Vorkommen: Federrupfen kann prinzipiell bei allen Sitticharten beobachtet werden.
Am häufigsten scheinen laut Fachliteratur Keilschwanzsittiche betroffen.
In Privathaltung, in der Keilschwanzsittiche nicht sehr häufig anzutreffen
sind, findet man meiner Erfahrung nach ein verstärktes Federrupfen
bei Nymphensittichen und
Rosellas.
Kleine Sitticharten wie z.B. Wellensittich
oder Bourkesittich sind meiner
Erfahrung nach weniger häufig betroffen als größere Sitticharten.
Mögliche Symptome: Sittiche rupfen meist im Brust- und Bauchbereich sowie an den Flügelunterseiten,
nicht selten auch am Hals. Im weiteren Verlauf können auch Flügelschwingen
und Schwanzfedern gerupft werden.
Das Rupfen kann von leichtem Auszupfen einiger Federn über das
Aureißen vieler Federn bis hin zur völligen Zerstörung
des Gefieders reichen. Es kann sogar zur Selbstverstümmelung kommen,
wenn die Haut angeknabbert wird (sogenannte Automutilation). Das Rupfen
und das Verletzen der Haut bereitet Schmerzen und ist häufig mit quiekenden
Schmerzlauten verbunden.
Auf dem Foto rechts können Sie einen Sonnensittich
aus der Gattung Keilschwanzsittiche sehen, der sich selbst am Hals gerupft
hat. Die Halsregion ist meiner Beobachtung nach eine Region, die normalerweise
selbst und kaum durch andere Vögel,
z.B. den Partnervogel, gerupft wird.
Zusätzlich können manchmal weitere Symptome wie z.B. Agressionen
oder Unruhe, schlechtes Gefieder oder Kotveränderungen beobachtet
werden.
Mögliche Ursachen:
Die möglichen Ursachen sind sehr vielfältig.
Man unterscheidet zwischen zwei auslösenden Faktoren, nämlich
den seelischen und den körperlichen Problemen.
1. psychische (seelische) Faktoren:
Einzelhaltung, fehlender Partner
(Langeweile, Trennungsangst vom Besitzer)
Stress durch einen zu kleinen Käfig (Überbesatz oder zu wenig
Freiflug)
Stress durch Probleme mit anderen Vögeln (in der gleichen oder auch
in Nachbarvolieren)
Stress durch eine ungeeignete Paarbildung. Nicht immer verstehen sich zwei
Sittiche, die vom Halter als Paar zusammengesetzt werden
Stress durch Veränderungen in der Umgebung
sexuelle Frustration, besonders oft bei nicht harmonisierenden Pärchen
und bei Einzelvögeln
zu beobachten, die ihr natürliches Balz- und Brutverhalten nicht ausleben
können. Auch bei gleichgeschlechtlichen
Verpaarungen gibt es nicht selten Probleme, auch diese können
ihr natürliches Verhaltensrepertoire nicht vollständig ausleben.
Das schließt sowohl blutsfremde als auch blutsverwandte Sittiche
ein. Häufig werden mir Aggressionen zwischen Brüdern besonders
beim Halsbandsittich und
beim Pennantsittich beschrieben,
die vor der Jugendmauser nicht vorhanden waren.
Antipathie dem Halter gegenüber (bei schlechter Haltung oder bei schlechten
Erfahrungen bei früheren Besitzern)
Der Nymphensittich auf dem rechten Foto ist in jahrelanger Einzelhaltung
zum Rupfer geworden. Er wurde schließlich in eine
Nymphensittichgruppe vermittelt. Doch die Resozialisierung solcher
Problemvögel ist meist schwierig und langwierig.
2. physische (körperliche) Faktoren:
Parasitenbefall
Hauterkrankungen (Juckreiz durch Entzündungen, Pilzbefall)
Stoffwechselstörungen durch Mangelernährung
(v.a. Mangel an Vitamin A, Biotin und bestimmten Aminosäuren)
Diagnose: Anhand der Anamnese (= dem Vorbericht des Halters), der Symptome und
der ersten Voruntersuchung kann häufig schon eine erste Verdachtsdiagnose
auf eine körperliche oder psychische Erkrankung gestellt werden. Bei
der Voruntersuchung werden Schnabel, Augen, Kloake, Beine, Krallen, das
Gefieder sowie die Flügel auf Veränderungen hin untersucht und
der Vogel abgetastet und abgehört. Hierbei können bereits erste
Ursachen wie z.B. Milben oder Hauterkrankungen gefunden oder ausgeschlossen
werden . Oder es ergibt sich ein konkreter Verdacht, z.B. auf einen Milbenbefall,
der in der Hauptuntersuchung nochmals kontrollliert wird. In einigen Fällen
ist auch eine Untersuchug des Kots oder einzelner Federn notwendig. Eine
Röntgenaufnahme kann bei Verdacht auf organische Erkrankungen oder
Vergiftungen eventuell Aufschluss geben.
