Atemnot (Dyspnoe) bei Sittichen

Atemnot ist keine eigene Krankheit, sondern Symptom verschiedener Krankheiten. Häufig fällt den Haltern allerdings als erstes die Atemnot auf, deshalb möchte ich an dieser Stelle mögliche Ursachen vorstellen.
 
 

Vorkommen:
Alle Sittiche
 
 

Symptome:
Typische Symptome sind angestrengtes, pumpendes Atmen, häufig mit geöffnetem Schnabel. Häufig kann man zusätzlich ein vermehrtes Gähnen oder verstärktes Schwanzwippen beobachten. Gelegentlich wird der Kopf nach hinten gelegt, um leichter Luft zu bekommen. Anstrengungen werden gerne vermieden, aber wenn der Sittich fliegt, wirkt der Flug angestrengt und wieder auf seinem Platz ist er erschöpft und atmet schwer.

Manchmal hängen sich die Sittiche auch an das Käfig- oder Volierengitter, wobei der Schnabel an das Gitter gehängt wird, um durch den gestreckten Hals und geöffneten Schnabel mehr Luft zu bekommen (es gibt allerdings auch gesunde Sittiche, die aus ungeklärten Gründen in ähnlicher Haltung schlafen, daher gut beobachten).
 
 
Hinweis:
Atemnot sollte nicht mit Hecheln verwechselt werden. Da Vögel nicht schwitzen können, müssen sie ihren Temperaturausgleich durch Hecheln regulieren. Sorgen Sie dafür, dass sich das Zimmer nicht zu sehr aufheizt. Wenn dieses nicht hilft oder Sie sich unsicher sind, ob es sich um Hecheln oder Atemnot handelt, suchen Sie vorsichtshalber einen Fachtierarzt auf.

 

Mögliche Ursachen:
Verschiedene Krankheiten: z.B. 


 

Diagnose:
Der Sittich muss möglichst bald einem Fachtierarzt vorgestellt werden, der den Vogel abtastet und abhört. Eventuell kann er anhand der Vorgeschichte oder zusätzlicher Symptome bereits eine erste Diagnose stellen. Weitere Diagnosemöglichkeiten sind z.B. die Untersuchung des befeuchteten Halses auf Parasiten oder Röntgen zur Untersuchung der Organe.
 
 

Therapie:
Viele Halter wissen leider nicht, dass der Atmungstrakt der Vögel sehr empfindlich ist. Bereits zu niedrige Luftfeuchtigkeit kann zur Austrocknung der Schleimhäute führen und diese empfindlich gegenüber Krankheitserregern machen. Sprays (z.b. Haarsprays oder Raumsprays) und Teflondämpfe sind sogar lebensgefährlich.

Der betroffene Sittich muss schnellstmöglichst zum Fachtierarzt gebracht werden, um eine eventuell drohende Erstickungsgefahr möglichst zu vermeiden. Er wird versucht über entsprechende Untersuchungen die Ursache für die Atemnot herauszufinden und zu behandeln. Ausführliche Informationen zur Therapie finden Sie bei der Vorstellung der oben verlinkten Krankheiten. 

Bakterielle Infektionen der Atemwege werden mit Antibiotika behandelt, Infektionen mit Pilzen mit sogenannten Antimyikotika. Überprüfen Sie außerdem Ihre Haltungsbedingungen - stand der Vogelkäfig vielleicht in der Zugluft oder war die Luftfeuchtigkeit zu niedrig? Ist der Raum vergleichsweise staubig?
 

