| Auch (fachsprachlich): Diarrhoe
Durchfall ist eigentlich keine eigenständige
Erkrankung, sondern Symptom verschiedener Krankheiten. Aufgrund
der Nachfrage habe ich Durchfall in die Liste der Krankheiten mit aufgenommen.
| Bei normalem Kot sind der grünlich-schwarze Strang (Kot aus dem
Darm) und der weiße Harnanteil deutlich voneinander getrennt. Der
Wellensittichkot auf diesem Foto ist normal:
Bei Durchfall verändert sich die Konsistenz des Kotanteils.
Manchmal sind zusätzlich auch Farbe, Menge und Geruch des Kots verändert.
Viele Halter verwechseln Durchfall mit Polyurie. Bei der Polyurie ist
jedoch der Harnanteil verändert, er ist nicht mehr von cremiger
Konsistenz und weißlich gefärbt, sondern flüssig und klar.
Polyurie deutet auf andere Krankheiten hin als Durchfall und muss deshalb
anders untersucht und ander behandelt werden. Deshalb ist die Unterscheidung
wichtig. |
Vorkommen:
Alle Sittiche
Symptome:
| Durchfall ist meist breiiger oder fadenartiger Kot, bei
einigen Erkrankungen mit Blut gemischt. Die Kloakenregion ist häufig
mit Kot verschmutzt.
Krankhafter Durchfall ist häufig von weiteren Symptomen begleitet,
wie z.B. Apathie, Appetitlosigkeit, Schwäche, Zittern und aufgeplustertes
Gefieder. Der erkrankte Sittich frisst häufig kaum noch.
Foto rechts: Durchfall bei einem meiner Wellensittiche,
grünlich verfärbt |
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| Mögliche Ursachen:
Störungen im Magen-Darm-Trakt durch
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Fadenartiger Durchfall bei einer
Infektion mit Spulwürmern
|
Es gibt auch harmlose Veränderungen des Kots:
-
zeitweise wässriger Kot nach der Aufnahme von Obst
oder Grünfutter ist normal
-
wässrigerer Kot in Stress-Situationen ist normal
-
große Kothaufen und breiigier Kot vor und nach der Eiablage sind
normal
Diagnose:
Allgemeinuntersuchung des Sittichs, zusätzlich Kotuntersuchung
oder Kloakenabstrich auf Infektionserreger (Bakterien, Pilze, Parasiten).
Gelegentlich ist es sinnvoll zu röntgen (z.B. bei Verdacht auf organische
Veränderungen oder Vergiftung).
Bei einer bakteriellen Erkrankung ist heutzutage ein Resistenztest
empfehlenswert. Viele Bakterienarten sind inzwischen gegen "gebräuchliche"
Antibiotika resistent und die Antibiotika damit wirkungslos. In einem Resistenztest
kann geprüft werden, welches Antibiotikum hilft. Leider behandeln
noch immer zu viele Tierärzte ohne vorherigen Resistenztest, sprechen
Sie Ihren Tierarzt deshalb darauf an. Vielleicht hat Ihr Tierarzt gute
Erfahrungen mit einem speziellen Antibiotikum gemacht, so dass der Test
in diesem Fall vielleicht nicht notwendig ist. Vielleicht spricht er den
Test aber auch aus Kostengründen nicht an, da leider noch immer viele
Patientenbesitzer, gerade bei preisgünstigen Sittichen wie z.B. Wellensittich
oder Nymphensittich, höhere Kosten scheuen. Fragen Sie Ihren Fachtierarzt,
ob er in diesem Fall einen Resistenztest für notwendig erachtet.
Therapie:
Fallen ernährungs- oder stressbedingte Ursachen oder Kotveränderungen
wegen einer Brut aus sollte der Sittich möglichst schnell zum Fachtierarzt
gebracht werden.
Die Therapie ist abhängig von der Krankheitsursache.
Medikamente werden häufig gespritzt und nicht über das Trinkwasser
gegeben, da die erkrankten Vögel oft nur noch wenig fressen und trinken.
In manchen Fällen ist eine zeitweise Zwangsernährung notwendig
(ausschließlich für erfahrene Vogelhalter und / oder nach Anleitung
des Tierarztes).
Hinweis für bakterielle Erkrankungen:
Nicht jede leichte bakterielle Magen-Darm-Erkrankung muss mit Antibiotika
behandelt werden, die auch die gutartigen, darmeigenen Bakterien abtöten
und die Darmflora beeinträchtigt. Man kann die Menge der gutartigen
Bakterien durch die Gabe von Lactobazillen-Präparaten erhöhen
und dadurch die "schlechten" krankmachenden Bakterien beseitigen. Lactobazillen
sind gefriergetrocknete Darmbakterien, die es auch speziell für Vögel
gibt, z.B. PT-12 oder (Bird) Bene Bac. Bene Bac enthält allerdings
Zuckerarten, die bei (gleichzeitigem) Pilzbefall und GLS nicht gegeben
werden sollten. PT-12 ist zuckerfrei und ist in verschiedenen Online-Shops
für Ziervogelzubehör erhältlich.
Wichtig: Sprechen Sie sich mit Ihrem Fachtierarzt
ab und behandeln Sie bitte nicht auf Verdacht zu Hause.
Leider geben immer noch zu viele Tierärzte, auch einige Fachtierärzte,
dieser Methode keine Chance und behandeln - schon aus Kostengründen
- auch ohne vorherigen Resistenztest. Dennoch scheinen sich der Resistenztest
und die schonendere Behandlung durch Lactobazillen in leichten Fällen
immer mehr durchzusetzen. Aber Sie können ohne Diagnose nicht wissen,
ob es sich um einen leichten oder schwereren Befall handelt und ob überhaupt
Bakterien die Ursache für den Durchfall sind.
Gleichzeitig sollte das Immunsystem unterstützt werden, z.B. mit
gesunder
abwechslungsreicher Ernährung (viel Obst,
Gemüse, Grünfutter usw.), UV-Licht,
vermehrter Hygiene und ausreichender Luftfeuchtigkeit.
Nach einer Antibiotika-Behandlung, die wie erwähnt auch die gutartigen
Darmbakterien abtötet, empfiehlt es sich Lactobazillen-Präparate
zu geben, um den Aufbau der Darmflora zu unterstützen. Dies wird inzwischen
auch häufig von Tierärzten empfohlen.
Flüssigkeitsverlust:
Da bei starkem Durchfall viel Flüssigkeit (Elektrolyte) verlorengeht
(Gefahr der Austrocknung) sollten diese
durch eine Elektrolyte-Zugabe ersetzt werden (z.B. Ringer-Laktat-Lösung,
in leichteren Fällen ist auch Amynin® / Volamin®
möglich, dieses wirkt zusätzlich stärkend).
1. Hilfe, wenn der Tierarzt
nicht umgehend aufgesucht werden kann:
Vogelkohle oder Heilerde, Rotlicht, papageienspezifische Lactobazillen
(z.B. Bird Bene Bac, erhätlich beim Tierarzt oder PT-12, erhältlich
z.B. bei Ricos-Futterkiste)
Vogelkohle sollte nicht zu lange gegeben werden, da sie zwar die Flüssigkeit
aus dem Kot nimmt und er deshalb häufig wieder normal wirkt. Sie wirkt
bei Vorliegen einer Krankheit aber nicht gegen die Krankheitserreger, so
dass sie im "günstigen Fall" nur die Symptome verschwinden lässt,
aber die Krankheitsursache nicht behandelt. Bei Absetzen der Vogelkohle
werden die Krankheitssymptome deshalb wieder auftreten. Außerdem
bindet sie nicht nur Flüssigkeit, sondern auch für den Vogel
wichtige Nährstoffe. Sie sollte also nur eingesetzt werden, um den
Flüssigkeitsverlust zu verringern und eine Austrocknung
zu verhindern und ist keine Dauer-Therapie.
Rotlicht ist bei aufgeplusterten und frierenden Sittichen empfehlenswert,
um ihnen Energie von außen zuzuführen.
Vorbeugend und unterstützend: besondere Beachtung der Hygiene (häufigeres
Wechseln des Bodenbelags, des Trink- und Badewassers usw.).
Unterstützend:
bei zeitweiser Nahrungsverweigerung Aufbau durch Kolbenhirse, gekochte
Hirse /
Kochfutter, gekochten
Reis, frischen Magerquark oder frischen Magerjoghurt, Vitaminpräparat
und Kamillentee. Wenn der Vogel nicht mehr selbständig fressen möchte
kann man es auch mit milchfreiem (!) Babybrei oder besser Handaufzuchtbrei
(erhältlich im Online-Handel oder bei Züchtern
in Ihrer Nähe) versuchen.
Es sollte jedoch immer versucht werden schnellstmöglichst den Fachtierarzt
aufzusuchen!
Vorbeugend:
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