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von Manuela Weiß, die mir ihren Bericht freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat (Der Artikel ist im Original nachzulesen in der Zeitschrift „Geflügelbörse“ Nr. 7/99)
Angefangen hatte alles im Mai letzten Jahres, als Tobi, mein Lieblingswellensittich krank wurde. Er saß aufgeplustert da, erbrach sich und hatte stark abgenommen. Der Tierarzt diagnostizierte eine Kropfentzündung und verabreichte Antibiotika an fünf aufeinanderfolgenden Tagen. Es wurde nicht besser. Nach vier weiteren Antibiotikabehandlungen und einem Vitaminaufbaupräparat, das ich Tobi jeden zweiten Tag verabreichte, machte der Tierarzt den Vorschlag, den Wellensittich einzuschläfern. Tobi war vier Jahre alt. Hätte ich gewusst, was ich heute weiß, hätte ich Tobi vielleicht nicht einschläfern lassen, sondern einen letzten Therapierversuch unternommen – und Speedy wäre bestimmt auch noch am Leben. Kaum eine Woche war vergangen, als Speedy anfing sich zu erbrechen. Speedy starb dreieinhalbjährig nach fünf Antibiotikabehandlungen während der sechsten Behandlung gegen Pilze noch in der Tierarztpraxis. Der Tierarzt wollte sich bei der Bestimmung der Todesursache nicht festlegen. Ich glaube, es war eine Verkettung unglücklicher Umstände: das Wetter war zu warm, die Bundesstraße gesperrt, der Tierarzt nahm das Tuch vom Transportkäfig, ich habe gesehen, dass Speedy vor lauter Angst mit dem Schnabel klapperte und habe nicht reagiert. Als der Tierarzt Speedy in den Käfig zurücksetzte fiel er von der Stange und starb. Eine Woche Atempause. Zeit für Trauer, Schuldgefühle, Sorge
um meine Tiere und die Frage: was mache ich falsch? Tagelang habe ich Bücher
gewälzt, die Vogelstube inspiziert, wieder Bücher gewälzt,
Listen geschrieben.
Eine Woche nach Speedys Tod fängt Joschi an sich zu erbrechen.
Joschi ist der kleinste Wellensittich, den ich je gesehen habe. Als er
krank wird, ist er gerade mal fünf Monate alt. Als Joschi zu mir kam,
konnte er zwar selbständig fressen, tat dies aber nicht. Zehn Tage
lang habe ich ihn tagsüber alle zwei Stunden mit einzelnen Körnern
gefüttert. Joschi erbricht sich, sein Gewicht kann ich gar nicht mehr
spüren, er ist total weggetreten. Ich stehe vor der Entscheidung Tierarzt
oder kein Tierarzt. Ich entscheide mich für keinen Tierarzt. In ein
paar Stunden ist er sowieso tot. Das mag sehr hart klingen, doch brauchte
ich diese Distanz, da ich sonst das Leiden und Sterben nicht mehr ertragen
hätte.
