Die artgerechte Haltung von Sittichen
- leider eine häufig unterschätzte Angelegenheit


Genaugenommen ist eine wirklich "artgerechte" Haltung bei Sittichen gar nicht möglich. Papageien und Sittiche sind in ihrer natürlichen Umgebung gute Flieger, die weite Strecken zurücklegen, um Wasser und Nahrung zu finden. Dies fehlt ihnen bei uns genauso wie das natürliche Futterangebot und die Gruppen oder größeren Schwärme, in denen sie unterwegs sind. Man sollte aber versuchen, den Sittichen eine möglichst artgerechte Haltung zu bieten.
 

Wichtige Voraussetzungen für die Haltung von Sittichen sind:

  • Informationen vor dem Erwerb der Vögel. Leider werden Vögel schon aufgrund ihres bunten Aussehens einfach aus dem Zooladen mitgenommen. Passen Sie zu Sittichen und passen Sittiche zu Ihnen? Oder wäre vielleicht eine andere Tierart besser?
  • Akzeptieren der "tierischen Eigenschaften" wie z.B. lautes Rufen oder das Beknabbern von Tapeten oder Möbeln sowie den Dreck durch Federn und Kot (Sittiche werden üblicherweise nicht stubenrein).
  • Zeit für die Futtervorbereitungen (z.B. tägliches Schneiden von Obst, Gemüse usw.), Käfig und Umgebung säubern, bei Bedarf zum Tierarzt zu gehen, sich mit den Tieren zu beschäftigen und Beschäftigungsmöglichkeiten anzubieten
  • Freude an der Beobachtung der Vögel, das Zähmen und Sprechenlernen sollte dem Halter nicht das wichtigste sein. Leider ist allgemein wenig bekannt, dass die wenigsten Sitticharten tatsächlich ein paar Wörter sprechen lernen oder wirklich zahm werden. Auch nicht alle Wellensittiche oder Nymphensittiche werden handzahm und lernen sprechen. Das Sprechen können wird von vielen Fachleuten übrigens als Fehlverhalten interpretiert. Meiner Ansicht nach schadet es nicht, wenn ein Sittich, der zusammen mit anderen artgleichen Sittichen gehalten wird ein paar Wörter lernt. Bei Einzeltieren handelt es sich natürlich um den notgedrungenen Versuch Aufmerksamkeit zu erregen und sich wenigstens in der Sprache des Halters zu unterhalten, wenn dieser schon nicht in seiner Sprache kommunizieren kann
  • Geduld und Ruhe im Umgang mit den Tieren, er sollte nicht zu viel auf einmal verlangen und sie nicht bedrängen (z.B. in dem Wunsch sie zu zähmen)
  • Respekt vor den Tieren. Wenn jemand sich dazu entschließt Tiere zu halten sollten nicht seine Wünsche auf "zahm sein", "streicheln können", "sprechen lernen" "ruhig sein" im Vordergrund stehen, sondern die artgerechte Haltung. Wer sich zurückhalten und die Beobachtung genießen kann, bei dem fühlen sich die Vögel normalerweise viel wohler als bei jemandem, der sie ständig bedrängt. Häufig kommen sie dann aufgrund ihrer Neugierde von selbst auf den Halter zu
  • Ärztliche Versorgung bei Bedarf, möglichst beim vogelkundigen Tierarzt

 
 
Mindestens paarweise Haltung
Zu einer möglichst artgerechten Haltung gehört der Erwerb von mindestens zwei Sittichen. Sittiche sind von Natur aus Schwarmvögel, denen der Mensch den Partner nicht ersetzen kann. Der Mensch kann sehr wohl Teil der kleinen Gruppe sein! Aber er kann nicht das gleiche bieten wie eni zweiter Sittich, er kann nicht 24 Stunden am Tag für seinen Vogel da sein, mit ihm in seiner Sprache kommunizieren, spielen, herumfliegen, sich gegenseitig kraulen usw. Auch für den Halter ist es viel schöner und interessanter, mehrere Sittiche und ihre natürlichen Verhaltensweisen zu beobachten.
 
