Geschwulst an der Kloake - nicht immer bösartig


Dieser Bericht wurde freundlicherweise von Manuela Weiß zur Verfügung gestellt


 
Leukotische Veränderungen (Geschwülste) bei Wellensittichen

Unter einer leukotischen Veränderung versteht man eine Erkrankung die Immunorgane betreffend. Eines dieser Organe ist die Bursa Fabricii (bursa cloacalis). Jungvögel benötigen diese Drüse, um ihr Immunsystem auszubilden. Bei erwachsenen Tieren bildet sie sich im Laufe der Zeit bis auf ein kleines Säckchen zurück.

Wellensittich mit gutartigem GeschwulstDie Bursa Fabricii kann sich entzünden und mit Flüssigkeit füllen. Es entsteht eine tumorartige, weiche Geschwulst direkt vor der Kloake, die einen Durchmesser von 3-4 cm erreichen kann. An der Stelle, an der die Geschwulst sitzt, fallen alle Federn aus. Diese Erkrankung findet man bei weiblichen Tieren häufiger als bei männlichen. Da es sich hier um keinen echten Tumor handelt, bestehen gute Heilungschancen, wenn das Allgemeinbefinden des Sittichs nicht gestört ist, was bei dieser Erkrankung im Anfangsstadium meistens der Fall ist, einmal abgesehen von einer eventuellen Flugunfähigkeit oder leichten Schwierigkeiten beim Kotabsatz.

Eine Geschwulst an der Kloake sollte auf jeden Fall von einem Tierarzt begutachtet werden, da es verschiedene Gründe für Geschwülste an dieser Stelle gibt. Aber Vorsicht. Die richtige Diagnose kann womöglich nur ein Vogelspezialist stellen, denn speziell die entzündete Bursa cloacalis wird häufig falsch als Tumor diagnostiziert, was logischer weise Konsequenzen in der Wahl der Behandlungsmethode nach sich zieht und eine falsche Diagnose oder Behandlung kann dem Tier das Leben kosten. Auch von einer nicht fachgerecht ausgeführten Operation habe ich schon gehört, an der das Tier verendet ist. Wer also eine Operation (in diesem Fall Punktion) in Betracht zieht, sollte ganz sicher sein, dass der Tierarzt ein Spezialist ist. Vogelspezialisten setzen z. B. Gas-Narkose-Geräte ein. Diese Art der Narkose ist sehr schonend und das Tier ist fast unmittelbar nach Abnahme der Gasglocke wieder munter. Auf diese Weise kann man auch so kleine Tiere wie den Wellensittich sehr gut untersuchen, z. B. endoskopieren oder röntgen. Diese Geschwulst kann jedoch jederzeit wieder auftreten, egal ob operiert oder nicht, da das Organ nicht entfernt wird, sondern lediglich die Flüssigkeit. Unbehandelt stirbt das Tier meist.

Da bei meiner dreijährigen Wellensittich-Henne eine Operation nicht in Frage kam, habe ich einen anderen Weg gewählt. Ich habe das Tier über einen Zeitraum von 6 Monaten sporadisch mit für die Geschwulst passenden homöopathischen Mitteln behandelt. Nach etwa 3 Monaten konnte man eine deutliche Rückbildung der Geschwulst um etwa ein Drittel der ursprünglichen Größe erkennen. Nach einem weiteren Monat waren bereits alle Federn wieder nachgewachsen und ab diesem Zeitpunkt schrumpfte die Geschwulst kontinuierlich. Bei dieser Methode sollte man allerdings viel Geduld mitbringen und ein Erfolg ist auch nicht garantiert, da manche Tiere nicht auf die Homöopathie ansprechen, weil sie evtl. schon zu schwach sind oder das falsche Mittel gewählt wurde.

Beispiel: ein Wellensittich mit Nierenerkrankung sprach auf Berberis-Homaccord und Cantharis compositum, beides Mittel für Nierenerkrankungen, nicht an. Erst Okoubaka, Ipecacuanha und Psorino brachten den Erfolg. Wenn man allerdings das richtige Mittel hat, dann ist es auch möglich, dass ein Tier auf nur eine einzige Gabe eines homöopathischen Mittels wieder gesund werden kann. Diese Erfahrung habe ich jedenfalls gemacht. Bei Geschwülsten kann man allerdings keine Heilung von heute auf morgen erwarten. Der Allgemeinzustand meiner Welli-Henne war sehr gut und deswegen konnte ich das Risiko einer längeren  Behandlungsdauer eingehen. Ich habe sie mit folgenden Mitteln behandelt: Glyoxal compositum, Ubichinon compositum, Galium compositum, Engystol. Die Mittel wurden in Ampullenform gegeben. Tropfen eignen sich weniger für eine Behandlung, da sie Alkohol enthalten. Von jedem Mittel habe ich je 1-2 Tropfen ins Trinkwasser gegeben, zuerst eine Woche lang jeden Tag, dann nur noch einmal pro Woche.
 

Verlauf der Krankheit über einen Zeitraum von 6 Monaten:


 
 

Des weiteren sollte man natürlich, und das ist sehr wichtig, auf optimale Haltungs- und Ernährungsbedingungen achten, wenn das nicht schon bereits der Fall ist. Denn nur so kann sich der Organismus wieder regenerieren. Ein durch Krankheit herabgesetztes Immunsystem, das auch noch massenhaft schädliche Mikroorganismen abwehren muss, hat meistens keine Chance. Das gilt übrigens für viele Erkrankungen. Eine gute Versorgung mit sauberem Körnerfutter und allen Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Aminosäuren und eine entsprechende Hygiene des Käfigs und der Einrichtungsgegenstände, vor allem der Wasser- und Futternäpfe ist zwingend.

Weiterführende Literatur: B. Dorenkamp: Naturheilpraxis Vögel (s. Literaturliste in der Rubrik Wissenswertes)


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