Es
ist ein positiver Trend, dass sich die artgerechte paarweise Haltung oder
sogar Gruppenhaltung bei den Sittich- und Papageienhaltern immer mehr durchsetzt.
Probleme bei der Verpaarung können allerdings nicht grundsätzlich
ausgeschlossen werden. Nicht alle Sittiche sind sofort begeistert vom neuen
Partner, das gilt für ehemalige Einzelvögel genauso wie für
verwitwete oder aus anderen Gründen vom Partner oder der Gruppe getrennte
Sittiche.
Probleme können z.B. sein:
-
die Ignoranz des neuen Partners über eine lange Zeit hinweg
-
die Aggression eines oder beider Sittiche gegenüber dem neuen Partner
-
die Aggression (bedingt durch Eifersucht) eines ehemaligen Einzelvogels
gegenüber seinem Halter
-
die Toleranz des neuen Partners, aber Frust über das falsche Feedback
(bei zwei verschiedenen Sitticharten)
Obwohl man den "Geschmack" der Sittiche nicht generell beeinflussen
kann und es Fälle gibt, in denen sich die Vögel trotz aller Mühe
einfach nicht verstehen, kann man Fehler bei der Verpaarung machen, die
ein höheres Risiko für nachfolgende Probleme mit sich bringen.
Die häufigsten Fehler bei der Verpaarung:
-
es wird eine andere Vogelart als Partner gewählt
-
es wird ein Sittich mit dem gleichen Geschlecht gewählt
-
der neue Vogel wird direkt in den Käfig des bisherigen Einzelvogels
gesetzt
-
um den neuen Vogel wird sich mehr gekümmert als um den alten, da er
sich ja schnell einleben und vielleicht auch zahm
werden soll
-
ein Vogel, der jahrelang einzeln gehalten wurde bekommt als Partner ebenfalls
einen ehemaligen Einzelvogel
Tipps für die erfolgreiche Verpaarung:
1.
Die Vögel sollten artgleich sein.
Jede Sittichart spricht eine "andere Sprache" und zeigt ein anderes
Verhalten. Deshalb sollten immer zwei artgleiche Sittiche zusammengesetzt
werden, die sich verstehen und das vom anderen Sittich erwartete Feedback
geben können.
2. Bei den meisten Sitticharten ist eine gegengeschlechtliche
Haltung empfehlenswert.
Bei vielen Sitticharten reagieren Männchen nach dem Eintritt ins
Erwachsenenalter aggressiv auf artgleiche und artfremde Männchen,
selbst auf die eigenen Brüder. Auch Weibchen verstehen sich nicht
immer. Aber auch bei friedlichen Sitticharten kann der Bruttrieb Probleme
bereiten.
3. Vor dem Zusammensetzen getrennt halten.
Bei Innenhaltung:
Häufig setzen Sittichhalter ihre Vögel sofort nach der Ankunft
des Neuen zusammmen in einen Käfig. Es hat sich allerdings gezeigt,
dass viele alteingesessene Sittiche aggressiv reagieren und ihr Territorium
gegen den Neuen verteidigen. Eine harmonische Verpaarung wird somit erschwert
oder im ein oder gelegentlich sogar unmöglich.
Deshalb sollte der Neuzugang zunächst in einen eigenen Käfig
gesetzt werden. Es ist kein Problem, wenn dieser Käfig im Vergleich
zum endgültigen Zuhause klein ist, denn der Vogel soll ja nur eine
begrenzte Zeit hier leben. Der kleinere Käfig kann später als
Krankenkäfig und Transportkäfig genutzt werden und muss nicht
nur für diese eine Verpaarung gekauft werden.
Diese Trennung ist nicht nur wegen der leichteren Eingewöhnung
und dem Beobachten der beiden Sittiche empfehlenswert. Nicht selten werden
unbemerkt Krankheitserreger eingeschleppt, die sich bei einem sofortigen
Zusammensetzen auf den anderen Sittich übertragen könnten. Eine
Untersuchung beim Fachtierarzt kann hier Sicherheit geben.
Ist der Neue gesund und reagiert der andere Sittich positiv, können
Sie die beiden nach 1-2 Tagen während des Freiflugs und unter Aufsicht
zusammenlassen. Der Freiflug hat den Vorteil, dass sich die beiden Vögel
bei Bedarf besser ausweichen und langsamer annähern können als
im Käfig.
