Atemnot ist keine eigene Krankheit, sondern Symptom verschiedener
Krankheiten. Häufig fällt den Haltern allerdings als erstes die
Atemnot auf, deshalb möchte ich an dieser Stelle mögliche Ursachen
vorstellen.
Vorkommen:
Alle Sittiche
Symptome:
Typische Symptome sind angestrengtes, pumpendes Atmen, häufig
mit geöffnetem Schnabel. Häufig kann man zusätzlich ein
vermehrtes Gähnen oder verstärktes Schwanzwippen beobachten.
Gelegentlich wird der Kopf nach hinten gelegt, um leichter Luft zu bekommen.
Anstrengungen werden gerne vermieden, aber wenn der Sittich fliegt, wirkt
der Flug angestrengt und wieder auf seinem Platz ist er erschöpft
und atmet schwer.
Manchmal hängen sich die Sittiche auch an das Käfig- oder
Volierengitter, wobei der Schnabel an das Gitter gehängt wird, um
durch den gestreckten Hals und geöffneten Schnabel mehr Luft zu bekommen
(es gibt allerdings auch gesunde Sittiche, die aus ungeklärten Gründen
in ähnlicher Haltung schlafen, daher gut beobachten).
Hinweis:
Atemnot sollte nicht mit Hecheln verwechselt werden. Da Vögel
nicht schwitzen können, müssen sie ihren Temperaturausgleich
durch Hecheln regulieren. Sorgen Sie dafür, dass sich das Zimmer nicht
zu sehr aufheizt. Wenn dieses nicht hilft oder Sie sich unsicher sind,
ob es sich um Hecheln oder Atemnot handelt, suchen Sie vorsichtshalber
einen Fachtierarzt auf. |
Mögliche Ursachen:
Verschiedene Krankheiten: z.B.
-
Erkältung, Infektionen der Atemwege
-
Übergewicht (Adipositas)
-
Parasiten (Luftsackmilben, Luftröhrenwurm,
Trichomonaden)
-
Verhornung der Nasenwachshaut
(bei Wellensittichen)
-
Schnupfen (Rhinitis)
-
Aspergillose (Schimmelpilzerkrankung)
-
Tumoren im Bereich der Schnabelhöhle und Nasenhöhle, außerdem
auch bei fortgeschrittenem Lebertumor,
Nierentumor,
Hodentumor
oder Eierstocktumor zu beobachten
-
Legenot bei Hennen
-
vergrößerte Schilddrüse
(Schilddrüsenhyperplasie), Schilddrüsentumor
oder Schilddrüsenzyste
-
Vergiftung, z.B. durch Sprays,
Küchendünste (z.B. Teflondämpfe)
etc.
-
Vergiftung durch Giftpflanzen
-
Herzprobleme infolge Herzfehler, Herzinsuffizienz
-
Luftsackriss, Luftsacküberdehnung
-
gelegentlich bei Chlamydien (Psittakose)
-
Fremdkörper in Schnabelhöhle oder Luftröhre (Trachea)
-
Schock
-
Trauma (z.B. innere Blutungen durch Unfälle)
Diagnose:
Der Sittich muss möglichst bald einem Fachtierarzt
vorgestellt werden, der den Vogel abtastet und abhört. Eventuell kann
er anhand der Vorgeschichte oder zusätzlicher Symptome bereits eine
erste Diagnose stellen. Weitere Diagnosemöglichkeiten sind z.B. die
Untersuchung des befeuchteten Halses auf Parasiten oder Röntgen zur
Untersuchung der Organe.
Therapie:
Viele Halter wissen leider nicht, dass der Atmungstrakt der Vögel
sehr
empfindlich ist. Bereits zu niedrige Luftfeuchtigkeit
kann zur Austrocknung der Schleimhäute führen und diese empfindlich
gegenüber Krankheitserregern machen. Sprays (z.b. Haarsprays oder
Raumsprays) und Teflondämpfe sind
sogar lebensgefährlich.
Der betroffene Sittich muss schnellstmöglichst zum Fachtierarzt
gebracht werden, um eine eventuell drohende Erstickungsgefahr möglichst
zu vermeiden. Er wird versucht über entsprechende Untersuchungen die
Ursache für die Atemnot herauszufinden und zu behandeln. Ausführliche
Informationen zur Therapie finden Sie bei der Vorstellung der oben verlinkten
Krankheiten.
Bakterielle Infektionen der Atemwege werden mit Antibiotika behandelt,
Infektionen mit Pilzen mit sogenannten Antimyikotika. Überprüfen
Sie außerdem Ihre Haltungsbedingungen - stand der Vogelkäfig
vielleicht in der Zugluft oder war die Luftfeuchtigkeit
zu niedrig? Ist der Raum vergleichsweise staubig?
