Mangelernährung bei Sittichen

 
Mangelernährung bedeutet eine ungenügende Versorgung des Körpers mit Vitaminen, Mineralstoffen, Aminosäuren und Spurenelementen.

Leider wird die Bedeutung der Ernährung bei vielen Vogelhaltern völlig unterschätzt! Eine einseitige Ernährung kann zu vielen Entwicklungsstörungen und Krankheiten führen. Einige davon kann man leider teilweise erst nach Jahren beobachten, bis dahin heißt es oft "aber mein Vogel ist doch gesund". Innere Erkrankungen als Vogelhalter rechtzeitig zu erkennen ist allerdings so gut wie unmöglich. Eine abwechslungsreiche Ernährung kann das Entstehen vieler Erkrankungen verhindern.


 
Eine Mangelernährung tritt bei einer einseitigen, vitamin- und mineralstoff- und eiweißarmen Ernährung auf. Das ist dann der Fall, wenn z.B. vorwiegend Körnerfutter gegeben wird und nicht ausreichend Obst, Gemüse, Grünfutter und Beeren angeboten werden oder diese nicht oder kaum von den Sittichen angenommen werden (sogenannte Obstverweigerer). 

In solchen Fällen geben die Halter oft frühzeitig auf und bieten nur noch gelegentlich oder gar nicht mehr an gesundem Obst usw. an. Häufig werden Ersatzpräparate wie Vitaminpräparate als notwendiger Ersatz gar nicht oder nur gelegentlich gegeben. 
Dazu kommt, dass die meisten Vitaminpräparate wirklich nur Vitamine enthalten und häufig nicht einmal alle Vitamine, und weitere Nährstoffe wie Mineralstoffe, Aminosäuren und Spurenelemente völlig fehlen. Dies trägt natürlich nicht zu einer ausgewogenen Ernährung bei.
 
 
 

Folgen:
Folgende Symptome und Krankheiten können z.B. durch eine Mangelernährung hervorgerufen oder zumindest begünstigt werden:

Hornsittich mit Apfel, Foto, Bild
Hornsittich mit Apfel
  • Federn: dünnes, glanzloses Gefieder, verzögertes Federwachstum, unzureichende Bildung der Feder ("Stresslinien" in der Feder), Stockmauser, Federausfall, Umfärben einiger Federn
  • Haut: Hyperkeratose (übermäßige Hornschuppenbildung durch Vitamin A-Mangel an Schnabel und / oder Beinen), Juckreiz, Hautschuppen (trockene schuppige Haut), fettige Haut, Pigmentverlust, Dermatitis, größere Anfälligkeit für Erkrankungen, z.B. Milben
  • Augen: Entzündungen, Augenschäden
  • Schnabel, Krallen: zu weich
  • Atmungstrakt: Der Atmungstrakt wird anfälliger für Krankheitserreger wie Bakterien und Pilze (z.B. Aspergillose, Rhinitis (Schnupfen), Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung)
  • Verdauungstrakt: Kot fressen: der Sittich frisst seinen Kot und versucht damit vermutlich fehlende Nährstoffe aufzunehmen. Außerdem wird der Verdauungstrakt anfälliger für Krankheitserreger wie Bakterien und Pilze (z.B. Kropfentzündung bei Vitamin-A-Mangel)
  • Organe: Leber- und Nierenschäden, Fruchtbarkeitsstörungen
  • Bewegungsapperat: Bewegungsstörungen, Rachitis, Verkrümmung der Wirbelsäule und des Brustbeins, Faustbildung eines oder beider Füße (bei Vitamin B-Mangel)
  • Nervensystem / Kreislauf: Schwäche, Zittern, Verdrehen des Kopfes, gestörte Blutgerinnung
  • Immunsystem: wird geschwächt, der Körper anfälliger für Krankheiten wie z.B. Erkältungen, Parasitenbefall, Entzündungen
  • bei Embryonen / Jungvögeln: Störung der Entwicklung und Absterben der Embryonen, Bewegungsstörungen, Haltungsschäden, Wachstumsstörungen bei Jungvögeln


Dies sind nur einige der Folgen mangelhafter oder falscher ("menschliches Essen") Ernährung!
 

Vorsorge:
Kranke Vögel sollten Sie baldmöglichst zu einem Fachtierarzt bringen, um sie untersuchen und behandeln zu lassen. Nicht jede Erkrankung ist natürlich ernährungsbedingt. Und viele Sittiche machen es ihren Haltern erfahrungsgemäß wirklich nicht leicht, sie gesund und abwechslungsreich zu ernähren, weil sie vieles Gesunde erstmal nicht annehmen wollen.

