Erwerb & Eingewöhnung von Sittichen

 
Wo Sie Sittiche erwerben können
Züchter:
Wenn Sie ihre Sittiche beim Züchter erwerben möchten, können Sie in der Züchterliste nachsehen, ob Sie einen Züchter in Ihrer Nähe finden. Außerdem finden Sie Züchter über Züchter-Anzeigen in der Zeitung, in Internet-Anzeigenmärkten, auf Vogelschauen oder über den Vogelverein in Ihrer Stadt.

Bevor Sie Sittiche von einem Züchter kaufen, sollten Sie sich seine Zuchträume zeigen lassen. Diese müssen hell und sauber und nicht zu voll besetzt sein. Die Vögel müssen gesund und munter aussehen und aktiv sein. Wenn ein Züchter sich weigert seine Zuchträume zu zeigen, hat er meistens gute Gründe dafür. In diesem Fall sollten Sie einen anderen Züchter aufsuchen. Wählen Sie ausschließlich selbständige, futterfeste Jungvögel, sonst kann es schnell zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen kommen.
 

Vorteile:
Der Vorteil des Kaufs beim Züchter sind Alter und Preis der Sittiche. Meistens bekommen Sie junge Sittiche zu einem deutlich günstigeren Preis als im Zoohandel. Oft sind sie auch zutraulicher als Vögel aus dem Zoohandel, die durch den Transport und die Umgebung häufig verschreckt sind.

Ein sehr großer Vorteil ist außerdem, dass einige Züchter Interessenten die Gelegenheit geben, ihren eigenen Sittich mitzubringen, so dass er sich seinen Partner in der Voliere selbst aussuchen kann. Dies ist bei Vergesellschaftung nach jahrelanger Einzelhaltung besonders wichtig, damit es nicht zu Problemen mit dem neuen Partner kommt.
 

Nachteile: 
Leider gibt es auch einige unseriöse Züchter, die noch nicht futterfeste Jungvögel oder ältere Vögel als Jungvögel verkaufen. Ein Laie bemerkt dies häufig erst nach dem Kauf. Kaufen Sie nicht bei Züchtern, deren Zuchtanlagen und Näpfe verdreckt sind und bei denen die Vögel nicht gesund wirken! Kaufen Sie nicht bei Züchtern, die Ihnen die Zuchtanlagen gar nicht erst zeigen wollen.
Bitte kaufen Sie keine kommerziellen Handaufzuchten! Bei kommerziellen Handaufzuchten werden die kleinen Sittiche ohne Grund ihren Eltern frühzeitig weggenommen und mit der Hand aufgezogen, um so handzahme Sittiche zu züchten und sie besser und teurer verkaufen zu können. Notwendige Gründe für eine Handaufzucht wären z.B. der Tod der Henne oder die Vernachlässigung durch das Brutpaar.

Vielen Sittichhaltern ist gar nicht bewusst, dass kommerzielle Handaufzuchten viele Nachteile haben. Die Elternvögel ihren Brut- und Aufzuchtstrieb nicht ausleben, die Jungvögel werden ihren Eltern, oft auch den Geschwistern, und ihrer gewohnten Umgebung entrissen und mit Ersatzfuttermitteln aufgezogen werden.

Dazu kommt, dass diese Vögel meist absichtlich auf den Menschen fehlgeprägt werden, was später oft zu ernsthaften Problemen in der Mensch-Vogel-Beziehung führt. Hier können Sie einiges über mögliche Probleme einer solchen Fehlprägung nachlesen.

Nicht wenige Halter nehmen dies leider aber auch bewusst in Kauf, um gleich zahme Sittiche zu besitzen, anstatt es selbst zu versuchen. Sie können nicht glauben, dass man auch viel Spaß an nicht zahmen Sittichen haben kann, indem man ihre Spielereien, Clownereien oder auch das gegenseitige Kraulen eines Pärchens beobachten kann. Genau das bestätigen aber viele Halter, deren Sittiche nicht zahm sind.

Nicht lebensnotwendige (!) Handaufzuchten sind meiner Meinung (und der vieler Fachleute) nach nicht artgerecht und sollten nicht unterstützt werden!
 