Therapie: Einen Sittich, der sich die Federn ausrupft, sollten Sie von einem
Fachtierarzt
untersuchen lassen, um zu prüfen, ob körperliche Ursachen vorliegen.
Wenn eine Erkrankung vorliegt kann der Tierarzt
den Vogel medizinisch behandeln.
Können körperliche Erkrankungen ausgeschlossen werden sollten
die Haltungsbedingungen geprüft und nach Möglichkeit angepasst
werden.
welche Beschäftigungsmöglichkeiten / Landeplätze gibt es
außerhalb des Käfigs?
wo steht der Käfig?
was bekommt der Sittich zu fressen?
Luftfeuchtigkeit: Bei zu trockener Haut und / oder zu niedriger Luftfeuchtigkeit sollte
die Luftfeuchtigkeit im Raum erhöht werden. Es sollte eine Badeschale
zur Verfügung gestellt werden. Badehäuser werden manchmal nicht
so gut angenommen, in dem Fall sollten Sie das Dach entfernen oder eine
flache Badeschale anbieten. Alternativ oder zusätzlich können
die Vögel regelmäßig mit einer Blumenspritze mit lauwarmen
Wasser besprüht werden. Wichtig: Die
Blumenspritze sollte nach Gebrauch vollständig entleert und geöffnet
getrocknet werden, da sich sonst Krankheitskeime in der Blumenspritze bilden
können, die mit dem Wasser wieder auf den Vogelkörper gelangen.
Hier finden Sie weitere
Informationen über die Bedeutung der Luftfeuchtigkeit in der Vogelhaltung.
Wenn Sie mögliche Gründe für das Rupfen finden, versuchen
Sie die Situation für ihren Sittich zu verändern und zu verbessern.
Ihr Tierarzt kann Ihnen bei
der Ursachenfindung vielleicht schon helfen.
Halskrausen: Halskrausen sollten nur in schweren Fällen angewandt werden, damit
z.B. Wunden abheilen können. Sie behindern allerdings die normale
tägliche
Gefiederpflege und sind sehr unangenehm für den Sittich.
Bei körperlichen Problemen, die in dieser Zeit therapiert werden
und hoffentlich ausheilen können, kann eine Halskrause die Heilung
durchaus fördern und das Rupferverhalten positiv beeinflussen.
Bei psychischen Problemen dagegen ist die Rückfallquote nach Abnahme
der Halskrause sehr hoch. Deshalb ist es das wichtigste, die eigentliche
Ursache für psychische Probleme herauszufinden und zu beheben. Nur
dann besteht die Chance, dass der Sittich das Rupfen danach oder wenigstens
einige Zeit später einstellt oder zumindest deutlich weniger rupft.
Es gibt Sittiche, bei denen das Rupferproblem bis zum Erkennen der Ursache
bereits eine längere Zeit bestand, die das Rupfen nie ganz einstellen.
Auf dem Foto, das freundlicherweise von Gudrun Maybaum aus den USA zur
Verfügung gestellt wurde, sehen Sie einen rupfenden Mönchssittich,
der vor der Übernahme durch Gudrun Maybaum einzeln gehalten wurde.
Eine Halskrause war in diesem Fall notwendig, weil er sich immer wieder
selbst verletzte. Die Federn fangen bereits an gut nachzuwachsen.
Rupfen wird bei vielen Sittichen mit der Zeit zur Gewohnheit, besonders
wenn psychische Gründe vorliegen. Ihnen ist das Rupfen nur schwer
wieder abzugewöhnen und dauert manchmal einige Zeit. In einigen Fällen
hören die Sittiche auch nie wieder ganz mit dem Rupfen auf. Trotzdem
ist jeder Fortschritt, also jede Phase, in der der Vogel weniger rupft,
bereits eine Verbesserung.
Alternative Tiernaturheilkunde: Es gibt keine schulmedizinische Therapie bei psychisch bedingtem Rupfen
außer der Empfehlung die Ursache in der Haltung zu finden und zu
verändern. In solchen Fällen kann die Alternative Tiernaturheilkunde
eventuell unterstützend wirken. Man kann häufig gute Erfolge
mit Farbtherapie, Bach-Blüten, Homöopathie oder Musiktherapie
bzw. auch mit zwei kombinierten Therapieansätzen erzielen. Alternative
Medizin kann nur unterstützend wirken und der Erfolg wird begrenzt,
wenn sich in falschen Haltungsbedingungen nichts ändert. Fragen Sie
bei Interesse Ihren Tierarzt
oder Tierheilpraktiker nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten.