Wenn
ein oder mehrere Sittiche sich kaum noch bewegen, kaum noch fliegen können,
sie das Fliegen sehr anstrengt und sie nach kurzen Anstrengungen bereits
kurzatmig sind handelt es sich häufig um Übergewicht
oder Verfettung der Vögel.
Auf dem Foto sehen Sie einen Strohsittich mit extremen, auch für den Laien sofort erkennbaren, Übergewicht. Ihn habe ich mal auf einer - an sich vorbildlichen - Vogelausstellung gesehen. Dem Vogel geht es sichtbar schlecht, der Bauchraum ist stark vergrößert, die Flügel hängen, die Schwanzfedern sind nach unten abgeknickt. Wenn ein Vogel so extrem dick wirkt ist er bereits schwer erkrankt. Über die Ursache kann hier nur spekuliert werden, wichtig ist: der Vogel ist viel zu dick. Auch weniger Übergewicht ist bereits ein Problem und sollte deshalb behandelt werden. Egal wie man zu Vogelausstellungen steht - kranke Vögel haben hier natürlich nichts zu suchen und sollten den Veranstaltern gemeldet werden. Es ist wichtig, den betroffenen Sittich beim Fachtierarzt
untersuchen zu lassen, um eine eindeutige Diagnose zu bekommen und Folgeerkrankungen
erkennen oder auschließen zu können. Zu beachten ist, dass viele
Folgeerkrankungen auch erst später zu erkennen sind, auch wenn zum
Zeitpunkt der Untersuchung noch nichts gefunden wurde. Deshalb muss der
betroffene Sittich wieder Normalgewicht erreichen!
Zunächst sollte die Ursache für das Übergewicht herausgefunden werden. Beispiele für Auslöser sind:
Wellensittiche:
Tipps für eine gesunde Diät:
Keine drastischen Kürzungen oder Wegnahme der täglichen Körnerration! Zu schnelles Abnehmen ist ungesund, da der Vogelorganismus dadurch unnötig geschwächt wird. Auch mit der normalen täglichen Körnerration und gesunden Zusätzen wie z.B. Obst wird das Ziel erreicht. Grundsätzlich kein Essen für Menschen anbieten (Schokolade, Chips, etc.)! Es fördert nicht nur Übergewicht, sondern auch andere Erkrankungen (z.b. Nieren- und Lebererkrankungen). "Menschliche Leckereien" sind für Vögel deshalb immer ungesund, umd nicht zu sagen sogar krankmachend. Dickmacher wie Kräcker, Biskuits und ähnliche Dinge werden weggelassen. Sie sind sehr nahrhaft und werden meistens bevorzugt gefressen, so dass sie grundsätzlich in Maßen gegeben werden sollten und bei übergewichtigen Sittichen bis zum Ende der Diät im Speiseplan völlig fehlen sollten. Körnerfutter:
Die größere angegebene Menge darf dann gegeben werden, wenn es sich um aktive Sittiche mit viel Freiflug handelt. Sollten Ihre Sittiche nur 2-3 Stunden täglich Freiflug erhalten, reicht die erste angegebene Menge an Körnerfutter aus. Zusätzlich darf nach Belieben Obst, Gemüse und Grünfutter angeboten werden. Beeren sind sehr energiereich und sollten zunächst weggelassen werden. Besonders wenn Ihr Sittich dazu neigt gleich an den Napf zu gehen und sich regelrecht vollzustopfen können Sie die Futtermenge in 2-3 Rationen über den Tag verteilt geben. Dieses Fressverhalten ist ungesund, u.a. auch für den Kropf. Viele Körnerfuttersorten, besonders für Großsittiche
wie z.B. Nymphensittiche
oder Rosellas, enthalten viele
Sonnenblumenkerne, Kardi und andere ölhaltige Saaten. Geben Sie fettarmes
Körnerfutter, für Wellensittiche z.B. "Light"-Wellensittichfuttersorten
und Großsittiche z.B. Neophemenfutter. Sie können Ihren Wellensittichen
und auch den Großsittichen auch eine Wellensittich-Basis-Mischung
anbieten, die vorwiegend aus Hirse- und Kanariensaat besteht.
Bieten Sie einen Teil des Körnerfutters als Keimfutter an, es ist leichter verdaulich und enthält mehr Vitamine. Ab und zu ist auch etwas Eifutter (tierische Proteine und Vitamin B12 im Eigelb) erlaubt, da es den Körper mit wichtigen Nährstoffen versorgt. Gelegentlich ist auch (gekeimte) Kolbenhirse erlaubt. Kolbenhirse gehört zu den "Dickmachern", allerdings nicht, weil sie zu fetthaltig wäre. Hirse gehört zu den kohlenhydratreichen Saaten, nicht den ölhaltigen wie etwa die Sonnenblumenkerne und ist lange nicht so fetthaltig wie Kräcker. Dennoch gehört sie zu den "Leckereien", weil sie von den Sittichen meist bevorzugt gefressen wird - auch in größeren Mengen als nötig. Das führt zu einer Gewichtszunahme. Wenn Sie ab und zu Kolbenhirse anbieten möchten, sollten Sie sie vorher teilen und immer nur kleine Stücke anbieten. Diese Körnermenge sollten Sie auch vom Hauptfutter abziehen, also etwas weniger von der Körnermischung anbieten. Verschiedenes Obst, Gemüse und Grünfutter darf den ganzen Tag über angeboten werden. Es sollte, besonders im heißen Sommer, nach einigen Stunden wieder gegen frisches ausgetauscht werden. Sittiche dürfen davon soviel fressen wie sie möchten. Wenn Ihre Sittiche Obst, Gemüse und Grünfutter verweigern versuchen Sie es doch mit diesen Tipps für Obstverweigerer. Beschäftigung: etwas Beschäftigung bei der Futtersuche animiert etwas zur Bewegung. Ein Teil des Körnerfutters kann z.B. auf den Boden gestreut werden. Viele Sitticharten suchen ihr Futter auch in der Natur (zum Teil) am Boden. Dort benötigen sie mehr Zeit um das Futter aufzunehmen, weil sie es sich zusammensuchen müssen. Auch frische Knabberzweige mit Blüten und Knospen dienen der gesunden Beschäftigung. Neues Spielzeug (Käfig oder Voliere sollte nicht zu voll sein!) wie Schaukeln, Hängefreisitze oder Hängeseile zum Klettern können ebenfalls zur Beschäftigung mit den neuen Gegenständen anregen. Auch mit Knabbern an Gemüse, z.B. Karotten, oder Gritsteinen, Korkrinde oder an Holzspielplätzen beschäftigen sich Sittiche gerne. Bewegung: zu einer erfolgreichen Diät
gehört außer dem kalorienreduzierten Futter natürlich auch
Bewegung. Sittiche sollten möglichst viel Freiflug
haben, mindestens 3-4 Stunden am Tag, besser mehr. Wer nur 3-4 Stunden
Freiflug
bekommt
muss eine entsprechend größere Voliere bekommen, um sich dort
ausreichend bewegen zu können. Sie können zum Fliegen animiert
werden, indem man z.B.
Spielplätze
und / oder einen Vogelbaum anbietet, der mit Spielzeug und etwas Kolbenhirse
behängt ist. Zahme Sittiche
kann man auch auf die Hand nehmen und etwas vom Käfig entfernt wieder
auf diesen fliegen lassen.
Mindestens paarweise Haltung: Einzelhaltung führt bei den meisten Schwarmvögeln wie Sittichen oder Papageien zu Langeweile und Bequemlichkeit. Der Einzelvogel ist nicht genug gefordert, besonders, wenn "seine Menschen" nicht anwesend sind. Da Einzelhaltung bei Schwarmvögeln grundsätzlich nicht empfehlenswert ist, sollten einzeln gehaltene Vögel einen Partner der gleichen Sittichart bekommen. Die Partner motivieren häufig zu mehr Bewegung und auch "mensch" hat an seinen Vögeln normalerweise mehr Spaß als an seinem Einzelvogel. Lesen Sie hier mehr über das Thema Einzelhaltung von Sittichen. Trennung: in den Fällen, in denen ein Sittich seinem Partner das Futter wegfrisst, so dass einer über- und der andere untergewichtig ist, wird häufig empfohlen sie zeitweise voneinander zu trennen, damit er Dominante ab- und sein Partner ggf. wieder zunimmt. Möglicherweise hilft bereits das Aufteilen der Körner auf zwei bis drei Futternäpfe, um den Futterneid zu bremsen, ansonsten sollten die Vögel während der Diät bzw. dem Aufpäppeln des Untergewichtigen möglicherweise getrennt werden. Dies muss von Fall zu Fall entschieden werden, wenn der dicke Vogel z.B. sehr dominant ist. Geduld: ein Sittich verliert genausowenig
wie ein Mensch von einem auf den anderen Tag an Gewicht. Haben Sie also
Geduld und versuchen Sie Erfolge nicht zu erzwingen. Der Gewichtsverlust
ist wegen dem Gefieder manchmal von außen gar nicht gut sichtbar.
Auch deshalb ist es wichtig, den Vogel möglichst regelmäßig,
je nach Zutraulichkeit und Stress täglich oder alle 2-3 Tage vor und
während der Diät zu wiegen. Über kurz oder lang (maximal
einige Wochen) nimmt jeder Sittich mit den oben genannten Maßnahmen
ab. :-)
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