Bauchspeicheldrüsenerkrankungen: Pankreasinsuffizienz und Pankreatitis

"Pankreas" ist der Fachbegriff für die Bauchspeicheldrüse.

Man unterscheidet zwischen
Pankreasinsuffizienz = Unzureichende Pankreasfunktion. Die Bauchspeicheldrüse kann nicht mehr ausreichend Verdauungsenzyme produzieren
Pankreatitis = Bauchspeicheldrüsenentzündung


 

Anatomie:
Die Bauchspeicheldrüse liegt zwischen den beiden Schenkeln des Zwölffingerdarms. Sie besteht aus drei Lappen und besitzt 
zwei Funktionen:

1. Endokriner Teil (Langerhanssche Inseln):
Produkton von Insulin und Glukagon zur Regulation des Blutzuckerspiegels

2. Exokriner Teil:
Produktion von Bauchspeichel (enzymhaltiger Verdauungssaft zur Aufspaltung der Nahrung)
 
 

Vorkommen:
Alle Sittiche, besonders häufig sind Wellensittiche betroffen. Bei mir waren im Laufe der Jahre zwei Nymphensittiche betroffen.
 
 
 
Mögliche Symptome:
  • Kotveränderungen: Sehr typisch ist der voluminöse, weißlich-graue Kot, der fast gipsartig wirkt. Der Kot ist nicht mehr getrennt in einen abgesetzten Kotstrang und einen cremigen weißen Harnanteil. Aufgrund der Probleme beim Verdauen der Nahrung können auch unverdaute Körner im Kot zu finden sein. Alternativ kann auch Durchfall auftreten.
  • Abmagerung: Erkrankte Sittiche magern trotz gleicher oder erhöhter Nahrungsaufnahme ab, da die Nahrung nicht mehr richtig aufgeschlossen werden kann.
  • Würgen möglich
  • gekrümmte Sitzhaltung möglich
  • schmerzempfindlicher Bauch möglich
Voluminöser harter gipsähnlicher Kot beim Nymphensittich, typischer Kot bei Pankreasinsuffizienz und Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung), Pankreaskot

Typischer voluminöser grauweißer gipsähnlicher fester Kot
bei einem meiner Nymphensittich-Jungvögel


 

Mögliche Ursachen:
Infektionen: häufig Bakterien oder Chlamydien, aber auch Viren (PMV 3)
Nichtinfektiöse Ursachen: Tumoren, Übergewicht, Alter, Ernährung

Nicht immer kann die genaue Ursache eindeutig geklärt werden.

Durch die Bauchspeicheldrüsenerkrankung kann der Sittich die Nahrung im Darm nicht mehr richtig verwerten, Fette und Stärke können über den Kot unverdaut wieder abgesetzt werden.
 
 

Diagnose:
Kotuntersuchung (Nachweis des Stärkgegehalts), Blutuntersuchung (Erhöhung des Amylasewertes), Röntgen, evtl. Endoskopie, bei der auch etwas Gewebe zur Bestätigung der Diagnose entnommen werden kann. Eventuell Kropf- oder Kloakenabstrich zum Nachweis oder Ausschluss infektiöser Ursachen.
 
 

Differentialdiagnose:
Ähnliche Symptome können u.a. bei Megabakteriose (Macrorhabdiose, Going-Light-Syndrom = GLS) und der Drehkrankheit (PMV-3-Infektion) auftreten.
 
 

Therapie:
Die Untersuchung und Behandlung einer Bauchspeicheldrüsenerkrankung muss der Fachtierarzt vornehmen.

Medikamente:
Bei Vorliegen einer bakteriellen Infektion behandelt der Tierarzt mit Antibiotika. Eventuell gibt er weitere Medikamente zur Förderung der Verdauung (meist Pankreasenzyme) mit. Zusätzlich wird häufig mit einer Flüssigkeitssubstitution (Gabe von Elektrolyten, evtl. Aminosäuren und Glucose) behandelt.

Die Pankreasenzyme können nach ca. 7-14 Tagen nach Absprache mit dem Fachtierarzt abgesetzt werden, um zu prüfen, ob die Bauchspeicheldrüse ihre Funktion wieder aufgenommen hat. Sollte sich der Kot wieder krankhaft verändern muss die Therapie fortgesetzt werden, bei Bedarf lebenslang.

Die Pankreasenzyme werden oft über das Körnerfutter gegeben, allerdings verweigern nicht wenige Sittiche diese Nahrung. Man kann alternativ auch andere Wege versuchen, z.B. das Präparat über Keimfutter zu streuen. Keimfutter ist leichter verdaulich als trockenes Körnerfutter. 