Erste-Hilfe-Maßnahmen, wenn der Fachtierarzt
nicht sofort aufgesucht werden kann:
-
Vogel separieren, in einzelnen Käfig setzen, Ruhe geben
-
bei Bedarf Luftfeuchtigkeit
erhöhen
-
eventuell Kamillendampfbad inhalieren lassen
-
bei Vergiftungen durch Dämpfe: Lüften, Sittiche eventuell aus
dem Zimmer nehmen oder bei gutem Wetter rausstellen, dann schnellstmöglichst
zum Fachtierarzt
-
bei Vergiftungen durch Giftpflanzen:
stellen Sie Zimmerpflanzen, an denen Ihr Sittich geknabbert hat oder die
giftig sind bzw. giftig sein könnten, umgehend aus dem Zimmer. Vögel
mit einer Vergiftung fressen häufig nicht mehr, weshalb das Anbieten
von Vogelkohle oder Heilerde oft nicht hilft. Da Vergiftungen sehr ernst
zu nehmen sind und sogar zum Tod führen können sollten Sie schnellstmöglichst
einen Fachtierarzt aufsuchen
und den Sittich durchchecken lassen
Durch die beschriebenen Maßnahmen kann die Atmung häufig erstmal
etwas erleichtert werden. Davon sollten Sie sich aber nicht täuschen
lassen und trotzdem baldmöglichst den vogelkundigen
Tierarzt aufsuchen! Erste Verbesserungen können sich auch wieder
geben, wenn nicht richtig behandelt wird. Dadurch wird dann viel wertvolle
Zeit verloren.
Übergewicht:
Da Übergewicht auch Krankheiten
als Ursache oder Folge haben kann sollte man vorsichtshalber auch dann
zum Tierarzt gehen, wenn man
"nur" Übergewicht als Ursache für Atemnot vermutet, also eine
als eigentlich harmlos angesehene Ursache.
Staubvermeidung:
Ob es tatsächlich Allergien bei Sittichen gibt ist noch nicht
völlig geklärt. Sollte es sie geben sind sie kaum zu diagnostizieren.
Sie werden auch gerne als Ursache genannt, wenn ein Tierarzt
nichts anderes findet, da der Patientenbesitzer ja eine Diagnose bekommen
möchte. Einige Tierärzte gehen davon aus, dass Allergien z.B.
durch zu viel Staub in der Luft ausgelöst werden können. Durch
die Anschaffung eines Luftreinigers oder Ionisators können Sie die
Luft für die Vögel und sich selbst deutlich staubfreier bekommen.
Bei Zimmervolieren empfiehlt sich Sand (teilweise) gegen einen anderen
Bodenbelag auszutauschen (z.B. Maiseinstreu oder "Walderde" - Hinweis
zu Buchenholzgranulat). Viel Frischluftzufuhr sorgt ebenfalls für
ein gesünderes Klima und ausreichend Sauerstoff. Achten Sie beim Lüften
immer darauf, dass keine Zugluft entsteht.
Stress:
Bei Stress als zusätzliche Belastung (z.B. Jagen durch den Partner
oder andere Sittiche) sollten entsprechende Maßnahmen getroffen werden,
z.B. mehr Freiflug und einen größeren Käfig bzw. eine größere
Voliere, um mehr Freiraum zu schaffen, so dass sich die Sittiche aus dem
Weg gehen können.
Fütterung:
Außer um die Erkrankung selbst sollte man sich um die Ernährung
kümmern, da diese sehr wichtig für die Vogelgesundheit ist und
deren Bedeutung leider noch immer stark unterschätzt wird.
Erhalten die Sittiche ausreichend Frischfutter
und nehmen sie das auch gut an oder handelt es sich um "Obstverweigerer"?
Wie häufig gibt es zusätzliche Vitaminpräparate, könnte
hier eventuell unter- oder überdosiert werden?
Tipp:
Kontrollieren Sie regelmäßig die Luftfeuchtigkeit,
da zu trockener Luft die Schleimhäute austrocknet und Infektionen
des Atemtrakts sowie Atemprobleme fördern kann. Das ist besonders
im Winter in beheizten Räumen der Fall. Die Luftfeuchtigkeit
sollte bei den meisten Sitticharten
ca. 45-55% betragen (bei Papageien oft noch mehr) und mit einem Hygrometer
regelmäßig kontrolliert werden. Es gibt Luftbefeuchter oder
Luftwäscher (z.B. der Firma Venta) im Handel, mit denen Sie die Luft
konstant in einer bestimmten Feuchtigkeit halten können.
|
Seiten-Adresse: http://www.sittich-info.de/medizin/atemnot.html
|
Copyright © www.sittich-info.de
Bitte beachten Sie: Sämtliche Inhalte auf dieser Seite sind urheberrechtlich
geschützt. Die Übernahme von Bildern, Texten oder Textauszügen
(auch leicht verändert) ist ohne vorherige Genehmigung und gut sichtbarem
Verlinken der Quelle nicht gestattet. Text- und Bilddiebstahl werden rechtlich
verfolgt. |
|