Französische Mauser (Rennerkrankheit)


auch: Hopserkrankheit, Rennerkrankheit, Budgerigar Fledgling Disease (BFD), French moult ; Polyomaerkrankung
 

Name:
Die Französische Mauser soll deshalb so heißen, weil die Krankheit erstmals in Wellensittichzüchtungen in Südfrankreich beschrieben wurde. In Deutschland traten erste Krankheitsfälle bei Wellensittichen auf, die aus Frankreich importiert waren.

Da diese Krankheit die Tiere flugunfähig werden lassen kann, werden betroffene Sittiche auch "Renner" oder "Hopser" genannt. Dementsprechend wird die Krankheit auch als "Rennerkrankheit" oder "Hopser-Krankheit" bezeichnet.
 
 

Vorkommen:
Hauptsächlich Wellensittiche, gelegentlich aber auch Nymphensittiche und andere Sittiche sowie Papageien (besonders Agaporniden (Unzertrennliche), Aras und Edelpapageien). Bei Wellensittichen verläuft die Erkrankung allerdings klinisch deutlicher und verlustreicher als bei anderen Sittichen und Papageien.
 
 

Symptome:
Es gibt zwei Verlaufsformen der Französischen Mauser, die akute und die chronische. Sie ist v.a. vom Alter und der Papageien- bzw. Sittichart abhängig.

Akuter Verlauf:
Erkrankte Nestlinge zeigen häufig eine akute Form der Erkrankung. Nach einer Inkubationszeit von weniger als einer Woche zeigen sie Schwäche, Zittern und Appettitlosigkeit. Es können gelegentlich Verfärbungen der Haut nach gelb, Blutungen in der Unterhaut und an den Federfollikeln beobachtet werden. Die erkrankten Nestlinge sterben früh. Deshalb wird die Krankheit gelegentlich auch "Wellensittichnestlingskrankheit" oder "Wellensittichnestlingserkrankung" genannt. Bei Wellensittichen beträgt die Todesrate bis zu 100%, bei anderen Sittichen und Papageien verläuft die Erkrankung meistens weniger heftig.
 
 
Chronischer Verlauf:
Werden ältere Nestlinge oder erwachsene Sittiche mit dem Virus infiziert ist eine chronische Verlaufsform zu beobachten. Die Sittiche überleben, obwohl sie das Virus ständig in sich tragen und auch ausscheiden, aber sie verlieren nach jeder Mauser Federn, besonders die nachwachsenden Schwung- und Schwanzfedern. Das klinische Bild ist bei der chronischen Verlaufsform beim Wellensittichen ebenfalls am stärksten. 
Abgesehen von ihrer Behinderung sind sie aber meistens lebensfroh und aktiv.

Ich kenne viele Vögel, darunter auch einige Wellensittiche, mit Französischer Mauser in verschiedenen Beständen, die nachgewiesenermaßen (durch Laboruntersuchungen bestätigt) das Polyoma-Virus in sich tragen und überhaupt keine Symptome zeigen, die Federn also nach der Mauser nicht verlieren und weiterhin flugfähig sind.

Auf dem Foto links sehen Sie einen Wellensittich mit chronischem Krankheitsverlauf.

Wellensittich mit Polyoma / Französischer Mauser
Wellensittich ohne Schwungfedern und Schwanzfedern

 

Ursache:
Die Ursache der Französischen Mauser wurde erst vor wenigen Jahren geklärt. Früher ging man unter anderem von erblichen Faktoren, Mangelernährung oder Milben aus. Inzwischen ist bekannt, dass die Krankheit durch ein Polyomavirus, ein sehr stabiles Virus, ausgelöst wird. Die Übertragung erfolgt über den Kot, Haut- und Federzellen. Sie kann bei Wellensittichen auch von den Eltern auf die Nestlinge übertragen werden. Nach der Infektion breitet sich das Polyomavirus schnell im Körper aus.
 