 

Zooläden:
Wenn Sie ihre Vögel aus einem Zooladen holen möchten, sollten Sie sie in einem Laden erwerben, in dem die Käfige / Volieren / Vitrinen groß genug, sauber und hell sind und die Vögel einen gesunden Eindruck machen. Leider ist eine gute Haltung im Zooladen heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr. Deshalb sollten Sie gut auf die Helligkeit, Sauberkeit und Gesundheit der Vögel achten.

Vorteile:
Bei dem Erwerb in Zoohandlungen sehe ich persönlich keine Vorteile. 

Nachteile:
In viel zu vielen Zoohandlungen werden die Vögel unsachgemäß gehalten, sind verschreckt und man weiß nie genau, wohin sie nach den drei Monaten, die sie maximal in einem Zooladen angeboten werden dürfen, kommen. Wir hatten einen Fall im Sittich-SOS, in dem ein Zooladenmitarbeiter einen Wellensittich, der drei Monate lang nicht verkauft wurde, weitervermittelte, weil der Vogel sonst als Schlangenfutter geendet hätte.

Dazu sind Vögel in einem Zooladen meist deutlich teurer als beim Züchter. Im Gegensatz zum Kauf bei einem Züchter können Sie hier nicht wissen, woher die Vögel kommen und wie sie aufgezogen wurden. Auch die Beratung ist leider häufig schlecht. 

Es gibt natürlich auch - leider vergleichsweise wenige - gute Zoohandlungen. Dennoch braucht man meiner Meinung nach diesen "Zwischenhändler" zwischen Züchter und Halter nicht unbedingt.
 

Kleinanzeigenmärkte:
In den Kleinanzeigenmärkten im Internet können Züchter und Privatpersonen inserieren. Dort sind Zuchtvögel ebenso zu finden wie junge Abgabevögel von Züchtern und Vögel von privat, die ein neues Zuhause suchen.

Beispiel für einen solchen Internet-Kleinanzeigenmarkt:

Deine Tierwelt

 

Vogelvermittlungen oder Tierheime
Vorteile:
Der Erwerb über das Sittich-SOS oder über Tierheime sind meine persönlichen Favoriten. Hier können Sie Sittichen und auch anderen Vogelarten, die ein neues Zuhause suchen, helfen.

Gerade die Halter, die sich an Vermittlungsorganisationen wie das Sittich-SOS wenden, bemühen sich häufig sehr, ein gutes neues Zuhause zu finden. Die Vögel werden teilweise kostenlos oder gegen eine recht geringe Schutzgebühr abgegeben. Häufig gibt es auch Zubehör dazu.

Nachteile:
Nachteile sind häufig mangelnde Kenntnisse über die vorherige Haltung, Krankheiten und Alter oder die Furcht vor Komplikationen. Gerade Krankheiten werden von Vogelfreunden oft als Grund angegeben, Sittiche lieber vom Züchter oder im Zoohandel zu kaufen. Doch trügt diese vermutete Sicherheit, dass die Wahrscheinlichkeit hier größer ist, gesunde Vögel zu erwerben. Denn es kommt recht häufig vor, dass gesund wirkende Vögel bereits im Zooladen Krankheitserreger in sich tragen und Symptome erst nach dem Stress des Umzugs und die neue Umgebung sichtbar werden. Deshalb empfiehlt sich immer die Einhaltung einer Quarantäne


 
 
Männchen oder Weibchen?
Vogelhalter sind sich häufig unsicher, ob sie sich ein Pärchen, zwei Männchen oder zwei Weibchen anschaffen sollen. Laut vieler Ratgeber aus dem Buchhandel soll die Anschaffung eines gleichgeschlechtliches Paar unerwünschten Nachwuchs verhindern.

In der Praxis gilt wohl eher, dass sich ein echtes Pärchen wohler fühlt und seine natürlichen Verhaltensweisen am besten ausleben kann. 