Viele Halter geben nach einer Weile auf und verzichten bei "Obstverweigerern" irgendwann auf eine abwechslungsreiche Ernährung, auch wenn ihnen das eigentlich nicht gefällt. Sollte Ihnen auffallen, dass Ihre Ernährung vielleicht auch nicht mehr ausreichend ist sollten Sie versuchen den Futterplan zu ergänzen oder ganz neue Alternativen auszuprobieren.

Schluss mit Kolbenhirse und Kräckern
Um das Interesse der Vögel an gesundem Obst und Co. zu steigern empfiehlt es sich als erstes nur noch Körnerfutter anzubieten und Kolbenhirse, Kräcker usw. herauszunehmen. Wenn Sittiche sowieso kaum oder gar kein Obst annehmen, weshalb sollten sie es jetzt einer leckeren Kolbenhirse oder einem süßen Kräcker vorziehen wollen?
 
 
Neues ausprobieren
Vielen Haltern ist nicht bewusst, dass das Körnerfutter bereits mehr Vitamine und Nährstoffe enthält, wenn es gekeimt wird und als Quellfutter oder Keimfutter gereicht wird. Viele Sittiche nehmen Keimfutter spätestens nach einigen Versuchen auch gut an.

Probieren Sie vielleicht mal neues Obst, Gemüse, Grünfutter oder Beeren aus. Besonders gut werden normalerweise Apfel, Karotte, Löwenzahn und Vogelmiere angenommen. Oder haben Sie es mal mit "Heimtiergrün" oder einem Golliwoog (Informationen zum Golliwoog gibt es in der Futterpflanzenliste) versucht?

Rechts auf dem Foto sehen Sie eine Beispiel-Obstschale für Sittiche mit Apfel, Weintrauben und Bananen. Nicht immer werden solche Näpfe gut angenommen. Einige Sittiche bevorzugen z.B. auf Zweige oder an Obsthaltestangen aufgespießtes Obst.

Obstschale für Sittiche

Nimmt ein Sittich kein oder nur wenig Obst und Co. an finden Sie hier einige Tipps, wie Sie sie vielleicht doch noch überzeugen können. Solange Ihre Sittiche Gesundes verweigern sollten Sie die Nahrung mit Vitaminpräparaten ergänzen.

Manche Vögel nehmen zuerst auch lieber Eifutter an, dass Sie alle 1-2 Wochen für die Versorgung mit Aminosäuren geben können. Verzichten Sie aber auf das Eifutter, wenn Ihr Sittich an einer Nierenerkrankung oder Gicht leidet, denn dann schaden die enthaltenen Eiweiße. Verzichten Sie auf Eifutter mit Zuckerzusatz aus dem Handel, wenn Sie GLS oder Hefepilzerkrankungen im Bestand haben, da Zucker die Vermehrung von Pilzen begünstigt.

Außerdem sollten immer Grit und Magenkiesel in einer extra Schale und / oder in Form eines Gritsteines zur Verfügung stehen. Grit versorgt die Sittiche mit Mineralstoffen und Spurenelementen. Der Gritstein hat den Vorteil, dass die Sittiche beim Abknabbern beschäftigt sind und außerdem Schnabel und oft auch Krallen, wenn sie daran herumklettern, abwetzen. Es gibt auch Mineralstoffmischungen in Pulverform, die Sie zusätzlich über das Grit geben können.

Es empfiehlt sich auch Zweige als Sitzstangen und auch zum Knabbern anzubieten. Sie sollten vorher mit einer Bürste und heißem Wasser gereinigt werden, um Vogelkot und mögliche Krankheitserreger herunterzuwaschen. Bieten Sie die Zweige ruhig mit Blättern, Knospen und Blüten an, denn das steigert das Interesse an ihnen und werden normalerweise sehr gerne angenommen. Zweige enthalten u.a. Mineralstoffe, dienen der Beschäftigung und helfen ebenfalls dabei Schnabel und Krallen abzuwetzen.

Es gibt also sehr viele Möglichkeiten, unseren Sittichen auch gesunde Nahrung schmackhaft zu machen. Leider braucht es nicht selten viel Geduld und man muss vieles ausprobieren, um die Dinge, die die Sittiche auch annehmen, aus der Vielfalt an Obst und Co. herauszufinden. Kolbenhirse und Kräcker sollten immer in Maßen angeboten werden.
 

Weiterführende Links:

Seiten-Adresse: http://www.sittich-info.de/ernaehrung/mangelernaehrung.html


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