Neuzugänge - Quarantäne und Vorab-Check (Vogelkundiger Tierarzt)

Wenn Sie Ihre Sittichgruppe vergrößern oder einen neuen Partner für einen Sittich haben möchten, sollten Sie den Neuzugang nicht direkt dazusetzen. 
Es ist sehr wichtig zu wissen, dass der Vogel gesund ist, sonst kann ein neuer Sittich Krankheitskeime einschleppen und die anderen Vögel anstecken. Im schlimmsten Fall kann es sogar zu Todesfällen kommen.

Gehen Sie also auf Nummer sicher und halten Sie Ihren Neuzugang oder ihre Neuzugänge zunächst in einem einzelnen Käfig, möglichst in einem anderen Raum (da Feder- und Schnabelkontakte durch das Gitter Übertragungswege für mögliche Erkrankungen sind). Sie können die Sittiche auch in zwei getrennten Käfigen im gleichen Raum lassen. Allerdings ist dies meist schwieriger für die Vögel und auch deren Halter, wenn sie zueinander gelangen möchten. Deshalb sind zwei getrennte Räume meistens einfacher. Lassen Sie sich von den Kontaktrufen lieber nicht beeindrucken. Viele Halter haben damit sehr schlechte Erfahrungen gemacht, auch wenn der Vogel ja "neu vom Züchter" oder aus dem Zooladen war. Es werden sehr viel mehr Krankheitskeime eingeschleppt als man vielleicht annehmen möchte.

Sie sollten die Vögel mindestens drei Tage, besser bis zu einer Woche lang getrennt halten. Beobachten Sie den Neuzugang gut und achten Sie auf folgende Punkte:
 
 
 
Region, sonstiges: so sollte es sein: Auffälligkeiten (Beispiele): Mögliche krankhafte Ursachen bei Auffälligkeiten:
Gefieder glatt anliegend, glänzend stumpf, struppig, ausgefranst, schuppig, abgebrochene Federn
"stacheliges" Federkleid
Federn farblich verändert
Schwungfedern und / oder Schwanzfedern fehlen
Schwanzfedern am Ende verbogen
Mangelernährung, Milben, Hautprobleme, organische Probleme
Stockmauser: Mangelernährung, organische Erkrankungen, hormonelle Störungen
z.B. Nieren- oder Lebererkrankungen
Französische Mauser (Polyoma, Rennerkrankheit)
PBFD
Kloake, Kot saubere Kloake, ohne Auffälligkeiten (z.B. Hautrötungen)

Kot sollte weder in der Konsistenz noch im Geruch verändert sein. 
Hinweis: Der Kot kann stressbedingt anfangs etwas wässrig sein, was häufig mit Durchfall verwechselt wird. Allerdings hat sich der Kot spätestens am nächsten Tag wieder normalisiert, wenn nur etwas Stress die Ursache ist.
 

verdreckte Kloake, Hautrötungen, Wunden, Geschwulste
Kot verändert sich farblich und / oder im Geruch und / oder seiner Konsistenz
Kotabsatzprobleme
Erkrankungen an der Kloake, Hauterkrankungen (z.B. Entzündungen, Pilzbefall), Verletzungen, Tumore
Infektionen, organische Erkrankungen (z.B. Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse (Pankreas), Magen-Darm-Trakt)
Verstopfung
Haltung normale Körperhaltung gekrümmter Rücken, Schwanzfedern gerade nach unten oder sogar nach innen gebogen
Schonung eines Fußes, auffällig häufiges Hochziehen
Aufplustern
Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt, Tumore
Verletzungen im Beinbereich, Sohlenballengeschwür
Aufplustern, wenn sich der Sittich nicht wohlfühlt
Augen frei, glänzend Ausfluss, Schwellungen, Hervorwölben, matt Bindehautentzündung, Infektionen, Fremdkörper, Tumor, Erblindung
Nase frei Ausfluss, Schwellungen, Borken Infektion, Tumor, Milben
Schnabel glatt borkig, Schnabelrand nicht glatt, blaue Flecken Milben, Mangelernährung, Trauma
Hinweis: schwarze Flecken auf dem Schnabel beim jungen Wellensittich sind normal!
Beine glatt borkig, Wunden, Beinschonung, verbogene Beine Milben, Verletzungen, Sohlenballengeschwür, Rachitis (Mangelernährung)
Aktivität aktiv, interessiert sich für seine Umgebung, singt großes Schlafbedürfnis, desinteressiert an seiner Umgebung, Apathie sehr allgemeine Symptome, hier kommen sehr viele Krankheiten in Betracht
Fressen und Trinken normales Fressen und Trinken. Neuzugänge trinken manchmal bevorzugt dann, wenn der Halter gerade nicht anwesend ist Verweigerung von Fressen und / oder Trinken, wenig oder sporadisches Fressen, übermäßige Futteraufnahme, Hervorwürgen des Futters Infektionen, Diabetes, Kropfentzündung, Magen-Darm-Erkrankungen
Hinweis: Das Hervorwürgen von Futter zur Partnerfütterung ist normal. Alternative "Partner" wie Plastikvogel oder Spiegel sollten entsorgt werden - der Vogel nimmt die Körner oft wieder auf, weil sie vom "Partner" nicht gefressen werden, außerdem ist es auch für Vögel frustrierend, wenn sie trotz der vielen Mühe nicht das Feedback erhalten, das sie erwarten.