 

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Auch überzeugte Einzelvogelhalter möchte ich bitten, die Argumente wenigstens mal zu lesen und zu überdenken.



Es sollten immer Sittiche der gleichen Art zusammengesetzt werden. Unter "paarweiser Haltung" versteht man nicht zwei verschiedene Sitticharten, z.B. einen Wellensittich mit einem Nymphensittich zusammen. Diese Arten haben völlig unterschiedliche Verhaltensweisen und verschiedene "Sprachen" und leben mehr nebeneinander als miteinander.

Zwei Wellensittiche und zwei Nymphensittiche dagegen sind kein Problem. Allerdings vertragen sich nicht alle Sitticharten so gut miteinander, deshalb sollten Sie sich vor der Anschaffung einer weiteren Sittichart informieren, ob sie zu der vorhandenen überhaupt passt. Über die Möglichkeiten der Vergesellschaftung können sie bei den meisten Arten im Sittich-Lexikon bei den Arten unter dem Punkt "Haltung" nachlesen.


 
 
Käfig- und Volierengröße
Generell gilt: Je größer ein Käfig, desto besser. Den Sittichen sollte es möglich sein, von einem Sitzast zum nächsten fliegen zu können, deshalb sollte nicht allzu viele Äste angebracht werden. Sie sollten außerdem in ausreichendem Abstand voneinander angebracht werden.


Gutachten des Landwirtschaftsministeriums: Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien (1995)
Gruppe I: "Langschwänzige Papageien, die sowohl offene Lebensräume wie Savannen und Steppen als auch Wälder bewohnen"
Zu dieser Gruppe gehören die Sittiche.

Die folgenden Angaben beziehen sich auf die paarweise Haltung.
 
Gesamtlänge der Vögel in cm
bezogen auf Arten
Maße des Käfigs / der Voliere
Länge * Höhe * Breite
Grundfläche des Schutzraumes in m2
bis 25 cm 1,0 x 0,5 x 0,5 m 0,5
über 25 bis 40 cm 2,0 x 1,0 x 1,0 m 1,0
über 40 cm 3,0 x 1,0 x 2,0 m 2,0

 Je mehr Sittiche es sind, desto größer sollte der Käfig sein. Besser als ein Käfig ist eine große Voliere für die Haltung von Sittichen geeignet. Auch Außenvolieren mit (gegebenenfalls beheizbarem) Schutzraum oder Kombinationen aus Innen- und Außenvoliere sind sehr gute Lebensräume für Sittiche.

Käfige sollten am besten eine rechteckige Form besitzen und an allen Seiten, mindestens aber an zwei der Seiten querverlaufende Gitterstangen besitzen. Sittiche klettern viel und benötigen deshalb querverlaufende Stangen, an denen sie sich besser festhalten können.

Hinweis:
Runde Käfige sind ungeeignet! In ihnen kann sich der Vogel nicht orientieren. Sie sind außerdem immer viel zu klein.
Weiße Käfige sind ungeeignet! Sie behindern die Vögel bei der Wahrnehmung ihrer Umgebung.
Verzinkte Käfige sind ungeeignet! Leider haben die Herstellerfirmen bislang nicht die zunehmende Bekanntheit von Zinkvergiftungen bei Sittichen und Papageien reagiert.
Eine Kunststoffummantelung ist ungeeignet! Der Kunststoffbezug kann bei nagefreudigen Papageien und Sittichen zu gesundheitlichen Schäden führen.
Leider gibt es kaum Alternativen zu Zink und Kunststoff. Bewährt haben sich Edelstahlvolieren, die aber leider sehr teuer sind. Bieten Sie Ihren Sittichen auf jeden Fall viele Möglichkeiten zum Knabbern an, damit sie möglichst nicht am Käfiggitter knabbern. Hierfür eignet sich z.B. verschiedenes Obst und Gemüse sowie Gräser mit Samen, außerdem Naturzweige, Korkröhre, Kalksteine, Gritsteine, Holzspielzeug aus Naturholz, Vogelspielplätze aus Holz, am besten aus Naturholz.

