Erbrechen ist keine eigenständige Krankheit,
sondern Symptom für Erkrankungen. Aufgrund der Nachfrage habe ich
Erbrechen in die Liste der Krankheiten mit aufgenommen.
In vielen Fällen handelt es sich nicht um Erbrechen im eigentlichen
Sinn, sondern um das Herauswürgen von Futter.
Der Unterschied besteht darin, dass das Futter bei Erbrechen aus dem
Magen stammt, beim Herauswürgen aber aus dem Kropf. Da die Unterschiede
für den Vogelfreund oft nicht ersichtlich sind werden beide Arten
hier unter dem Punkt "Erbrechen" berücksichtigt. |
Im Folgenden sind einige mögliche Ursachen für Erbrechen aufgeführt.
Vorkommen:
Alle Sittiche
Symptome:
Der Sittich würgt unverdaute Körner oder Schleim hervor,
entweder erbricht er krankheitsbedingt oder er würgt das Futter bewusst
hervor, z.B. um seinen Partner oder einen Ersatzpartner, z.B. einen Spiegel,
zu füttern.
Das Gefieder um die Schnabelregion, teilweise auch am ganzen Vorderkopf,
kann verschmutzt, häufig auch feucht und / oder mit Körnern verklebt
sein.
Weitere Symptome wie Müdigkeit, Appetitmangel, aufgeplustertes
Gefieder oder Durchfall können
hinzukommen.
Mögliche Ursachen:
Man unterescheidet zwischen infektiösen
(durch Krankheitserreger ausgelöste) und nicht
infektiösen Ursachen:
infektiös:
nicht infektiös:
-
kurzzeitige Magenverstimmung, Übelkeit (Ursache unbekannt)
-
Medikamenten-Unverträglichkeit (z.B. Allopurinol bei Gicht)
-
Überfressen (z.B. aus Langeweile oder aus Futterneid)
-
Füttern des Partners - Hervorwürgen, kein Erbrechen!
-
übermäßiges Füttern eines Gegenstandes (Spielzeug,
Spiegel, Plastikvogel, ...) - Hervorwürgen, kein Erbrechen!
-
Futterumstellung, Futterunverträglichkeit (durch Futterwechsel, schlechtes
Futter oder zu junges Alter (noch nicht futterfest)
-
Fremdkörper im Kropf
-
Vergiftungen
-
Kropfdilatation (Erweiterung des Kropfes) / "Pendelkropf"
-
Tumoren (Nierentumor, Drüsenmagen-
und Muskelmagentumor)
-
Angst, Stress
Diagnose:
Um festzustellen, ob es sich um krankhaftes Erbrechen oder einfaches
Hervorwürgen von Körnern handelt sollten Sie den Sittich gut
beobachten. Stellen Sie keine Fütterung eines Partners oder Ersatzpartners
fest oder beobachten Sie zusätzliche Symptome sollten Sie baldmöglichst
einen Fachtierarzt aufsuchen.
Der Tierarzt untersucht zunächst den Kropf und den Körper,
um zu sehen, ob der Kropf Auffälligkeiten zeigt und der Vogel vielleicht
abgenommen hat. Außerdem untersucht er die Schnabelhöhle und
lässt bei Bedarf einen Kropfabstrich und eine Kotprobe untersuchen.
Eventuell muss auch geröngt werden, um organische Veränderungen
erkennen zu können.
Therapie:
Erbrechen kann wie erwähnt durch eine einfache Magenverstimmung
/ Übelkeit verursacht werden. In diesem Fall erholt sich der Sittich
wieder schnell. Wenn sich der Zustand innerhalb kurzer Zeit nicht verbessert
oder Sie weitere Symptome beobachten können oder sich der Zustand
sogar verschlechtert, sollten Sie ihn baldmöglichst zu einem Fachtierarzt
bringen. Er kann Ihren Sittich auf infektiöse Ursachen, Vergiftungen
und Tumore hin untersuchen. Je schneller die Ursachen (soweit möglich)
behandelt werden, desto schneller und besser der Erfolg der Therapie.