Reagiert der Alteingesessene aggressiv empfiehlt es sich die Käfige
und nach Möglichkeit auch das Zimmer umzugestalten, so dass es für
ihn ein relativ neues Territorium ist. Manchmal reicht dies aus, manchmal
helfen zusätzliche Beschäftigungen, z.B. das Anbieten einer (oder
auch zweier) Kolbenhirse(n) mit der Hand. Ihr Sittich sollte etwas positives
mit der Anwesenheit des anderen Sittichs verbinden. Dies können z.B.
Leckereien wie Kolbenhirse sein, aber auch Spiele oder Clickertraining.
Beobachten Sie die Reaktionen der Vögel aufeinander gut, beobachten
Sie die Zusammenführung, z.B. während des Freiflugs, und greifen
Sie bei ernsthaften Attacken notfalls ein. Kleine Schnabelattacken sind
in der Regel harmlos und dauern nicht lange, bei ernsthaften Kämpfen
sollte natürlich eingeschritten werden. Eine Blumendusche kann Streitigkeiten
schnell beenden.
Bei Außenhaltung:
Wenn möglich sollten die Sittiche in eine neue Voliere gesetzt
werden, so dass die Umgebung für beide neu ist. Wenn diese Möglichkeit
nicht besteht können Sie die vorhandene Voliere für einige Zeit
teilen oder einen großen Käfig in die Voliere stellen. Reinschmidt1,
Kurator der Loro Parque Fundación, beschreibt diese zweite Variante
als recht erfolgreich im Loro Parque. Der Neue kann die Voliere so erkunden,
wodurch der "Heimvorteil" des bereits vorhandenen Vogels anscheinend schwindet
und sich dem Alteingesessenen langsam annähern.
Vielleicht ist es dennoch empfehlenswert die Voliere vor einem solchen
Versuch noch einmal umzugestalten.
4.
Die Verpaarung in der Gruppe
Besonders erfolgversprechend ist die Verpaarung innerhalb einer Gruppe.
Der zu verpaarende Sittich wird dabei in eine Gruppe mit Vermittlungstieren
gesetzt und kann sich innerhalb einiger Tage für einen Partner entscheiden.
Da meist mehrere potentielle freie Partner vorhanden sind, ist die Auswahl
größer, womit die Erfolgschancen steigen. Solche Gruppen finden
Sie z.B. bei Züchtern, im Tierheim oder bei Vermittlungsstellen. Meiner
Erfahrung nach reagieren Einzelvögeln in Gruppen im neuen Territorium
auch nicht so aggressiv.
Diese Verpaarungsart ist besonders für lange allein gehaltene Vögel,
bei denen die Verpaarung mit einem einzelnen Sittich meist schwieriger
ist bzw. mehrere Versuche benötigt, empfehlenswert.
Der zu verpaarende Sittich sollte natürlich gesund sein, um keine
Krankheiten in den Vermittlungsbestand zu schleppen. Ein Vorab-Check beim
Tierarzt ist empfehlenswert.
5. Nach dem Tod eines Partners:
Häufig fragen Halter, ob und wie lange nach dem Tod eines Partners
mit der Anschaffung eines neuen Sittichs warten sollten. Es gibt unterschiedliche
Erfahrungswerte, abhängig vom Charakter des verwitweten Sittichs.
Man kann einige Zeit warten und dem Sittich Zeit zum Abschied nehmen geben.
Möglicherweise wird dadurch die Bereitschaft eine neue Partnerschaft
einzugehen, gesteigert. Andere Sittiche fühlen sich scheinbar eher
einsam und benötigen diese Zeit nicht.
Diesen Kreis der "ewigen Neuverpaarungen" nach dem Tod eines Partners
zu durchbrechen, indem man den verbleibenden Partner am Ende alleine hält,
ist aus meiner Sicht keine artgerechteLösung. Wer keine Vögel
mehr halten möchte sollte sich überlegen den Sittich in ein schönes
neues Zuhause abzugeben, in dem er den Rest seines Lebens mit arteigenen
Partner verbringen kann.
Fazit:
Es kommt vor, dass sich Sittiche einfach nicht mögen und eine
Verpaarung auch nach vielen Versuchen scheitert. In solchen Fällen
sollten Sie überlegen, ob Sie den Versuch abbrechen und es mit einem
anderen Partner probieren.
Es gibt kein Patentrezept für eine erfolgreiche Verpaarung. Erfahrungsgemäß
machen Sie als Halter sowieso vieles "intuitiv" richtig, wenn Sie mit der
notwendigen Geduld an die Verpaarung herangehen.
Weiterführende Links:
1 Matthias Reinschmidt: Verpaarung von Vögeln.
Papageien 2 (2006), S. 48-49
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