Erste-Hilfe-Maßnahmen, wenn der Fachtierarzt nicht sofort aufgesucht werden kann:

  • Vogel separieren, in einzelnen Käfig setzen, Ruhe geben
  • bei Bedarf Luftfeuchtigkeit erhöhen
  • eventuell Kamillendampfbad inhalieren lassen
  • bei Vergiftungen durch Dämpfe: Lüften, Sittiche eventuell aus dem Zimmer nehmen oder bei gutem Wetter rausstellen, dann schnellstmöglichst zum Fachtierarzt
  • bei Vergiftungen durch Giftpflanzen: stellen Sie Zimmerpflanzen, an denen Ihr Sittich geknabbert hat oder die giftig sind bzw. giftig sein könnten, umgehend aus dem Zimmer. Vögel mit einer Vergiftung fressen häufig nicht mehr, weshalb das Anbieten von Vogelkohle oder Heilerde oft nicht hilft. Da Vergiftungen sehr ernst zu nehmen sind und sogar zum Tod führen können sollten Sie schnellstmöglichst einen Fachtierarzt aufsuchen und den Sittich durchchecken lassen
Durch die beschriebenen Maßnahmen kann die Atmung häufig erstmal etwas erleichtert werden. Davon sollten Sie sich aber nicht täuschen lassen und trotzdem baldmöglichst den vogelkundigen Tierarzt aufsuchen! Erste Verbesserungen können sich auch wieder geben, wenn nicht richtig behandelt wird. Dadurch wird dann viel wertvolle Zeit verloren.
 

Übergewicht:
Da Übergewicht auch Krankheiten als Ursache oder Folge haben kann sollte man vorsichtshalber auch dann zum Tierarzt gehen, wenn man "nur" Übergewicht als Ursache für Atemnot vermutet, also eine als eigentlich harmlos angesehene Ursache.

Staubvermeidung:
Ob es tatsächlich Allergien bei Sittichen gibt ist noch nicht völlig geklärt. Sollte es sie geben sind sie kaum zu diagnostizieren. Sie werden auch gerne als Ursache genannt, wenn ein Tierarzt nichts anderes findet, da der Patientenbesitzer ja eine Diagnose bekommen möchte. Einige Tierärzte gehen davon aus, dass Allergien z.B. durch zu viel Staub in der Luft ausgelöst werden können. Durch die Anschaffung eines Luftreinigers oder Ionisators können Sie die Luft für die Vögel und sich selbst deutlich staubfreier bekommen. Bei Zimmervolieren empfiehlt sich Sand (teilweise) gegen einen anderen Bodenbelag auszutauschen (z.B. Maiseinstreu oder "Walderde" - Hinweis zu Buchenholzgranulat). Viel Frischluftzufuhr sorgt ebenfalls für ein gesünderes Klima und ausreichend Sauerstoff. Achten Sie beim Lüften immer darauf, dass keine Zugluft entsteht.

Stress:
Bei Stress als zusätzliche Belastung (z.B. Jagen durch den Partner oder andere Sittiche) sollten entsprechende Maßnahmen getroffen werden, z.B. mehr Freiflug und einen größeren Käfig bzw. eine größere Voliere, um mehr Freiraum zu schaffen, so dass sich die Sittiche aus dem Weg gehen können.
 

Fütterung:
Außer um die Erkrankung selbst sollte man sich um die Ernährung kümmern, da diese sehr wichtig für die Vogelgesundheit ist und deren Bedeutung leider noch immer stark unterschätzt wird.
Erhalten die Sittiche ausreichend Frischfutter und nehmen sie das auch gut an oder handelt es sich um "Obstverweigerer"? Wie häufig gibt es zusätzliche Vitaminpräparate, könnte hier eventuell unter- oder überdosiert werden?
 

Tipp:
Kontrollieren Sie regelmäßig die Luftfeuchtigkeit, da zu trockener Luft die Schleimhäute austrocknet und Infektionen des Atemtrakts sowie Atemprobleme fördern kann. Das ist besonders im Winter in beheizten Räumen der Fall. Die Luftfeuchtigkeit sollte bei den meisten Sitticharten ca. 45-55% betragen (bei Papageien oft noch mehr) und mit einem Hygrometer regelmäßig kontrolliert werden. Es gibt Luftbefeuchter oder Luftwäscher (z.B. der Firma Venta) im Handel, mit denen Sie die Luft konstant in einer bestimmten Feuchtigkeit halten können. 
 
 
 
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