Es sollte gut beobachtet werden, wann und wie oft der Sittich erbricht.
Normalerweise hilft in allen Fällen ein leicht verdauliches Futter
unterstützend. Leicht verdaulich ist z.B. Kolbenhirse bzw. lose Hirse
im Körnerfutter, Keimfutter
oder Kochfutter,
Eine Kropfentzündung wird abhängig
von der Ursache mit Antibiotika gegen Bakterien oder Antimykotika (Medikamente
gegen Pilze) gegen Hefepilze behandelt. Zusätzlich
ist eine Fütterung mit Weichfutter sehr wichtig, um den Genesungsprozess
zu beschleunigen und um Rückfälle zu vermeiden. Auch Obst sollte
nicht gegeben werden, da die Fruchtsäure den Kropf zusätzlich
reizen kann.
"Megabakterien" (Macrorhabdus ornithogaster)
werden heutzutage ebenfalls mit Antimykotika behandelt, da sie zu den niederen
Pilzen zählen. Der Behandlungserfolg ist unterschiedlich. Unterstützend
wirkt eine leicht verdauliche Diät.
Trichomonaden sind Parasiten,
die sich im Kropf vermehren. Sie werden mit Antiparasitika behandelt. Alle
Vögel müssen behandelt werden, da es sehr wahrscheinlich ist,
dass sie sich bereits angesteckt haben, auch wenn noch keine Symptome zu
erkennen sind.
Hefepilze vermehren sich nicht nur im Kropf,
sondern im gesamten Magen-Darm-Trakt. Sie werden mit Antimykotika behandelt.
Zucker sollte in dieser Zeit vermieden werden, da er das Wachstum von Hefepilzen
begünstigt und die Therapie behindert. Zucker findet sich in allen
Kräckern und Bisquits, in verschiedenen Vitamin- oder Lactobazillen-Präparaten,
in einigen Eifuttersorten, in Obst (Fruchtzucker) und einigen anderen Futtermitteln.
Vermeiden auch Honig, z.B. Kräcker oder Eifuttersorten, die keinen
Zucker, sondern Honig enthalten.
Virusinfektionen sind leider nicht behandelbar, da es keine Impfstoffe
für Vögel gegen Viren gibt. Gerade PDD
wird meistens erst dann festgestellt, wenn die Krankheit schon weit fortgeschritten
ist und auch immununterstützende Maßnahmen nicht mehr lange
greifen.
Überfressen:
Sittiche fressen auch aus Langeweile, auf Beschäftigung sollte
daher geachtet werden. Am besten eignet sich dafür ein arteigener
Partner.
Erbricht er jedesmal nach dem Fressen, ist es möglich, dass er
zu viel und / oder zu schnell frisst. Diese Überfüllung und zusätzlich
eventuell eine zu hohe Aufnahme von Grit können eine Überladung
des Kropfes zur Folge haben.
Hierfür gibt es drei mögliche Ursachen:
-
es wird nur einmal am Tag gefüttert, der Sittich frisst das Futter
seines Partners mit (Futterneid)
-
dem Sittich wird das Futter vom Partner weggefressen, so dass er sich schnell
vollstopft, sobald er auch mal an den Futternapf gelangt
-
der Sittich wird zusätzlich regelmäßig und viel vom Partner
gefüttert (dies ist meiner Erfahrung nach besonders bei Wellensittichen
zu beobachten)
In vielen Fällen kann Anbieten von zwei bis drei Futternäpfen
oder notfalls auch die zeitweise Trennung der Partner Abhilfe schaffen.
Wenn bisher nur einmal am Tag gefüttert wurde, sollte die Fütterung
umgestellt werden. Mindestens morgens und am späten Nachmittag sollte
es frisches Körnerfutter und ggf. Keimfutter
geben, Obst, Gemüse etc.
sollten ständig zur Verfügung stehen und ab und zu kann es eine
Kolbenhirse oder selten auch einen Kräcker auch zwischendurch geben.
