Keimfutter für Sittiche - was ist Keimfutter?

 
1. Definition Keimfutter, Quellfutter, Grünkraut

Keimfutter ist gekeimtes Körnerfutter. Leicht keimende Saaten werden in Wasser gelegt, wo sie sich weiterentwickeln und nach wenigen Tagen anfangen zu keimen.

Im Zusammenhang mit Keimfutter werden häufig Quellfutter und Grünkraut erwähnt. 

Quellfutter ist quasi die Vorstufe von Keimfutter, die Körner werden nur einige Stunden ins Wasser gelegt, wo sie dieses aufnehmen. Dann werden die Körner verfüttert, bereits bevor der Keimvorgang angefangen hat.

Grünkraut / Grünfutter ist die Stufe nach der Keimung, wenn die Keimlinge länger wachsen und grün werden. Dies ist besonders für Halter interessant, die kein Grünfutter draußen sammeln können. Ein Beispielfoto für Keimfutter als Grünfutter finden Sie bei der Beschreibung der Herstellung mittels Keimautomat.
 
 

2. Warum sollte Keimfutter gegeben werden?

Trockene Körner enthalten bereits wichtige Nährstoffe für den späteren Keimvorgang, die allerdings noch gebunden sind und von Sittichen schwer aufgeschlossen werden können. Beim Quell- und beim Keimvorgang finden bestimmte Umwandlungsprozesse in den Saaten statt, so dass die Inhaltsstoffe später teilweise aufgespalten werden und auch neue Nährstoffe gebildet werden. Bereits beim Quellvorgang beginnen diese Umwandlungsprozesse, so dass auch Quellfutter bereits mehr Nährstoffe enthält und leichter verdaulich ist. 

Im Keimfutter sind z.B. mehr Vitamine, Proteine und Enzyme enthalten als in trockenen Körnern. Durch die Umwandlungsprozesse ist Keimfutter auch leichter verdaulich. Gerade Sittiche, die Obst, Gemüse usw. verweigern, nehmen häufig wenigstens Keimfutter auf, so dass sie hierüber einige wichtige Nährstoffe erhalten.
Außerdem gehört Keimfutter zum sogenannten Weichfutter. Bei einigen Erkrankungen, z.B. bei Kropfentzündung oder Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts ist weiche und leichter verdauliche Kost als Krankenkost notwendig. Keimfutter liefert hier eine wertvolle Unterstützung.

Außerdem dient Keimfutter als Unterstützung bei der (Hobby-) Zucht. Keimfutter und Eifutter wirken brutstimulierend und liefern zusammen mit Obst, Grünfutter etc. wertvolle Nährstoffe, die den Brutvorgang und die Fütterung unterstützen. 
Wegen der Brutstimulanz sollten Halter, die nicht züchten wollen, Keimfutter nicht allzu häufig geben.

Man kann Keimfutter und Quellfutter übrigens sehr gut bestimmte Mittel (z.B. Vitaminpräparate, Kieselerde, Lactobazillen,...) hinzufügen, Pulverpräparate halten hier besser als auf trockenem Körnerfutter.
 
 

3. Welche Saaten eignen sich für die Herstellung von Keimfutter?

Nicht alle Saaten eignen sich für die Keimung. Ölhaltige Samen wie z.B. Leinsamen eignen sich nicht zum Keimen.
Geeignet sind z.B. 

  • Hirse
  • Weizen
  • Gerste
  • Kadjang-Bohnen (Mungbohnen)
  • Buchweizen
  • Milo
  • Dari
  • Kardi
  • Erbsen
  • Hafer
  • Sonnenblumenkerne


Im Handel gibt es inzwischen entsprechende leicht keimende Saaten-Mischungen für kleine Sittiche und Großsittiche / Papageien, so dass man die Saaten nicht selbst zusammenstellen muss. 

Man kann im Prinzip auch normales Körnerfutter keimen lassen, allerdings dauert dies oft etwas länger und hat nicht immer den gewünschten Erfolg. Allerdings kann man anhand des Keimvorgangs den sogenannten Keimtest machen. Je mehr Körner keimen, desto besser ist die Futterqualität. Es sollten mindestens 70% der Körner keimen, dann hat das Futter noch eine gute Qualität. Keimt weniger als die Hälfte ist die Futterqualität schlecht und man sollte frisches Futter oder eine andere Sorte besorgen.

Kaufen Sie kein fertig gekeimtes Futter in Gläsern. Dieses ist nicht frisch und außerdem mit Konservierungsstoffen versetzt und daher wenig empfehlenswert.
 