Anleitungen für preiswerte selbstgebastelte Käfige, Zimmervolieren und Außenvolieren gibt es auf dieser Seite. Selbst gebaute Volieren haben den Vorteil, dass Sie sich Ihre Maße selbst aussuchen können und die Voliere ganz nach Ihren Vorstellungen bauen können. Es gibt auch Volierenhersteller, bei denen Sie Ihre Vorstellungen umsetzen lassen können.


 
 
Käfig- und Volierenstandort:
Die Sittiche sollten einen ruhigen und zugfreien Standort haben, von mindestens einer Wand umgeben, von dem aus sie einen guten Überblick über das Zimmer haben. Der Käfigstandort sollte etwas erhöht sein (mindestens Augenhöhe), das gibt ihnen mehr Sicherheit.

Fernsehen in unmittelbarer Nähe des Sittichkäfigs irritiert und stört. Sittiche sehen anders als wir, für sie ist das laufende Fernsehen nur ein wirres Geflimmer.

Die Küche ist für Sittiche tabu! Hier sind die Küchendünste und die Möglichkeit des Fliegens in die Pfannen oder auf den heissen Herd viel zu gefährlich. Aufgrund ihres besonderen Atmungsapperats sind Sittiche sehr empfindlich gegenüber Schadstoffen in der Luft, besonders gegenüber Teflondämpfen. An diesen Dämpfen (Bratpfanne, Raclette usw.) sind bereits Sittiche gestorben. Abgesehen von diesen und weiteren Gefahren (heiße Herdplatten, spitze Gegenstände usw.) für die Vögel ist eine Haltung in der Küche auch unhygienisch für den Menschen.
Auch Keller oder Dachböden sind denkbar schlechte Unterbringungsmöglichkeiten, wenn diese nicht zuvor entsprechend ausgebaut wurden (Isolierung, Trockenheit, Wärme, Licht, ...).

Sittiche vertragen Zigarettenrauch genauso wenig wie Küchen- oder andere Dünste (Raumsprays etc.), der Raum muss also rauchfrei sein.

Ein Platz direkt am Fenster ist nicht empfehlenswert, da viele Sittiche dann oft Zugluft und im Sommer teilweise der prallen Sonne ausgesetzt sind. Wenn der Standort am Fenster sein soll, muss es ein Platz sein, der immer für einen Teil des Käfigs Schatten bietet.


 
 
Käfig- und Voliereneinrichtung:
Einstreu:
Heutzutage gibt es die verschiedensten Einstreumöglichkeiten für Käfige und Volielren. Am geeignetsten sind meiner Meinung nachMaiseinstreu, Holzpellets und Waldeinstreu (Firma Quiko) oder eine Kombination aus zwei oder mehr Bodenbelägen. Sie haben den Vorteil, dass sie vergleichsweise wenig oder gar nicht stauben, kaum schimmeln und außerdem kompostierbar sind.

In der Diskussion: Verschiedene Bodenbeläge:
Vogelsand:
Der heute noch am häufigsten vorkommende Sand-Bodenbelag staubt vergleichsweise viel und eine übermäßige Aufnahme von Sand, bedingt z.B. durch Krankheiten oder Langeweile, kann zu Verstopfungen und weiteren Problemen führen. Sittiche müssen allerdings Sand bzw. Grit / Magensteinchen zur Förderung der Verdauung aufnehmen können. Da sie keine Zähne besitzen erfolgt die Zermahlung der Körner im Muskelmagen. Grit / Magensteinchen unterstützen den Muskelmagen bei seiner Arbeit. Deshalb muss bei der Benutzung einer anderen Bodenstreu unbedingt eine Schüssel Sand, am besten gemischt mit Grit und Magensteinchen (auch Magenkiesel genannt) zur ständigen Verfügung stehen.

Sandpapier:
Vermeiden Sie das im Handel erhältliche Sandpapier als Bodenbelag! Es ist für Sittiche ungeeignet, es ist schlecht für die Füße (rauht die Fußhaut auf), bewirkt keine großartige Krallenabnutzung, die Vögel können den Sand schlecht oder gar nicht aufpicken und fressen häufig das mit Klebemitteln versehene Papier an, was ebenfalls nicht gesund ist.