 
 
Wenn Sie sich sicher sind, dass der neue Sittich gesund ist (z.B. weil er aus jahrelanger Einzelhaltung stammt und bisher immer gesund war) können Sie ihn nach der Quarantäne  von ca. 3 Tagen und der Beobachtung vorsichtig mit den anderen Sittichen vergesellschaften. Tipps dazu erhalten Sie auch hier. Die Quarantäne dient auch der Eingewöhnung und ist auch bei vermutlich gesunden Sittichen deshalb sinnvoll.

Wenn Sie ein oder mehrere Auffälligkeiten entdecken oder sich nicht sicher sind, ob es sich um eine Auffälligkeit handelt sollten Sie möglichst bald einen vogelkundigen Tierarzt aufsuchen und den Sittich untersuchen lassen.

Tipp: Auch wenn offensichtlich alles in Ordnung ist, ist es grundsätzlich empfehlenswert einen Vorab-Check beim Tierarzt zu machen.
Vögel sind kleine Schauspieler, sie verbergen ihre Krankheiten instinktiv so lange es nur geht, denn in der freien Wildbahn wären sie sonst verloren. Trotz dieser Quarantäne ohne auffällige Symptome kann also nicht ausgeschlossen werden, dass der Sittich erkrankt ist. 


 
 

Der Vorab-Check beim vogelkundigen Tierarzt:

  • Allgemeinzustand (Abtasten, Abhören), Gewicht
  • Untersuchung der Körperöffnungen (Augen, Schnabel, Kloake, Ohren)
  • Untersuchung des Gefieders auf Federveränderungen, Hautveränderungen, Milben
  • Schnabel- und Kropfuntersuchung auf Veränderungen, Entzündungen, Kropfabstrich zur Untersuchung auf Kropfparasiten
  • Kottest: Endoparasiten (innere Parasiten, z.B. Würmer, Trichomonaden, je nach Untersuchung müssen Sammelkotproben untersucht werden), Bakterien, Pilze
  • Kloakenabstrich oder Bindehautabstrich: Chlamydien (Psittakose, Papageienkrankheit)


Bei Gefiederveränderungen, bei denen Mauserstörungen durch organische Erkrankungen, Milben oder Mangelernährung ausgeschlossen werden können sind zusätzlich eventuell Tests auf Viruserkrankungen (Polyoma = Französische Mauser, Rennerkrankheit und PBFD) empfehlenswert.

Wer ganz sicher gehen will sollte seinen Vogel also gleich zu einem vogelkundigen Tierarzt bringen und durchchecken lassen. Nicht selten werden z.B. bakterielle Krankheitserreger eingeschleppt, vom Züchter genauso wie aus dem Zoohandel oder anderen Herkunftsquellen, die erst einige Zeit nach dem Zusammensetzen bemerkt werden. Oft haben sich andere Sittiche bereits angesteckt und müssen mitbehandelt werden, ein größerer Aufwand und mehr Kosten, die man sich mit einem Vorab-Check in den meisten Fällen hätte sparen können.
 
 


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