedängt fühlt oder sein Terrotorium verteidigen möchte. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit der Zusammenfühung während des Freifluges unter Aufsicht gemacht. Manchmal hilft außerdem die völlige Umgestaltung der Voliere, so dass es für alle Sittiche als "neues" Territorium erscheint. Die Umgestaltung des Käfigs bzw. der Voliere kann auch vorbeugend vorgenommen werden, bevor ein Neuzugang dazugesetzt wird..
 

Rupfen der Jungvögel
Wenn die Jungvögel nicht allzu stark oder sogar blutig gerupft werden können sie im Nistkasten bleiben.

Wenn der Hahn zu stark rupft sollte er eventuell von der Brut getrennt werden. Es ist natürlich alles andere als schön für ihn und auch die Brut, deshalb sollte man nur trennen, wenn es wirklich nicht anders geht. Gleiches gilt für die Entnahme der Nestlinge, um sie einem anderen brütenden Paar unterzuschieben, falls vorhanden, bzw. auf mehrere Pärchen aufzuteilen oder sie per Handaufzucht aufzuzuziehen.

Notfalls kann man es auch mit Handaufzucht versuchen. Unerfahrene Halter sollten sich unbedingt gut über die Vorgehensweise informieren und / oder einen seriösen Züchter um Rat fragen.

Einige Züchter haben mir von einer Möglichkeit bei älteren Jungvögeln (kurz vor der Selbständigkeit) erzählt. Das Einflugloch kann mit einem grobmaschigen Draht verschlossen werden. Die Eltern füttern ihre bettelnden Jungen, die sich an den Draht drängen, dann normalerweise problemlos durch den Draht hindurch. Diese Methode ist für jüngere Jungvögel allerdings wenig geeignet, weil die kleinesten und schwächsten Küken eventuell zu wenig gefüttert werden.

In dem Alter ist es auch eher möglich den rupfenden Elternteil von den Jungvögeln zu trennen, so dass der andere Partner weiterfüttert, bis die Selbständigkeit erreicht ist. Rupfende Elternvögel, mit denen eigentlich gezüchtet werden sollte, sollten vielleicht eine Brutsaison aussetzen. Sie sollten also nicht zur Brut angesetzt werden oder auf Kunststoffeiern brüten. Wenn sich das Problem auch in der folgenden und eventuell übernächsten Brut nicht legen sollte überlegt werden mit dem Pärchen nicht mehr zu züchten. Züchter, deren Paare Brutprobleme haben, geben ihre Vögel auch häufig an private Halter ohne Zuchtabsichten ab.
 

Ernährung:
Die Ernährung von Sittichen sollte ausgewogen und abwechslungsreich sein. Da als eine der Ursachen für Rupfen oder Fremdrupfen Kieselsäuremangel angesehen wird kann man zusätzlich Kieselsäure in Form von Vogelmiere (Grünfutter), Kieselerde in das Trinkwasser (Reformhaus, ohne Geschmack und ohne weitere Zusätze) oder homöopathische Lösung (z.B. SC 20 der Firma SupraCell) anbieten.
 
 
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