Geschlechtsbestimmung bei Sittichen und Papageien

 
Die Geschlechtsbestimmung ist besonders für Züchter wichtig, die ein gegengeschlechtliches Paar zu Zuchtzwecken halten möchten. Da die gegengeschlechtliche Haltung aus verschiedenen Gründen aber empfehlenswert ist, ist es aber auch für private Halter ohne Zuchtabsichten zunehmend interessant zu wissen, welches Geschlecht ihre Sittiche besitzen.
 

1. Äußere Merkmale:

Bei vielen Sitticharten unterscheiden sich Männchen und Weibchen in Größe und Gefieder- oder Schnabelfarbe. Wenn man das Geschlecht anhand solcher Merkmale unterscheiden kann, spricht man von Dimorphismus. Das ist z.B. bei Wellensittichen der Fall, wo sich die Geschlechter durch die Farbe der Nasenwachshaut (Männchen blau, Weibchen braun) unterscheidet (bei Schecken kann dies schon wieder anders aussehen). Bei Nymphensittichmännchen sind die Kopfregion und die Haube gelb und die Ohrfleckeb orange, bei den Weibchen sind Kopfregion und Haube grau und die Wangenflecken matter gefärbt, außerdem besitzt die Schwanzfederunterseite eine Querbänderung.

Bei Nymphensittichen kann man das Geschlecht außerdem durch den Balzgesang unterscheiden. Männchen singen, Weibchen nicht. Bei anderen Sitticharten ist diese Unterscheidung allerdings nicht immer zuverlässig.

Es gibt aber auch viele Sitticharten, bei denen Männchen und Weibchen gleich aussehen (sogenannter Monomorphismus), z.B. bei Pennantsittichen oder Katharinasittichen. Auch bei den Farbmutationen ist das Geschlecht nicht immer eindeutig zu erkennen. 
 
 

2. DNA-Analyse:
Bei der DNA-Analyse wird das Erbmaterial, das das Geschlecht des Sittichs festlegt, untersucht. Diese Untersuchung ist unabhängig vom Alter, Entwicklungszustand der Geschlechtsorgane und dem Zustand (Krankheit, Übergewicht) des Sittichs. Das Erbmaterial wird aus dem Blut (1-2 Tropfen aus Kralle oder Flügelvene) oder Federkielen gewonnen. Das Blut kann beim vogelkundigen Tierarzt entnommen lassen werden. Er kann auch einige Federn rupfen, je nachdem für welche Methode entschieden wird. Ich persönlich bevorzuge die Bestimmung über die Federkiele, was sich besonders bei kleineren Arten empfiehlt, die nicht viel Blut haben, empfiehlt und überlasse das Hinschicken auch dem Tierarzt. Alternativ können Sie aber auch selbst frisch ausgefallene oder gerupfte Federn an ein entsprechendes Labor (siehe -> Adressen) schicken. Hinweis: Ältere Federn können für eine DNA-Analyse nicht mehr verwendet werden!
Nach wenigen Tagen erhalten Sie das Ergebnis der Analyse. Eine DNA-Analyse ist mit ca. 25-30 EUR pro Vogel relativ kostengünstig.

Hinweis: Auch Labore können irren! Einer meiner Nymphensittiche war laut Laborergebnis ein Hahn. Dieser legte später Eier, was dem Ergebnis deutlich widersprach. 
 
 

3. Endoskopie:
Bei der Endoskopie wird unter Narkose ein sehr dünnes Röhrchen hinter der letzten Rippe in die Bauchhöhle eingeführt. Bei kleinen Vögeln kann der Zugang auch im letzten Zwischenrippenraum erfolgen. Der Zugang erfolgt auf der linken Seite des Vogels, weil Weibchen  nur einen Eierstock besitzen, nämlich links. So kann mittels Betrachtung der Geschlechtsorgane festgestellt werden, ob es sich um ein Männchen oder Weibchen handelt. Vor dem Eingriff ist ein wenige Millimeter langer Schnitt nötig, um das Endoskop einzuführen. Danach reicht es normalerweise aus die Operationswunde mit Wundspray zu behandeln und den Vogel ein paar Stunden ruhig zu halten, bis das Spray sie gut zusammenhält.
Eine Endoskopie dauert normalerweise nur wenige Minuten.

Auch wenn es sich bei der Narkose heutzutage oft um ein Inhalationsgas handelt, das gut dosiert werden kann und durch das die Einschlaf- und Aufwachphase kurz bleibt, ist eine Narkose immer eine Belastung für den Körper und ein Risiko, auch wenn es nur gering ist. Früher übliche örtliche Betäubungen werden heute meistens nicht mehr vorgenommen, da dies zu viel Stress für den Vogel bedeutet. Die Sittiche sollten bereits einige Monate (mindestens 3, besser 5 oder mehr) alt sein, um die Organe leichter erkennen zu können. Kranke und übergewichtige Vögel sollten nicht endoskopiert werden. Übergewichtige Vögel sollten auf Diät gesetztt werden, bis sie Normalgewicht erreicht haben.

Der Vogel sollte vor der Endoskopie kein Futter mehr bekommen (ab mindestens 2-3 Stunden vorher), Wasser darf aufgenommen werden. Das Fasten verringert das Risko zu ersticken.

Vorteile der Endoskopie sind, dass außer der Geschlechtsbestimmung gleichzeitig Erkrankungen der Geschlechtsorgane und anderer Organe sowie die Zuchttauglichkeit erkannt werden können.

Endoskopien sollten ausschließlich von erfahrenen vogelkundigen Tierärzten durchgeführt werden!
 
 

Fazit:

Für Züchter ist die Endoskopie wegen ihrer Vorteile besonders für die Zusammenstellung geeigneter Zuchtpaare oft interessanter, für den privaten Vogelhalter, der nur das Geschlecht seiner Vögel wissen möchte, ist die DNA-Analyse empfehlenswerter und preisgünstiger.

 
 

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