Die Haltung von Nymphensittichen (Nymphicus hollandicus)

Die Haltung von zwei Nymphensittichmännchen
 
 
Ich hielt schon einige Jahre Wellensittiche, als ich mein erstes Nymphensittich"paar" bekam. Es handelte sich um zwei Nymphensittichmännchen, die ein neues Zuhause suchten, weil ihre Besitzer ausgewandert waren. Sie waren vorübergehend bei einer Nymphensittichfreundin untergekommen, die kurz darauf mehrere Nymphensittiche aus schlechter Haltung gerettet hat und dringend ein neues Zuhause für die zwei Nymphensittichhähne Leo und Lorenz suchte. Sie waren bereits drei Jahre zusammen und verstanden sich so gut, dass sie nicht mehr getrennt werden sollten.

Lorenz (links) und Leo


 
Lorenz war 4 Jahre alt, Leo 3. Durch die vielen Veränderungen und Transporte innerhalb der letzten Wochen waren sie sehr verängstigt und scheu. In ihrem neuen Zuhause angekommen hatten sie erstmal ein paar Tage Ruhe. Dann fingen die Wellensittiche an sich für sie zu interessieren und wollten sie aus der Nähe betrachten. Es war nicht leicht für die beiden, in den ersten Wochen hatten sie großen Respekt vor den viel kleineren Sittichen.

Doch sie gewöhnten sich an ihre neuen Mitbewohner und fingen an sich mit leichtem Schnabeldrohen und Schritten in Richtung Wellensittiche den nötigen Respekt zu verschaffen.

Als die "Rangordnung" hergestellt war kamen Wellensittiche und Nymphensittiche sehr gut miteinander aus.


 
Meine Nymphensittiche bekommen abwechselnd Großsittichkörnerfutter ohne Sonnenblumenkerne und ohne Erdnüsse oder Wellensittichkörnerfutter zu fressen. Gelegentlich mische ich weitere Samen wie z.B. Bio-Sonnenblumenkerne, Mariendistelsamen, Buchweizen oder Dari in die Grundmischung.

Außerdem bekommen sie Obst (Äpfel, Birnen, Kiwi, Orange, Melone, Weintrauben), Grünfutter (Löwenzahn, Katzengras, Petersilie, ...), Gemüse (Karotten, Paprika, Salatgurke, Kohlrabi) und Beeren (Feuerdorn, Heidelbeeren). Leider sind sie sehr wählerisch und fressen nur wenig davon. Ab und zu gibt es Kolbenhirse, Keimfutter oder Eifutter. Außerem haben sie immer Gritsteine und Kalksteine, eine Gritmischung sowie Nagezweige zur Verfügung.


 
Nymphensittiche knabbern sehr gerne. Dazu nutzen sie z.B. Nagezweige, Sitzäste, Korkrinde, Vogelbaum oder diverses Holzspielzeug.

Meine Nymphensittiche baden eigentlich nie. Sie bevorzugen es mit lauwarmen Wasser aus einer Blumenspritze beduscht zu werden. Dann genießen sie diese Bäder ausgiebig.

Sie sind normalerweise nicht sehr laut, sie können aber laut rufen, was sie normalerweise meistens morgens und am späten Nachmittag tun. Meine beiden waren vergleichsweise immer ruhig, sie haben ab und zu gerufen, wenn sie z.b. Vögel draußen oder etwas im Fernsehen hörten oder voneinander getrennt waren. Sie haben häufiger gesungen. Bei Nymphensittichen die ständig schreien, ist meistens etwas nicht in Ordnung.
 
 

Nymphensittiche sind brutfreudiger als Wellensittiche. Meine beiden haben während der Balzzeit viel gebalzt, hatten aber leider keinen "Ansprechpartner", der entsprechend reagieren konnte. So wußten sie oft nicht wohin mit ihrer Balz. Keiner hat die Rolle des Weibchens übernommen, wie es gelegentlich z.B. in Foren beschrieben wird. Deshalb sollte man immer zwei gegengeschlechtliche Nymphensittiche erwerben. Ich hatte in solchen Phasen oft ein schlechtes Gewissen und habe mich auch nach Partnerinnen für die beiden umgesehen, als Leo plötzlich auf die Regenbogenbrücke flog. Lorenz bekam danach eine Partnerin, an der er sehr hängt und mit der er seinen Bruttrieb endlich ausleben kann. Später bildete sich mit der Aufnahme von weiteren Notfallnymphensittichen eine kleine Gruppe, in der er sich sehr wohlfühlt. Wellensittich- und Nymphensittichgruppe waren trotz der Haltung in einem Vogelzimmer weitgehend unter sich.

Leo und Lorenz beim Spielen

Lorenz und Leo beim Duschen


 
Nymphensittiche sind sehr sensible Vögel, die sich mit etwas Zeit und Geduld zu zutraulichen, lieben (und doch auch häufig frechen) und aktiven Vögeln entwickeln. Sie sollten auf keinen Fall einzeln gehalten werden. Kein Mensch kann ihnen so viel geben wie ein artgleicher Partner. Das Beobachten dieser kleinen Kakadus mit ihren eleganten Bewegungen macht sehr viel Spaß. Mit anderen friedlichen Vögeln verstehen sie sich. Sie sollten aber nicht als einzelner Nymphensittich mit einer anderen Vogelart vergesellschaftet werden.

Es sollte möglichst ein gegengeschlechtliches Pärchen gehalten werden, da bei triebigen Vögeln wie den Nymphensittichen zwei Männchen auf Dauer nicht so viel miteinander anfangen können. Ein echtes Paar kann mehr arteigene Verhaltensweisen ausleben. Wer ungewollten Nachwuchs befürchtet kann sich hier über die Möglichkeiten Nachwuchs ganz leicht zu verhindern informieren.

Am wohlsten fühlen sich Nymphensittiche meiner Erfahrung nach in der arteigenen Gruppe.

In Gedenken an Leo, der am 20.09.2003 auf die Regenbogenbrücke flog.


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