Buchenholzgranulat:
In verschiedenen Tests konnten bei den meisten Buchenholzgranulat-Produkten Schimmelpilzerreger nachgewiesen werden. Diese sind von der Anzahl her auf einem Niveau, dass sie gesunden Vögeln kaum schaden. Dennoch sollte man diese Einstreu möglichst meiden, da junge, alte und kranke Tiere empfindlich auf diese Belastung. Schimmelpilz kann z.B. zu Aspergillose, einer Lungenerkrankung, führen, die sehr schwer zu therapieren ist. Eine Leserin hat verschiedene Sorten von Buchenholzgranulat selbst getestet und außerdem in einem Labor testen lassen. Über das Ergebnis können Sie in ihrem Bericht nachlesen.

Vogelerde:
Vogelerde ist relativ feucht und eignet sich deshalb meiner Erfahrung nach nicht besonders gut als Bodenbelag. Sie kann schnell schimmeln. Besser eignet sich Waldeinstreu, die trocken ist.
 

Zeitungspapier und Küchenpapier
werden vermehrt von Fachleuten als Bodenbelag empfohlen. Früher wurde vor der Druckerschwärze der Zeitungen gewarnt, nach der Ansicht vieler Fachleute heutzutage kein Problem mehr, da die Zusammensetzung geändert ist.

Kein Bodenbelag
wird ebenfalls von vielen Fachleuten empfohlen. Dies kommt vielen Vogelhaltern schon aus ästhetischen Gründen eher weniger entgegen. Sie sind der Ansicht, dass sich die Vögel auf halbwegs naturnahem Boden bewegen können sollten. Wenn Sie einen naturnahen organischen Bodenbelag wie z.B. Buchenholzgranulat oder Maiseinstreu bevorzugen sollten Sie diesen möglichst häufig austauschen, wenigstens die Stellen, auf die Frischfutter gefallen ist. Sonst kann es schnell zu einer Schimmelbildung kommen.

Um die Schimmelbildung bei organischem Bodenbelag weitergehend zu reduzieren kann man unter die Trinknäpfe und Badegelegenheiten sowie unter den Stellen, an denen Obst und Gemüse angeboten wird, auch Sand streuen oder Küchenpapier legen und für den Rest des Bodens eine andere Einstreu verwenden. Herabfallendes Obst und Gemüse sollten sowieso abends eingesammelt und entsorgt werden.
 
 

Sitzstangen:
Viele Käfige werden mit Plastiksitzstangen im Handel angeboten. Diese können sofort entsorgt werden, denn sie sind völlig ungeeignet, da sie viel zu rutschig sind und viele Krankheiten der Füße (z.B. Sohlenballengeschwür) fördern. Das mindeste sind Holzstangen unterschiedlichen Durchmessers. 

Am besten eignen sich Zweige von Obstbäumen oder Weide, ebenfalls unterschiedlichen Durchmessers.

Dadurch müssen die Sittiche die Zehen nicht immer in der gleichen Stellung halten, so dass Füße und Gelenke unterschiedlich belastet und trainiert werden. Wer Obstbaumzweige verwendet muss darauf achten, dass diese ungespritzt sind. Naturäste enthalten übrigens wichtige Mineralien und Spurenelemente.

Es ist wichtig, dass die Sitzstangen nicht zu dünn sind, denn dann werden die Fußgelenke auf Dauer falsch belastet. Ein Sittich sollte die Sitzstange nicht ganz umfassen können.

Sicherheitshalber sollten die Zweige vor der Benutzung mit heissem Wasser gut abgebürstet werden, um eventuell vorhandenen Vogeldreck und Parasiten zu entfernen. Auf einigen Internetseiten ist angegeben, dass nur dreckige Stellen gereinigt werden müssten und eine übetriebene Hygiene schädlich für die Sittiche sei. Eine übertriebene Hygiene ist tatsächlich nicht gesund, da das Immunsystem dadurch so geschont wird, dass es empfindlicher gegenüber Krankheitserregern wird, sobald doch mal welche durchkommen. Doch sieht man Krankheitserreger nicht mit bloßem Auge und das Bürsten von Ästen mit Wasser ist keine übertriebene Hygiene, sondern eine vernünftige Vorsorge. Ich kenne verschiedene Halter, die sich mit Zweigen durchaus einigen Ärger in das Haus geholt haben und sicher nicht mehr auf eine vorherige Reinigung verzichten werden.