Herr Schulz diagnostizierte: Verdacht auf Aspergillose und unterbreitete
mir folgenden Vorschlag:
Sollte es so einfach sein? Durch meine Freundin war ich bereits „K1-vorbelastet“, habe das Präparat auch gekauft, konnte mit meinem Halbwissen aber nichts anfangen. Meine erste Handlung nach dem Telefonat mit Herrn Schulz war, Joschi einen Tropfen des Vitamins K1 in den Schnabel zu träufeln. Dann besorgte ich Vitamintropfen und Futter. Am späten Nachmittag fing Joschi auf einmal an zu zwitschern. Kurze Zeit darauf nahm er wieder Futter auf und am Abend war er wieder munter. Im November hatte er einen Rückfall mit teilweise schwerer Atemnot, hat sich aber wieder einigermaßen erholt und solange er fliegt, zwitschert und frisst, gehe ich davon aus, dass er mit der Krankheit leben kann. Wie lange, wird sich herausstellen. Soweit, so gut. Keine neuen Krankheitsfälle, alle Tiere munterer als mir manchmal lieb ist, warum also Gewissensbisse? Ich bin ein gewissenhafter Mensch, versuche immer alles richtig zu machen und verfüge über eine gesunde Portion Misstrauen (leider auch über eine gehörige Portion Ungeduld). Ich misstraute mir selbst und diesem Vitamin K1 misstraute ich ganz und gar. Was meine Wellensittiche anging sah ich nur noch schwarz, obwohl es eigentlich keinen Grund dafür gab. Und diesmal war es eine meiner Freundinnen, die meine Schuldgefühle nicht mehr ertragen konnte und mir riet, noch einmal einen jungen Wellensittich zu erwerben, um dann zu sehen, ob ich wirklich eine schlechte Tierhalterin sei und ob Vitamin K1 wirklich so toll ist. Ende Oktober 1998 ging ich also in die Zoohandlung um mich nach einem Wellensittich umzusehen, da ich nun sowieso zu wenig männliche Tiere hatte. Ein kleiner violetter Wellensittich sitzt auf dem Boden einer der Käfige. Er hat keine Schwanzfedern. Ich möchte diesen Wellensittich mitnehmen. Der Zoohändler macht mich darauf aufmerksam, dass dem Wellensittich außer den Schwanzfedern auch die Schwungfedern fehlen. Er hätte den Wellensittich letzte Woche hereinbekommen und kurz darauf seien ihm die Federn ausgefallen. Ich zögere. Eigentlich wollte ich ein gesundes Tier, von kranken Tieren war ich geheilt und ein Wellensittich, der nicht fliegen kann, passt nicht zu meinen Dauerfreifliegern. Ich müsste das ganze Zimmer umbauen. Der Zoohändler meint, ich solle es doch probieren und bietet mir an, das Tier zurückzunehmen, falls es Schwierigkeiten gäbe. Ich bin zwar ein misstrauischer Mensch, aber leicht zu überreden... Die ersten drei Tage geht es dem Renner Stumpi (Foto) nicht besonders
(und ich bin am Boden zerstört). Am ersten Tag erbricht er sich, am
zweiten Tag schläft er und am dritten Tag sitzt er da und tut gar
nichts. Ab dem vierten Tag geht es dann steil aufwärts (wenn auch
manchmal „steil abwärts“ in die Bodenschale). Stumpi ist zwar „behindert“,
entpuppt sich aber als Intelligenzbestie schlechthin. Das mit der Leiter
vom Boden zur nächsten Sitzstange kapiert er sofort. Die kommenden
drei Wochen verlässt er den Käfig trotz offener Türen nicht.
Er weiß, dass er nicht fliegen kann. Zeitweise tut er mir richtig
leid, wenn er so mutterseelenallein im Käfig sitzt. Das ist meine
Sichtweise. Stumpi sieht das anders. Er erkundet seine kleine Käfigwelt,
jede Sitzstange, jede Schaukel wird ausprobiert und zur Unterhaltung tuts
einstweilen ein Spiegel. Stumpi fühlt sich augenscheinlich wohl.
War’s nun Vitamin K1 oder Zufall? An der Haltungsweise hat sich nichts
geändert, nur dass ich seit ungefähr acht Monaten täglich
Vitamin K1 ins Trinkwasser gebe und das Multivitaminpräparat gewechselt
habe, ein Präparat ohne Vitamin K3. Den gesunden Tieren schadet das
Vitamin K1 auch in hohen Dosen nicht und die kranken werden wieder gesund
oder es werden zumindest die Beschwerden gelindert, wie bei Joschi, und
der Renner Stumpi hat sich prächtig entwickelt. Auf einer Vogelausstellung
habe ich einen Wellensittich mit Durchfall, entzündetem Auge und „überzähligen
Federn“, die vom Körper abstanden, erworben. Heute, nach einem Jahr,
ist der Wellensittich gesund und munter und das Federkleid normal. Insgesamt
hat sich die Kondition meiner Wellensittiche verbessert, vor allem einige
meiner Weibchen sind nicht mehr so träge. Angesichts dieser Aspekte
fällt es mir schwer an Zufall zu glauben.
© Manuela Weiß Mit freundlicher Genehmigung
der
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