 

Diagnose:
Aufgrund des klinischen Bildes und des Krankheitsverlaufes, DNA-Bluttest oder DNA-Federtest (es sollten veränderte Federn eingeschickt werden), ggf. Kloakenabstrich, ggf. Sektion (Untersuchung nach dem Tod)
 
 
 
 
Wellensittich mit Polyoma, Französische Mauser

Wellensittich, der zwar die Schwanzfedern
noch besitzt, aber bei dem die Schwungfedern
fehlen

Wellensittiche mit Polyoma, Französische Mauser

Zwei Wellensittiche, die ebenfalls deutlich an Polyoma / 
der Französischen Mauser erkrankt sind.


 

Therapie:
Französische Mauser ist nicht heilbar.
Hinweis: Viruserkrankungen sind ansteckend, man sollte neu erworbene sichtbar erkrankte Vögel nicht gleich zu seinen vorhandenen, klinisch gesunden, Vögeln setzen.

Die Meinungen zum Umgang mit infizierten Sittichen gehen weit auseinander. Die einen meinen, dass alle infizierten Vögel möglichst ohne Kontakt zu gesunden Vögeln gehalten werden sollten, wenn nötig, in einen infizierten Bestand abgegeben werden sollten. 
Andere meinen, dass wahrscheinlich ist, dass sich in der Zeit des Zusammenlebens sowieso schon Partnervögel angesteckt haben und eine Trennung des zuerst sichtbar infizierten Vogels dann keinen Sinn macht. Wenn er weg wäre würden die anderen Vögel für die Verbreitung sorgen. Das sehe ich persönlich auch so. Zumal Polyoma ja wie gesagt oft recht mild verläuft und bei Ansteckung nicht zwangsläufig bei allen Vögeln zu einer Behinderung duch Flugunfähigkeit führt.

Man sollte das Immunsystem unterstützen:

  • achten Sie auf eine gesunde Ernährung
  • achten Sie auf eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit (ca. 50-55%)
  • UV-Licht (Terrasse, Balkon, "Bird Lamp")
  • Vermeidung von Kot- und Federstaub, häufigeres Staubsaugen und -wischen
  • regelmäßig lüften, Zugluft vermeiden
  • Vermeidung von Stress
"Rennern" sollte das Leben in ihrem Zuhause erleichtert werden, indem der Käfig oder die Voliere etwas umgebaut wird und z.B mit mehr Sitzstangen, Leitern und kleinen Sitzbrettchen ausgestattet wird, so dass flugunfähige Sittiche mehr Klettermöglichkeiten bekommen. Es empfiehlt sich, einen zweiten Renner zu besorgen, damit ein erkrankter Sittich einen gleichwertigen Partner hat.

Probleme gibt es, abgesehen von der Flugunfähigkeit, mit Rennern nicht. Sie haben trotz des Virus eine ähnlich gute Lebensqualität wie flugfähige Sittiche. Wenn auf ihre Bedürfnisse eingegangen und das Immunsystem gut unterstützt wird können sie noch viele Jahre mit der Krankheit leben.
 
 
 
Französische Mauser in Zuchtbeständen

Man sollte sich gut überlegen, ob man Renner weiterhin zur Zucht zulässt, da das Virus auf die Jungtiere übertragen wird. In einigen Fachbüchern wird empfohlen die Zucht für 3-4 Monate auszusetzen, damit sich der Bestand durch direkten Kontakt der Vögel untereinander durchseucht wird. Das bedeutet, dass ausreichend maternale Antikörper (also Antikörper der Henne) aufgebaut werden, um die Nestlinge vor der akuten Verlaufsform dieser Erkrankung zu schützen. Trotzdem sollen Befiederungsstörungen bei den Jungvögeln auftreten können.

Viele Fachleute sind der Ansicht, dass diese Zeit nicht ausreicht, sondern die Zucht mindestens 2 Jahre lang ausgesetzt werden sollte.

Wellensittich mit Polyoma / Französischer Mauser

 
 
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Copyright Fotos: Bianca Drommler, vielen Dank! :-)

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