 

4. Wie lange dauert die Herstellung von Quellfutter und Keimfutter?

Es gibt keine genauen "Vorschriften", wie lange Quellfutter und Keimfutter eingeweicht werden müssen. Es gibt unterschiedliche Angaben, für Quellfutter z.B. 6-12 Stunden (ich lasse 12 Stunden einweichen), für Keimfutter 24-48 Stunden. Achten Sie darauf, dass die Keimlinge den Samen gerade durchbrechen und nicht zu lang werden. Zu lange Keime werden nach der Erfahrung vieler Züchter und Halter teilweise nicht mehr so gut angenommen. Ich hatte bisher nie Schwierigkeiten, auch wenn die Keime schon etwas länger (ca. 0,5 cm) waren.
 
 

5. Was muss beachtet werden?

1. Umkippen des Keimfutters / Schimmelbildung
Es gibt ein großes Problem bei Keimfutter, nämlich dass es leicht umkippt und schlecht wird oder anfängt zu schimmeln. Das passiert recht schnell, deshalb muss man das Keimfutter vor dem Verzehr gut prüfen. Riecht das Keimfutter schlecht? Dann muss es entsorgt werden. Ist bereits eine Schimmelbildung zu erkennen? Auch dann muss das Keimfutter umgehend entsorgt werden. Besonders leicht kippt das Keimfutter bei Wärme, also im Sommer um. Deshalb gebe ich inzwischen im Sommer, wenn überhaupt, nur noch Quellfutter, kein Keimfutter.
 
Übrigens sollte man die feinen Wurzelhärchen an den Samen nicht mit Schimmel verwechseln! Schimmel ist auffälliger, dichter und das Keimfutter riecht schlecht.

Auf dem Foto rechts sehen Sie eine Großaufnahme dieser Wurzelhärchen. Auf den ersten Blick sieht es aus der Entfernung besonders für den "Anfänger" in der Keimfutterherstellung oft wie Schimmel aus und nicht wenige Halter entsorgen dieses Keimfutter, weil sie glauben, dass es umgekippt ist. Es wird auf Dauer natürlich recht frustrierend, wenn das Keimfutter scheinbar nie gelingen will.

Keimfutter, Foto von den Wurzelhärchen der Samen

2. Haltbarkeit des Keimfutters
Keimfutter sollte nach wenigen Stunden wieder weggenommen werden, damit es nicht schlecht wird. Wird Keimfutter gerne gefressen ist es aber erfahrungsgemäß oft schon nach kurzer Zeit aufgefressen.
Manche Halter und Züchter versuchen die Haltbarkeit mit Vanodine V18, Lugolscher Lösung (beides Jod-Lösungen) oder anderen Mitteln, die Pilzsporen und Bakterien abtöten, zu verlängern. In dem Fall wird das Keimfutter einige Stunden lang gequollen und dann eins der oben geannten Mittel hinzugefügt. Am Ende nochmal mit Wasser gut durchspülen. Andere behandeln das trockene Keimfutter z.B. mit Monoprop vor. Von diesem stark riechenden chemischen Produkt halte ich persönlich nicht viel.
Wieviel diese Behandlung bringt muss man selbst ausprobieren. Meine Sittiche fressen das Keimfutter sofort auf, so dass ich mich um dieses Problem noch nicht kümmern musste.
 

3. Reinigung der Keimfuttergeräte
Die Keimfuttergeräte oder der Keimautomat müssen vor der Wiederverwendung sorgfältig gereinigt werden. Manche Züchter und Halter raten von dem Spülen mit Spülmittel ab, da chemische Rückstände zurückbleiben und ins Keimfutter gelangen könnten. Ob das wirklich so ist konnte ich noch nicht herausfinden. Ich weiche die Geräte in einem Wasser-Essig-Gemisch oder in ein Desinfektionsbad (Mischung aus Wasser und Vanodine-V18, einer desinfizierenden Jodverbindung, die unter anderem gegen Bakterien und Pilze wirkt) ein und bürste und spüle sie dann gründlich ab. Diese Maßnahme ist besonders dann notwendig, wenn das Keimfutter schlecht geworden ist, denn dann befinden sich Schimmelpilze in den Schalen, die abgetötet werden müssen.
 
 

6. Wie wird Keimfutter hergestellt?

Es gibt verschiedene Methoden Keimfutter herzustellen. Am bekanntesten sind die Siebmethode oder die Herstellung mittels Keimautomat. 
Hier werden diese beiden Methoden nochmal genauer beschrieben.
 
 

7. Probleme: Das Keimfutter wird immer schlecht?
Verschiedene Ursachen können dazu führen, dass das Keimfutter bei der Herstellung jedesmal umkippt (Zusammenfassung).
 
 

8. Weiterführende Links:
Quellfutter, Keime und Grünkräuter (APN, Achtung, neues Fenster öffnet sich)
 
 


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