Eine weitere Möglichkeit ist das Präparat in warmes Wasser zu geben und - nach Möglichkeit kurz vor der Futteraufnahme - anzubieten. Man kann auch versuchen etwas Wasser in eine Spritze ohne Kanüle aufzuziehen und dem Patienten den ein oder anderen Tropfen in den Schnabel zu geben. Bei dem Präparat Probi-Zyme ist dies im Gegensatz zu anderen Präparaten wie erwähnt nicht möglich, da es nicht wasserlöslich ist.

Wenn (noch) keine Pankreasenzyme notwendig sind sollten Lactobazillen gegeben werden, um die Verdauung zu unterstützen. Es handelt sich dabei um gutartige Darmbakterien. Ein sehr empfehlenswertes Präparat ist PT-12, das auch im Loro-Parque Teneriffa verwendet wird. PT-12 ist z.B. unter www.ricos-futterkiste.de erhältlich.
 

Futter, Diät:
Es sollte leicht verdauliches Futter gegeben werden. Weichfutter (täglich Quellfutter oder Keimfutter, Kochfutter, etwas Eifutter, Magerjoghurt ohne Geschmack usw.) eignet sich gut.
Der Fett- und Stärkegehalt im Futter sollte reduziert werden. Dies kann z.B. durch die Erhöhung des Eiweißgehaltes im Futter und die Reduzierung ölhaltiger Saaten im Körnerfutter erreicht werden. Kanarienfutter enthält im Vergleich zum Wellensittichkörnerfutter einen hohen Anteil ölhaltiger Saaten. Nicht wenige Wellensittichhalter oder Halter von Wellensittichen und Kanarien mischen Kanarien- und Wellensittichfutter und bieten beides zusammen an. Darauf sollte bei Sittichen mit einer Bauchspeicheldrüsenerkrankung, aber auch bei übergewichtigen Sittichen, verzichtet werden.
 
 
 
Meine eigenen Erfahrungen:

1. Erwachsener Nymphensittich

Ich hatte vor einigen Jahren ein Nymphensittichmännchen mit Pankreatitis, hier links auf dem Foto. Ich habe u.a. mit Pankreasenzymen behandelt (Präparat: Pancreon-Granulat aus der Apotheke). Diese Pankreasenzyme sollen die Nahrung quasi vorverdauen. Dies ist bei Körnerfutter allerdings schwierig und der Nymphensittich hat das mit Pancreon versetzte Futter auch nicht richtig angenommen. Leider war er auch nicht zahm, so dass es viel zu stressig für ihn gewesen wäre ihn täglich einzufangen und das Mittel per Spritze in den Schnabel zu geben. Häufig sind diese Gaben auch schwierig mit den Arbeitszeiten der Halter zu vereinbaren. Er hat das Granulat letztlich über das Keimfutter gestreut. Er starb relativ kurz nach dem ersten Auftreten des gipsähnlichen Kotes.

2 meiner Nymphensittiche auf Korkröhre

 
 
2. Nymphensittich-Jungvogel

Einige Jahre später hatte ich einen Nymphensittich-Jungvogel mit dem typischen gipsartigen Kot in großen Mengen im Nistkasten (Kontrolle und Säuberung erfolgten einmal täglich, der Nistkaten wurde in diesem Fall auch ausgetauscht). Ich gab als erste Hilfe das Präparat Orlux Probi-Zyme, da es meiner Erfahrung nach wesentlich besser angenommen wird als das Pancreon-Granulat. Dieses Präparat enthält eine Mischung aus Verdauungsenzymen und Lactobazillen und wird ebenfalls über das Futter gegeben, da es nicht wasserlöslich ist. Der Kot hat sich wenige Tage später normalisiert und trat nie wieder in dieser Form auf. Der inzwischen erwachsene Nymphensittich lebt gesund in meiner Sittichgruppe.
 

 

weißer gipsartiger Kot beim Nymphensittich, typischer Kot bei Pankreasinsuffizienz und Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung), Pankreaskot

3. Wellensittich
Den Wellensittich einer Freundin habe ich ebenfalls probeweise zunächst mit Orlux Probi-Zyme behandelt, weil der Stress des Tierarztbesuches für den Sittich in diesem Fall zu groß gewesen wäre. Auch hier normalisierte sich der Kot innerhalb weniger Tage. Wichtig: Das bedeutet natürlich nicht, dass jede Pankreas-Insuffizienz oder Pankreatitis mit Orlux Probi-Zyme oder alternativ mit PT-12 (Lactobazillenpräparat) innerhalb weniger Tage geheilt werden kann oder eins der Mittel die Pankreas-Enzyme vollständig ersetzen kann! Die Untersuchung und Absprache mit einem Fachtierarzt ist unerlässlich.
 
 

Prognose:
Eine Heilung durch Medikamente ist abhängig von der Ursache möglich. Bakterielle Erkrankungen können geheilt werden. Ansonsten ist die Aussicht auf eine vollständige Heilung grundsätzlich leider eher schlecht.
 
 
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