Es gibt im Zoohandel Sandpapierumhüllungen für Sitzstangen zu kaufen. Angeblich sollen sie die Krallen kurz halten. Sie sollten auf keinen Fall gekauft werden. Diese Umhüllungen wirken wie Schmiergelpapier, es kommt schnell zu kaputten und schmerzhaften Füßen. Das Krallenwachstum wird dadurch auch nicht verhindert. Es handelt sich hier um ein absolut überflüssiges und gesundheitsschädliches Zubehör.
 
 

Futter- und Wassernäpfe:
Die Näpfe sollten etwa in Höhe der Sitzstangen an der Käfig- oder Volierenwand befestigt sein. Näpfe, die auf dem Boden stehen, werden sehr leicht verunreinigt. Über den Näpfen sollten sich keine anderen Sitzstangen befinden, von denen aus die Sittiche den Inhalt verunreinigen können. Auch sollten Futter- und Wassernapf nicht zu nah nebeneinander hängen, da das Wasser sonst durch Körner schnell verdreckt werden kann.

Am besten eignen sich Edelstahl- oder Keramiknäpfe, die gut zu reinigen sind.
Futterautomaten funktionieren oft nicht und bieten den Sittichen zudem zu viel Futter. Sittiche fressen oft aus Langeweile mehr Futter als sie eigentlich brauchen und neigen dann bei zu wenig Freiflug und Beschäftigung schnell zu Übergewicht.

Trinkautomaten gelten als unhygienisch und schwer zu reinigen. In dem geschlossenen Automaten können sich schnell Bakterien bilden. Sie sollten also häufiger und sehr gut gereinigt werden, wenn sie überhaupt benutzt werden. Vorteilhafter ist die Verwendung von Näpfen.

Wassernäpfe müssen mindestens einmal am Tag mit heißem Wasser und einer Bürste gereinigt werden, besser zweimal. Sonst kann ein erhöhtes Risiko von Bakterien ausgehen, die sich -ebenso wie in den Trinkautomaten- vermehren können. Nicht selten kann man einen entsprechenen schleimigen Belag auf dem Boden des Gefäßes sehen. Besonders im Sommer empfiehlt es sich deshalb unbedingt, das Wasser mehrmals am Tag zu wechseln (mind. zweimal, morgens und nachmittags). Gerade Jungvögel und alte und / oder kranke Sittiche werden sonst sehr schnell angegriffen.
Für die Gruppenhaltung empfiehlt es sich mehr als einen Trinknapf anzubieten.
 
 

Jodkalkstein und Gritstein
sind unverzichtbarer Zubehör im Käfig. Sie dienen als Mineralstoffquellen. Der Gritstein enthält außerdem unverdaulichen Grit, der die Verdauung unterstützt, indem er, wie oben beim Thema "Bodeneinstreu" erwähnt, im Muskelmagen zum Zerkleinern der Körner beiträgt. Der im Vogelsand enthaltene Kalkgrit ist oft kein guter Ersatz für diesen Gritstein, da er in der Magensäure aufgelöst wird und die Verdauung daher wenig unterstützt. Sind dem Sand unlösliche Bestandteile zugesetzt sieht es schon wieder besser aus.
 
 

Vogelspielzeug:
Spielzeug dient der Beschäftigung und ist ein Muss in einem Käfig, der Voliere und dem Vogelzimmer. Sittiche brauchen viel abwechslungsreiche Beschäftigung und Spielmöglichkeiten, um Langeweile vorzubeugen. Langeweile führt zu weniger Bewegung und vermehrten Fressen und damit verbunden meist zu Übergewicht. Unterforderte Vögel fühlen sich in ihrem Zuhause nicht wohl.