Eine ständige Überladung des Kropfes durch Futter und Grit
oder Sand kann auf Dauer zu einer Kropfdilatation (Kropferweiterung) führen.
Wenn diese nicht rechtzeitig behandelt wird kann diese nicht mehr rückgängig
gemacht werden. Behandelt werden sollte nur in Absprache mit dem Fachtierarzt.
Der Grit / Sand und auch das Futter sollten dann für einige Stunden
aus dem Käfig genommen werden. Gelegentlich ist die Behandlung mit
einer warmen physiologischen Kochsalzlösung oder mit Kamillentee,
der vom Fachtierarzt mit einer Kropfkanüle eingegeben wird, mit anschließender
Kropfmassage notwendig.
Füttern des Partners:
Besonders unerfahrene Halter können manchmal noch nicht einschätzen,
dass das Füttern des Partners normal und kein krankhaftes Erbrechen
ist. Besonders dann, wenn der Partner das angebotene Futter nicht annehmen
will und der Vogel sein Futter dann z.B. auf einem Ast auswürgt. Die
Fütterung des Partners gehört zum normalen Balzverhalten und
ist kein Grund zur Sorge.
Übermäßiges Füttern des Partners oder eines
Gegenstandes:
Der Fütterungstrieb (meiner Erfahrung nach besonders bei Wellensittichmännchen
zu beobachten) wird nicht selten mit Erbrechen verwechselt. In solchen
Fällen füttern nicht nur, aber besonders, einzeln gehaltene Sittiche
Einrichtungsgegenstände (z.B. einen Spiegel oder Plastikvogel, aber
auch metallisch glänzenden Glocken oder sogar Metallnäpfen) oder
auch den Finger des menschlichen "Ersatzpartners". Spiegel und Pastikvogel
oder andere betroffene Einrichtungsgegenstände sollten umgehend entfernt
und ein echter arteigener Partner
dazugesetzt werden (in den meisten Fällen am besten gegengeschlechtlich,
informieren Sie sich hier zum Thema Verpaarung
mit neu hinzukommenden Vögeln). Spiegel und Plastikvögel
verursachen dadurch, dass sie nicht wie vom Vogel erwartet reagieren können,
häufig übermäßiges Füttern und Stress und können
dadurch Krankheiten wie z.B. eine Kropfentzündung
auslösen.
Sie haben im Käfig nichts zu suchen und gehören nach Meinung
von Fachleuten eigentlich zum tierschutzwidrigem Zubehör.
Futterunverträglichkeit:
Es könnte sich auch um eine Futterunverträglichkeit handeln.
Das kann z.B. bei einer Futterumstellung bei einem Jungvogel passieren,
wenn dieser im neuen Zuhause anderes Körnerfutter als beim Züchter
erhält. Deshalb sollten Sie anfangs das gleiche Körnerfutter
anbieten wie er es beim Züchter gewohnt war und mit der Zeit immer
etwas mehr von Ihrem Futter hinzufügen, bis er auf ganz Ihr Futter
umgestellt ist.
Es kommt leider auch immer wieder vor, dass Züchter noch nicht
futterfeste Sittiche abgeben. Achten Sie daher auf das Alter Ihres Jungvogels
und sehen Sie gegebenenfalls im Artenlexikon nach, ob er schon selbständig
ist oder zunächst noch mit Brei zugefüttert werden muss. Wenn
Sie vorher wissen, dass der Vogel noch nicht futterfest ist, sollten Sie
ihn noch nicht zu sich holen, sondern erst in Ruhe selbständig werden
lassen. Das ist die gesündeste und für beide Seiten einfachste
Art.
Das Körnerfutter sollte auf jeden Fall auf seine Qualität
hin untersucht werden (Keimtest).