Wer keinen Nachwuchs zulassen möchte oder mangels Zuchtgenehmigung kann, kann sein Sittichpärchen trotzdem brüten lassen. Wenn Sie die Eier gleich nach dem Legen abkochen oder gegen Kunststoffeier austauschen kann kein Nachwuchs entstehen. Viele Halter haben besonders anfangs Bedenken, doch hat sich in den ersten Stunden nach der Eiablage noch kein Leben gebildet, das man dadurch abtötet.
Mehr Informationen zur Brut ohne Nachwuchsabsichten und zum Verhindern von Nachwuchs erhalten Sie auf dieser Seite.

Wer seinen Sittichen doch mal Nachwuchs gönnen möchte sollte sich in der Rubrik Zucht über die rechtlichen Bedingungen (z.B. Zuchtgenehmigung, Fußringe) und Zuchtvorbereitungen, mögliche Probleme während der Zucht sowie notwendige Handaufzucht informieren.


 
 
Die Auswahl der Sittiche
Lassen Sie sich Zeit beim Aussuchen und beobachten Sie die Sittiche eine Weile. Welche wirken besonders kräftig, gesund und munter? Hat sich vielleicht schon das ein oder andere Pärchen gefunden, das Sie mitnehmen könnten? Dann hätten Sie gleich ein Pärchen, das sich gut versteht, denn willkürlich vom Halter zusammengesetzte Sittichpärchen vertragen sich nicht immer.

Sie sollten nicht unbedingt abends, wenn die Sittiche bereits müde und weniger aktiv sind, aussuchen. Einen gesunden Sittich erkennen Sie am glatten, glänzenden Gefieder und seiner Aktivität, dem Herumfliegen und Putzen z.B. Nehmen Sie ihn ruhig in die Hand und Untersuchen Sie Brustbein (sollte etwas nach außen gerundet sein), Augen und Nase (sollten trocken sein), Füße (2 Zehen zeigen nach hinten, 2 nach vorne) und Beine (dürfen nicht besonders verhornt sein) oder lassen Sie sich dies vom Züchter oder Zoohändler zeigen. Kranke Sittiche sitzen oft apathisch in einer Ecke, ihr Gefieder ist aufgeplustert, die Augen halb oder ganz geschlossen. Da auch Sittiche, die eigentlich gesund sind, aber in dieser Haltung schlafen, diese Anzeichen zeigen, sollten Sie einen solchen Vogel einige Zeit beobachten, falls Sie sich für ihn interessieren.

Die ausgewählten Sittiche werden in Zooläden meistens in kleine dunkle Kartons mit Luftlöchern gesteckt nach Hause transportiert. Sie können auch kleine Transportkäfige kaufen, die Sie später möglicherweise sowieso in Krankheitsfällen für den Transport zum Tierarzt verwenden können. Diese sind eher zu empfehlen, da sie heller sind und Käfigstangen vorhanden sind. Sie wirken nicht so bedrohlich. Der Transport sollte möglichst kurz gehalten werden.


 
 
Die Eingewöhnung
Bereits vor dem Kauf der Sittiche sollten Sie einen großen Käfig oder eine Voliere besorgt und eingerichtet haben. Auch Futter und Wasser sowie eine Kolbenhirse sollten vorhanden sein. Etwas Futter auf dem Boden verstreut hilft manchmal bei Anfangsschwierigkeiten. Mehr zur Größe, Einrichtung und Käfigstandort finden Sie auf dieser Seite.

So können die Sittiche ohne zusätzlichen Stress aus der Transportbox in den fertig eingerichteten Käfig ziehen.


 
Neue Sittiche
Hatten Sie bisher noch keine Sittiche und haben Sie sich ein oder zwei geholt, sollten Sie ihm oder ihnen etwas Ruhe gönnen, damit sie sich etwas an die neue Umgebung gewöhnen können. Oft wird zunächst ein Sittich erworben, um ihn leichter zähmen zu können. Ein paar Tage später wird ein Partner dazugeholt. Wem die Zähmung nicht so wichtig ist oder wer etwas Zeit und Geduld hat, kann auch gleich ein Pärchen kaufen.

