Vorkommen:
Mögliche Symptome:
Bei Hähnen, besonders bei Wellensittichen und Nymphensittichen,
kann häufig beobachtet werden, dass sie ersatzweise die Hand ihres
Halters füttern und bebalzen und sogar besteigen wollen.
Mögliche Ursachen:
Einzelhaltung. Der Sittich sieht in seinem Halter mangels arteigenem Partner seinen Ersatzpartner. Der Halter kann seine Bedürfnisse (ganztags Beschäftigung, Balzen, in seiner Sprache kommunizieren, alles gemeinsam unternehmen) auf Dauer nicht erfüllen. Einzelvögel, die das erwartete Feedback nicht bekommen, leiden sehr unter ihrer Situation und äußern ihre Probleme häufig durch Schreien oder Rupfern. Häufig treten auch (zusätzlich) Aggressionen auf, sowohl gegenüber dem Halter selbst als auch gegenüber anderen Menschen (Familienangehörige, Freunde, ...). Es kommt seltener vor, aber es kann passieren, dass ein Sittich statt des menschlichen Partners ein Objekt wie z.B. einen Spiegel oder Plastikvogel als Ersatzpartner wählt. Er verteidigt ihn gegenüber den Menschen und / oder füttert ihn exzessiv und begattet ihn. Durch den ständigen Stress kann das Immunsystem beeinträchtigt
werden, so dass Krankheitserreger den Organismus leichter schädigen
können. Eine Fehlprägung, die eigentlich psychisch ist,
kann also auch körperliche Folgeerkrankungen mit sich bringen.
Wellensittiche gehören übrigens zu den Sittichen, die sich
vergleichsweise selten rupfen und auch selten schreien oder aggressiv werden.
Ihre Halter erkennen häufig gar nicht, dass Ihr Sittich leidet, nur,
weil sie sich nicht so drastisch äußern wie Nymphensittiche
es z.B. häufig tun. Dennoch bestätigen alle Halter, die ihrem
einzeln gehaltenen Wellensittich einen Partner dazugeholt haben und bei
denen die Verpaarung funktioniert hat, dass ihr Sittich, der auf sie vorher
auch immer glücklich wirkte, auf einmal regelrecht aufgeblüht
ist und ganz neue Verhaltensweisen zeigte, die auch für den Halter
sehr interessant zu beobachten sind.
Diagnose:
Therapie:
Wenn der Tierarzt feststellt, dass Sie tatsächlich einen fehlgeprägten Sittich besitzen, wird er Ihnen sicher einen Partner für ihn empfehlen. Diese Empfehlung kann ich nur bestätigen. Doch ist die Umsetzung in der Praxis gar nicht so einfach, da einige Punkte beachtet werden müssen. Leider ist es so, dass Einzelvögel sich schwerer mit einem Partner vergesellschaften lassen, je länger sie alleine gehalten wurden, da sie, wie bei den Symptomen erwähnt, manchmal schon gar nicht mehr wissen, dass sie eigentlich ein Vogel sind und artgleiche Partner nicht als solche erkennen. Wenn Ihr Vogel nicht lange alleine war empfiehlt es sich, ihm einen einen gegengeschlechtlichen artgleichen Partner dazuholen. Bei den meisten Sitticharten funktioniert diese Verpaarung besser als die gleichgeschlechtliche Verpaarung, die auch bei "normalen" Sittichen spätestens in der Brutzeit Probleme mit sich bringt: die Vögel wissen nicht, wohin mit ihren Trieben. Weshalb sich die gegengeschlechtliche Verpaarung besser eignet und wie Sie unerwünschten Nachwuchs leicht verhindern können können Sie auf dieser Seite nachlesen. Lassen Sie beiden Sittichen ihren Freiraum und lassen Sie sie am besten
während des Freifluges zusammen.
In Büchern heißt es häufig, dass Sittiche, die lange Jahre alleine gelebt haben, grundsätzlich nicht mehr verpaart werden können. Das lässt sich glücklicherweise in der Mehrzahl der Fälle nicht bestätigen. Meiner Erfahrung nach ist es wesentlich einfacher einen lange allein gehaltenen Vogel in eine Gruppe artgleicher Sittiche zu integrieren als ihn in einer Zweier-Gemeinschaft zu verpaaren. Dennoch sollte dieser Versuch unbedingt unternommen werden, denn die Folgen der Fehlprägung dürfen den Sittich und auch seinen Halter nicht für den Rest seines Lebens belasten. Je nachdem wie alt der Sittich ist und wie stark die Fehlprägung ist wird sehr viel Geduld und Zeit benötigt, was in vielen Fällen aber belohnt wird. Die erfolgversprechendste Verpaarungsmöglichkeit ist die Möglichkeit, dass sich der Sittich bei einem Züchter (möglicherweise auch im Tierheim oder bei einem guten Zooladen versuchen) seinen Partner selbst aussuchen kann. Bisher gab es bei dieser Umsetzung durchweg positives Feedback von den Haltern. Wenn ein Sittich lange als Einzelvogel gehalten wurde, sollte er langsam an fremde Vögel gewöhnt und nicht gleich dazugesetzt werden. Vielleicht lohnt es sich, die Haltungsbedingungen zu überprüfen
und gegebenenfalls zu ändern. Eventuell können ein größerer
Käfig oder eine Voliere, mehr Freiflug
oder artgerechtes Spielzeug
eine Verpaarung oder Vergesellschaftung in einer Gruppe erleichtern.
Vorbeugend:
Um einer Fehlprägung während einer notwendigen
Handaufzucht vorzubeugen, sollten Sittiche nicht einzeln, sondern in
der Gruppe aufgezogen werden. So lernen sie das natürliche Sozialverhalten
von Sittichen.
Weiterführende Links: Literaturtipps:
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