Wohl rein aus finanziellen Gründen hat die Spielzeugindustrie nicht nur sinnvolles Spielzeug entwickelt, sondern auch überflüssiges und sogar gefährliches Zubehör. Dazu gehören z.B. die besonders bei Anfängern sehr beliebten Spiegel und Vogelattrappen aus Plastik. Doch Gefahren lauern auch woanders, z.B. bei Spielzeug mit Spalten und langen Ketten oder langen relativ dünnen Fäden, in denen sich der Sittich mit seinen Krallen verfangen oder sich sogar erhängen kann. Außerdem sollten keine kleinen Teile vorhanden sein, die gegebenenfalls verschluckt werden können.
 
 
Sinnvolles Zubehör
Überflüssiges Zubehör
  • runde oder weiße Käfige
  • Plastikvögel (sie täuschen einem einzeln gehaltenen Sittich einen Partner vor. Oft lösen diese "Spielzeuge" intensives Balzverhalten (unter Umständen bis hin zur Kropfentzündung) und Aggressionen aus. Sie bedeuten mehr Stress als Vergnügen für Vögel.)
  • Spiegel (hier gilt das gleiche wie für Plastikvögel)
  • Plastikstangen
  • Sandpapier als Bodenbelag
  • Sandpapierumhüllungen
  • Gefährliches Spielzeug (Spalten, in denen die Vögel mit ihren Krallen hängenbleiben können, zu lange Ketten mit Erstickungsgefahr usw.)
  • "Singperlen"
  • "Sprechperlen"
  • "Vogeltrank"
  • Sepia (umstritten wegen des Salzgehaltes, weshalb viele Fachleute zum vorherigen Wässern raten, und soll eventuell Legenot fördern können. Sepia ist kein Muss im Vogelkäfig, wie immer noch sehr viele Halter glauben.)


Hier finden Sie weitere Informationen zu Vogelspielzeug und Zubehör, von dem abzuraten ist


 

Pflanzen:
Für die Einrichtung von Vogelzimmern und Außenvolieren können Sie verschiedene Pflanzen verwenden. Achten Sie darauf, dass sie keine giftigen Pflanzen in die Voliere stellen. Einige Pflanzenarten, die sie anbieten können finden Sie auf dieser Seite.


 
 
Säubern des Käfigs und des Zubehörs
Bakterien und Pilze können sich überall bilden, wo Dreck vorhanden ist. Beispiele dafür sind dreckige Sitzstangen, zu seltenes Auswechseln der Einstreu oder der Futter- und Wassernapfinhalte oder zu schlechtes Reinigen der Wassernäpfe / Trinkautomaten. Auch bei Körnerfutter muß darauf geachtet werden, dass es nicht schlecht ist (es sollte regelmäßig durch einen Keimtest (Rubrik Ernährung) kontrolliert werden). Frischfutter (Obst, Gemüse, Weichfutter etc.) darf nicht zu lange im Käfig bleiben.

Tägliche Reinigung der Futter- und v.a. Wassernäpfe und verschmutzten Sitzstangen mit warmen oder heißem Wasser und Bürste. Keine Reinigungsmittel verwenden!
Wöchentliche Reinigung des Käfigs oder der Voliere. Der Austausch des Bodenbelags hängt von der Käfig- und Volierengröße sowie der Anzahl an Sittichen ab. Große Volieren müssen ggf. seltener, etwa zweimal im Monat gereinigt werden, dann sollte der Bodenbelag mindestens ein- bis zweimal wöchentlich durchgesiebt werden.
Die Einrichtung sollte jedoch öfter gereinigt werden, oft empfiehlt sich einmal wöchentlich, wenn sie stärker beschmutzt wird. Reinigungsmittel und Desinfektionsmittel sind bei gesunden Sittichen nicht notwendig und bei falscher Anwendung auch gesundheitsschädlich.
Monatliche Reinigung der Wassernäpfe und Badehäuschen mit Essig, um Kalkreste zu entfernen. Bei Bedarf auch öfter. Auf dem Kalkbelag können sich Bakterien gut ansiedeln. Danach sehr gut abspülen.
Desinfektion des Käfigs oder der Voliere ist nur dann notwendig, wenn ein oder mehrere Sittiche erkrankt sind oder Parasiten eingeschleppt wurden. Hier sollten Sie sich beim Fachtierarzt über die richtige Art der Desinfektion informieren.