Ein Problem sind oft die Namen für die Sittiche. Einige Halter haben Lieblingsnamen die sie vergeben, andere gehen nach Aussehen oder Verhalten, wieder andere lassen sich durch meine Namensliste mit über 1500 Namen inspirieren. Nennen Sie ihre Sittiche von Anfang an möglichst häufig beim Namen, damit sie diesen später auf sich beziehen.

Es ist normal, dass sich der Sittich anfangs nicht bewegt, nicht gleich mit fressen und trinken anfängt oder singt. Schließlich wurde er gerade von den anderen Sittichen getrennt und Käfig, Umgebung und Menschen sind neu für ihn. Viele Sittiche fressen und trinken in den ersten Tagen häufig bevorzugt dann, wenn sie alleine sind. Dadurch kommt es dem Halter oft so vor, als wenn sie gar nicht trinken. In der Regel ist diese Sorge unbegründet. Auch anfänglicher Durchfall ist normalerweise kein Grund zur Sorge, sondern nur ein Anzeichen für Stress und Angst.

Wenn Ihr Sittich eine Zeit lang Ruhe hatte, können Sie sich schon ein wenig mit ihm beschäftigen, reden sie ruhig mit ihm und machen sie ihn mit Ihrer Stimme vertraut. Sie können auch Futter und Wasser wechseln, wobei Sie langsam mit den Gegenständen umgehen sollten, um ihn nicht zu erschrecken. Die ersten zwei bis drei Tage sollte er im Käfig bleiben und noch keinen Freiflug bekommen, da er sich erst an die Zimmergrenzen gewöhnen muss um sie beim ersten Ausflug besser einschätzen zu können. In dieser Zeit lernt er seinen Käfig als sein neues Territorium anzusehen und sich an die neue Umgebung und Sie zu gewöhnen. Je mehr sie sich in dieser Zeit mit ihm beschäftigen, desto schneller gewöhnt er sich an Sie. Sollte er bei seinem ersten Freiflug noch nicht zahm sein, so dass sie ihn nicht einfach wieder in den Käfig tragen können, können Sie einfach abwarten, bis Hunger und Durst ihn wieder in den Käfig locken.
 

Ein neuer Partner
Nach dem Tod eines Partners wird häufig ein neuer Partner für den Übriggebliebenen gesucht. Oder es wird ein Partner für einen zugeflogenen oder "geerbten" Vogel gesucht. War der Sittich vorher lange Zeit alleine, sollte er sich seinen Partner möglichst in einer Vogelpartnervermittlung oder beim Züchter aussuchen können. Die Vergesellschaftung von Einzelvögeln hat mit dieser Methode die größte Chance, erfolgreich zu verlaufen, selbst bei den Sittichen, die vorher jahrelang alleine waren. Für Sittiche, die vorher nicht alleine waren, ist diese Methode nicht so wichtig. Wer sich lieber einen gleichaltrigen Sittich aus dem Tierheim oder über Aneigen holen möchte, kann dies ebenfalls tun. Der neue Sittich sollte nicht gleich mit dem alten zusammengesetzt werden, sondern ein paar Tage in einem eigenen Käfig untergebracht werden. Dies nennt man Quarantäne. So kann die Übertragung von potentiellen Krankheitserregern vermieden werden. Außerdem kann es zu Problemen kommen, wenn ein neuer Sittich einfach in den Käfig oder die Voliere des Alten gesetzt wird, der dann häufig sein Territorium verteidigen möchte. Deshalb ist es besser, die Vögel nach einigen Tagen während des Freiflugs unter Aufsicht zusammenzulassen. Oft zieht der Neue dann von selbst bei dem länger hier lebenden Sittich ein.
Tipps zur Verpaarung von Sittichen finden Sie auf dieser Seite.

Sollten sich zwei Sittiche auf Dauer nicht verstehen, ist es besser sie zu trennen oder für beide Sittiche neue Partner zu holen. Auch wenn es schwerfällt einen der beiden wegzugeben, weil kein Platz für weitere Partner da ist, ist dies für beide Sittiche besser als wenn sie unter dem dauernden Stress und den Aggressionen leiden müssten. 
 
 
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