Gegebenenfalls sollten Sie das Körnerfutter wechseln. Kaufen Sie nur
dort, wo viel gekauft wird, es also nicht lange gelagert wird. Sollte das
Körnerfutter von Futtermotten
befallen sein sollten Sie es umgehend entsorgen.
Obst, Gemüse, Grünfutter,
Keimfutter
und Eifutter müssen stets
frisch angeboten werden und müssen besonders im Sommer nach kurzer
Zeit wieder gewechselt werden, da das Frischfutter sonst schnell verdirbt.
Bei der Zubereitung von Keimfutter
muss darauf geachtet werden, dass es nicht umkippt und bereits verdorben
angeboten wird (Geruchstest). Menschliches Essen, z.B. Chips, Salzstangen,
Mittagessen etc. sind grundsätzlich tabu! Stark gewürztes Essen
kann zur Kropfschleimhautreizungen führen, so dass der Sittich das
Futter wieder auswürgt. Kropfreizungen und die Inhaltsstoffe der "menschlichen
Nahrung" können verschiedene Krankheiten zur Folge haben, es ist also
geradezu gesundheitschädlich. Ausnahmen wie z.B. etwas gekochtes Ei,
gekochter ungewürzter Reis oder etwas frischen Magerquark ohne Geschmack
finden Sie in der Rubrik Ernährung.
Tumoren:
Besonders Wellensittiche
sind von Tumoren betroffen. Im Magen-Darm-Trakt selbst kommen sie zwar
eher selten vor, allerdings können auch Tumore in den benachbarten
Organen zu einer Einengung des Magen-Darm-Trakts führen. Der gestörte
Transport des Futters kann dann zu Erbrechen führen. In solchen Fällen
kann man nicht viel tun. Meistens ist der Vogel bereits geschwächt
und zeigt weitere Symptome wie Mattigkeit, viel Schlafen, ggf. Umfangsvermehrung.
Dann bleibt oft nicht mehr viel Zeit für den Vogel. Sollte er sich
zu sehr quälen sollte leider seine Erlösung in Erwägung
gezogen werden.
Vergiftung:
Bei Verdacht auf Vergiftungen sollte der Sittich baldmöglichst
zum Tierarzt gebracht werden.
Ruhe, Wärme, viel Wasser und
die Gabe von Heilerde oder Vogelkohle können erste Hilfsmaßnahmen
sein, bis der Vogel beim Tierarzt
ist.
Mögliche Ursachen für Vergiftungen sind z.B. das Anknabbern
von giftigen Zimmerpflanzen
oder das Benagen einer Gardinen-Bleikante, Reizungen durch Reinigungs-
oder andere Sprays oder Küchendünste wie z.B. Teflondämpfe
oder das Fressen von "menschlichem" Essen wie stark gewürzten Speisen,
Chips usw., die die Kropfschleimhaut reizen. Eine gereizte Kropfschleimhaut
ist übrigens besonders empfänglich für die Besiedelung mit
anderen Krankheitserregern (z.B. Bakterien), die weitere Erkrankungen auslösen
können.
Der Tierarzt wird
den Sittich bei Verdacht auf eine Schwermetallvergiftung (z.B. Bleivergiftung)
röntgen und mit ausleitenden Medikamenten behandeln. Nach der Behandlung
wird mit einer neuen Röntgenaufnahme kontrolliert, ob die Metallpartikel
vollständig ausgeleitet wurden (mehr Informationen finden Sie bei
den Vergiftungen).
Angst, Stress:
Erbrechen kann auch psychische Ursachen wie Angst oder Stress haben.
Sollte der Tierarzt keine Erkrankungen
feststellen und die Futteraufnahme normal sein, könnte es sein, dass
z.B. Antipathie gegenüber dem (Vor-)Besitzer, Einzelhaltung
(Stress, wenn die menschlichen Ersatzpartner nicht da sind) eine falsche
Verpaarung oder Überbesatz (zu viele Vögel auf zu engem Raum)
die Ursache sind.
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