 
 
Freiflug
Jeder noch so große Käfig kann den Freiflug nicht ersetzen. Sittiche sollten so lange wie möglich, mindestens aber 3-4 Stunden Freiflug am Tag bekommen, möglichst unter Aufsicht. Wenn sie ohne Aufsicht Freiflug haben, muss sichergestellt sein, dass das Zimmer vogelsicher ist, d.h. alle Gefahrenquellen sollten ausgeschlossen werden.

Freiflug ist Beschäftigung, vermeidet Langeweile und Übergewicht und entspricht dem natürlichen Flug- und Erkundungsverhalten viel eher als der Aufenthalt in einem Käfig oder einer Voliere. Während des Freiflugs brauchen die Sittiche Landeplätze und Beschäftigungsmöglichkeiten. Das können z.B. ein Vogelbaum, Vogelspielplätze (Holzspielplätze oder aufgehängte Spielplätze) oder aufgehängte Äste mit Spielzeug sein.

Leider wird die Wichtigkeit des Freiflugs häufig unterschätzt. Viele Informationen zum Freiflug auch bei nicht gezähmten Sittichen erhalten Sie auf der Seite Freiflug für Sittiche.


 
 
Luftfeuchtigkeit
Die Bedeutung der Luftfeuchtigkeit wird leider meistens unterschätzt, sowohl für den Halter als auch seine Vögel. Eine zu niedrige Luftfeuchtigkeit trocknet die Schleimhäute der Atemwege und die Haut aus. Sie werden dadurch empfindlich gegenüber Krankheitserregern in der Luft, z.B. Schimmelpilzsporen. Eine zu niedrige Luftfeuchtigkeit kann Krankheiten wie z.B. Erkältungen, Sinusitis oder Aspergillose fördern.

Deshalb sollten Sie die Luftfeuchtigkeit im Zimmer mittels Hygrometer messen und dafür sorgen, dass sie bei Sittichen immer möglichst bei ca. 50-55% liegt. Weitere Informationen zur Luffeuchtigkeit erhalten Sie auf dieser Seite.

Sie sollten das Zimmer außerdem regelmäßig lüften. 


 
 
UV-Licht
UV-Licht ist sehr wichtig, sowohl für den Vogelorganismus, z.B. für die Bildung des Vitamins D3 und die Untestützung des Immunsystems und der Mauser, aber auch für das (Paar-) Verhalten.  Deshalb sollte der Käfig, wenn es warm ist, auch mal am offenen Fenster (auf Zugluft achten!) oder, noch besser, draußen stehen. Durch geschlossene Fenster gelangt kaum UV-Licht.

Um das Sonnenlicht besonders im Herbst und Winter zu ersetzen empfiehlt es sich, eine sogenannte Bird-Lamp anzubieten. Am bekanntesten ist die Arcadia Bird Lamp. Sie enthält 12 % UV-A und 2,4 % UV-B.

Aufgrund der Bedeutung des UV-Lichts informiert eine eigene Seite über UV-Licht und den Gebrauch der Lampen.
 


 
 
Quarantäne von Neuzugängen
Meistens wird der neue Sittich direkt in den Käfig des vorhandenen Vogels gesetzt. Dies birgt jedoch gleich zwei Risiken:

1. Der alte Vogel kann versuchen sein Territorium gegen den "Eindringling" zu verteidigen. Eine harmonische Verpaarung wird so erschwert.
2. Der neue Vogel kann krank sein, auch ohne dass bereits Krankheitsanzeichen zu sehen sind. Er kann ansteckende Krankheiten wie z.B. Parasitenbefall oder bakterielle Erkrankungen einschleppen.

Beides kommt sogar häufig vor. Nicht wenige Vögel direkt vom Züchter oder aus dem Zooladen tragen bakterielle Erreger in sich, die durch den Stress des Umzugs und der neuen Umgebung zum Ausbruch kommen. Stress verschlechtert das Immunsystem, Krankheiten, die es bis dahin unterdrücken konnte, können dann zum Vorschein kommen.

Deshalb ist eine Quarantäne dringend anzuraten!
 


 
 
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