Weshalb eignet sich ein gemischtes Pärchen besser für die paarweise Haltung?

 
Viele Sittichfreunde, die noch einen Partner für ihren Sittich kaufen möchten oder die sich überlegen Sittiche neu anzuschaffen, holen sich zwei gleichgeschlechtliche Sittiche, weil sie keinen Nachwuchs wünschen und dies einfacher finden. So wird es in Büchern auch häufig empfohlen, leider wird diese Haltung in den Büchern aber nie diskutiert. Hat diese Haltung nur Vorteile oder finden sich auch Nachteile?
 

Natürliche Verhaltensweisen ausleben
Zum natürlichen Verhalten von Sittichen gehören das Balzen und die Fortpflanzung. Auch in menschlicher Haltung lassen sich diese Instinkte nicht unterdrücken.

Hat man nun zwei Männchen oder zwei Weibchen einer Art kann es zu Problemen kommen, da das normale Balz- und Brutverhalten nicht ausgelebt werden kann. In Büchern wurde häufig verbreitet, dass bei einer gleichgeschlechtlichen Verpaarung ein Partner dann die Rolle der Henne oder des Hahns übernimmt. In der Vogelhaltung lässt sich diese Behauptung jedoch im Normalfall nicht belegen.

Im Gegenteil. Die gleichgeschlechtliche Haltung führt nicht selten dazu, dass zwei balzende Männchen gar nicht wissen wohin mit ihren Trieben. Viele Berichte gerade von Nymphensittichhaltern bestätigen meine Beobachtung. Das Paar kann seine natürlichen Bedürfnisse also gar nicht ausleben. Viele Halter, die dieses erfolglose Balzen beobachten, entscheiden sich später doch für einen gegengeschlechtlichen Partner oder holen gegengeschlechtliche Partner für die zwei vorhandenen Sittiche dazu.

 

Balzende Ziegensittiche
Balzendes Ziegensitttichpärchen

Bei Weibchen besteht ein ähnliches Problem. So gibt es z.B. Weibchen, die Eier legen, obwohl kein männlicher Partner vorhanden ist. Da bei Nymphensittichen z.B. die Partner abwechselnd brüten, kann in einer solchen Verpaarung kein geregelter Brutvorgang stattfinden. Man kann die Eier auch nicht einfach wegnehmen, da sie sonst nachgelegt werden (siehe auch Legezwang (das bedeutet übermäßiges Eierlegen) und Legenot).

Gerade bei den brutfreudigen Sitticharten, z.B. den Laufsittichen (Ziegensittiche und Springsittiche), die sich häufig paaren, sollten Sie darauf achten ein gegengeschlechtliches Pärchen zu bekommen, um die natürlichen Verhaltensweisen und Triebe weitestgehend ausleben lassen zu können. Sonst kann es sogar zu Aggressionen zwischen den Hähnen kommen. Wenn Sie keinen Nachwuchs wünschen können Sie ihn mit einfachen Mitteln vermeiden.
 

Nur Wellensittiche sind tatsächlich recht unkompliziert. Allerdings sollte man auch hier ein gemischtes Pärchen vorziehen, da die dominanteren Weibchen sich sonst häufig anzicken. Das ist nicht immer so und ich habe auch ein weibliches Wellensittichpärchen dabei, welches alles zusammen unternimmt und sich gegenseitig füttert und auch ein drittes Weibchen oft dabei ist, aber dies ist eher die Ausnahme.
 
 

Aggressionen bei gleichgeschlechtlicher Verpaarung
Bei vielen Sitticharten, z.B. den Plattschweifsittichen (z.B. Pennantsittiche oder Rosellas) oder Edelsittichen (z.B. Halsbandsittiche) kommt es während des Eintritts in die Geschlechtsreife meist zu Aggressionen zwischen zwei Männchen. Auch Sittiche, die sich vorher gut verstanden haben, werden dann oft aggressiv gegenüber dem Partner. Das kann sich nach einiger Zeit wieder legen, muss aber nicht. Bei Laufsittichen ist bekannt, dass sich zwei Männchen oft nicht gut verstehen.
Diese Art der Haltung kann (muss nicht) leider bei vielen Sitticharten mehr Probleme auslösen als sie lösen könnte (Vermeidung von ungewolltem Nachwuchs).
 
 

Lautstärke
Bei vielen Sitticharten sind die Männchen deutlich lauter als die Weibchen, z.B. bei den Nymphensittichen. Zwei Nymphensittichmännchen sind also oft auch lauter als ein Nymphensittichmännchen mit einem Weibchen. Wobei Weibchen im Zweifelsfall auch laut rufen können, dies sollte nicht unterschätzt werden.
 
 

Aber was ist mit unerwünschtem Nachwuchs?
Aus Sorge vor unerwünschtem Nachwuchs werden oft gleichgeschlechtliche Paare gehalten.

Soweit muss es aber gar nicht kommen. Man kann die Eier kurz nach dem Legen auch abkochen, an beiden Enden anstechen oder gegen Kunststoffeier austauschen. So kann das Weibchen in Ruhe brüten und es schlüpfen keine Küken. Nach der Brutzeit verlässt die Henne das Gelege, wenn bis dahin keine Jungen geschlüpft sind. Tauscht man die Eier kurz nach dem Legen oder kocht sie ab, ist auch noch kein Leben entstanden, das zerstört wird!

Wenn Sie also häufigeres Kopulieren beobachten, empfiehlt es sich Nistkasten und Kunststoffeier bereithalten und reichlich Mineralstoffe und zusätzlich Keimfutter und Eifutter anzubieten, damit die Eiproduktion für die Henne einfacher ist. Diese erfordert nämlich viel Energie und Nährstoffe.

Mehr Informationen über die Brut und Vermeidung von unerwünschtem Nachwuchs erhalten Sie auf dieser Seite.

Nymphensittichküken
Nymphensittichküken im Nistkasten

 

Geschlechtsbestimmung
Die Geschlechter von Sittichen kann man oft bereits durch äußere Merkmale erkennen. Informationen dazu erhalten sie im Sittichlexikon.
Bei Sitticharten, bei denen beide Geschlechter gleich aussehen kann man eine Geschlechtsbestimmung per DNA-Analyse oder Endoskopie machen lassen. Informationen dazu erhalten Sie hier.
Alternativ können Sie auch ein festes Pärchen erwerben, bei dem das Geschlecht bekannt ist, z.B. über das Sittich-SOS oder aus dem Tierheim. Ein festes Pärchen hat den Vorteil, dass Sie bereits wissen, dass es sich gut versteht.
 

Bei weiteren Fragen empfehle ich Ihnen eins meiner Partner-Foren , in denen Sie sich mit anderen Sittichfreunden austauschen können. :-)
 
 
 
Seiten-Adresse: http://www.sittich-info.de/haltung/gegengeschlechtlich.html


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